Spielbericht: Neckarsulmer Sport-Union - 1. FC Kaiserslautern 0:7

Oh, Rot-Weiß-Rot…

Oh, Rot-Weiß-Rot…


Auch wenn die Neckarsulmer Sport-Union nur Verbandsliga spielt: Was die Macher gegen den 1. FC Kaiserslautern auf die Beine stellten, war erstklassig. Marky über einen Pokal-Nachmittag, bei dem es nur Gewinner gab.

- Fotogalerie: Spielszenen Neckarsulmer Sport-Union - 1. FC Kaiserslautern
- Fotogalerie: Fanfotos Neckarsulmer Sport-Union - 1. FC Kaiserslautern

Die Pokal-Partie Neckarsulmer Sport-Union gegen den 1. FC Kaiserslautern war schon abgepfiffen, als sich die wohl schönste Geschichte dieses hochsommerlichen Nachmittags abspielte. Die Spieler des Verbandsligisten befanden sich auf ihrer Ehrenrunde. Und nachdem sie sich bei ihren Familien, Freunden und Fans für die Unterstützung bedankt hatten, liefen sie schnurstracks in die prall gefüllte Lautrer Kurve. Um auch hier Danke zu sagen. Aus vollem Herzen. Für das wohl größte Erlebnis ihres Fußballer-Lebens. Der an diesem Samstag glänzend aufgelegte Lautrer Anhang ließ sich nicht zwei Mal bitten und feierte die dankbaren Amateure minutenlang. Eine tolle Geste von beiden Seiten. Dem FCK wird sie im Heilbronner Unterland wieder einige Sympathiepunkte einbringen.

Im Vorfeld hatte schon NSU-Trainer Timo Böttjer wiederholt die Schlachtenbummler aus der Pfalz hochleben lassen. Er wünschte sich von Ihnen sogar, dass sie ein Stückchen Betzenberg-Feeling mitbringen würden. Zuvor hatte schon NSU-Sportdirektor Marco Merz - wie im Vorbericht zum Spiel erwähnt - das Verhalten der FCK-Fans beim Relegations-Rückspiel im Fritz-Walter-Stadion geadelt. Solche Bilder vergesse kein Fußball-Fan mehr, sagte Merz „tief beeindruckt“. Es wird immer offensichtlicher, dass auch die Anhänger von diesen so identitätsstiftenden Momenten getragen werden. Lange hat man auf der A6 nicht mehr so viele Schals aus den Autos hängen sehen. Lange nicht mehr in so stolze und entspannte Gesichter schauen dürfen.

Über 4.000 FCK'ler machten sich auf den Weg ins Heilbronner Frankenstadion, in das die Neckarsulmer auswichen. Ein traditionsreicher Ground, auf dem schon seit fast 100 Jahren gespielt wird. In den 1970er-Jahren sahen im damals noch Städtischen Stadion bis zu 18.000 Zuschauer die Regionalliga-Begegnungen des VfR Heilbronn.1988 wurde der Bau des jetzigen Frankenstadions abgeschlossen. Der KSC hat hier schon mal ein Bundesliga-Spiel ausgetragen. Und jetzt Kaiserslautern.

Drei Wochen nahm die Organisation und Vorbereitung für den Pokal-Hit in Anspruch. Und, das wird jeder FCK-Fan bestätigen, die Arbeit der Helfer war exzellent: Unkompliziertes, kostenloses (!) Parken in unmittelbarer Stadionnähe, ein XXL-Getränkewagen vor dem Eingang, ein schneller Einlass - trotz der Massen. Rund 150 Polizisten, die kaum auffielen. Die emsige Feuerwehr, die für Abkühlung auf den Rängen sorgte, ein Bier- und (Feuer-)Wurststand (Block B), dem bis zum Schluss nicht das leckere Material ausging. Und sogar ein paar schattenspendende Bäume gab es in der parkähnlichen Stadion-Anlage.

9.283 Zuschauer meldeten am Ende die Kassierer für das ungleiche Kräftemessen zwischen dem ambitionierten Zweitligisten und dem klassenniedrigsten Verein im diesjährigen DFB-Pokal-Wettbewerb. Franco Foda ließ den am Zeh lädierten Senkrechtstarter Simon Zoller zunächst auf der Bank, der bislang so starke Finne Alexander Ring fuhr erst gar nicht mit. Dafür feierte Keeper David Hohs sein Pflichtspieldebüt, auch Neuzugang Ruben Jenssen, Dominique Heintz und Andrew Wooten waren in der Startelf. Beim System, 4-4-2, blieb alles beim Alten.

Die Neckarsulmer Sport-Union, die den Ausfall ihres Top-Torjägers Sinan Andic zu beklagen hatte, ging in den ersten Minuten resolut und respektlos in die Zweikämpfe, suchte das Heil natürlich in der Defensive. Jeder hielt seine Position und war voll konzentriert. Der FCK tat sich gegen das Abwehrbollwerk schwer. Das ersehnte frühe Tor fiel nicht. Positiv war, dass man trotzdem die Ruhe behielt und keinen Ball verloren gab. Für Überheblichkeit ist in dem Wettbewerb, der auch finanziell hoch lukrativ ist, kein Platz. Mit gefühlten 98% Ballbesitz machten die Lautrer das Spiel breit, beide Flügel - Marcel Gaus und Karim Matmour - wurden permanent auf die Reise geschickt. Auch die Außenverteidiger Florian Dick und der junge Heintz machten immer wieder beim Flankenspiel mit. Doch Neckarsulms Schlussmann Marcel Susser, vielleicht der Mann des Tages bei diesem Spiel, hielt seinen Kasten sauber. Mit einem Konter kam die NSU sogar nach rund 20 Minuten dem FCK-Tor gefährlich nahe. Beim darauffolgenden Freistoß, der gar nicht mal so weit daneben ging, hatten endlich auch die Balljungen hinter dem Tor von Hohs was zu tun. Wer weiß, hätte der Schiri nach einem Foul an Gaus in der 28. Minute nicht auf den Punkt gezeigt, wäre ein sensationelles 0:0 zur Pause nicht unwahrscheinlich gewesen. Mo Idrissou übernahm wie selbstverständlich die Verantwortung und erlöste Mannschaft, Trainer und Fans mit dem Führungstor. Danach war der Bann gebrochen und die Roten Teufel schossen und köpften sich auf Tormann Susser ein. Mit dem 2:0 durch den auffällig motivierten Gaus ging es in die Pause - auf dem Weg in die Kabinen gratulierte FCK-Stammtorhüter Tobias Sippel Susser für sein Klasse-Spiel.

Und im FCK-Fan-Block war Groß-Badetag: Der hitzeresistente Vorsänger Sascha Kempf gab den Bademeister. Er versorgte die Wasserratten in der Kurve mit Kübeln voller Wasser, den Rest besorgte die Feuerwehr. „Fritz-Walter-Wetter“-Gesänge hallten durch das Rund. Was für ein Spaß! Fast zwei Stunden schmetterte die lautstarke Kurve in Rot an diesem Sommer-Samstag Lied um Lied, auch Klassiker wie „Oh, Rot-Weiß-Rot, wir saufen bis zum Tod, wir holen den DFB-Pokal…“ standen natürlich auf der Playlist. Und als Matmour und Gaus in der zweiten Halbzeit auf 4:0 erhöht hatten und die tapferen NSU-Spieler von Wadenkrämpfen geplagt wurden, machte der FCK-Anhang die Welle. Im zweiten Versuch erfasste diese auch die Heilbronner Freunde. Spätestens jetzt war es ein Fußballfest. Auch für den eingewechselten Olivier Occean, dem seine zwei Tore sichtlich guttaten. Das war Balsam für die geschundene Torjäger-Seele. Ferner blitzte das Können eines weiteren Neuzugangs, Kevin Stöger, auf. Und schließlich war es Mo Idrissou vorbehalten, den Reigen mit dem 7:0 zu beenden.

Liebe Neckarsulmer, alles Gute für Euch, es war uns eine Freude!

Autor: Marky

Kommentare 73 Kommentare | Empfehlen Artikel weiter empfehlen | Drucken Artikel drucken