Im Blickpunkt: Trainerwechsel beim 1. FC Kaiserslautern

Norbert Meier: Solide Arbeit statt Revolution

Norbert Meier: Solide Arbeit statt Revolution

Foto: Imago/Hübner

Der 1. FC Kaiserslautern hat Norbert Meier zum neuen Cheftrainer gemacht. Damit holen sich die Roten Teufel keinen Revolutionär auf den Berg – aber einen Mann mit Erfahrung, der für solide Arbeit steht.

Es ist wohl das selbstverschuldete Schicksal des Norbert Meier, dass, wo auch immer er auftaucht, man nicht zuerst seine sportlichen Erfolge aufzählt, sondern nur an diesen einen Moment erinnert: Am 6. Dezember 2005 standen sich Meier, damals als Trainer beim MSV Duisburg tätig, und der Kölner Albert Streit gegenüber. Der MSV-Coach deutete eine Kopfnuss in Richtung des FC-Profis an und ließ sich danach selbst theatralisch fallen. Später, auf der Pressekonferenz, präsentierte er sogar noch ein Veilchen unter seinem Auge und beharrte darauf, dass nicht er, sondern Streit zur Tätlichkeit angesetzt habe – auch wenn die TV-Bilder längst anderes bewiesen hatten.

"Die Szene ist eine absolut lächerliche Geschichte. Ich habe sie noch lächerlicher gemacht", sagte der Coach Jahre später in einer von der Bild-Zeitung organisierten Aussprache mit Streit. Auch wenn Meier diesen Fauxpas wohl nie mehr richtig loswird – den gebürtigen Schleswig-Holsteiner nur auf diesen einen Moment zu reduzieren, würde ihm Unrecht tun.

Denn der heute 58-jährige Trainer hat einige Erfolge vorzuweisen. Viermal ist Meier mit seinen Mannschaften aufgestiegen: Den MSV Duisburg führte er 2005 in die Bundesliga, 2009 stieg er mit Fortuna Düsseldorf erst in die 2. Bundesliga und drei Jahre später sogar ins Oberhaus auf. Danach gelang ihm mit Arminia Bielefeld die Rückkehr in die Zweitklassigkeit (2015). Den damaligen Drittligisten führte er sogar bis in Halbfinale des DFB-Pokals.

Der erfahrenste Trainer seit Rehhagel

Nach Kaiserslautern bringt Meier somit etwas mit, was man in der Pfalz schon lange nicht mehr auf dem Trainerstuhl gesehen hatte: Geballte Erfahrung. Bei Amtsantritt wird er der nach Spielen (543) erfahrenste FCK-Trainer seit Otto Rehhagel (924) auf dem Betzenberg sein. Hinzu kommen 331 Bundesliga-Einsätze als Mittelfeldspieler für Werder Bremen (u.a. Deutscher Meister 1988) und Borussia Mönchengladbach sowie 16 Länderspiele für die Deutsche Nationalmannschaft.

Die ganz großen Namen haben in Meiers Trainer-Vita bislang allerdings noch keinen Eintrag gefunden – auch wenn ihm im Sommer 2013 angeblich ein unterschriftsreifer Vertrag von Besiktas Istanbul vorgelegen haben soll. Auch trat er bei keiner seiner Stationen eine Revolution los, erfand den Fußball sozusagen nicht neu. Stattdessen stand der Name Meier eher für klassische, solide Fußballarbeit. In Düsseldorf zum Beispiel, wo er mit Manager Wolf Werner zweimal eine Aufstiegsmannschaft formte und F95 von der 3. Liga bis in die Bundesliga führte, setzte Meier auf Mittel wie Aggressivität, Flügel- und Konterspiel und – wenn es sein muss – eben auch einmal die Brechstange. Am Niederrhein war Meier fünfeinhalb Jahre tätig, was im heutigen Fußballgeschäft eine außergewöhnlich lange Zeit ist.

Dabei feierte er aber nicht nur Erfolge, sondern lernte auch die anderen Seiten des Fußballs kennen: 2014 durchlebte er als frischgebackener Trainer von Arminia Bielefeld dramatische Tage: Erst rettete er sich mit dem DSC am letzten Spieltag durch einen 3:2-Sieg im Hexenkessel des direkten Konkurrenten Dynamo Dresden auf den Relegationsplatz. Wenige Tage später schien der Klassenerhalt im Relegationshinspiel gegen Darmstadt 98 fast eingetütet: 3:1 siegten die Ostwestfalen bei den Lilien – und stiegen durch ein 2:4 in der Verlängerung des mit "denkwürdig" noch zu soft beschriebenen Rückspiels doch noch ab.

Von Beginn an kein gutes Standing in Darmstadt

Immerhin gelang Meier mit Bielefeld die umjubelte Rückkehr in die zweite Liga und im vergangenen Sommer ziemlich souverän der Klassenerhalt (Platz 12, drei Punkte hinter dem FCK). Danach zog es ihn nach Darmstadt. Dort allerdings hielt sich der sportliche Erfolg in Grenzen.

Es habe von Anfang an nicht zusammengepasst, heißt es aus Darmstädter Kreisen. Aufgrund der Erfahrung aus der Relegation haftete Meier bei den Lilien-Fans von Beginn an ein gewisses Verlierer-Image an. Schließlich galt der Erfolg in der Relegation als Initialzündung für den Durchmarsch in die Bundesliga.

Negativ wirkte sich außerdem aus, dass Meier immer als Gespann mit Sportchef Holger Fach, einem Weggefährten aus Gladbacher Zeiten, gesehen wurde. Fach nämlich sparte nicht mit Wehklagen und Kritik an den Umständen und Bedingungen rund um die Lilien und verpasste es damit, den so wichtigen Zusammenhalt im Umfeld herzustellen.

Als dann auch noch der sportliche Erfolg ausblieb – unter anderem scheiterten die Südhessen im DFB-Pokal am Viertligisten Walldorf – standen die Zeichen bald auf Trennung. "Meier hat es nicht geschafft, der Mannschaft einen erfolgversprechenden Plan mit auf den Weg zu geben, es war keine Handschrift erkennbar", urteilt das Darmstädter Echo. Zweifel an der grundsätzlichen Bundesligatauglichkeit des Darmstädter Kaders dürfen in diesem Zusammenhang allerdings auch angebracht werden.

Kein Publikumsliebling – oder doch?

In jedem Fall drängt sich in Sachen Zusammenhalt der Vergleich zum FCK auf: Denn auch rund um den Betzenberg sind die Hoffnungen groß, die sportlichen Voraussetzungen – abgesehen vom Fritz-Walter-Stadion – dagegen (noch?) klein. Gelingt es Meier, das Umfeld hinter sich zu bringen und der Mannschaft eine erfolgreiche Spielweise einzuimpfen, könnte die Zusammenarbeit Früchte tragen. Allerdings: Ein Publikumsliebling oder gar Entertainer war Meier nie – und wird er wohl auch nicht mehr werden.

Seine etwas kauzige, bisweilen skurrile Art legte er nie ganz ab, was auch an manch unkonventionellen Maßnahmen lag: So soll er zum Beispiel in seiner Gladbacher Zeit, als die abstiegsbedrohten Fohlen beim ebenfalls um den Klassenerhalt kämpfenden KSC antraten, öffentlich und zur Überraschung der sportlichen Verantwortlichen erklärt haben, dass er im Falle einer Niederlage seinen Job verliere: Die Borussia gewann in Karlsruhe mit 5:2.

Öffentlichkeitswirksame Auftritte oder charismatische Appelle sind von dem Trainer mit den dicken Brillengläsern aber eher weniger zu erwarten. Interviews vermitteln nicht selten den Eindruck, dass ihm die Frage der öffentlichen Akzeptanz auch nicht unbedingt schert. Trotzdem kam und kommt er gut an. In Bielefeld widmeten Fans ihrem Coach und dessen bei Pressekonferenzen offenbar gewordener Leidenschaft für Käsebrötchen sogar eine eigene App.

Ob und wie gut Meier nun nach Kaiserslautern passt und auch bei den FCK-Fans Sympathien gewinnen kann, wird sich wohl erst nach einigen Wochen sagen lassen. Dass der ehemalige Bundesliga-Profi aber eher ein Verfechter von solider, handwerklicher Arbeit, statt taktischer Innovationen und großer Worte ist, kommt der gegenwärtigen sportlichen Situation der Roten Teufel wohl erst einmal entgegen – und dürfte auch auf den Tribünen wohlwollend wahrgenommen werden.

Autor: paulgeht

Weitere Links zum Thema:

- Norbert Meier wird wohl neuer FCK-Trainer (Der Betze brennt)
- Meier im Anflug: Trainervorstellung am Dienstag (Der Betze brennt)

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