Kummt Senf druff

Der Faktor Zeit

Der Faktor Zeit


Tayfun Korkut verlässt den FCK. Für den Traditionsklub aus der Pfalz wird der Trainerwechsel wieder etwas kosten, was er eigentlich nicht mehr hat: Zeit. In der Pflicht steht einmal mehr Uwe Stöver.

Es war eine echte Bombe, die am Dienstag auf dem Betzenberg platzte: Tayfun Korkut ist nicht mehr länger Trainer des 1. FC Kaiserslautern. Über die genauen Gründe für den Rückzug wird noch immer gerätselt. Waren es persönliche Motive? Die sportliche Perspektive? Ein Disput?

So wichtig eine Aufklärung eigentlich ist, und sei es nur um auszuschließen, dass sich die einzelnen Gremien und Akteure des FCK etwas vorzuwerfen hätten, muss sich der Blick schleunigst nach vorne richten. Denn den Roten Teufeln rennt die Zeit davon. Mal wieder. Der sportliche Neuanfang vom vergangenen Sommer droht zu scheitern.

Wer wird der Nachfolger?

Bis zum Trainingsstart am 3. Januar soll der neue Trainer gefunden sein. Sportdirektor Uwe Stöver erklärte bereits, dass es sich um einen engen Kandidatenkreis handle, mit dem sich der FCK in Verhandlungen befinde und aus dem der neue Trainer kommen werde.

Wie schon im Sommer müssen die Verantwortlichen den Spagat zwischen einer wirtschaftlich und sportlich vernünftigen, aber dabei auch erfolgsversprechenden und zeitnah realisierbaren Lösung finden. Denn die Situation des FCK ist nach 17 Spieltagen keineswegs rosig. Der ständige Blick nach unten sei nicht das vorgegebene Ziel der Lautrer, hatte Uwe Stöver nach dem Nürnberg-Spiel zwar betont. Dennoch könnten sich der FCK schneller im Abstiegssumpf wiederfinden, als ihm lieb ist.

Wollen die Pfälzer gegenüber der Konkurrenz keine Zeit verschenken, muss der Coach möglichst schnell feststehen, so dass eine reibungslose Vorbereitung stattfinden kann.

Eine Übergangsphase im Übergangsjahr?

Allerdings: Auch wenn ein neuer Trainer zum Trainingsauftakt da sein sollte, muss diesem eine gewisse Eingewöhnungszeit zugestanden werden. Die Mannschaft wird sich auf die Vorstellungen des neuen Coachs einlassen, dessen taktische Überlegungen aufnehmen und umsetzen müssen – und bekommt damit gleich wieder ein Alibi, sollte es in der Rückrunde ähnlich stockend weitergehen.

Je nach dem, mit welchen Vorstellungen der neue Trainer auf dem Betzenberg aufschlägt, werden einige Uhren auf "Null" gestellt. Bis alles Mechanismen dann greifen, wird es sicher einige Spieltage dauern. Nachdem in den ersten Worten nach dem Neuanfang relativ schnell die Erkenntnis reifte, dass der FCK eben doch nicht so schnell den Anschluss an die Spitzengruppe der zweiten Liga finden wird, hatte man eigentlich auf ein Übergangsjahr gehofft. Nun droht eine Übergangsphase im Übergangsjahr. Das Jahr selbst weitet sich vielleicht zu einer Spanne von 14, 16 oder 18 Monaten seit dem Juli 2016 aus. Viel Zeit für einen Klub, der auch aus wirtschaftlichen Zwängen lieber heute als morgen aufsteigen muss.

Auswirkungen wird der Trainerwechsel auch auf die personelle Situation und die Kaderplanung haben. Transfers waren eigentlich nicht vorgesehen, sagte Uwe Stöver – um einem potentiellen Kandidaten den Job schmackhaft zu machen, müssen Sportdirektor und Vorstand aber womöglich doch den einen oder anderen Neuzugang in Aussicht stellen.

Wie viele Fundamente will der FCK noch legen?

Dass es für den FCK in dieser Saison um den Aufstieg gehen könnte, hatte wohl auch angesichts der Konkurrenz wohl niemand erwartet. Die Ergebnisse zu Beginn der Saison brachten auch die letzten Optimisten dazu, an ein Aufbaujahr zu glauben (siehe oben). Korkut sollte mit der Mannschaft das Fundament legen, auf das aufgebaut werden kann.

Die Stabilisierung der Defensive galt nicht wenigen als ein erster Schritt in diese Richtung. Nun aber folgt wieder ein (Um-)Bruch, der dieses Fundament in Frage stellt. Nicht unwahrscheinlich, dass neue Idee und Ansätze eine Neuausrichtung des FCK-Fußballs zur Folge haben, wobei ein komplett einheitliches Vereinskonzept ohnehin nie so richtig dargelegt wurde. Bis sich dieses vielleicht mit dem neuen Trainer etabliert, wird einige Zeit ins Land gehen, auch weil die kurzfristigen Ziele, was wohl jetzt erst einmal wieder der Klassenerhalt sein dürfte, realisiert werden müssen.

Unter dem Strich bleibt damit stehen, dass die Uhren auf dem Betzenberg in diesen Tagen immer lauter tickern. Von Patronen und wie viele von ihnen noch da sind, muss man nicht anfangen zu sprechen. Doch gelingt dem FCK kein absoluter Glücksgriff auf dem Trainermarkt, drohen die letzten sechs Monaten zu schmerzlich verschenkter Zeit zu werden.

Der Einschnitt muss nicht radikal sein

Um das zu verhindern, muss Uwe Stöver nun liefern – einmal mehr. Abhängig von der Entscheidung, welchen Trainer der Sportdirektor nach Kaiserslautern lotst und für welchen Fußball er steht, kann der Neuanfang in der laufenden Saison kleiner und weniger radikal ausfallen.

Wichtige Maßstäbe könnten dabei zum Beispiel eine ähnliche Wertschätzung für junge, talentierte Spieler wie Robin Koch und Julian Pollersbeck sein, wodurch die wichtige Spielerausbildung und -förderung in Lautern fortgesetzt würde. Ob das dann auch mit einer gewissen Erfahrung zu vereinbaren wäre, die man sich der Pfalz auf dem Trainerstuhl dringend wünscht, ist zwar nicht ausgeschlossen, sie engt den Kreis der potentiellen Kandidaten aber ein.

Der erneute Einschnitt beim FCK ist besorgniserregend. Angesichts der tickenden Uhren ist klar: Je schneller eine Entscheidung feststeht, die sich als belastbar für die nächsten Monate, ja sogar Jahre erweist, umso besser ist es für den 1. FC Kaiserslautern.

Autor: paulgeht

Weitere Links zum Thema:

- Tayfun Korkut ist nicht mehr FCK-Trainer (Pressemeldung FCK)
- Sportdirektor Stöver sucht neuen FCK-Trainer (Der Betze brennt)

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