Im Blickpunkt: Der FCK vor dem Start der Restsaison

Operation am offenen Herzen

Operation am offenen Herzen

Foto: 1. FC Kaiserslautern

Die Transferphase ist beendet. Nur jeweils ein Zu- und Abgang stehen beim 1. FC Kaiserslautern zu Buche. Der Blick richtet sich sowieso in die Zukunft, macht aber zeitgleich auch klar: Es war ein Fehler, keinen neuen Sportdirektor zu verpflichten.

Die Zufahrt zum Betzenberg war gesperrt. Wer am Montag den Weg hoch zum Fritz-Walter-Stadion, der Heimstätte des 1. FC Kaiserslautern suchte, musste umkehren. Das Ordnungsamt hinderte Autofahrer auf der Straße hinter der Westkurve an der Weiterfahrt. Was wohl den Auswirkungen der Sturmböen, die zum Wochenanfang über die Pfalz fegten, geschuldet war, stand wenige Stunden vor Schließung des Transferfensters sinnbildlich.

Selbst wenn ein potentieller Neuzugang Bereitschaft signalisiert und die Roten Teufel gerne verstärkt hätte, die Zufahrt hoch zur Geschäftsstelle bliebe ihm versperrt. Der Aufsichtsrat schob schon vor Tagen allen Bemühungen auf dem Transfermarkt einen Riegel vor. Mit dem seit Sommer feststehenden Neuzugang aus Norwegen, Jon Dadi Bödvarsson, und dem Abgang von Erik Thommy stehen somit gerade einmal zwei Wechsel zu Buche – die wenigsten seit der Winterpause 1998/99, als der FCK gar keinen Spieler kaufte oder abgab.

Hätte sich Stefan Kuntz durchgesetzt, wäre im Januar 2016 mindestens ein dritter Transfer hinzugekommen. Die Geschichte ist bekannt: Der Aufsichtsrat lehnte aufgrund des finanziellen Risikos die Verpflichtung des Österreichers Emanuel Pogatetz ab, der stattdessen am Freitag mit seinem neuen Arbeitgeber Union Berlin auf dem Betzenberg gastieren wird. Aufgrund der davon ausgehenden Differenzen zwischen ihm und dem fünfköpfigen Kontrollgremium entschloss sich Kuntz zum Rückzug im Sommer und sorgte abseits der Kaderplanung für ausreichend Gesprächsstoff rund um den Verein.

Es rächt sich, dass der Posten des Sportdirektors nicht neu besetzt wurde

Trotzdem bleiben mit Blick auf den Neuanfang in der kommenden Saison 2016/17 einige Fragezeichen. Seit der Entlassung Markus Schupps sollte Stefan Kuntz wieder federführend die Kaderplanung übernehmen. Wer aber wird den Kader für den Sommer unter anderem mit dem jetzt im Winter eingesparten Geld zusammenstellen, wenn sich Kuntz spätestens zum 30. Juni verabschiedet?

Es rächt sich, dass der Posten des Sportdirektors nicht neu besetzt wurde um die langfristige Planung des Vereins auf mehrere Schultern zu verteilen. Die Operation am offenen Herzen des FCK fällt im ersten Halbjahr 2016 deutlich riskanter aus als sie müsste. Nicht nur, dass der Aufsichtsrat zwei weitere Vorstandsposten zu besetzen hat. Es gilt gleichzeitig aufzupassen, dass das Führungsvakuum zu keinen Nachteilen führt.

Das fast schon blinde Vertrauen des „alten Aufsichtsrats“ in die Person und das System Kuntz erweist sich als Bumerang. Man kann nur hoffen, dass der FCK sämtliche Neukoordinierungen auf allen Ebenen, von der NLZ-Leitung über die U23 bis hin zum Vorstand gut meistert.

Die Zeit drängt: Ein Kuntz-Nachfolger muss in die Planspiele eingebunden werden

Sollte der Aufsichtsrat in nächster Zeit einen Nachfolger für Stefan Kuntz präsentieren können, muss die betreffende Person sofort in die Planspiele eingebunden werden. Letztlich ist nicht auszuschließen, dass auch Stefan Kuntz schon zur neuen Saison ein Amt bei einem anderen Verein antritt. Daraus ergäben sich, unabhängig von der Ligazugehörigkeit, gewisse Interessenkonflikte.

Es ist keine einfache Aufgabe für den Aufsichtsrat. Und die Zeit drängt. Verträge müssen verlängert, Spieler verpflichtet und der Kader ganz allgemein verbessert werden. Und es droht im Sommer schon der nächste Verlust sportlicher Qualität: Schenkt man den kursierenden Gerüchten Glauben, stehen mit Marius Müller und Jean Zimmer die ersten Abgänge fest. Die Zufahrt zum Betzenberg sollte also bald wieder freigegeben werden: Für neues Personal. Auf der Geschäftsstelle und dem Rasen.

Autor: paulgeht

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