Reportage: Die Sage vom Landesbetrieb Fußball

Worüber sich Fans anderer Vereine gerne aufregen

Worüber sich Fans anderer Vereine gerne aufregen


Der 1. FC Kaiserslautern kann sich in den letzten Monaten über mangelndes Medien- und Fan-Interesse nicht beklagen. Leider haben die Berichte und Foreneinträge oft nicht nur mit den sportlichen Leistungen unseres Vereins zu tun, sondern auch mit der Finanzierung des Fritz-Walter Stadions und den Vorgängen beim Verkauf der Sportstätte an die Fritz-Walter-Stadion Kaiserslautern GmbH. Fast könnte man glauben, der 1. FC Kaiserslautern wurde durch die Landesregierung zum Landesbetrieb Fußball umbenannt - so zumindest die Meinung einiger Fußballfans.

Im Folgenden wird anhand einiger Beispiele dargestellt, dass die Finanzierung von Stadien durch die öffentliche Hand, sprich Bund, Land und Kommunen eher die Regel, denn die Ausnahme ist. Es gibt bei den Profi-Vereinen der 1. und 2. Bundesliga kaum einen Verein, der durch eigene Mittel sein Stadion finanziert oder gar erweitert.

Was sich im Wesentlichen jedoch zu den anderen Vereinen unterscheidet ist die Publizität dieser Förderungen. Der „große Vorsitzende mit dem C“ Jäggi hat einst die Pfälzer als provinziell tituliert. Auch wenn ihm eine gewisse Beratungsresistenz nachgesagt wird, in einer Beziehung hat er sich dem Pfälzer - aus seiner Sicht - sicherlich stark angenähert. Er handelte - und tut es immer noch - äußerst provinziell. Und zwar im gleichen Maße, wie die Landesregierung von Rheinland-Pfalz. Man babbelt halt gerne mal was daher. Getreu dem Motto „Wie kann ich wissen was ich denke, bevor ich höre was ich sage“ handeln immer wieder Personen denen man eigentlich ein gewisses Maß an Diplomatie unterstellen darf, Politiker und Vereinsbosse.

Das Fritz-Walter Stadion (der Betzenberg)


Bis zur Gründung der Stadiongesellschaft im Jahr 2003 befand sich das Stadion im Besitz des 1. FC Kaiserslautern. Im Gegensatz zu den meisten Profi-Vereinen wurde nicht auf kommunalem Rasen, für den man Miete zahlt, gespielt. Das Stadion wurde immer wieder ausgebaut und erneuert. Die Kapazität von mehr als 33.000 Zuschauern reichte für eine stets gute Atmosphäre und hatte bei Spielen gegen Barcelona und Bayern einen Legenden-Status.

Mit der Entscheidung, Kaiserslautern zu einem Austragungsort der WM 2006 zu machen kam, neben einer Reihe anderer Fehlentscheidungen im Verein, das finanzielle Desaster auf den Berg. Finanzpläne konnten nicht eingehalten werden, der Verein strauchelte dahin und war, nachdem mal wieder die Pläne der Kosten angehoben wurden, nicht mehr in der Lage, den Eigenanteil am Ausbau zu finanzieren. Politiker schalteten sich ein und das Stadion wurde an die zu diesem Zwecke neu gegründete Stadiongesellschaft verkauft, um eine Finanzkrise des 1. FC Kaiserslautern zu verhindern. Heute weiß man, dass mit dieser überhasteten Aktion die Probleme nur vertagt wurden.

Die Stadiongesellschaft, ausgestattet mit einem Stammkapital von (nur) 25.000 Euro, hat nach diversen Umschuldungen, heute ein Darlehen in Höhe von 65 Millionen Euro. Dieses Darlehen wird nicht getilgt sondern es werden lediglich Zinszahlungen geleistet. Der öffentlich nicht einsehbare Vertrag, der zwischen der Stadiongesellschaft und dem FCK besteht, hat eine festgeschriebene Mietzahlung in Höhe von 3,2 Millionen Euro pro Jahr zuzüglich der Instandhaltungskosten - ob bei sportlichem Erfolg (z.B. Teilnahme am Europacup) eine höhere Miete und einhergehend eine Tilgung fließt, ist nicht bekannt. Hier zeigt sich schon die Kurzsichtigkeit der damaligen Vertragspartner. Es wurde offensichtlich niemals davon ausgegangen, dass der Verein jemals in einer anderen als der 1. Bundesliga spielt und man hoffte wohl inbrünstig auf den internationalen Wettbewerb, der entsprechend viel Geld in die Kassen spült. Und das, obwohl der Verein zum Zeitpunkt der Verhandlungen mitten im Abstiegskampf steckte.

Wie dem auch sei, der Mietnachlass gegenüber dem FCK für die Saisons 2007/08 und 2008/09 hat für sehr viel Aufmerksamkeit in den Medien und der Fanszene gesorgt, als die Stadt Kaiserslautern dem Verein eine Reduzierung der Miete von jeweils 1,4 Millionen Euro gewährte. Wichtig an diesem Punkt ist sicherlich, dass für den Nachlass ein Besserungsschein vereinbart wurde, es sich also de-facto um eine Stundung handelt und der Verein weitere Vermögenswerte auf die Gesellschaft überträgt. Um welche Vermögenswerte es sich dabei handelt, ist bislang unklar. Dieser Mietnachlass galt nur für die Saison 2007/2008, muss also für die kommende Saison neu verhandelt werden.

Da es in der Politik oftmals Hilfen für mittelständische Unternehmen gibt, die ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor für die Land und die Kommune sind - gemeint ist das Unternehmen als Steuerzahler - sollte es nicht unerwähnt bleiben, dass der 1. FC Kaiserslautern laut dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz in den vergangenen 16 Jahren 176 Millionen Euro Steuern gezahlt hat. Laut dem Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, waren es in 15 Jahren mehr als 150 Millionen. Die Subventionspolitik aller öffentlichen Haushalte hat schon mehr Geld für Unternehmen ausgegeben, die weitaus weniger Steuern gezahlt haben und längst nicht mehr existieren.

Soweit die bekannten Fakten zum Stadion in Kaiserslautern. Klar ist, dass sich jeder Steuerzahler darüber aufregt, dass sein hart erarbeitetes Geld in einen Profi-Verein fließt. Bedauerlich ist nur, dass die meisten Fans sich nicht die Mühe machen, einmal vor der eigenen Tür zu kehren.

- Beteiligungsbericht 2007 Fritz-Walter-Stadion Kaiserslautern GmbH
- Schieflage nicht in 5 Jahren zu bewältigen - Artikel vom 1. Mai 2008
- Kurt Beck zum 1. FC Kaiserslautern - Artikel FAZ 9. Juni 2008

Mainz - Bruchwegstadion


Natürlich mögen sich die Pfälzer und die Mainzer nicht. Gerade deshalb gibt es für die Mainzer nichts Besseres, als auf die Lauterer zu zeigen und sich zu muckieren, das dort öffentliche Gelder hin fließen. Nun ja, so ganz ohne finanzielle Hilfe sind auch die Mainzer nicht zu ihrem DFL-tauglichen Stadion gekommen. Es wurde halt nicht überall in der Presse erwähnt, auch wenn derzeit über das neue Stadion einiges zu lesen ist.

Fest steht allerdings auch, dass aus Landesmitteln seit 1993 mindestens 10,5 Millionen Euro an Zuschüssen geflossen sind (Stand: 29. Juni 2006). Angaben des Bund der Steuerzahler aus dem Jahr 2007 sprechen sogar von 13,5 Millionen Euro. Brisanz erhält das Thema derzeit durch den geplanten Stadionneubau. Die Fördermaßnahmen des Landes bedürfen einer Bindungsfrist von 25 Jahren an den Standort der Förderung. Das bedeutet, dass Mainz 05 im Falle eines Umzugs in ein neues Stadion über die Rückzahlung bzw. Verrechnung der Förderung mit dem Land verhandeln müsste.

Weiterhin ist es interessant zu beobachten, wie sich derzeit die Finanzierung des neuen Stadions entwickelt. Die ADD (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz) hat der Stadt Mainz aufgrund ihres Verschuldungsgrades (ca. eine Milliarde Euro) Auflagen für zusätzliche Kreditaufnahmen gemacht. Das Land denkt in diesem Zusammenhang über eine Unterstützung für das neue Stadion durch den so genannten Landeshauptstadtansatz (eine finanzielle, projektbezogene Leistung) nach. Es bleibt also spannend, wie sich die Mainzer und ihr Stadion in Zukunft finanzieren.

- Kleine Anfrage Dr. Peter Schmitz (FDP) vom 29. Juni 2006
- Stadionneubau Mainz - Bund der Steuerzahler RLP - 9. März 2007

Koblenz - Stadion Oberwerth


Als weiterer Wettbewerber der öffentlichen Mittel in Rheinland-Pfalz sollte auch die TuS Koblenz nicht ganz unerwähnt bleiben. Das Stadion Oberwerth ist ein kommunales Stadion, es gehört also der Stadt Koblenz. Um die Auflagen der DFL zu erfüllen, sind sowohl Landeszuschüsse als auch städtische Investitionen bislang geflossen und werden wohl auch zukünftig fließen. So wurden in der Saison 2006/07 wohl 1,2 Millionen Euro vom Land und 5,4 Millionen Euro von der Stadt investiert.

Bis Ende 2007 wurden zusätzlich noch einmal 8,3 Millionen Euro der Stadt in das Stadion gesteckt werden, unabhängig von einem geplanten Neubau. Wie hoch das Investitionsvolumen für diesen Neubau seitens der Kommune und des Landes sein werden, lässt sich heute noch nicht absehen. Ebenso wenig lässt sich nachvollziehen, wie viel Miete die TuS Koblenz an die Stadt bezahlt.

Am 20. Mai 2008 meldete der SWR, dass vom Land Rheinland-Pfalz im Stadion Oberwerth Werbung für die Bundesgartenschau in Koblenz betrieben werden soll - als „Hilfe zur Finanzierung der neuen Saison“ für die TuS Koblenz. Hierfür sollen 1,5 Millionen Euro investiert werden.

- Stadion Oberwerth - Informationen zum Stadion und Investitionen
- Koblenz - Haushalt 2008 - von ADD abgewiesen - 16. Mai 2008
- Pressemeldung Koblenz - 11. Mai 2007
- Besucherzahlen-Entwicklung Stadion Oberwerth bis 2006 - Siehe Seite 15
- Pressemeldung SPD Landtagsfraktion - 22. Juni 2006
- TuS Koblenz erhält Hilfe vom Land - SWR - 20. Mai 2008

St. Pauli - Millerntorstadion


Der FC St. Pauli gilt als der Kult-Verein bei dem keiner auf den Gedanken käme, dass auch hier öffentliche Mittel beim Umbau des Millerntortadions zum Tragen kämen. Für den Stadtstaat Hamburg eine große Herausforderung, zwei Profi-Klubs im Staat zu haben.

So wurden für den ersten Bauabschnitt in der Bürgerschaft 5,5 Millionen Euro bewilligt. Die geplanten Gesamtkosten belaufen sich für diesen Abschnitt auf 12,5 Millionen Euro.

- Antrag Haushaltsplan 2006 - Bürgerschaft Hamburg - 17. Oktober 2006

Jena - Enst-Abbe-Sportfeld


Im Rahmen des Spiels gegen den FC Carl Zeiss Jena wurden in den Foren des Vereins mal wieder die üblichen Sagen und Märchen aufgetischt. Insbesondere der Lautrer Mietnachlass war Thema der Diskussion.

In diesem Zusammenhang sind sicherlich die Investitionen von Bund, Land und Stadt Jena aus dem Jahre 1997 interessant, da es sich bei dem Ernst-Abbe-Sportfeld um eine kommunale Einrichtung handelt, die auch dem Schulsport zu Gute kommt. Damals wurden insgesamt (in Euro umgerechnet) knapp 6,4 Millionen Euro an Zuschüssen gewährt. Davon trug der Bund 891.738 Euro, das Land Thüringen 2.151.004 Euro und die Stadt Jena 3.315.232 Euro.

Daneben ist festzustellen, dass im Juli 2002 der FC Carl Zeiss Jena einen Antrag auf Mietnachlass bei der Stadt Jena gestellt hat, da er ansonsten insolvent sei. Die offene Summe in Höhe von 50.740 Euro wurde dem Verein durch die Stadt als Zuschuss gewährt.

Auch wenn die Dimensionen voneinander abweichen, so bleibt festzustellen, dass genau die Argumentation, die gerne gegen den 1. FC Kaiserslautern verwendet wird und als Kungelei mit der DFL bzw. früher dem DFB angesehen wird, bei diesem Verein ebenfalls zum Ansatz kam. Zur Abwendung der Insolvenz wurde mit einem Gläubiger über eine entsprechende Anpassung seiner Forderungen gesprochen.

- Amtsblatt Jena 17/97 - 2. Mai 1997
- Amtsblatt Jena 39/02 - 17. Oktober 2002

Stuttgart - Gottlieb-Daimler-Stadion (Mercedes-Benz-Arena)


Nach dem vermeintlichen kleinen Stadion in Jena, zu einer anderen WM-Arena, dem Gottlieb-Daimler-Stadion in Stuttgart. Für die WM gerade mit ca. 38 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln (Land und Stadt) umgebaut, wurde im Mai 2008 der Weg für den Umbau zu einem multifunktionalen Fußballstadion durch den Gemeinderat Stuttgart freigemacht. Die Stadt bürgt bei dem Umbau für 46,5 Millionen Euro.

Wie weit das Land bei diesem Projekt eine Rolle spielt, wird die nahe Zukunft zeigen. Gerade in Baden-Württemberg werden die Stadien der Bundesliga-Vereine als so genannte Stadien mit überregionaler Bedeutung besonders gefördert. Hierzu wurden entsprechend Haushaltspositionen bereitgestellt. So wurden in den Zeiträumen vor 2001 folgende Zuschüsse (in Euro umgerechnet) gewährt:

- Gottlieb-Daimler-Stadion Stuttgart (1992) = 12.782.297,03 Euro
- Wildparkstadion Karlsruhe (1988-1992) = 6.288.890,14 Euro
- Dreisamstadion Freiburg (1993 - 2000) = 8.438.872,50 Euro
- Carl-Benz Stadion Mannheim (1989 - 1992) = 7.158.086,34 Euro

Aus einer Diskussion über den Um-, Aus- und Neubau des Wildparkstadions in Karlsruhe, welcher derzeit wohl auf Eis liegt, ist erkennbar, dass die Stadt Karlsruhe für den Neubau einen Zuschuss in Höhe von 30 Millionen Euro und das Land einen Zuschuss in Höhe von 11 Millionen Euro bewilligt hat. Auch hier wird man sehen, ob und in welchen Umfang die tatsächlichen Leistungen umgesetzt werden, wenn das Stadion dann endgültig gebaut wird.

- Gemeinderat Stuttgart stimmt Umbau und Umbenennung zu - 8. Mai 2008
- Mercedes zahlt 20 Millionen Euro für Namensrechte - 31. März 2008
- Anfrage und Stellungnahme Landtag Baden-Württemberg - 7. August 2001
- Niederschrift 44. Plenarsitzung Gemeinderat KA, 13. November 2007

Andere Stadien


Die Recherchen zu den verschiedenen Stadien und deren Finanzierungshintergrund ist zum Teil recht aufwändig. Nachfolgend werden noch einige der bekannten Stadien aufgelistet und dabei die Finanzierungsaufwände für die Umbaumaßnahmen, sowie die Mittelherkunft versucht zu beschreiben. Manchmal scheitert dieses Unterfangen schon in den Informationssystemen des Landes bzw. der Städte. Da wird der Haushalt nicht immer veröffentlicht. Den Bürgern der jeweiligen Stadt ist der Haushalt jedoch offen zu legen. Ein jeder, der sich dafür interessiert, kann mal in seinem Rathaus danach fragen. Die angespannten und zugleich ungläubigen Gesichter bitte fotografieren. Es wäre ein neuer Wettbewerb.

Köln, RheinEnergieStadion


Das RheinEnergieStadion befindet sich im Besitz der Kölner Sportstätten GmbH. Einziger Gesellschafter ist die Stadt Köln. In der Bilanz dieser Gesellschaft findet sich folgender recht eindeutige Satz:

„Die Gesellschaft ist auch weiterhin auf die Zuzahlung ihrer Gesellschafterin angewiesen, um liquide zu bleiben. Ohne Stützung durch die Gesellschafterin ist die Gesellschaft nicht lebensfähig.“

Das bedeutet soviel, dass die Stadt Köln auch weiterhin in die GmbH „nachschießen“ muss, um nicht insolvent zu gehen - Parallelen zur Fritz-Walter-Stadion GmbH.

Der Umbau des ehemaligen „Müngersdorfer Stadions“ zum heutigen RheinEnergieStadion hat insgesamt 117 Millionen Euro verschlungen. Interessant ist, dass die Stadt Köln offiziell lediglich 25,7 Millionen Euro beigetragen hat .Der Rest ist über die Kölner Sportstätten GmbH abgewickelt worden. In Kenntnis des Besitzverhältnisses wird jedoch deutlich, dass auch hier die Stadt hinter dem Investment steht. Richtig interessant wird es, wenn das Namensrecht auch noch zum Tragen kommt. Hinter dem Namen „Rhein-Energie AG“ verbirgt sich wiederum eine Beteiligung der Stadt Köln mit 80% über die GEW Köln AG. Das Namensrecht bringt jährlich ca. 2,1 Millionen Euro.

Frankfurt, Commerzbank-Arena


Das ehemalige Waldstadion wurde für die WM 2006 neu erbaut. Die Kosten beliefen sich auf ca. 188 Millionen Euro. Das Stadion ist heute im Besitz der Sportpark Stadion Frankfurt am Main Gesellschaft für Projektentwicklung mbH. Diese Gesellschaft hat natürlich auch nur die Stadt Frankfurt als Gesellschafter. Die Kosten für den Neubau des Stadions teilten sich wie folgt auf:

- Land Hessen = 20,5 Millionen Euro
- Betreibergesellschaft = 41,5 Millionen Euro
- Stadt Frankfurt = 65 Millionen
- Rest = Fremdfinanziert

Das Namensrecht gehört bis zum Jahr 2015 der Commerzbank die dafür ca. 3 Millionen Euro pro Jahr bezahlt. Laut Bilanz der Eintracht Frankfurt Fußball AG beträgt das Nutzungsentgelt für die erste Liga 18% der Ticketeinnahmen (zweite Liga: 10%) und 30% der stadiongebundenen Vermarktungserlöse. Daneben gehen natürlich auch entsprechende Prozentsätze an SportFive als Exklusivvermarkter. (Quelle: Bilanz Eintracht Frankfurt Fußball AG - 2006).

Gelsenkirchen, Veltins-Arena


Bei der Veltins-Arena handelt es sich, so schreiben alle Medien, um ein Stadion das nur durch Privatkredite finanziert wurde. Soweit sind sich die Medien - und auch die Fans - einig. Die Veltings-Arena befindet sich im Besitz der FC Schalke 04-Stadion-Beteiliungs-GmbH & Co. Immobilienverwaltungs KG. Ein Blick in die Bilanz 2006 zeichnet ein etwas anderes Bild. Insgesamt belaufen sich die Kapitalanteile auf 40 Millionen Euro. Der FC Schalke 04 e.V. besitzt eine Beteiligung in Höhe von 23,146 Millionen Euro (57,875%). Aufgrund eines Urteils über die Anhebung der Kosten für die Baugenehmigung hat sich die stille Beteiligung der Stadt Gelsenkirchen auf 10,214 Millionen Euro erhöht (25,525%). Die Beteiligungs-GmbH hat wohl die gesamten Kredite geschultert. Wesentlich ist jedoch, dass das Land Nordrhein-Westfalen eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 80% stellt. Hier zeigt der Abschnitt Sicherheiten weitere interessante Details.

Also hat das Land und die Stadt nicht direkt in das Stadion investiert, jedoch hat sich die Stadt mit einer stillen Beteiligung immerhin 10 Millionen Euro an der Gesellschaft beteiligt.

Dortmund, Signal-Iduna Park


Das ehemalige Westfalenstadion in Dortmund ist heute im Besitz BVB Stadion GmbH. Die Gesellschaft besteht aus den Gesellschaftern goool.de sportswear GmbH (94,90%) und der BVB Beteiligungs GmbH (5,10%).

Die Umbaukosten für die WM 2006 wurde durch Kreditaufnahme realisiert. Bis zum Jahr 1995 befand sich das Westfalenstadion im Besitz der Stadt Dortmund. Hier zahlte Borussia Dortmund 10% der Einnahmen als Pacht. 1995 kaufte der Verein zunächst das Stadion und schloss für das Grundstück einen Erbpachtvertrag. Im Jahr 2002 wurde dann das Stadion Grundstück sowie weitere 37.000 m² für 12,8 Millionen Euro von der Stadt gekauft.

Abgesehen von den wechselnden Besitzverhältnissen während der Finanzkrise des BVB sind keine Auffälligkeiten bei Finanzierungen aus öffentlichen Mitteln heute zu sehen.

Natürlich wurden, während das Stadion noch im Besitz der Stadt war, der Bau und die Erweiterungen durch die Stadt finanziert. Durch die Pachtzahlungen und Abgaben wurde jedoch, wenn man den Informationen glauben darf, ein Großteil des Sporthaushalts der Stadt Dortmund finanziert. Hier wurde wohl erfolgreich gewirtschaftet.

- Geschichte Westfalenstadion
- 30 Jahre Westfalenstadion - Teil 2 - 2004

Mönchengladbach, Stadion im Borussia-Park


Das im Jahr 2004 in Betrieb gegangene neue Stadion im Borussia-Park Mönchengladbach befindet sich im Besitz der Borussia VfL 1900 Mönchengladbach GmbH.

Das Stadion wurde komplett neu errichtet und laut eigenen Angaben wie folgt finanziert:

- Eigenmittel: 7,65 Millionen
- Darlehen Stadt Mönchengladbach: 35,8 Millionen
- Bankdarlehen: 43,45 Millionen. von einem Bankenkonsortium, bestehend aus der SEB Bank (Konsortionalführerin), Stadtsparkasse Mönchengladbach und Deutsche Kreditbank Berlin (zu 80% abgesichert durch eine Bürgschaft des Landes NRW)

Die Gesamtkosten betrugen 86,9 Millionen Euro und unterteilten sich in 76,7 Millionen Euro für den Bau und die Baunebenkosten, sowie 10,2 Millionen Euro für die Grundstückskosten inklusive der Erschließung.

Das alte Stadion am Bökelberg wurde 2006 abgerissen. In welchem Umfang hierfür früher Zuschüsse der Stadt gewährt wurden, lässt sich mit angemessenem Aufwand nicht ermitteln.

- Stadion im Borussia-Park - Stadionzahlen

Hamburg, HSH Nordbank Arena


Die HSH Nordbank Arena befindet sich im Besitz der HSV-Stadion HSV-Vermögensverwaltungs GmbH & Co. KG.
Das Stadion war bis zum Jahr 1998 im Besitz der Stadt Hamburg. In den Jahren 1991 bis 1998 investierte die Stadt rund 10,5 Millionen Euro in den Erhalt des Stadions. Nachdem der Beschluss der Stadt für den Umbau gefallen war, wechselte das Stadion zum symbolischen Wert von einer DM an die neu gegründete Betreibergesellschaft inklusive dem Grundstück. Für den Umbau wurden von der Stadt noch einmal 10,5 Millionen Euro an Zuschüssen gewährt. Soweit die öffentlich sichtbaren Investitionen.

Die Investorengruppe für den Umbau des Stadions waren die Deuteron Holding GmbH & Co. KG (20%) sowie eine Investorengesellschaft aus dem HSV und der (damaligen) UFA Sports GmbH (Bertelsmann - heute Sportfive) mit 80%.

Seit der Saison 2007/2008 hat das Stadion einen neuen Namensgeber. Die bisherige AOL-Arena wurde im Juli 2007 zur HSH Nordbank Arena.

Hinter der HSH Nordbank verbergen sich, neben sieben Investorengruppen die gemeinsam 26,61% der Stimmrechtsanteile besitzen, der Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein mit 18,05% (Anstalt des öffentlichen Rechts), das Land Schleswig-Holstein mit 19,96% und die Freie- und Hansestadt Hamburg mit 35,38%. Für das Namensrecht bis 2013 zahlt die Bank, die sich überwiegend in öffentlichen Besitz befindet, pro Jahr 4,5 Millionen Euro.

- Umbau des Volksparkstadions und Bau einer Mehrzweckhalle einschließlich Mantelbebauung im Volkspark-Altona - 19.5.2998
- Ohne Finanzierung mit dem Abriss begonnen - Hamburger Abendblatt - 2. Juni 2008

Bremen, Weserstadion


Das Weserstadion in Bremen befindet sich im Besitz der Bremer Weser-Stadion GmbH. In vielen Quellen ist zu lesen, dass das Stadion dem Verein Werder Bremen gehört. Diese Informationen sind wohl grundsätzlich falsch. Während eines Untersuchungsausschusses „Bau und Immobilien“ aus dem Jahr 2003 werden die Einzelheiten des Stadions geklärt.

Das Stadion war ursprünglich im Besitz der Stadt Bremen. Seit 1930 war der SV Werder Bremen Generalpächter. Es wurde mehrfach durch Investitionen der Stadt Bremen modernisiert. So wurde beispielsweise im Jahre 1978, als Werder Bremen der Lizenzentzug drohte, seitens der Stadt die Nordtribüne und die Flutlichtanlage komplett umgebaut. Die Investition betrug damals 13 Millionen DM (6,647 Millionen Euro). 1988 wurde die Westkurve für 15 Millionen DM (7,670 Millionen Euro) und 1990/1991 die Südtribüne für ca. 30 Millionen DM (15,339 Millionen Euro) umgebaut bzw. erweitert.

Am 8. März 1990 wurde die Bremer Sport und Freizeit GmbH (BSF) als Bereibergesellschaft gegründet. Sie war, wie auch in Kaiserslautern, eine 100% Tochter der Stadtgemeinde Bremen.

Seit dem 25. April 2001 firmiert die Bremer Sport und Freizeit GmbH unter dem Namen Bremer Weser-Stadion GmbH. Hier sind die Stadt Bremen über ihre 100%-Tochter HVG - Hanseatische Veranstaltungs-GmbH und der SV Werder Bremen mit je 50% beteiligt.

Die derzeit geplanten Umbaumaßnahmen in Bremen sind immer wieder aufgrund der Kosten verschoben und verändert worden. Derzeit soll das Stadion in einer „kleinen“ Version umgebaut werden, da aufgrund der gestiegenen Stahlpreise der geplante Ausbau auf 50.000 Plätze zu teuer geworden wäre.
- Abschlussbericht - Untersuchungsausschuss "Bau undd Immobilie" - Bremen - 11.3.2003 - Seite 185ff
- Beteiligungsbericht Bremen - 2004/2005 - Seite 124ff

Zusammenfassung


Die oben genannten Beispiele sollen veranschaulichen, dass nahezu jedes Stadion in Deutschland aus der öffentlichen Hand gefördert wird oder wurde. Selbst die so oft gepriesene Allianz-Arena in München, die immer wieder als Beispiel der reinen privat Finanzierung genannt wird, wurde nur möglich, da die Stadt München und das Land Bayern, je nach Quelle, zwischen 200 und 300 Millionen Euro für die Infrastruktur und die Erschließung aufgebracht haben. Gerade die Infrastrukturkosten bei Stadien werde gerne bei den Kosten vernachlässigt, wenn es um die Beteiligung der öffentlichen Hand geht.

Nachfolgend drei sehr interessante Links, die ein wenig Licht in das Dunkel der verschiedenen Stadien in Deutschland bringen:
- Was kostet die WM - Fuldaer Zeitung - 2. Juli 2005
- Artikel Berliner Zeitung - WM Kosten 2006 - 24. Juni 2005
- Pro-VfB-Stadion.de - Auflistung einiger deutscher Stadien mit deren Kosten

Daneben sind, in den Informationen der oben genannten Stadien und auch grundsätzlich Informationen aus den Geschäftsberichten und Bilanzen der Betreibergesellschaften entnommen. Da alle Kapitalgesellschaften seit dem 1. Januar 2007 ihre Bilanzen elektronisch veröffentlichen müssen - so langsam setzt es sich durch - wurde der bisherige Bundesanzeiger zum elektronischen Bundesanzeiger erweitert. Die URL lautet

- Elektronischer Bundesanzeiger

Da diese Website allerdings mit der Internet-Technologie der Session-IDs arbeitet, lassen sich die Bilanzen nicht direkt verlinken. Um eine Bilanz zu betrachten, sollte in dem Suchfeld ein möglichst sinnvoller Begriff eingegeben werden. Leider sucht diese Website auch nach Texten innerhalb der Bilanzen, was manchmal zu recht umfangreichen Ergebnislisten führt. Auch die erweiterte Suchfunktion hat dieses Problem. Aber mit ein bisschen Übung kommt man schon an die Informationen die man sucht.

Finanzierungsmodelle und deren Umsetzung


An der Universität Hannover wurde im September 2007 ein sehr interessantes Diskussionspapier erstellt, das sich mit der Finanzierung von Sportarenen auseinander setzt. Dort wird, entsprechend dem Tenor dieses Artikels, auch die eine oder andere Finanzierung der öffentlichen Hand aufgeführt. So werden das RheinEnergieStadion in Köln oder die AWD-Arena in Hannover näher betrachtet.

Das Diskussionspapier setzt sich intensiv mit der Finanzierung durch die Länder und Gemeinden auseinander und zeigt, welche Risiken aber auch Chancen durch diese Verbindungen bestehen.

- Die Finanzierung von Sportarenen - Optionen für große und mittelgroße Objekte - September 2007

Daneben hatte ich noch folgende Informationen als recht interessante Unterlagen gefunden, die einen besseren Einblick in die Thematik der Stadionfinanzierung liefern:

- Google-Books - Die Sportbranche: Wachstum, Wettbewerb, Wirtschaftlichkeit
- Recherchehilfe - WM Kosten - Beispiele und Informationen
- Leseprobe Sportstättenreport - Sponsors.de
- Wirtschaftliche Auswirkungen öffentlich finanzierter Stadionprojekte - August 1999
- Cross-Border-Leasing - Ein neuer Ansatz zur Stadionfinanzierung - Oktober 2004

Fazit


Der normale Fan setzt sich im Regelfall nicht mit den Bilanzen der Stadionbetreiber und den Tricks der Politiker auseinander. Deshalb wird der 1. FC Kaiserslautern wohl immer als ein Schmarotzer der öffentlichen Hand angesehen werden. Das ist umso bedauerlicher, da es genügend Beispiele in Deutschland gibt, in denen exakt so verfahren wird wie in Kaiserslautern. Der einzige Unterschied besteht darin, dass

a) dilettantische Verträge ausgearbeitet wurden
b) Politiker undiplomatische Äußerungen von sich geben
c) die Medien lieber auf einen vermeintlichen Kanzlerkandidat achten wenn er im Fußballstadion ist, als sich einmal wirklich mit der Materie zu beschäftigen

Das Geflecht aus Stadionfinanzierung eines Profi-Vereins, öffentlichen Geldmitteln und Medien wird nicht mit der entsprechenden Objektivität betrachtet. Als Fan darf ich meinen Verein in jeder Hinsicht unterstützen und werde immer etwas Schlechtes am Gegner finden. Als Mensch werde ich nach dem Spiel aber auch immer versuchen, mich so objektiv wie möglich mit dem Gegner auseinander zu setzen. Nichts anderes erwarte ich vom gegnerischen Fan, wenn er ein wenig Hirn besitzt.

Der 1. FC Kaiserslautern war und ist (leider immer noch) ein Spielball der Politiker in Rheinland-Pfalz und wurde, genauso wie die Stadt Kaiserslautern bei der Gründung und dem Vertragswerk für das Fritz-Walter Stadion überhaupt nicht oder falsch beraten. Anders sind die grundlegenden Fehler in dem Konstrukt der Fritz-Walter-Stadion Kaiserslautern GmbH und dem Vertrag mit dem FCK nicht zu erklären. Unter Umständen waren es genau diese Fehler, die durch die ADD und dem Gutachten damals reklamiert wurden.

(Der Artikel wurde verfasst von Gastautor Jochen Grotepaß - leidenschaftlicher FCK-Fan und "not amused" über die Gerüchte, die rund um das Fritz-Walter-Stadion kursieren.)

Autor: JochenG

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