Fragen, Antworten und Anekdoten zur Geschichte des FCK.

Beitragvon mitschinho18 » 24.09.2020, 12:00


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Tobias Sippel beim FCK-Heimspiel gegen Bayern 2010; Foto: Imago Images

Interview des Monats: Ex-FCK-Keeper Tobias Sippel, Teil 1/2
"Die Zeit beim FCK war einfach mega"

Zehn Jahre ist es nun schon her, dass der 1. FC Kaiserslautern in die Bundesliga zurückkehrte und dort einige Ausrufezeichen setzte: 2:0 gegen Bayern, 3:3 nach 0:3 gegen Stuttgart, 5:0 gegen Schalke. Im Interview mit DBB-Gastautor Matthias erinnert sich der damalige Publikumsliebling Tobias Sippel an eine geile Zeit.

Der Betze brennt: Tobias Sippel, vor knapp zehn Jahren startetet ihr als Aufsteiger und als gehandelter Abstiegskandidat grandios in die neue Saison, Die ersten beiden Pflichtspiele in der Liga gegen den 1. FC Köln (3:1; Anm. d. Red.) und gegen den amtierenden Deutschen Meister Bayern München (2:0 im Fritz-Walter Stadion; Anm. d. Red.) wurden gleich mal gewonnen. Du warst mittendrin statt nur dabei und hast alles hautnah miterlebt. Was war das damals für ein Gefühl, nach dem Aufstieg und der Meisterschaft in der 2. Bundesliga, so perfekt in die neue Saison zu starten? Diesen Start hatte euch keiner zugetraut. Vor allem der 2:0-Sieg gegen die Bayern vor ausverkauftem Haus am Freitagabend bei Flutlicht-Atmosphäre dürfte in Erinnerung geblieben sein, oder?

Tobias Sippel (32): Stimmt, das alles ist schon wieder zehn Jahre her. Die Saison zuvor mit dem Aufstieg war herausragend, da hat einfach alles gepasst - es war quasi eine Art "Selbstläufer", wir haben mit einem super Trainer (Marco Kurz; Anm. d. Red.) gearbeitet, der genau wusste, an welchen Stellschrauben er drehen musste. Und das Ganze - die Euphorie, gute Stimmung, super Kameradschaft und so weiter - hat sich dann einfach auch anfangs in der neuen Saison mit den beiden Siegen zum Saisonstart widergespiegelt. Ich kann mich noch an das erste Spiel in Köln erinnern, als ich anfangs einen Fehler gemacht habe und den Ball bei einer Flanke zum 0:1 unterlaufen bin. Da war ich ganz schön nervös. Aber danach hat es sich gelegt und ich bin besser ins Spiel gekommen. Für die meisten Jungs aus unserer Truppe war die Bundesliga damals Neuland und wir mussten uns natürlich erstmal zurechtfinden. Danach kam gleich der Kracher gegen die Bayern. Freitagabend, Betze, Flutlicht, ausverkauftes Haus - so ein Spiel bleibt natürlich in Erinnerung! Auf so etwas hatten wir gewartet, es war eines der größten Highlight-Spiele, die ich je hatte. Diesen Start hatte uns ja keiner zugetraut. Wir waren nach dem Sieg über Bayern als Aufsteiger sogar für kurze Zeit Tabellenführer. Alles in allem war das damals einfach mega!

"Marco Kurz war einer der besten Trainer, die ich je hatte"

Der Betze brennt: Dennoch gab es während der Saison 2010/11 auch Rückschläge, denn nach dem tollen Beginn der Runde setzte es sechs Niederlagen und ein Unentschieden. Wie habt ihr damals, als zum Teil noch unerfahrenes Bundesliga-Team, diese Situation angenommen, und wie habt ihr wieder den Turnaround geschafft? Es wurde trotz der Niederlagen-Serie sogar an Trainer Marco Kurz festgehalten - in der heutigen Zeit wäre das nicht unbedingt gewöhnlich.

Sippel: Ich denke, es ist prinzipiell immer noch etwas anderes, ob du ein Bundesliga-Aufsteiger bist oder eine Mannschaft, die einfach schon länger zusammen in der Bundesliga spielt. Deswegen wird manchmal schon gerade in solchen Situationen ein Auge zugedrückt und etwas länger am Trainer festgehalten. Marco Kurz war zudem für mich einer der besten Trainer, die ich je hatte. Er ist ein "Typtrainer", der das Feeling mit lebt, der auch während dem Spiel Emotionen zeigt und nicht nur ruhig da steht. Er marschierte auch an der Seitenlinie auf und ab und hat keinen auf "Show" gemacht. So etwas hat mir persönlich immer besser gefallen, als wenn ein Trainer nur ruhig am Außenrand steht. Darüber hinaus waren wir eigentlich alle relativ entspannt, vor allem mit den beiden Siegen im Rücken, denn wir wussten immer noch, wo wir herkommen. Wir hatten uns im Prinzip vor der Saison nicht sonderlich groß verstärkt und uns als Team war klar, dass es kein Selbstläufer werden würde. Unser Ziel war es einfach nicht abzusteigen und das so schnell wie möglich hinzubekommen. Ein anderes Ziel hatten wir nie und das haben wir dann ja auch geschafft.

Der Betze brennt: Als Mannschaft seid ihr damals immer wieder aufgestanden, habt euch zusammengerauft und auch kurz vor der Winterpause wieder Spiele souverän gewonnen! Ich erinnere mich beispielsweise an den 3:1-Auswärtserfolg beim 1. FC Nürnberg oder das legendäre 5:0 die Woche darauf im Fritz-Walter-Stadion gegen Schalke 04. Das muss für einen tollen Zusammenhalt innerhalb des Teams sprechen, oder? Wie war das damals?

Sippel: Der Zusammenhalt war alles in allem super! Gegen Schalke, das war auch so ein Spiel (lacht) - 5:0 gewonnen, und das als Aufsteiger. Ich glaube heutzutage würde sowas gar nicht mehr so oft passieren, weil die Mannschaften im oberen Tabellendrittel einfach viel zu gut sind, um sich so "abschlachten" zu lassen. Damals hatte Schalke aber auch einen kleinen Durchhänger und die Tagesform bei uns hat auch gepasst, man rutscht in so einen Strudel rein und es läuft. Für uns war das einfach top, denn wir wussten, wenn wir Punkte holen, dann wahrscheinlich hauptsächlich zuhause auf dem Betze. Denn das Stadion an sich, die Fans, das macht eben schon viel aus. Es ist kein normales Bundesliga-Stadion, sondern ein tolles Stadion mit super Atmosphäre und Charakter. So etwas hat nicht automatisch jeder Bundesligist.

"Das Stadion an sich, die Fans, das macht schon viel aus"

Der Betze brennt: Auch nach der Winterpause verlief der Start in die Rückrunde ziemlich holprig und ihr musstet viel Lehrgeld bezahlen. Trotz allem habt ihr nicht zurückgesteckt und mit einem tollen Schlussspurt noch Platz 7 erreicht: Mitten aus dem Abstiegskampf kommend gab es fünf Siege in den letzten sechs Spielen - das muss für eine unglaubliche Moral innerhalb des Teams gesprochen haben. Auch im DFB-Pokal habt ihr es bis ins Viertelfinale geschafft. Gab es trotz allem auch mal Momente, Situationen während dieser Saison, wo man nicht mehr daran glaubte, die Saison gut beziehungsweise erfolgreich zu Ende zu spielen? Und wie schafft man es, gerade in so einem jungen Alter - du warst damals 22 Jahre alt - nach dem Aufstieg und einer so erfolgsgekrönten Saison dennoch auf dem Teppich zu bleiben? Gerade in diesem Alter hat man doch noch ab und an "Flausen im Kopf", auch wenn wir jetzt nicht näher auf die damalige Autofahrt in ein gewisses Etablissement eingehen wollen.

Sippel: Die Flausen gehören doch irgendwie ein bisschen mit dazu (lacht), das ist so eine Art "Lockerheit", die du doch manchmal brauchst. In meinem ersten Bundesliga-Jahr war ich gerade doch immer recht angespannt, weil ich eben nicht wusste, was auf mich zukommt. Aber man lernt dazu und wird von Spiel zu Spiel, von Jahr zu Jahr einfach auch etwas lockerer und das macht das Ganze dann auch viel einfacher. Ganz genau weiß ich ehrlich gesagt auch nicht mehr, wie die Spiele im Einzelnen abgelaufen sind, es ist doch schon eine Zeit her. Im Grunde genommen haben wir immer von Spiel zu Spiel gedacht. Zuhause mit dem klasse Publikum im Rücken haben wir einfach versucht, die Spiele zu gewinnen, denn dazu sind wir in der Lage gewesen, und auswärts wollten wir das Ganze dann noch etwas vergolden und mal schauen, was dann dabei herauskommt. Das erste Jahr war wirklich phänomenal für uns. Dass wir dann sogar mit dem 7. Platz abschließen, damit hatte keiner gerechnet!

Der Betze brennt: Auch für dich persönlich verlief die Saison 2010/11 mit Höhen und Tiefen, wenn man das so sagen kann. Die ersten 25 Pflichtspiele bist du als absoluter Leistungsträger zwischen den Pfosten gestanden und musstest dann krankheitsbedingt - aufgrund eines grippalen Infekts - am 26. Spieltag beim Heimspiel gegen den SC Freiburg erstmals als Zuschauer das Geschehen verfolgen. Der FCK gewann nach langer Durststrecke endlich mal wieder mit 2:1 und im Anschluss hatte dein damaliger Konkurrent Kevin Trapp die Nase vorne und bestritt die restlichen Spiele der Saison als Nummer 1. Nachdem du die Saison zuvor und die ersten 25 Pflichtspiele absoluter Leistungsträger gewesen bist und zum Stammpersonal gehört hast, muss man dann damit ja erstmal klar kommen. Wie war das damals für dich? Bestimmt keine einfache Situation, oder?

Sippel: Das war keine einfache Situation, weil ich natürlich die Jahre davor eigentlich immer durchgespielt hatte und dann bin ich ausgerechnet im Saisonendspurt mal ein Spiel mit einem Infekt flachgelegen. Ich bin sogar noch mitgefahren zum Spiel, habe aber dann während der Vorbereitung auf das Spiel schon gemerkt, dass es einfach nicht für einen Einsatz reicht. Das nächste Spiel hatten wir dann auswärts bei Borussia Mönchengladbach und ich war schon wieder relativ fit, aber eben noch nicht bei 100 Prozent. Demzufolge hat das Trainerteam dann auch entschieden, Kevin weiter ranzulassen, da er gegen Freiburg gut gehalten hatte und das Spiel auch gewonnen wurde. Nachdem auch gegen Gladbach das Spiel gewonnen wurde und Kevin klasse gehalten hatte, sah dann eben der Trainer auch keinen großen Anlass mehr, die letzten Spiele nochmal auf der Torhüterposition zu wechseln, und somit ist Kevin Trapp dann auch bis zum Saisonende die Nummer 1 geblieben. Allerdings ist das eben oft so im Fußball - wenn man vorher keine guten Ergebnisse hatte und der Keeper wird wegen einer Krankheit oder auch aus Leistungsgründen gewechselt und es läuft danach und die Spiele werden wieder gewonnen, dann ist es auch das gute Recht des Trainers, bei der Aufstellung zu bleiben. Im Grunde genommen war es dann allerdings auch die absolut richtige Entscheidung, weil wir mit dem Schlussspurt dann auch die Liga gehalten haben.

Auf Freud' folgt Leid: "Es kam Unruhe ins Team"

Der Betze brennt: So Tobi, lass uns nun auf die Zeit nach der Saison 2010/11 blicken. Ein Jahr später - im Mai 2012 - stieg der FCK dann im zweiten Jahr leider wieder aus der Bundesliga ab. Was lief während der Saison falsch? Was waren deiner Meinung nach die Gründe für diesen doch klaren Abstieg?

Sippel: Also meinem Empfinden nach steigt man als Mannschaft ja auf und das Grundgerüst des Teams sollte dann auch größtenteils erhalten bleiben, wenn es von der Qualität her reicht, weil die Mannschaft eben auch zusammen den Erfolg hatte und das auch zusammenschweißt. Natürlich sollte dann das Team punktuell verstärkt werden, um eine Liga höher bestehen zu können. Ich finde, im ersten Jahr nach dem Aufstieg haben wir das auch gut gemacht, aber im zweiten Jahr wurden vor der Saison sehr viele neue Spieler geholt und irgendwie kam dadurch leider auch etwas Unruhe ins Team. Warum das so gemacht wurde, ist eine gute Frage - wahrscheinlich deshalb, weil wir mit Rang 7 in der Saison davor schon ziemlich gut abgeschnitten hatten und man dachte gegebenenfalls geht die Saison darauf noch mehr. Es wurde zu der damaligen Zeit wohl etwas über den eigenen Maßstäben gehandelt. Ich will jetzt nicht sagen, dass das der Hauptgrund war, warum wir abgestiegen sind, aber mit Sicherheit ein kleiner Bruchteil davon. Ich denke, dass auch ohne die ganzen vielen Neuzugängen noch elf gute Jungs auf dem Platz gestanden hätten, die doch das eine oder andere Spiel gewonnen hätten. Klar ist das zweite Jahr immer das Schwierigste für einen Aufsteiger und danach geht’s erst so richtig los. Naja, wie dem auch sei, leider hat es damals eben nicht zum erhofften Klassenerhalt gereicht.

Der Betze brennt: Trotz des Abstiegs und mehrerer Angebote bist du damals dem FCK treu geblieben. Was waren die Beweggründe dafür? Du hättest doch bei anderen Verein durchaus lukrativer verdienen und in der ersten Liga oder im Ausland spielen können, oder?

Sippel: Ich habe es öfters schon mal woanders gesagt, für mich ist Fußball in gewisser Art und Weise immer noch ein Hobby und das macht mir einfach immer noch Spaß. Ich hab mich eigentlich beim FCK und zuhause immer pudelwohl gefühlt, in der Region bin ich groß geworden, bin seit der E-Jugend da gewesen und ich kannte auch nichts anderes. Darüber hinaus muss ich ehrlich sagen, dass ich immer Respekt davor hatte, den Schritt zu machen und alleine irgendwo hinzugehen. Wahrscheinlich hängt es auch damit zusammen, das ich sehr familienverbunden bin und irgendwie es oft so ist: "Das, was ich kenne, da will ich auch bleiben." Und deshalb wollte ich auch nie weg beziehungsweise das stand dann auch nie groß zur Debatte. Klar hatte ich auch Gespräche mit anderen Vereinen und ein Wechsel stand auch sogar mal kurz vor dem Abschluss, doch im letzten Moment habe ich dann einen Rückzieher gemacht, weil ich irgendwie wusste, was ich hier in der Heimat habe und es mir bis dato in der Region immer gut gefallen hatte. Also im Endeffekt hätte ich es mir nie vorstellen können, während der Karriere von "zuhause" also sprich meiner Heimat weg zu gehen. Aber im Leben kommt es dann doch oft anders als man denkt.

"Der Aufstieg wurde von Jahr zu Jahr schwerer"

Der Betze brennt: Leider klappte es in den darauffolgenden Spielzeiten nicht mit dem so erhofften Wiederaufstieg. In der Saison 2012/13 habt ihr in der 2. Bundesliga den 3. Platz belegt und seid in der Relegation knapp an der TSG Hoffenheim gescheitert. Die beiden Jahre darauf reichte es nur zu Rang 4. Wenn du diese Zeit Revue passieren lässt, war das sicherlich ganz bitter, immer so knapp zu scheitern. Was waren deiner Meinung nach die Gründe dafür? Es gab damals viele Trainerwechsel, Querelen innerhalb des Vereins, Unruhe aus dem Umfeld und so weiter. Spielt sowas auch eine Rolle?

Sippel: Ich denke, dass es die meisten Spieler nicht so arg trifft beziehungsweise es bei ihnen eine Rolle spielt. Weil viele Spieler einfach von außerhalb, also nicht aus der Region kommen und es interessiert dann eben viele vielleicht auch nicht so stark, was geschrieben wird, was von außen herangetragen wird und so weiter. Was anderes ist es meiner Meinung nach, wenn Spieler aus der Region kommen - die verfolgen das Geschehen dann schon etwas anders, intensiver. Ich glaube mit ausschlaggebend war auch noch immer das Spiel gegen Hoffenheim, als wir in der Relegation gescheitert sind. Relegation ist immer ganz schwierig, da man ja als Zweitligist vom Kader her oft nicht so gut bestückt ist und von daher ist es auf dem Papier eigentlich schon entschieden. Wir waren damals als Zweitligist der absolute Underdog und haben viel über die Euphorie gemacht. Man spielt als Dritter der zweiten Liga gegen eine angeschlagene Mannschaft aus der ersten Liga. Dennoch muss man mit dazu sagen, dass sich ja damals Hoffenheim am letzten Spieltag in die Relegation gerettet hat. Wir hatten alle damals schon mit Düsseldorf (damaliger direkter Konkurrent von Hoffenheim; Anm. d. Red.) in der Relegation gerechnet und sowas löst dann bei der betreffenden Mannschaft natürlich auch nochmal eine Euphorie aus. Die Hoffenheimer haben quasi gar nicht mehr daran geglaubt, dass sie noch in die Relegation kommen, für sie war das dann wieder eine Art "Erfolgserlebnis" und das war wahrscheinlich wohl der Knackpunkt. Ich glaube, wenn wir damals gegen Düsseldorf gespielt hätten, hätte es vermutlich mit dem Aufstieg klappen können. Im Anschluss, also in den darauffolgenden Jahren, hat sich das dann eben wie so ein roter Faden durchgezogen. Ich glaube nicht, dass eine Mannschaft immer über Jahre ganz oben mit dabei ist, ohne mal aufzusteigen. Denn man verliert Jahr für Jahr seine besten Spieler, weil die Jungs es dann woanders probieren möchten und es wird natürlich immer schwieriger, weil das Team wieder neu durchgewürfelt wird und sich wieder alles neu zusammensetzt. Danach haben wir immer wieder Jungs aus der eigenen Jugend hochgezogen, wie zum Beispiel Willi Orban und Dominique Heintz, die ihre Sache zwar super gemacht haben, aber dann nach der Runde auch wieder verkauft wurden. Das heißt die Mannschaft verändert sich immer wieder und deshalb wurde das Ganze mit dem Aufstieg von Saison zu Saison schwerer.

Morgen im zweiten Teil des großen DBB-Interviews: Tobias Sippel über seinen unfreiwilligen Abschied vom FCK, sein neues Fußballer-Leben in Mönchengladbach und eine mögliche Rückkehr in die Pfalz.

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Matthias Glötzner (mitschinho18)


Ergänzung, 25.09.2020:

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Interview des Monats: Ex-FCK-Keeper Tobias Sippel, Teil 2/2
"Ich würde gerne nochmal auf dem Betzenberg spielen"

Er war Publikumsliebling, dann musste er gehen: Im zweiten Teil des großen DBB-Interviews spricht Tobias Sippel über seinen unfreiwilligen Abschied vom FCK, sein neues Umfeld in Mönchengladbach und wie die Corona-Pandemie den Fußball verändert hat.

Der Betze brennt:Tobias Sippel, Deine letzten Monate als Spieler beim 1. FC Kaiserslautern und insbesondere die Winterpause 2014/15 dürften Dir noch gut in Erinnerung geblieben sein. Dir wurde damals - während des Trainingslagers - aus völlig heiterem Himmel gesagt, dass dein zum Saisonende auslaufender Vertrag nicht verlängert wird. Als Begründung genannt wurden dir unter anderem Altersgründe, dabei warst du gerade mal 26, 27 Jahre alt. Wie bist du mit der Situation umgegangen? Du warst zu diesem Zeitpunkt absoluter Führungsspieler und bei den Fans sehr beliebt. Wie hast du das Ganze damals verarbeitet? Vor allem die darauffolgenden Pflichtspiele sind doch dann nicht einfach zu bestreiten, oder? Zudem wärst du ja gerne bei deinem Verein geblieben.

Tobias Sippel (32): Das war damals eine ganz komische Situation und ich habe das heute wirklich noch komplett vor den Augen. Ich habe im Trainingslager beim Mittagessen gesessen und plötzlich kam Markus Schupp (damaliger Sportdirekter des FCK; Anm. d. Red.) auf mich zu und meinte, er möchte heute Nachmittag mal mit mir reden, einen Kaffee trinken. Dann hatten wir erstmal einen ganz normalen Smalltalk, wie es mir so geht, wie es meiner Familie geht... und irgendwann sind wir dann mal zum Punkt gekommen und es wurde mir gesagt, dass sich die sportliche Leitung Gedanken bezüglich meines Vertrags und der nächsten Saison gemacht habe und meinen Vertrag - der ja am Saisonende auslief - aus alterstechnischen Gründen wohl nicht verlängern werde, weil sie den Kader gerne etwas "verjüngen" würden. Dann habe ich im ersten Moment erstmal überlegt: "Okay, stehe ich jetzt schon kurz vor der Rente?!" Aber ich habe das natürlich nicht ausgesprochen. Klar, hat mich das erstmal schockiert und ich habe dann auch gleich gefragt, wie das Ganze dann nach außen hin kommuniziert werden soll. Weil ich wäre zu der Zeit auch nirgends hingelaufen und hätte gesagt "der FCK verlängert meinen Vertrag nicht". Zu der Zeit sind wir schließlich gerade Zweiter gewesen und ich wusste, dass das dann eine komplette Unruhe in die Mannschaft gebracht hätte. Leider wurde dann der Fehler gemacht und es wurde nach außen getragen, der "Kicker" hatte es zirka zehn Minuten nach unserem Gespräch schon online im News-Ticker veröffentlicht. Das ist auch immer eine Herangehensweise vom Verein gewesen, die ich eigentlich nie verstanden habe, dass man mit solchen Informationen, die so richtig Unruhe reinbringen, immer gleich direkt an die Presse gegangen ist. Das hätte man meiner Meinung nach nicht machen sollen. Dann ist das alles auf mich und auch auf die ganze Mannschaft eingeprasselt, es ging nur noch um dieses Thema und das ist zu dieser Zeit einfach nicht wirklich gut gelöst gewesen. Ich hatte dennoch den Ansporn, mit diesem Team noch aufzusteigen und die Rückrunde mit den Jungs hat trotz allem noch Riesenspaß gemacht. Ungefähr vier Spieltage vor Schluss habe ich mir dann auch noch einen Faserriss im Arm zugezogen. Wenn der Faserriss im Bein gewesen wäre, hätte ich es wohl trotzdem probiert (lacht), aber als Torwart, mit einem Faserriss im Arm geht das schlecht und ich musste notgedrungen auch noch ein paar Spiele pausieren. Irgendwie sind wir darüber hinaus in dieser Zeit auch noch von Rang 2 auf Rang 4 abgestürzt, weil alles recht eng beieinander gewesen ist und dann war das alles ziemlich schnell durch.

"In meinem Wohnzimmer hängt ein Bild der Westkurve"

Der Betze brennt: Am 24. Mai 2015 hast du dann auf dem ausverkauften Betzenberg vor 49.780 Zuschauern gegen den damaligen Tabellenführer FC Ingolstadt dein bis dato letztes Spiel für den FCK gemacht. Du wurdest vor einer atemberaubenden Kulisse verabschiedet und es ging für die Roten Teufel sogar noch um den Aufstieg in die Bundesliga! Leider reichte nur zu einem 1:1-Unentschieden und damit schlussendlich wieder nur für den 4. Platz. Dennoch wurdest du von den Fans lautstark mit Sprechchören gefeiert. Wie war das damals für dich unmittelbar nach dem Schlusspfiff und die Tage danach? Trotz allem hat doch bestimmt auch die großartige Unterstützung der FCK- Fans gut getan und dir gezeigt welch hohen Stellenwert du bei den Fans und in der Region hast? Das muss doch auch einen "Push nach oben" gegeben haben, oder?

Sippel: Am Morgen vor dem Spiel war ich richtig angespannt, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommt. Ich hatte das wohl einfach noch gar nicht so realisiert, dass das jetzt mein letztes Spiel für den FCK sein wird. Als ich zum Aufwärmen auf den Platz gegangen bin, war schon so ein kleines Tränchen im Auge, weil ich dann erst so wirklich gecheckt habe: Okay, das ist jetzt hier mein letztes Spiel. Ich habe dann irgendwie für mich versucht, das Spiel über die Runden zu bringen, aber die letzten 15, 20 Minuten habe ich eigentlich nur noch auf die Anzeigentafel oder im Stadion herum geguckt und versucht, das Ganze, die Atmosphäre, die tollen Fans noch etwas zu genießen. Als das Spiel dann abgepfiffen wurde, hab ich eigentlich nur noch ins Leere geschaut. Gerry Ehrmann war damals einer der Ersten, der auf mich zugekommen ist, und das war dann schon ein Gänsehautmoment für mich, weil dann die ganzen Emotionen hoch gekommen sind. Die ganzen Jahre, was alles passiert ist, und es war einfach schön, wie das dann damals noch so alles vor der Westkurve abgelaufen ist. Ich habe heute noch ein Riesenbild im Wohnzimmer hängen, wie ich damals alleine vor der Westkurve stehe. Das habe ich mir natürlich machen lassen, weil diese Momente mit dem FCK verbinde ich mit am meisten mit meiner Karriere.

"Das Beispiel Gladbach zeigt, was aus dem FCK hätte werden können"

Der Betze brennt: Trotz allem ging es für dich danach positiv weiter und du bist nun seit Juli 2015 bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag. Ein neuer Lebensabschnitt brach an. Wie war die erste Zeit für dich dort? Es muss doch eine totale Umstellung gewesen sein, da du als Nummer 2 (Vertretung für Stammkeeper Yann Sommer; Anm. d. Red.) geholt worden bist. Gerade weil du ja die Jahre zuvor beim FCK immer eine verlässliche Stammkraft warst.

Sippel: Nachdem bekannt wurde, dass mein Vertrag beim FCK nicht verlängert wird, hatte ich mit Max Eberl (Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach; Anm. d. Red.) eines der ersten Gespräche geführt. Es wurde dann konkreter und das waren alles in allem super Gespräche. Er hat mir eigentlich schon von vornherein klipp und klar gesagt, dass ich eher als Nummer 2 eingeplant bin und dass generell wenig Druck auf die Nummer 1 Yann Sommer ausgeübt wird, weil er ein Top-Keeper sei. Mir hat außerdem der Verein Borussia Mönchengladbach an sich gut gefallen, weil das auch so in die Richtung FCK geht, die Borussia ein Traditionsverein ist, über Jahrzehnte mit Legenden aufgebaut wurde, ein tolles Stadion und eine klasse Infrastruktur hat. Und auch meine Frau hat damals gesagt, ja, das machen wir. Ich muss jetzt auch mal sagen, die Pfalz ist zwar immer noch meine Heimat, aber wir fühlen uns pudelwohl hier, haben uns in der Nähe ein Haus gekauft und ich denke, dass wir die nächsten Jahre auf alle Fälle noch hier bleiben und die Zeit genießen. Man sieht am Beispiel Borussia Mönchengladbach auch irgendwie, was aus Lautern hätte werden können. Gladbach war vor gar nicht allzu langer Zeit auch mal in der 2. Bundesliga, die sind einen anderen Weg gegangen als der FCK und nun sieht man, was daraus entstanden ist. Irgendwie bin ich auch sehr stolz, momentan ein Teil des Teams zu sein und will den Weg hier mit der Mannschaft erstmal weiter fortführen!

Der Betze brennt: Mittlerweile gehst du bei den Fohlen in deine fünfte Saison. Wie geht es dir dort? Was sind die Unterschiede zum FCK? Beim FCK gab es ja doch in den letzten Jahren viel Unruhe...

Sippel: (unterbricht) ... das ist schon mal das erste Thema! Wenn man alleine die Zeitungen aufschlägt und liest, dass sich der Vorstand beziehungsweise Aufsichtsrat wieder gegenseitig angeht, der eine über den anderen meckert - das ist eben hier in Mönchengladbach ganz anders. Die Borussia ist ein klar strukturierter Verein: Es gibt mit Max Eberl einen Sportdirektor, der über die sportlichen Belange ganz klar das Kommando hat, dem alle auch zuhören und vertrauen. Und mit Stephan Schippers ist zudem ein Mann vor Ort, der alle finanziellen Sachen im Griff hat und ohne dessen "Go" in finanzieller Hinsicht gar nichts passiert. Der Verein ist von oben bis unten positiv geführt und so muss das meiner Meinung nach sein. So hätte ich mir das früher beim FCK auch gewünscht. Ich muss echt nochmal sagen, ich bin echt happy das meine Familie und ich hier sind, und es macht riesig viel Spaß.

Der Betze brennt: Auf die gerade gestartete Saison habt ihr euch im nordrhein-westfälischen Harsewinkel/Marienfeld vorbereitet. Wie lief es im Trainingslager? Welches Ziel habt ihr euch für die neue Spielzeit als Mannschaft beziehungsweise hast du dir selbst gesteckt?

Sippel: Wir haben uns ja in der letzten Saison aufgrund einer guten Runde für die Champions League qualifiziert, und da wollen wir natürlich schauen, dass wir soweit wie möglich kommen. Es hängt natürlich auch viel von der Auslosung ab, aber im Grunde genommen wollen wir auch in der Bundesliga wieder versuchen, mit unserem Kader einen Champions-League-Platz zu erreichen. Wenn es natürlich für noch weiter oben reicht, sind wir auch nicht abgeneigt, das mitzunehmen. Aber man muss auch dazu sagen, dass wir die letzten Jahre immer einen einstelligen Platz erreicht haben und das wollen wir natürlich so weiterführen.

Corona veränderte alles: "Wir dachten, das kann doch nicht sein"

Der Betze brennt: Momentan ist aufgrund der Coronavirus-Pandemie alles anders - natürlich auch im Profifußball. Wie war die Zeit während der Hochphase für dich? Es ist doch alles absolut Neuland - keine Selfies mit den Fans, keine Zuschauer bei den Spielen, Einzelzimmerunterbringung und so weiter. Wie geht ihr als Mannschaft damit um? Eurem Team wird generell ein gutes, harmonisches Klima innerhalb der Mannschaft nach gesagt. Hat euch das Ganze trotz aller Negativität noch mehr zusammen geschweißt?

Sippel: Ich weiß noch, als das Thema Corona in China so ein bisschen hochkam, da war uns innerhalb des Teams allen noch nicht so wirklich bewusst, dass das auch uns betreffen könnte. Es war einfach noch so weit entfernt von uns. Allerdings hat Max Eberl damals schon gesagt: "Jungs, ich denke, wir werden wahrscheinlich nicht mehr lange so wie gewohnt spielen. Versucht die Spiele, die wir noch haben, gut zu Ende zu spielen, um Platz 4 zu erreichen. Im Worst-Case-Szenario könnte die Saison vielleicht sogar abgebrochen werden." Wir, innerhalb des Teams, dachten eigentlich anfangs nur: Warum, was erzählt er uns denn, das kann doch nicht sein?! Doch umso näher das Ganze kam, desto mehr haben wir uns darauf eingestellt, auch wenn man immer noch nicht wirklich einschätzen konnte, was da eigentlich passiert. Von heute auf morgen hieß es dann aber plötzlich, dass der Trainings- und Spielbetrieb eingestellt und erstmals alles auf Eis gelegt wird. Ich weiß noch, dass wir ein paar Tage zuvor das Nachholspiel vor leeren Rängen gegen den 1. FC Köln hatten, viele Fans noch vor dem Stadion waren und wir das Spiel für uns entscheiden konnten. Danach hieß es, eine Woche wird jetzt erstmal pausiert, aber aus einer Woche wurden dann schnell drei Wochen und wir mussten uns individuell fit halten. Der Verein hat uns aber sehr unterstützt, wir haben Spinning-Räder nach Hause geliefert bekommen, haben Cyber-Training über Facetime gemacht. Darüber haben wir versucht, uns fit zu halten, da wir ja nicht wussten, wann wir wieder gemeinsam trainieren und spielen können. Nichtsdestotrotz mussten wir uns ja darauf vorbereiten und irgendwann ist es dann Gott sei Dank wieder los gegangen. Aber es hat gefühlt eben ewig gedauert, weil man ja normalerweise um die Zeit Ende Mai, Anfang Juni schon im Urlaub ist oder sich auf die neue Saison vorbereitet. Dann ging es los und klar war es am Anfang total komisch, weil niemand im Stadion ist, alles total anders ist. Aber ich denke, wir haben das Beste daraus gemacht. Die Umstände sind dann einfach vollkommen anders geworden. Als Mannschaft zieht man sich im Hotel um, man kommt eigentlich erst zehn Minuten vor Spielbeginn auf den Platz. Also mit Bundesliga, die man davor kannte, hatte das alles eigentlich wenig zu tun - ich wurde eher an die Kreisliga erinnert, obwohl ja keiner was dafür konnte. Doch mit der Zeit war es Normalität, dass keine Zuschauer mehr im Stadion waren, und wir haben einfach nur unseren Job gemacht und Fußball gespielt.

Der Betze brennt: Wie hat sich das Ganze auf dich persönlich ausgewirkt? Siehst du viele Sachen in anderen Lebensbereichen nun lockerer oder mit anderen Augen?

Sippel: Also lockerer sehe ich das auf keinen Fall. Ich bin doch ein Mensch, der jetzt nicht mit der Einstellung "Holla, alles macht Spaß" durch das Leben geht, sondern ich bin da schon eher der ernsthafte Typ. Ich habe das mit der Coronavirus-Pandemie alles begriffen und versuche soweit es geht, mich doch von allem etwas fern zu halten. Zumal es vom Verein auch so vorgeschrieben ist und wir in unserer Position eine Art "Vorbildfunktion" haben. Zudem will man ja auch durch Nachlässigkeit nicht derjenige sein, der das Virus in die Mannschaft trägt. Ich muss auch mal echt "Chapeau" an unsere Mannschaft sagen, denn wir halten uns geschlossen an die Regeln und wollen einfach als Team zusammen Fußball spielen. Wir waren alle diese drei Wochen zuhause, als wir alleine trainieren mussten, und das macht einfach keinen Spaß. Was uns Spaß macht, ist zusammen Fußball zu spielen, auf dem Platz zu stehen und in der Kabine zusammen zu sitzen. Und das wollen wir einfach weiterführen und deswegen halten wir uns alle an die Regeln. Auch im privaten Bereich muss man dann mehr Abstriche machen und verbringt die Zeit eher mit Frau und Kind zuhause, um die Woche darauf wieder gesund ins Training gehen zu können.

"Fußball ist zum Business geworden"

Der Betze brennt: Du bist nun auch schon seit 2007 im Profigeschäft tätig - eigentlich ein "alter Hase" in diesem Business, wenn man das so sagen kann. Wie hat sich das Ganze deiner Meinung nach seitdem verändert? Der Fußball wird immer kommerzieller, es geht immer mehr ums Geld anstatt um den Sport, sagen die Kritiker, die gerade auch nach den Auswirkungen der Corona-Pandemie lauter werden und Reformen fordern. Wie siehst du das?

Sippel: Klar, Fußball ist mittlerweile Business. Die Menschen kommen natürlich ins Stadion, um den Verein zu unterstützen, aber es ist mittlerweile natürlich auch viel Entertainment daraus geworden. Fußball ist einfach der Volkssport Nummer 1 und die Leute - man hat es gerade während der Lockdown-Zeit gesehen - wollen auch Fußball schauen. Klar, fühlt man das dann auch, aber das was uns Spaß macht, ist das Spiel, also der Sport an sich. Ich denke, dass wir Spieler - zumindest die meisten - sich nicht als Entertainer sehen, sondern gemeinsam kicken und Erfolg haben wollen. Das ist das, was uns antreibt. Ich denke, dass es sich dennoch mehr und mehr in diese Richtung entwickeln wird, weil einfach alles irgendwie ein eigenes Geschäft geworden ist. Jeder Verein ist momentan eigentlich ein eigenes Business und ohne Geld ist kein Business da und es wird sich wohl möglicherweise noch alles etwas mehr nach oben entwickeln. Denn es gibt mittlerweile hier einen Investor, da einen Investor, und so weiter. Und wenn die halbe Liga dann mal einen Investor hat und die andere Hälfte der Liga hat keinen, dann weiß man eigentlich meistens schon im Vorfeld, welcher Verein in der Tabelle wo landet. Da kann die Uhr dann danach gedreht werden.

Vielleicht wäre eine Gehaltsobergrenze oder ein Budget X für alle Vereine mal sinnvoll. Aber dann müsste man es auch wieder anders herum drehen und das in ganz Europa oder sogar weltweit durchziehen, weil sonst alle Topspieler ins Ausland wechseln würden und die Bundesliga international wohl gar keine Rolle mehr spielen würde. Und national wäre es dann wahrscheinlich auch nur noch Zweit- oder Drittliganiveau. Im Endeffekt würde es dann aber wahrscheinlich auch keiner mehr so in dieser Intensität ansehen. Dennoch ist das Ganze irgendwie ein schwieriges Thema. Aber an sich ist es - obwohl es sich hart anhört - so, dass Fußball mittlerweile Business geworden ist.

Rückkehr zum FCK? "Ich würde es mir wünschen"

Der Betze brennt: Zu guter Letzt möchten wir natürlich nochmal auf unseren FCK zurückkommen, denn diese Frage brennt bestimmt auch vielen Anhängern der Roten Teufel unter den Nägeln: Dein Vertrag bei Borussia Mönchengladbach läuft im Sommer 2021 aus und du hast immer wieder betont, dass der FCK dein Verein ist und du eines Tages nochmal zurückkommen möchtest, sei es als Spieler oder vielleicht auch irgendwann als Torwarttrainer. Könntest du dir momentan eigentlich nochmal eine Rückkehr zu deinem Verein vorstellen? Gab es schon Überlegungen diesbezüglich? Der FCK hat die letzten Jahre sportlich nicht gerade mit positiven Schlagzeilen geglänzt...

Sippel: Also wünschen würde ich es mir bestimmt, nochmal auf dem Betzenberg zu spielen. Irgendwie steht es schon in meinem Plan drin, so etwas zu machen und irgendwann möchte ich schon nochmal gerne "zuhause" kicken. Die Frage ist allerdings nur, ob und wann es funktioniert. Im Moment muss ich nochmal betonen, dass ich mich bei Borussia Mönchengladbach sehr wohl fühle und wir sind auch schon in Gesprächen, wie es in den nächsten Jahren weitergeht - denn das ist natürlich jetzt das erste Thema und das zweite ist zudem, dass ich gar nicht wüsste, was beim FCK auf mich zukommt. Denn mein Torwarttrainer aus der damaligen Zeit (Gerry Ehrmann; Anm. d. Red.) ist ja nicht mehr da und mit ihm hatte beziehungsweise habe ich die Jahre über immer guten Kontakt. Das wäre irgendwie auch nochmal ein Ansporn für mich gewesen, unter Gerry zu trainieren, und es hätte mich nochmal richtig gereizt. Aber jetzt ist das Ganze ja eine andere Geschichte. Bisher habe ich mir darüber aber noch nicht zu viele Gedanken gemacht, wie es in Bezug auf den FCK für mich weitergeht, und mein erster Ansprechpartner ist natürlich ganz klar die Borussia. Irgendwann wird man schon sehen, ob es nochmal zu einem Engagement beim FCK kommt oder eher nicht. Die Zeit wird es zeigen!

Der Betze brennt: Bestehen zudem eigentlich noch Kontakte zu den Jungs von damals, also insbesondere der Aufstiegsmannschaft von 2010, deren Erfolge nun ihr Jubiläum feierten? Ihr seid doch ein eingeschworener Haufen gewesen?

Sippel: Also mit Florian Dick habe ich immer noch einen guten Kontakt, mit Matze Abel hab ich noch öfter zu tun, denn das sind auch so die Jungs aus meiner Region beziehungsweise die wohnen immer noch dort. Sidney Sam sehe ich ab und zu und wir quatschen, da er auch in Düsseldorf wohnt. Aber dann wird’s schon eng. Mit Kevin Trapp bin ich noch in gutem Kontakt und eben noch mit Gerry. Mit Daniel Halfar hatte ich damals zu Jugendzeiten eine Fahrgemeinschaft, unsere Eltern sind noch in Kontakt, aber er wohnt ja mittlerweile auch in Bielefeld und musste aufgrund vieler Verletzungen seine Karriere beenden. Auch Fabian Schönheim habe ich letzten Sommer öfter zufällig getroffen, da er jetzt wieder in Kaiserslautern wohnt. Ab und zu hört man natürlich schon mal was, gratuliert sich zum Geburtstag, aber es ist jetzt nicht so, dass alle vier Wochen miteinander telefoniert wird. Also regelmäßiger Kontakt besteht eigentlich nur noch zu Flo Dick, Matze Abel, Kevin Trapp und Gerry Ehrmann.

"Ich möchte noch vier bis fünf Jahre auf diesem Niveau aktiv sein"

Der Betze brennt: Abschließend würde uns noch interessieren, ob du auch schon was für nach deiner Karriere geplant hast?

Sippel: Es gibt verschiedene Sachen, die ich wohl gerne probieren würde und die ich mir vorstellen könnte. Thema Nummer Eins ist natürlich irgendwie Torwarttrainer. Ich sehe ja das Ganze hier in Gladbach, wie das Spaß macht, die Zusammenarbeit mit Yann Sommer, der ein absoluter Top-Keeper ist. Ich könnte mir von daher schon vorstellen, in solch einen Bereich zu schlüpfen. Man sieht dann auch bei diesem intensiven Training, dass wir täglich betreiben, wo durchaus zum Beispiel noch Verbesserungen entstehen können und die Zusammenarbeit in solch einem Team macht einfach Spaß. Auch davor im Training mit Gerry konnte ich diesbezüglich viel aufsaugen, denn das war die ganz harte Schule, wo du auch über den Punkt darüber musstest, quasi ein "Killer" als Torhüter zu werden und keine Angst zu haben. Und hier bei Borussia habe ich hier das Technische, das Saubere, eben das Fußballerische mitbekommen. Ich finde, diese zwei Schulen haben mir sowas von gut getan: Einmal in Lautern mit dem Killerinstinkt, eins gegen eins und keine Angst zu haben. Und das andere ist dann hier das Fußballerische, das ich bei der Borussia nochmal extrem gelernt habe, denn hier wird versucht, alles mehr oder weniger spielerisch zu lösen. Sowas dann mal jungen Keepern beizubringen würde mir denke ich, auch aufgrund meines Erfahrungswerts, sehr viel Spaß machen. Plan B wäre natürlich bei uns in der Heimat in der Bäckerei mit einzusteigen, da ich gelernter Konditor bin und mein Vater eine eigene Bäckerei hat. Das wäre natürlich auch ein Thema, das mich interessieren würde. Ich hoffe aber dennoch, dass ich noch ein paar Jahre kicken kann und ich noch nicht so schnell diese Entscheidung treffen muss. Was ich noch sagen kann, ist die Tatsache, dass ich mich eigentlich als Profi noch nie so gut gefühlt habe wie zurzeit, auch vom Körperlichen her. Und ich kann mir deshalb noch durchaus vorstellen, wenn ich verletzungsfrei und gesund bleibe, vier bis fünf Jahre auf diesem Niveau zu spielen.

Der Betze brennt: Vielen Dank für die Zeit, Tobi, die du dir genommen hast. Wir wünschen Dir und Deiner Mannschaft eine gute neue Saison und viel Erfolg.

Sippel: Gerne. Ich wünsche euch auch eine gute Zeit, viele Grüße an alle FCK-Fans und bis dahin alles Gute!

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Matthias Glötzner (mitschinho18)



Beitragvon JG » 24.09.2020, 13:35


Geile Zeit.....definitiv......

Rückkehr als Torwarttrainer. Eventuell sogar mehr.



Beitragvon Hauptgott » 24.09.2020, 14:14


Werd ich nie begreifen, wie man in einen Verein wechselt und dort bleibt, bei dem man in 5 Jahren grandiose 7 ! Spiele macht .... Wahnsinn



Beitragvon paulgeht » 24.09.2020, 14:20


Schönes Interview, es weckt so viele Erinnerungen. :love:

Die Phase bis 2011, das war ein einziger Rausch aus heutiger Sicht. Dieser Zusammenhalt, diese Zuversicht - einfach eine geile Zeit. Und Sippel war eines der Gesichter.

Schaut man sich so manchen Karriereverlauf nach dieser Zeit an, muss man wirklich sagen, dass einige Leute wohl genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Und irgendwie hat alles gepasst. Insofern auch sehr interessant, dass Sippel die Kaderzusammenstellung im Sommer 2011 sanft, aber deutlich kritisiert.
Bild
Ihr findet uns auch bei Facebook und Twitter.



Beitragvon Hauptstadt_Lautrer » 24.09.2020, 16:27


10 Jahre ist diese letzte "Hochzeit" des FCK nun schon her. Kacke ey, wo ist die Zeit geblieben? :nachdenklich: Was war das für ein Rausch in unserer alten FCK-Kneipe in Kreuzberg, als wir zu Beginn die Bayern mit 2:0 schlugen. Das sind wirklich Abende, die man sein Leben lang nicht vergessen wird. Ich verfalle manchmal fast ins melancholisch-depressive wenn ich daran zurückdenke.
Betze-Szene Berlin-Kreuzberg



Beitragvon Lonly Devil » 24.09.2020, 16:45


Ständig wird man an solch bessere Zeiten erinnert.
Wie zum Teufel nochmal, soll man da in der 3. Liga ankommen. :wink:


Ach, das hatte ich doch fast vergessen.
https://www.youtube.com/watch?v=cvhFLIyXZUI :lol:
Zuletzt geändert von Lonly Devil am 24.09.2020, 17:26, insgesamt 1-mal geändert.
https://www.youtube.com/watch?v=48grx-7 ... H-y_g9MkxO
Zitat: "Willst Du Unkraut dauerhaft vermeiden, musst Du die Wurzel ausreißen."
Gott mag gewisse Machenschaften eventuell vergeben, ICH NICHT!



Beitragvon Kilmister » 24.09.2020, 17:13


paulgeht hat geschrieben:Und Sippel war eines der Gesichter.

Und Tiffert. Und Amedick. Und Dick. Und Lakic. Und...

Mir bis heute unverständlich, wieso Tiffert in der Saison drauf auf einmal keinen Ball mehr vor den Kasten bekam und der FCK mit Kurz 16x nicht gewinnen konnte. Was war passiert?

Was ein umfassendes Elend aber dagegen heute. Und kein Licht am Ende des Tunnels.
Don't forget them: they were Motörhead. And they played Rock'n'Roll!
https://www.youtube.com/watch?v=oqN-o7eBvhM



Beitragvon Rheinteufel2222 » 24.09.2020, 18:17


Tobi Sippel hat geschrieben:Natürlich sollte dann das Team punktuell verstärkt werden, um eine Liga höher bestehen zu können. Ich finde, im ersten Jahr nach dem Aufstieg haben wir das auch gut gemacht, aber im zweiten Jahr wurden vor der Saison sehr viele neue Spieler geholt und irgendwie kam dadurch leider auch etwas Unruhe ins Team. Warum das so gemacht wurde, ist eine gute Frage - wahrscheinlich deshalb, weil wir mit Rang 7 in der Saison davor schon ziemlich gut abgeschnitten hatten und man dachte gegebenenfalls geht die Saison darauf noch mehr. Es wurde zu der damaligen Zeit wohl etwas über den eigenen Maßstäben gehandelt.


Genau so hatte ich das damals auch empfunden.

Damit begann dann in einer eigentlich recht guten Ausgangsposition die Abwärtsspirale, die bis heute nicht angehalten werden konnte.
"Ein Verein gehört nicht einem Menschen - er gehört den Menschen und Mitgliedern, die sich mit ihm identifizieren."
Christian Streich



Beitragvon scheiss fc köln » 24.09.2020, 18:28


tobias sippel hat geschrieben:
Weil viele Spieler einfach von außerhalb, also nicht aus der Region kommen und es interessiert dann eben viele vielleicht auch nicht so stark, was geschrieben wird, was von außen herangetragen wird und so weiter.


Tobi Sippel :love: (komm´ zurück)

Aber, Tobi, die lesen heute doch alle hier mit....


Hätte mir fast ´nen Insta-account zugelegt, nur um den Jungs den Bauch zu pinseln.
R.I.P Can i get a witness?



Beitragvon -Hans- » 24.09.2020, 19:39


Hauptgott hat geschrieben:Werd ich nie begreifen, wie man in einen Verein wechselt und dort bleibt, bei dem man in 5 Jahren grandiose 7 ! Spiele macht .... Wahnsinn


Wieso? Die Antwort steht doch bereits im Teil 1 des Interviews. Sippel bevorzugt die Sicherheit, startet Veränderungen nur, wenn's unumgänglich ist. Ein Angebot für eine Festanstellung als Nummer zwei kommt dem Naturell extrem entgegen.
Gruß
Hans



Beitragvon mitschinho18 » 25.09.2020, 11:00


Hier kommt der zweite Teil unseres großen DBB-Interviews mit Tobias Sippel:

Bild

Interview des Monats: Ex-FCK-Keeper Tobias Sippel, Teil 2/2
"Ich würde gerne nochmal auf dem Betzenberg spielen"

Er war Publikumsliebling, dann musste er gehen: Im zweiten Teil des großen DBB-Interviews spricht Tobias Sippel über seinen unfreiwilligen Abschied vom FCK, sein neues Umfeld in Mönchengladbach und wie die Corona-Pandemie den Fußball verändert hat.

Der Betze brennt:Tobias Sippel, Deine letzten Monate als Spieler beim 1. FC Kaiserslautern und insbesondere die Winterpause 2014/15 dürften Dir noch gut in Erinnerung geblieben sein. Dir wurde damals - während des Trainingslagers - aus völlig heiterem Himmel gesagt, dass dein zum Saisonende auslaufender Vertrag nicht verlängert wird. Als Begründung genannt wurden dir unter anderem Altersgründe, dabei warst du gerade mal 26, 27 Jahre alt. Wie bist du mit der Situation umgegangen? Du warst zu diesem Zeitpunkt absoluter Führungsspieler und bei den Fans sehr beliebt. Wie hast du das Ganze damals verarbeitet? Vor allem die darauffolgenden Pflichtspiele sind doch dann nicht einfach zu bestreiten, oder? Zudem wärst du ja gerne bei deinem Verein geblieben.

Tobias Sippel (32): Das war damals eine ganz komische Situation und ich habe das heute wirklich noch komplett vor den Augen. Ich habe im Trainingslager beim Mittagessen gesessen und plötzlich kam Markus Schupp (damaliger Sportdirekter des FCK; Anm. d. Red.) auf mich zu und meinte, er möchte heute Nachmittag mal mit mir reden, einen Kaffee trinken. Dann hatten wir erstmal einen ganz normalen Smalltalk, wie es mir so geht, wie es meiner Familie geht... und irgendwann sind wir dann mal zum Punkt gekommen und es wurde mir gesagt, dass sich die sportliche Leitung Gedanken bezüglich meines Vertrags und der nächsten Saison gemacht habe und meinen Vertrag - der ja am Saisonende auslief - aus alterstechnischen Gründen wohl nicht verlängern werde, weil sie den Kader gerne etwas "verjüngen" würden. Dann habe ich im ersten Moment erstmal überlegt: "Okay, stehe ich jetzt schon kurz vor der Rente?!" Aber ich habe das natürlich nicht ausgesprochen. Klar, hat mich das erstmal schockiert und ich habe dann auch gleich gefragt, wie das Ganze dann nach außen hin kommuniziert werden soll. Weil ich wäre zu der Zeit auch nirgends hingelaufen und hätte gesagt "der FCK verlängert meinen Vertrag nicht". Zu der Zeit sind wir schließlich gerade Zweiter gewesen und ich wusste, dass das dann eine komplette Unruhe in die Mannschaft gebracht hätte. Leider wurde dann der Fehler gemacht und es wurde nach außen getragen, der "Kicker" hatte es zirka zehn Minuten nach unserem Gespräch schon online im News-Ticker veröffentlicht. Das ist auch immer eine Herangehensweise vom Verein gewesen, die ich eigentlich nie verstanden habe, dass man mit solchen Informationen, die so richtig Unruhe reinbringen, immer gleich direkt an die Presse gegangen ist. Das hätte man meiner Meinung nach nicht machen sollen. Dann ist das alles auf mich und auch auf die ganze Mannschaft eingeprasselt, es ging nur noch um dieses Thema und das ist zu dieser Zeit einfach nicht wirklich gut gelöst gewesen. Ich hatte dennoch den Ansporn, mit diesem Team noch aufzusteigen und die Rückrunde mit den Jungs hat trotz allem noch Riesenspaß gemacht. Ungefähr vier Spieltage vor Schluss habe ich mir dann auch noch einen Faserriss im Arm zugezogen. Wenn der Faserriss im Bein gewesen wäre, hätte ich es wohl trotzdem probiert (lacht), aber als Torwart, mit einem Faserriss im Arm geht das schlecht und ich musste notgedrungen auch noch ein paar Spiele pausieren. Irgendwie sind wir darüber hinaus in dieser Zeit auch noch von Rang 2 auf Rang 4 abgestürzt, weil alles recht eng beieinander gewesen ist und dann war das alles ziemlich schnell durch.

"In meinem Wohnzimmer hängt ein Bild der Westkurve"

Der Betze brennt: Am 24. Mai 2015 hast du dann auf dem ausverkauften Betzenberg vor 49.780 Zuschauern gegen den damaligen Tabellenführer FC Ingolstadt dein bis dato letztes Spiel für den FCK gemacht. Du wurdest vor einer atemberaubenden Kulisse verabschiedet und es ging für die Roten Teufel sogar noch um den Aufstieg in die Bundesliga! Leider reichte nur zu einem 1:1-Unentschieden und damit schlussendlich wieder nur für den 4. Platz. Dennoch wurdest du von den Fans lautstark mit Sprechchören gefeiert. Wie war das damals für dich unmittelbar nach dem Schlusspfiff und die Tage danach? Trotz allem hat doch bestimmt auch die großartige Unterstützung der FCK- Fans gut getan und dir gezeigt welch hohen Stellenwert du bei den Fans und in der Region hast? Das muss doch auch einen "Push nach oben" gegeben haben, oder?

Sippel: Am Morgen vor dem Spiel war ich richtig angespannt, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommt. Ich hatte das wohl einfach noch gar nicht so realisiert, dass das jetzt mein letztes Spiel für den FCK sein wird. Als ich zum Aufwärmen auf den Platz gegangen bin, war schon so ein kleines Tränchen im Auge, weil ich dann erst so wirklich gecheckt habe: Okay, das ist jetzt hier mein letztes Spiel. Ich habe dann irgendwie für mich versucht, das Spiel über die Runden zu bringen, aber die letzten 15, 20 Minuten habe ich eigentlich nur noch auf die Anzeigentafel oder im Stadion herum geguckt und versucht, das Ganze, die Atmosphäre, die tollen Fans noch etwas zu genießen. Als das Spiel dann abgepfiffen wurde, hab ich eigentlich nur noch ins Leere geschaut. Gerry Ehrmann war damals einer der Ersten, der auf mich zugekommen ist, und das war dann schon ein Gänsehautmoment für mich, weil dann die ganzen Emotionen hoch gekommen sind. Die ganzen Jahre, was alles passiert ist, und es war einfach schön, wie das dann damals noch so alles vor der Westkurve abgelaufen ist. Ich habe heute noch ein Riesenbild im Wohnzimmer hängen, wie ich damals alleine vor der Westkurve stehe. Das habe ich mir natürlich machen lassen, weil diese Momente mit dem FCK verbinde ich mit am meisten mit meiner Karriere.

"Das Beispiel Gladbach zeigt, was aus dem FCK hätte werden können"

Der Betze brennt: Trotz allem ging es für dich danach positiv weiter und du bist nun seit Juli 2015 bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag. Ein neuer Lebensabschnitt brach an. Wie war die erste Zeit für dich dort? Es muss doch eine totale Umstellung gewesen sein, da du als Nummer 2 (Vertretung für Stammkeeper Yann Sommer; Anm. d. Red.) geholt worden bist. Gerade weil du ja die Jahre zuvor beim FCK immer eine verlässliche Stammkraft warst.

Sippel: Nachdem bekannt wurde, dass mein Vertrag beim FCK nicht verlängert wird, hatte ich mit Max Eberl (Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach; Anm. d. Red.) eines der ersten Gespräche geführt. Es wurde dann konkreter und das waren alles in allem super Gespräche. Er hat mir eigentlich schon von vornherein klipp und klar gesagt, dass ich eher als Nummer 2 eingeplant bin und dass generell wenig Druck auf die Nummer 1 Yann Sommer ausgeübt wird, weil er ein Top-Keeper sei. Mir hat außerdem der Verein Borussia Mönchengladbach an sich gut gefallen, weil das auch so in die Richtung FCK geht, die Borussia ein Traditionsverein ist, über Jahrzehnte mit Legenden aufgebaut wurde, ein tolles Stadion und eine klasse Infrastruktur hat. Und auch meine Frau hat damals gesagt, ja, das machen wir. Ich muss jetzt auch mal sagen, die Pfalz ist zwar immer noch meine Heimat, aber wir fühlen uns pudelwohl hier, haben uns in der Nähe ein Haus gekauft und ich denke, dass wir die nächsten Jahre auf alle Fälle noch hier bleiben und die Zeit genießen. Man sieht am Beispiel Borussia Mönchengladbach auch irgendwie, was aus Lautern hätte werden können. Gladbach war vor gar nicht allzu langer Zeit auch mal in der 2. Bundesliga, die sind einen anderen Weg gegangen als der FCK und nun sieht man, was daraus entstanden ist. Irgendwie bin ich auch sehr stolz, momentan ein Teil des Teams zu sein und will den Weg hier mit der Mannschaft erstmal weiter fortführen!

Der Betze brennt: Mittlerweile gehst du bei den Fohlen in deine fünfte Saison. Wie geht es dir dort? Was sind die Unterschiede zum FCK? Beim FCK gab es ja doch in den letzten Jahren viel Unruhe...

Sippel: (unterbricht) ... das ist schon mal das erste Thema! Wenn man alleine die Zeitungen aufschlägt und liest, dass sich der Vorstand beziehungsweise Aufsichtsrat wieder gegenseitig angeht, der eine über den anderen meckert - das ist eben hier in Mönchengladbach ganz anders. Die Borussia ist ein klar strukturierter Verein: Es gibt mit Max Eberl einen Sportdirektor, der über die sportlichen Belange ganz klar das Kommando hat, dem alle auch zuhören und vertrauen. Und mit Stephan Schippers ist zudem ein Mann vor Ort, der alle finanziellen Sachen im Griff hat und ohne dessen "Go" in finanzieller Hinsicht gar nichts passiert. Der Verein ist von oben bis unten positiv geführt und so muss das meiner Meinung nach sein. So hätte ich mir das früher beim FCK auch gewünscht. Ich muss echt nochmal sagen, ich bin echt happy das meine Familie und ich hier sind, und es macht riesig viel Spaß.

Der Betze brennt: Auf die gerade gestartete Saison habt ihr euch im nordrhein-westfälischen Harsewinkel/Marienfeld vorbereitet. Wie lief es im Trainingslager? Welches Ziel habt ihr euch für die neue Spielzeit als Mannschaft beziehungsweise hast du dir selbst gesteckt?

Sippel: Wir haben uns ja in der letzten Saison aufgrund einer guten Runde für die Champions League qualifiziert, und da wollen wir natürlich schauen, dass wir soweit wie möglich kommen. Es hängt natürlich auch viel von der Auslosung ab, aber im Grunde genommen wollen wir auch in der Bundesliga wieder versuchen, mit unserem Kader einen Champions-League-Platz zu erreichen. Wenn es natürlich für noch weiter oben reicht, sind wir auch nicht abgeneigt, das mitzunehmen. Aber man muss auch dazu sagen, dass wir die letzten Jahre immer einen einstelligen Platz erreicht haben und das wollen wir natürlich so weiterführen.

Corona veränderte alles: "Wir dachten, das kann doch nicht sein"

Der Betze brennt: Momentan ist aufgrund der Coronavirus-Pandemie alles anders - natürlich auch im Profifußball. Wie war die Zeit während der Hochphase für dich? Es ist doch alles absolut Neuland - keine Selfies mit den Fans, keine Zuschauer bei den Spielen, Einzelzimmerunterbringung und so weiter. Wie geht ihr als Mannschaft damit um? Eurem Team wird generell ein gutes, harmonisches Klima innerhalb der Mannschaft nach gesagt. Hat euch das Ganze trotz aller Negativität noch mehr zusammen geschweißt?

Sippel: Ich weiß noch, als das Thema Corona in China so ein bisschen hochkam, da war uns innerhalb des Teams allen noch nicht so wirklich bewusst, dass das auch uns betreffen könnte. Es war einfach noch so weit entfernt von uns. Allerdings hat Max Eberl damals schon gesagt: "Jungs, ich denke, wir werden wahrscheinlich nicht mehr lange so wie gewohnt spielen. Versucht die Spiele, die wir noch haben, gut zu Ende zu spielen, um Platz 4 zu erreichen. Im Worst-Case-Szenario könnte die Saison vielleicht sogar abgebrochen werden." Wir, innerhalb des Teams, dachten eigentlich anfangs nur: Warum, was erzählt er uns denn, das kann doch nicht sein?! Doch umso näher das Ganze kam, desto mehr haben wir uns darauf eingestellt, auch wenn man immer noch nicht wirklich einschätzen konnte, was da eigentlich passiert. Von heute auf morgen hieß es dann aber plötzlich, dass der Trainings- und Spielbetrieb eingestellt und erstmals alles auf Eis gelegt wird. Ich weiß noch, dass wir ein paar Tage zuvor das Nachholspiel vor leeren Rängen gegen den 1. FC Köln hatten, viele Fans noch vor dem Stadion waren und wir das Spiel für uns entscheiden konnten. Danach hieß es, eine Woche wird jetzt erstmal pausiert, aber aus einer Woche wurden dann schnell drei Wochen und wir mussten uns individuell fit halten. Der Verein hat uns aber sehr unterstützt, wir haben Spinning-Räder nach Hause geliefert bekommen, haben Cyber-Training über Facetime gemacht. Darüber haben wir versucht, uns fit zu halten, da wir ja nicht wussten, wann wir wieder gemeinsam trainieren und spielen können. Nichtsdestotrotz mussten wir uns ja darauf vorbereiten und irgendwann ist es dann Gott sei Dank wieder los gegangen. Aber es hat gefühlt eben ewig gedauert, weil man ja normalerweise um die Zeit Ende Mai, Anfang Juni schon im Urlaub ist oder sich auf die neue Saison vorbereitet. Dann ging es los und klar war es am Anfang total komisch, weil niemand im Stadion ist, alles total anders ist. Aber ich denke, wir haben das Beste daraus gemacht. Die Umstände sind dann einfach vollkommen anders geworden. Als Mannschaft zieht man sich im Hotel um, man kommt eigentlich erst zehn Minuten vor Spielbeginn auf den Platz. Also mit Bundesliga, die man davor kannte, hatte das alles eigentlich wenig zu tun - ich wurde eher an die Kreisliga erinnert, obwohl ja keiner was dafür konnte. Doch mit der Zeit war es Normalität, dass keine Zuschauer mehr im Stadion waren, und wir haben einfach nur unseren Job gemacht und Fußball gespielt.

Der Betze brennt: Wie hat sich das Ganze auf dich persönlich ausgewirkt? Siehst du viele Sachen in anderen Lebensbereichen nun lockerer oder mit anderen Augen?

Sippel: Also lockerer sehe ich das auf keinen Fall. Ich bin doch ein Mensch, der jetzt nicht mit der Einstellung "Holla, alles macht Spaß" durch das Leben geht, sondern ich bin da schon eher der ernsthafte Typ. Ich habe das mit der Coronavirus-Pandemie alles begriffen und versuche soweit es geht, mich doch von allem etwas fern zu halten. Zumal es vom Verein auch so vorgeschrieben ist und wir in unserer Position eine Art "Vorbildfunktion" haben. Zudem will man ja auch durch Nachlässigkeit nicht derjenige sein, der das Virus in die Mannschaft trägt. Ich muss auch mal echt "Chapeau" an unsere Mannschaft sagen, denn wir halten uns geschlossen an die Regeln und wollen einfach als Team zusammen Fußball spielen. Wir waren alle diese drei Wochen zuhause, als wir alleine trainieren mussten, und das macht einfach keinen Spaß. Was uns Spaß macht, ist zusammen Fußball zu spielen, auf dem Platz zu stehen und in der Kabine zusammen zu sitzen. Und das wollen wir einfach weiterführen und deswegen halten wir uns alle an die Regeln. Auch im privaten Bereich muss man dann mehr Abstriche machen und verbringt die Zeit eher mit Frau und Kind zuhause, um die Woche darauf wieder gesund ins Training gehen zu können.

"Fußball ist zum Business geworden"

Der Betze brennt: Du bist nun auch schon seit 2007 im Profigeschäft tätig - eigentlich ein "alter Hase" in diesem Business, wenn man das so sagen kann. Wie hat sich das Ganze deiner Meinung nach seitdem verändert? Der Fußball wird immer kommerzieller, es geht immer mehr ums Geld anstatt um den Sport, sagen die Kritiker, die gerade auch nach den Auswirkungen der Corona-Pandemie lauter werden und Reformen fordern. Wie siehst du das?

Sippel: Klar, Fußball ist mittlerweile Business. Die Menschen kommen natürlich ins Stadion, um den Verein zu unterstützen, aber es ist mittlerweile natürlich auch viel Entertainment daraus geworden. Fußball ist einfach der Volkssport Nummer 1 und die Leute - man hat es gerade während der Lockdown-Zeit gesehen - wollen auch Fußball schauen. Klar, fühlt man das dann auch, aber das was uns Spaß macht, ist das Spiel, also der Sport an sich. Ich denke, dass wir Spieler - zumindest die meisten - sich nicht als Entertainer sehen, sondern gemeinsam kicken und Erfolg haben wollen. Das ist das, was uns antreibt. Ich denke, dass es sich dennoch mehr und mehr in diese Richtung entwickeln wird, weil einfach alles irgendwie ein eigenes Geschäft geworden ist. Jeder Verein ist momentan eigentlich ein eigenes Business und ohne Geld ist kein Business da und es wird sich wohl möglicherweise noch alles etwas mehr nach oben entwickeln. Denn es gibt mittlerweile hier einen Investor, da einen Investor, und so weiter. Und wenn die halbe Liga dann mal einen Investor hat und die andere Hälfte der Liga hat keinen, dann weiß man eigentlich meistens schon im Vorfeld, welcher Verein in der Tabelle wo landet. Da kann die Uhr dann danach gedreht werden.

Vielleicht wäre eine Gehaltsobergrenze oder ein Budget X für alle Vereine mal sinnvoll. Aber dann müsste man es auch wieder anders herum drehen und das in ganz Europa oder sogar weltweit durchziehen, weil sonst alle Topspieler ins Ausland wechseln würden und die Bundesliga international wohl gar keine Rolle mehr spielen würde. Und national wäre es dann wahrscheinlich auch nur noch Zweit- oder Drittliganiveau. Im Endeffekt würde es dann aber wahrscheinlich auch keiner mehr so in dieser Intensität ansehen. Dennoch ist das Ganze irgendwie ein schwieriges Thema. Aber an sich ist es - obwohl es sich hart anhört - so, dass Fußball mittlerweile Business geworden ist.

Rückkehr zum FCK? "Ich würde es mir wünschen"

Der Betze brennt: Zu guter Letzt möchten wir natürlich nochmal auf unseren FCK zurückkommen, denn diese Frage brennt bestimmt auch vielen Anhängern der Roten Teufel unter den Nägeln: Dein Vertrag bei Borussia Mönchengladbach läuft im Sommer 2021 aus und du hast immer wieder betont, dass der FCK dein Verein ist und du eines Tages nochmal zurückkommen möchtest, sei es als Spieler oder vielleicht auch irgendwann als Torwarttrainer. Könntest du dir momentan eigentlich nochmal eine Rückkehr zu deinem Verein vorstellen? Gab es schon Überlegungen diesbezüglich? Der FCK hat die letzten Jahre sportlich nicht gerade mit positiven Schlagzeilen geglänzt...

Sippel: Also wünschen würde ich es mir bestimmt, nochmal auf dem Betzenberg zu spielen. Irgendwie steht es schon in meinem Plan drin, so etwas zu machen und irgendwann möchte ich schon nochmal gerne "zuhause" kicken. Die Frage ist allerdings nur, ob und wann es funktioniert. Im Moment muss ich nochmal betonen, dass ich mich bei Borussia Mönchengladbach sehr wohl fühle und wir sind auch schon in Gesprächen, wie es in den nächsten Jahren weitergeht - denn das ist natürlich jetzt das erste Thema und das zweite ist zudem, dass ich gar nicht wüsste, was beim FCK auf mich zukommt. Denn mein Torwarttrainer aus der damaligen Zeit (Gerry Ehrmann; Anm. d. Red.) ist ja nicht mehr da und mit ihm hatte beziehungsweise habe ich die Jahre über immer guten Kontakt. Das wäre irgendwie auch nochmal ein Ansporn für mich gewesen, unter Gerry zu trainieren, und es hätte mich nochmal richtig gereizt. Aber jetzt ist das Ganze ja eine andere Geschichte. Bisher habe ich mir darüber aber noch nicht zu viele Gedanken gemacht, wie es in Bezug auf den FCK für mich weitergeht, und mein erster Ansprechpartner ist natürlich ganz klar die Borussia. Irgendwann wird man schon sehen, ob es nochmal zu einem Engagement beim FCK kommt oder eher nicht. Die Zeit wird es zeigen!

Der Betze brennt: Bestehen zudem eigentlich noch Kontakte zu den Jungs von damals, also insbesondere der Aufstiegsmannschaft von 2010, deren Erfolge nun ihr Jubiläum feierten? Ihr seid doch ein eingeschworener Haufen gewesen?

Sippel: Also mit Florian Dick habe ich immer noch einen guten Kontakt, mit Matze Abel hab ich noch öfter zu tun, denn das sind auch so die Jungs aus meiner Region beziehungsweise die wohnen immer noch dort. Sidney Sam sehe ich ab und zu und wir quatschen, da er auch in Düsseldorf wohnt. Aber dann wird’s schon eng. Mit Kevin Trapp bin ich noch in gutem Kontakt und eben noch mit Gerry. Mit Daniel Halfar hatte ich damals zu Jugendzeiten eine Fahrgemeinschaft, unsere Eltern sind noch in Kontakt, aber er wohnt ja mittlerweile auch in Bielefeld und musste aufgrund vieler Verletzungen seine Karriere beenden. Auch Fabian Schönheim habe ich letzten Sommer öfter zufällig getroffen, da er jetzt wieder in Kaiserslautern wohnt. Ab und zu hört man natürlich schon mal was, gratuliert sich zum Geburtstag, aber es ist jetzt nicht so, dass alle vier Wochen miteinander telefoniert wird. Also regelmäßiger Kontakt besteht eigentlich nur noch zu Flo Dick, Matze Abel, Kevin Trapp und Gerry Ehrmann.

"Ich möchte noch vier bis fünf Jahre auf diesem Niveau aktiv sein"

Der Betze brennt: Abschließend würde uns noch interessieren, ob du auch schon was für nach deiner Karriere geplant hast?

Sippel: Es gibt verschiedene Sachen, die ich wohl gerne probieren würde und die ich mir vorstellen könnte. Thema Nummer Eins ist natürlich irgendwie Torwarttrainer. Ich sehe ja das Ganze hier in Gladbach, wie das Spaß macht, die Zusammenarbeit mit Yann Sommer, der ein absoluter Top-Keeper ist. Ich könnte mir von daher schon vorstellen, in solch einen Bereich zu schlüpfen. Man sieht dann auch bei diesem intensiven Training, dass wir täglich betreiben, wo durchaus zum Beispiel noch Verbesserungen entstehen können und die Zusammenarbeit in solch einem Team macht einfach Spaß. Auch davor im Training mit Gerry konnte ich diesbezüglich viel aufsaugen, denn das war die ganz harte Schule, wo du auch über den Punkt darüber musstest, quasi ein "Killer" als Torhüter zu werden und keine Angst zu haben. Und hier bei Borussia habe ich hier das Technische, das Saubere, eben das Fußballerische mitbekommen. Ich finde, diese zwei Schulen haben mir sowas von gut getan: Einmal in Lautern mit dem Killerinstinkt, eins gegen eins und keine Angst zu haben. Und das andere ist dann hier das Fußballerische, das ich bei der Borussia nochmal extrem gelernt habe, denn hier wird versucht, alles mehr oder weniger spielerisch zu lösen. Sowas dann mal jungen Keepern beizubringen würde mir denke ich, auch aufgrund meines Erfahrungswerts, sehr viel Spaß machen. Plan B wäre natürlich bei uns in der Heimat in der Bäckerei mit einzusteigen, da ich gelernter Konditor bin und mein Vater eine eigene Bäckerei hat. Das wäre natürlich auch ein Thema, das mich interessieren würde. Ich hoffe aber dennoch, dass ich noch ein paar Jahre kicken kann und ich noch nicht so schnell diese Entscheidung treffen muss. Was ich noch sagen kann, ist die Tatsache, dass ich mich eigentlich als Profi noch nie so gut gefühlt habe wie zurzeit, auch vom Körperlichen her. Und ich kann mir deshalb noch durchaus vorstellen, wenn ich verletzungsfrei und gesund bleibe, vier bis fünf Jahre auf diesem Niveau zu spielen.

Der Betze brennt: Vielen Dank für die Zeit, Tobi, die du dir genommen hast. Wir wünschen Dir und Deiner Mannschaft eine gute neue Saison und viel Erfolg.

Sippel: Gerne. Ich wünsche euch auch eine gute Zeit, viele Grüße an alle FCK-Fans und bis dahin alles Gute!

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Matthias Glötzner (mitschinho18)

Weitere Links zum Thema:

- Teil 1 des Interviews: "Die Zeit beim FCK war einfach mega" (Der Betze brennt)



Beitragvon Stimpy001 » 25.09.2020, 12:02


Tolles Interview und einfach ein grunderhlicher Typ!
Als diese Spier gegangen wurden, das war der Anfang vom Ende.

Für mich einer der letzten Namen, die auf mein Trikot gedurft hätten, neben Dick und Amedick.
Wäre schön, ihn nochmal in unserem Trikot zu sehen.
Auch wenn ich Hesse bin, so weiß ich wo guter Fussball gespielt und gelebt wird.

Wenn Du dich im dunkeln vor den Spiegel stellst und dreimal hintereinander "bunter Blumenstrauß" sagst, dann kannst du es ganz leise in Duisburg lachen hören!

Gegen Alleinherrscher wie Becca



Beitragvon T. Zibbel » 25.09.2020, 12:33


Super Interview!!! Super Typ!!!

Ich fänd es super wenn wir es Sippelche wieder auf dem Betze sehen würden. Ich war mir sicher, dass er in ein paar Jahren den Gerry ablöst und von ihm eingearbeitet wird. Ich glaub dass hatten sie beide so vor...

Hoffen wir mal das Beste für den Betze... vielleicht ist dann mal ein Verantwortlicher so klug das frühzeitig zu planen. So in zwei drei Jahren, wenn wir wieder angreifen in die Bundesliga aufzusteigen, bla blubb...

Grüße vom T. Zibbel (Ähnlichkeit des Nicks zum T. Sippel war kein Zufall)
Fortschritt ist noch keine Leistung,
es kommt auf die Richtung an.



Beitragvon Tobsi » 25.09.2020, 14:27


Schade, dass Tobi damals nicht länger bleiben konnte, aber gerade auf der TW-Position ließ und lässt sich mit jungen Spielern viel Geld verdienen. Respekt, dass er sich dann so lange mit der Nummer 2 zufrieden gibt. Aber es gibt durchaus schlimmeres als in den letzten fünf Jahren Teil von der Gladbacher Mannschaft zu sein, von der Entlohnung mal nebenbei abzusehen. Aber schön, wenn es noch solche Typen gibt, die den FCK im Herzen tragen. Alles Gute weiterhin Tobi!!!!



Beitragvon Gifhorner » 25.09.2020, 15:14


Guter Typ, lebt Betze! Weiß noch bei einem Spiel auf St. Pauli, wie er nach unserem Sieg in die Kurve kam, sich ein große Fritz-Walter-Fahne geschnappt hat und sie vor der ganzen Kurve geschwenkt hat. Es war echt, im Gegensatz zu Vielen, die schon unser Wappen geküsst haben.



Beitragvon neoncowboy » 25.09.2020, 18:35


Ich habe Tobi in der Saison 2010 und 2011 als Anwärter fürdie Nationalmannschaft gesehen. Was der 150prozentige rausgeholt hat...Wahnsinn!

Damals hätte man Lakic, Ilicevic und Jendrisek nie gehen lassen dürfen, dann hätte man die Liga halten können.



Beitragvon LDH » 25.09.2020, 20:34


Wow. Starkes Interview. Tolle Erinnerungen. Der Kerl hat sich echt gemacht.
Freut mich richtig für ihn, dass er seinen Platz gefunden hat und sich wohl fühlt. Und seine Sicht auf das Geschäft wird ihm noch nützlich sein.

Und nebenbei werden in dem Interview viele Dinge angesprochen die zum Niedergang des FCK geführt haben und die aktuell den Karen in den Dreck setzen.
Kein Finanzfachmann. AR und Vorstand mischen sich in Dinge ein die sie nichts angehen. Mannschaft wird jedes Jahr durch gewürfelt. Die besten Spieler werden jedes Jahr verkauft. Keine ordentliche Vereinsphilosophie....



Beitragvon Goldwasser » 25.09.2020, 20:44


Kilmister hat geschrieben:Mir bis heute unverständlich, wieso Tiffert in der Saison drauf auf einmal keinen Ball mehr vor den Kasten bekam und der FCK mit Kurz 16x nicht gewinnen konnte. Was war passiert?


Er hat die Kapitänsbinde nicht gut vertragen und nach seinen scorerwerten aus dem Vorjahr lief er auch bei keinem Gegner mehr unter dem Radar.



Beitragvon Baru » 26.09.2020, 00:07


Tobi Sippel - eines DER Gesichter meines Daseins als Betzfan! Ein grundehrlicher, bodenständiger Typ, einfach ein Lichtblick in diesem kranken Business. Tobi Sippel war nicht nur ein Spieler, für den der Betze eine von vielen Karrierestationen war. Er war immer einer von uns -
Und ganz nebenbei auch noch ein richtig guter Torwart. Ich weiß, diese Fußnallromantik passt nicht mehr in die Zeit, aber ich feier ihn einfach dafür!
Es ist so schade und bezeichnend, dass man ihn vom Berg geschickt hat. Und schwachsinnig zugleich. Mit 26 bzw 27 zu alt und es müsse ein Generationswechsel im Tor erfolgen, sorry dazu fällt mir nichts mehr ein.

Alles Gute Tobi in Gladbach und hoffentlich noch das ein oder andere geile Spiel zwischen den Pfosten der Bundesliga oder Europas!



Beitragvon salamander » 26.09.2020, 01:13


Es ist eine Schande, wie man beim FCK über die Jahre mit seinen Identifikationsfiguren umgegangen ist. Nachdem Sippel weg war, ging’s nur noch bergab.



Beitragvon bladde3.0 » 26.09.2020, 10:24


salamander hat geschrieben:Es ist eine Schande, wie man beim FCK über die Jahre mit seinen Identifikationsfiguren umgegangen ist. Nachdem Sippel weg war, ging’s nur noch bergab.


Und in den Hetzer-Foren erst... was wurde nicht alles über Sippel geschrieben, wenn er mal wieder einen unglücklichen Ausflug aus seinem Strafraum oder ins erotik-Center startete. Er war uns immer zu klein und alle anderen waren immer besser als er.

10 Jahre später ist er ein verklärter Held. Ähnlich wie bei Kurz, den dieses Forum damals genauso anzählte und beleidigte, wie heute Schommers. Jetzt Ostberlin plötzlich der letzte super Trainer, den wir hatten....



Beitragvon FCK-Ralle » 26.09.2020, 22:59


Ach kommt, lasst das doch bitte.

Ja Tobi hatte seine "Aussetzer" und hat dafür auch auf die Mütze bekommen.
Dann hat er die Woch drauf wieder alles gehalten und war der Held.

Hey wir sind im Fußballforum da ist das so.

Toller Typ der Tobi und ein FCKler durch und durch.

Ich hoffe er kommt irgendwann zurück auf den Betze. Vielleicht als Spieler aber noch lieber als Torwarttrainer.
Er wäre für mich einer der wenigen legitimen Nachfolger für Gerry.
Und mit den beiden Komponenten die er erfahren hat - Gerry und Kamps - bestens geeignet für den Job.
FCK 4-life
"Sieger zweifeln nicht und Zweifler siegen nicht!" (Gerry Ehrmann)



Beitragvon Schwebender Teufel » 27.09.2020, 16:33


Er gehörte damals auch zu meinen Lieblingsspielern schade das er den FCK dann verlassen hat oder verlassen musste das weiss man ja auch nicht so 100 Prozent.
Warum er sich in Gladbach allerdings auf die Bank setzt kann ich vom Gehalt mal abgesehen :D bis heute nicht nachvollziehen.



Beitragvon Lautern-Fahne » 29.09.2020, 18:47


Schwebender Teufel hat geschrieben:Er gehörte damals auch zu meinen Lieblingsspielern schade das er den FCK dann verlassen hat oder verlassen musste das weiss man ja auch nicht so 100 Prozent.
Warum er sich in Gladbach allerdings auf die Bank setzt kann ich vom Gehalt mal abgesehen :D bis heute nicht nachvollziehen.


Ganz ehrlich- warum nicht? Angeblich bekommt er ne Mio bis 1,5 Mio im Jahr. Das ist mehr als ordentlich. Dazu versperren ihm sein 1,85 m einfach den Weg in ein Bundesligator. Und damals in die Nationalelf. Trapp durfte spielen, weil Sippel in der zweiten Buli Saison an keinen Freistoß mehr rankam, wenn der etwas platzierter geschossen war. Es fehlten die 5cm. Gladbach ist ein gut geführter Club mit ruhigem Umfeld. Die Leute mögen ihn, seine Familie fühlt sich wohl. Ab und an durfte er in der CL ran und evtl. kann er irgendwann dort eine Ausbildung machen.

Warum sollte er weg? Um 20 Spiele für Heidenheim/Fürth/Pauli weisdergeierwo in der zweiten oder dritten Liga für ein Drittel vom Geld zu machen und evtl. wegen seiner Körpergröße ausrangiert zu werden? Nö. Das wäre Blödsinn.




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