Fragen, Antworten und Anekdoten zur Geschichte des FCK.

Beitragvon Hellfire » 23.02.2007, 18:24


FCK-MEISTERTEAM 1998
Triumph von Ottos treuen Knappen

Von Johannes Scharnbeck

Die historische Dimension war Otto Rehhagel bewusst. "So etwas wird es nie wieder geben", sagte der Trainer 1998, nachdem seine Lauterer Meister geworden waren - als Aufsteiger. Das Fußballmagazin "11 FREUNDE" erinnert an den großen Coup des Pfälzer Kollektivs.

Kein Lauterer Wunder ohne Fritz Walter. Auch von der sensationellen Meisterschaft 1998 ist eine rührselige Anekdote über das Pfälzer Idol übermittelt. Während der entscheidenden Partie des FCK gegen den VfL Wolfsburg am vorletzten Spieltag lag der damals 76-Jährige, geschwächt von einer Bronchitis, im abgedunkelten Schlafzimmer seines Hauses in Alsenborn. Walter war so aufgeregt, dass er es nicht wagte, das Spiel live im Fernsehen zu verfolgen. So erteilte er seiner Frau Italia den Auftrag, jedes Tor der "Roten Teufel" mit dem lauten Ruf "Tor, Tor, Tor" zu vermelden. Italia schrie insgesamt viermal und mit jedem Tor fühlte sich Walter besser. Um viertel nach fünf war sein Husten dann vollends kuriert. Denn Italia rief noch ein letztes Mal - und das bedeutete laut Absprache, dass der FCK den Titel geholt hatte.

Die inoffizielle Meisterfeier mit mehr als 30.000 Fans in der Altstadt legte am 2. Mai 1998 ganz Kaiserslautern lahm. So etwas hatte es in der Bundesliga-Geschichte noch nicht gegeben, ein Aufsteiger hatte die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Und eine ganze Region huldigte dem Mann, der die Sensation vollbracht hatte: Trainer Otto Rehhagel, "König von Kaiserslautern". Knapp zwei Jahre zuvor war er bei den Bayern rausgeflogen. Nun aber hatte es Rehhagel noch einmal allen gezeigt. Er hatte eine Mannschaft geformt, die ihm blind folgte. Deren Gerüst aus Profis bestand, die ihren Zenit eigentlich schon überschritten hatten. Eine Mannschaft, in der sich einer für den anderen aufopferte und die spielte wie in Rehhagels guten alten Zeiten. Ein Anachronismus auf die Fußballmoderne.

Der FCK verteidigte mit knorrigen Abwehrspielern wie dem hüftsteifen Harry Koch, dem emsigen Martin Wagner, dem tschechischen Hünen Miroslav Kadlec und dem unerbittlichen Dänen Michael Schjønberg. Im Mittelfeld ordnete der von Inter Mailand zurückgekehrte Ciriaco Sforza das Spiel. Der Schweizer, ebenso wie Rehhagel in München gescheitert, verlieh der Offensive die zusätzliche Raffinesse, ohne die eine Meistermannschaft nicht auskommt. Und in der Defensive beruhigte er mit Übersicht und Technik die Kollegen, denen der Ball nicht blind gehorchte.

Unterstützt wurde Sforza von den Flügelspielern Andreas Buck und Ratinho sowie den gerade 20-jährigen Talenten Marco Reich und Michael Ballack. Die Adressaten ihrer Pässe waren die Flitzer Pavel Kuka und Jürgen Rische, im Sturmzentrum warteten Brecher wie Marian Hristov und Olaf Marschall. Vor allem der Sachse Marschall wurde zu Rehhagels Glücksfall: Er spielte die Saison seines Lebens und traf 21 Mal. Später war Marschall auch bei den Prämienzahlungen vorne dabei, denn sein pfiffiger Berater Michael Becker hatte eine Meisterschaftsprämie in den Vertrag seines Mandanten schreiben lassen.

Kein anderer Lauterer Spieler verfügte über solch eine Klausel, der Neid der Kollegen hielt sich trotzdem in Grenzen. Spricht man heute mit den damaligen Akteuren, so schwärmt jeder vom Zusammenhalt und Teamgeist innerhalb des Kaders, Marschall preist sogar ein "nahezu perfektes Team". Rehhagel hatte nach dem Abstieg des 1. FC Kaiserslautern zwei Jahre zuvor eine zerstrittene Mannschaft übernommen, die sich in der 2. Liga zunächst sehr schwer tat. Doch der erfahrene Coach schuf ein neues Wir-Gefühl und rannte damit in einem Team, in dem es fast keine Junggesellen, dafür umso mehr Familienväter gab, offene Türen ein. Wurden Kinder eingeschult, gab Rehhagel den Spielern grundsätzlich frei, traf sich der Kader, war jeder angehalten, den Nachwuchs mitzubringen. So rückte die Mannschaft enger zusammen.

Der Verlauf der Saison 1997/1998 zeigt, dass das angebliche Kaiserslauterer Wunder ein verdienter und hart erarbeiteter Triumph war. Ab dem 4. Spieltag stand der FCK ununterbrochen auf dem ersten Tabellenplatz, der stets ausverkaufte Betzenberg erwies sich als schier uneinnehmbare Festung. Einige Partien dort konnte die Elf erst nach dramatischen Spielverläufen und durch Tore in den letzten Minuten für sich entscheiden, so beim 3:2 gegen Mönchengladbach und beim 4:3 gegen Rostock.

Das alles wäre jedoch nichts wert gewesen ohne die beiden Siege gegen den großen Konkurrenten Bayern München. Gleich am 1. Spieltag hatte der Aufsteiger ins Olympiastadion reisen müssen und beim Rekordmeister mit 1:0 gewonnen. "Da haben wir gemerkt, dass wir mit allen mithalten können", erinnert sich Torschütze Michael Schjønberg. "Auch wenn es blöd klingt, durch die vielen Siege in der 2. Liga hatten wir uns ans Gewinnen gewöhnt und haben einfach weitergemacht."

Der 1. FC Kaiserslautern war wirklich kein gewöhnlicher Aufsteiger. Die Mannschaft, die 1996 in Leverkusen den Klassenerhalt verspielt hatte, war nahezu zusammen geblieben. Mit Rehhagel kam ein motivierter Trainer in die Pfalz, der im beschaulichen Kaiserslautern seine Methoden eins zu eins umsetzen konnte. Das allein machte aus einem Zweitligisten allerdings noch keinen Meisterschaftskandidaten.

Quelle und kompletter Text: http://www.spiegel.de/sport/fussball/0, ... 26,00.html

*schnüff, waren das tolle Zeiten* :verbeug:
Eine Abwehr aus Granit - so wie einst Real Madrid -
und so zogen wir in die Bundesliga ein, und wir werden wieder Deutscher Meister sein!



Beitragvon Marky » 23.02.2007, 18:34


Danke Hellfire - hab den Artikel schon in 11 Freund gelesen und hatte von der ersten bis zur letzten Zeile Gänsehaut.

"Eine Mannschaft, in der sich einer für den anderen aufopferte und die spielte wie in Rehhagels guten alten Zeiten. Ein Anachronismus auf die Fußballmoderne.

Der FCK verteidigte mit knorrigen Abwehrspielern wie dem hüftsteifen Harry Koch, dem emsigen Martin Wagner, dem tschechischen Hünen Miroslav Kadlec und dem unerbittlichen Dänen Michael Schjønberg. Im Mittelfeld ordnete der von Inter Mailand zurückgekehrte Ciriaco Sforza das Spiel..."

Hier der exakte Link: http://www.spiegel.de/sport/fussball/0, ... 26,00.html
"Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden." (Nick Hornby, "Fever Pitch") #Unzerstörbar



Beitragvon MW79 » 23.02.2007, 19:18


Super Bericht.

Letzte Woche hab ich mal in meinen Betze Büchern geblättert und die Zeitungsartikel der Mainzer Allgemeinen Zeitung darin gefunden. Eine Seite nur vom FCK.

Und jetzt gehts gegen Unterhaching :schnarch:



Beitragvon Seb » 23.02.2007, 21:45


und 17 heimspiele, 17 mal ausverkauft, das war schon ein ding. sowas schafft wohl keiner mehr und was aus uns geworden ist ist auch traurig.
wir sollten aber alle hinter mannschaft UND trainer stehen um da nochmal rauszukommen.



Beitragvon OWL-Teufel » 24.02.2007, 11:15


Da werden Erinnerungen wach...legendäre Spiele wie Olafs One-Man-Show gegen Mönchengladbach oder das Hin und Her gegen Rostock,auch das sensationelle Spiel gegen Stuttgart werde ich nie vergessen!

*heul* Das waren wunderschöne Zeiten!



Beitragvon alex-BETZE » 24.02.2007, 13:17


Der letzte Satz ist klasse!
---> Gegen den Kommerz im Fußball!
Eine verschworene Gemeinschaft triumphiert über Zweckgemeinschaften mit gut verdienender Profis anderer Spitzenvereine. :teufel2:



Beitragvon Roter_Teufel » 24.02.2007, 14:50


Hammer Bericht!
Das waren Zeiten.... 8-)
„Ein Verein sucht man sich nicht aus, man wird in ihn hinein Geboren!“



Beitragvon chris » 24.02.2007, 19:26


sehr sehr geil!
ich träum jetzt von den erfolgreichen jahren... :schnarch:



Beitragvon Betze-Playa » 25.02.2007, 00:08


Danke Otto und danke an die damahlige mannschaft ! :danke:
Germanys Dirty South Betze Playa



Beitragvon diabOlo78 » 25.02.2007, 00:21


ach die zeiten kommen wieder.. man sollte die hoffnung ja nicht aufgeben

:doppelhalter:



Beitragvon FCKFreak » 25.02.2007, 00:28


Jaja und genau 10 Jahre später erreicht der FCK am letzten Spieltag mit
einem :teufel2: 5:1 gegen den bereits feststehenden Absteiger Mainz o5 durch eine Hattrick von Opara und einem Doppelpack von Daham die Championsleage 8-)



Beitragvon kepptn » 25.02.2007, 01:11


FCKFreak hat geschrieben:Jaja und genau 10 Jahre später erreicht der FCK am letzten Spieltag mit
einem :teufel2: 5:1 gegen den bereits feststehenden Absteiger Mainz o5 durch eine Hattrick von Opara und einem Doppelpack von Daham die Championsleage 8-)


Dann sollten wir morgen Anfangen und das Team so unterstütze al sei 96 und alles läge wieder vor uns. :teufel2:



Beitragvon El-Jungo » 25.02.2007, 10:43


Oh man - ich glaub des dürft man garnet sagen.... aber als ich den Artikel eben gelesen hab, sind mir die sowas von die Tränen gekommen...

Naja war mal wieder schön in alten Zeiten zu stöbern.
Jetzt zählt nur eins!
Konnt heut morgen noch net mal schlafen... Also bitte fährt den scheiß 3er ein. Kanns kaum erwaten endlich hoch zu gehen.

Nur der FCK
---> 100% dem FCK <---
Bild



Beitragvon hongar » 25.02.2007, 12:08


das ist es eben was den Verein ausmacht....in guten wie in schlechten Zeiten!!! zur Zeit sinds eher die schlechten.aber auch da kommen wir wieder raus....AUCH wenn wir nicht aufsteigen! Aber da ist das letzte wort auch noch nicht gesprochen.....

Together we stand !!!



Beitragvon lewolf » 26.02.2007, 00:47


yo & sonen Mann wie den Rehagel haben einige hier weggejagt.... zum weinen is das !

nu haben wir keinen rehagel, sondern nen wolf. wir werden definitiv nicht nach einem möglichen aufstieg weit oben mitspielen, aber durchaus ne chance haben uns wieder in liga 1 zu etablieren... es sei denn einige drehen wieder durch...



Beitragvon FockeWulf » 01.03.2007, 09:57


ein Zeitzeuge (meine Wenigkeit) berichtet: :teufel2:

das war einfach eine geile Zeit!!! hab damals kein Heimspiel verpasst (Block 8). war nach dem Spiel gegen Wolfsburg auch auf den heiligen Rasen gerannt und hatte mit meinem Autoschlüssel ein Stück Rasen rausgeschnitten, den ich heute noch im Garten meines Elternhauses habe.

Glaube, so eine Zeit wird so schnell nicht wieder kommen, zu Hause eine Macht (bis auf die Patzer gg. Bremen u. Leverkusen) und dann diese Orgasmus-Spiele wie z.B. gegen Stuttgart (4:3), gegen Bayern (2:0) oder Gladbach (3:2). Weiß noch damals, nach dem Last-Minute-Tor von Olaf Marschall gegen Gladbach, dass ja ein Meilenstein in Richtung Meisterschaft war, dass auf der anderen Seite in der Ostkurve jemand an einem Herzinfarkt gestorben war. schon krass! war aber bei diesem Spiel selbst auch einem Infarkt nahe :huepf:

Was mich allerdings bis heute ärgert ist folgendes: ich war mit meinen Kumpels damals auch auf der Meisterfeier auf dem Stiftsplatz und wir haben gefeiert und gesoffen bzw. uns so richtig die Kanne gegeben. :beer: Wir hatten sogar später den Schankverlust von einer Bierbude gesoffen, den hatten wir für lau bekommen. Das Resultat war, dass wir am nächsten Tag im "Koma" lagen und nicht mehr aus dem Bett kamen. Dadurch verpassten wir das eigentlich wichtige, nämlich die Ehrenrunde der Meistermannschaft mit der Meisterschale durch die Stadt. Ich denke heute noch, Mensch warum haben wir uns so vernichtet? eigentlich wollten wir doch die Mannschaft sehen und feiern!

Aber es scheint mir alles noch heute wie ein Märchen. Wenn ich darüber nachdenke, dass wir aufgestiegen sind und deutscher Meister wurden, dann sagt immer eine Gehirnhälfte: Quatsch, das kann nicht sein, so was gibt es nicht! Aber die andere Gehirnhälfte sagt: doch das war alles passiert, und du warst live dabei! und dann bekomm ich wieder Gänsehaut und ein immer bleibendes Glücksgefühl, denn diese Zeit kann mir keiner mehr wegnehmen.

FCK, ICH LIEBE DICH!!!!!!!!!!!!!!!!!!! :verbeug: :schild:




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