Neuigkeiten und Pressemeldungen zum 1. FC Kaiserslautern.

Beitragvon Thomas » 22.11.2021, 13:04


Update: Die xG-Grafiken von FCK-SVWW sind online, siehe ein Beitrag weiter vorne. :)
Der Verein führt als eingetragener Verein den Namen 1. Fußball-Club Kaiserslautern e.V. (1. FCK) und hat seinen Sitz in Kaiserslautern. Seine Farben sind rot und weiß. (...) Das Stadion trägt den Namen Fritz-Walter-Stadion. (Vereinssatzung des 1. FC Kaiserslautern e.V. - Artikel 1, Absatz 1)



Beitragvon rocketsven » 22.11.2021, 18:11


Mal wieder ein top Analyse :daumen:

Und eine starke Leistung unserer Mannschaft und ein sehr guter Matchplan.

Auffällig waren für mich besonders zwei spielerische Elemente. Zum einen war wohl die Ansage vermehrt auf lange Bälle zu setzen. Vor allem Ritter und Winkler haben immer wieder versucht (teilweise diagonal) die Viererkette zu überspielen und unsere schnellen Stürmer einzusetzen. Beim Abseitstor durch Redondo hätte das fast zum Erfolg geführt.

Außerdem waren die vertikalen Läufe von Tomiak mal wieder Zucker. Er geht im richtigen Moment ins Dribbling und hat das ganze Feld vor sich. Wenn unsere Sechser schnell antizipieren, haben wir eine Überzahl im Zentrum und der Gegner verliert für einen Moment die Ordnung. Ein gutes Beispiel war die Kopfballchance von Redondo kurz vor der Pause. Tomiak ist übrigens bereits zum achten Mal der Spieler mit dem "most progressive carrying".

Sessa war für mich leider so ein bisschen das Opfer des Matchplans. Das war besonders auffällig als dann Götze rein kam, der wiederum mit seinen vertikalen Läufen genau rein gepasst hat.

Alles in allem ein wichtiger Sieg. Mich freut es vor allem für die Jungs die zeigen konnten, dass sie eine echte Alternative sind.



Beitragvon DieWalzFunDePalz » 22.11.2021, 21:57


Ich bin wie immer begeistert von deiner Analyse, lieber Eric, weiter so!
Der Mann des Spiels, und da sind wir uns wohl alle einig, war für mich Redondo. Der hat richtig Kilometer gefressen. Und was wir an Götze haben, konnte man gleich nach seiner Einwechslung sehen, der Mann hat richtig zug zum Tor. Mit dieser Mannschaftsleistung kann man absolut nach vorne blicken. :teufel2:
Der Typ ist so quirlig, der geht nach dir in die Drehtür und kommt vor dir wieder raus.“
Bela Rethy



Beitragvon HH_Devil » 24.11.2021, 10:15


rocketsven hat geschrieben:Mal wieder ein top Analyse :daumen:


Sessa war für mich leider so ein bisschen das Opfer des Matchplans. Das war besonders auffällig als dann Götze rein kam, der wiederum mit seinen vertikalen Läufen genau rein gepasst hat.


Sessa hat meiner Meinung nach eine riesige Chance liegenlassen Werbung für sich zu machen. Er hatte, bis zur Auswechslung, einige Situationen vor dem gegnerischen Strafraum in der er Torchancen hätte kreieren können. Dabei aber leider die falschen Entscheidungen getroffen oder aber ein schlampiges Passspiel an den Tag gelegt. Seiner Mimik nach der Auswechslung nach zu urteilen, weiß er das auch und macht es beim nächsten Mal besser.



Beitragvon Kohlmeyer » 28.11.2021, 17:14


Auch heute gibt es natürlich unsere Taktik-Nachlese zur Partie in Dortmund:

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Taktik-Nachlese zum Spiel BVB-FCK
Die DBB-Analyse: Abnutzungskampf mit Herzaussetzern

War’s nun "ein 0:0 der besseren Sorte"? Oder waren es aus Sicht des 1. FC Kaiserslautern "zwei verschenkte Punkte", die in der Endabrechnung noch weh tun könnten? Es bleibt wie so oft Ansichtssache. Eines war die Partie bei Borussia Dortmund II auf keinen Fall: langweilig.

Es war wie so oft, wenn der FCK in der 3. Liga auf zweite Mannschaften der Bundesliga trifft: ein etwas anderes Spiel halt. Gegen einen Gegner nämlich, der das Spiel selbst zu dominieren versucht, auch über längere Phasen hoch presst und bei Ballbesitz das Leder auch mal über ein paar Stationen laufen lässt, bevor er den Weg in den Strafraum sucht. Und die Roten Teufel zeigten sich davon auch erst einmal recht beeindruckt. Die nach wie vor beste Defensive der Liga hielt jedoch stand, auch wenn sie nach einer Standardsituation ganz schön ins Schwimmen geriet.

Nach zehn Minuten startete die Antwerpen-Elf dann erste eigene Angriffsversuche, wobei einmal mehr ihr mittlerweile typisches asymmetrisches Flügelspiel auffiel. Fast alle Aktionen wurden über die rechte Seite vorgetragen, über den nach seiner Pause gegen Wehen zurückgekehrten Philipp Hercher, der in puncto Laufintensität überragte, dessen Flanken aber keine Adressaten fanden. Hendrick Zuck auf der anderen Seite, der aufgrund des Fehlens von Jean Zimmer die Mannschaft als Kapitän auf den Platz führte, stand wesentlich tiefer und versuchte, Herchers Flankenläufe mit diagonalen Seitenwechseln einzuleiten.

Tomiak: Der Dampfmacher hatte diesmal Glück im Kartenspiel

Boris Tomiak profilierte sich wieder als Hybrid von rechtem Innen- und Außenverteidiger - mit dem links einpendelnden Zuck wurde die Dreier- dann zur Viererkette. Der Überflieger aus Düsseldorf sah allerdings auch früh die Gelbe Karte, seine fünfte, womit er am Wochenende gegen Viktoria Köln fehlen wird. Und er hatte Glück, dass er nach einem zweiten Foul Mitte der zweiten Hälfte nicht beide Kartons hintereinander betrachten durfte.

Interessant aber: Marco Antwerpen wechselte den nun akut Gelb-Rot-gefährdeten Abwehrmann nicht aus - überhaupt nutzte er im gesamten Spiel nur zwei von seinen insgesamt fünf möglichen Wechseloptionen. Vielleicht, weil er Tomiak mittlerweile für unverzichtbar hält. Vielleicht aber auch, weil die Alternativen ein Stühlerücken im Defensivverbund notwendig gemacht hätten, das der Trainer nicht riskieren wollte. Julian Niehues oder Hikmet Ciftci sind eher in der Abwehrzentrale zuhause, Max Hippe hätte dann auf die rechte Seite rücken müssen.

Insbesondere Tomiak und der linke Innenverteidiger Alex Winkler droschen auch immer wieder mal langen Bälle ins Angriffsdrittel. Im Gegensatz zur Partie gegen Wehen landeten diese aber zumeist in der Abwehrreihe der Schwarzgelben. Das lag daran, dass sie Langholz meist von quirligen Borussen bedrängt schlagen mussten, aber auch daran, dass die Spitzen Kenny Redondo und Daniel Hanslik nicht mit annähernd so gutem Timing wie vor Wochenfrist gegen den SVWW in die Räume starteten.

Redondo? Ja, Antwerpen hatte den Linksfuß nach zuletzt zwei starken Auftritten in der Startelf gelassen, obwohl Stammplatz-Aspirant René Klingenburg wieder zur Verfügung stand. Überhaupt hatte der Trainer die Anfangsformation, die vor acht Tagen eigentlich als "Notelf" gestartet war, nur auf zwei Positionen geändert: Hercher kehrte für Dominik Schad zurück, Felix Götze für Nicolas Sessa.

Hälfte zwei: Alles viel, viel besser, nur die Torausbeute nicht

So gestalteten sich die ersten 45 Minuten in der Tat in erster Linie als der "Abnutzungskampf", den auch Lauterns Mittelfeldlenker Mike Wunderlich hinterher gesehen hatte. Das holprige Geläuf im Stadion Rote Erde tat sein übriges, sodass Strafraumszenen Mangelware blieben. Die Highlights setzten zwei Schussversuche von außerhalb des Zentrums: Immanuel Pherai prüfte aus 17 Meter Lauterns Schlussmann Avdo Spahic - der 20-jährige Niederländer war ins Spiel gebracht worden, weil seine Mitspieler wieder mal einen langen Ball aus Lauterns Abwehr direkt pariert hatten. Auf der Gegenseite zimmerte Mike Wunderlich einen Querpass von Hendrick Zuck aus 18 Meter an die Unterkante der Latte. Hier war zuvor ein vertikaler Ball von Winkler abgeblockt worden, den er sich aber stante pede zurückholte - auch so kann "Spiel auf zweite Bälle" aussehen.

Zu Hälfte zwei: Die Roten Teufel rückten weiter auf, attackierten früher und entschlossener, hatten den BVB fast über die gesamte Restspielzeit hinweg vollkommen im Griff. Und wäre ihnen auch noch der Siegtreffer geglückt, der Lobgesang würde an dieser Stelle kein Ende nehmen. Doch leider wurden sämtliche, zum Teil hochkarätige Einschussgelegenheiten vergeben. Im Einzelnen sind diese bereits in unserem Spielbericht geschildert - und die meisten FCK-Anhänger dürften sich ohnehin schon über den TV-Bildern die Haare genug gerauft haben.

Halten wir an dieser Stelle lieber ein paar Randbeobachtungen fest. Unmittelbar vor Marlon Ritters Herzinfarkt-Moment in der Nachspielzeit offenbarte sich dem eingewechselten Ted Tattermusch die einzige BVB-Chance der zweiten Hälfte, doch Spahic lenkte seinen Kopfball mit den Fingerspitzen gerade noch über die Latte. Wie viele Tore hat der FCK in den vergangenen Jahren in Phasen kassiert, in denen vermeintlich nichts mehr anbrennen konnte? Zumindest dieses Schicksal scheint sich diese Saison langsam zu wenden.

Hanslik, Zuck und Götze zeigen: Es geht auch mal über links

Und ja, na klar, Daniel Hanslik hatte bei seiner "Hundertprozentigen" in der 59. Minute zu lange gezaudert. Bevor jetzt aber alle auf ihn einprügeln: Bitte auch mal genauer hinschauen, wie Hanslik zuvor Zucks Vertikalpass im Zentrum an- und mitnahm und anschließend auf Hercher querlegte - so viel technische Feinarbeit gibt es in der 3. Liga nur selten zu sehen.

Hanslik hatte zudem die Großchance für Hercher in der 71. Minute aufgelegt. Im Zusammenspiel mit Felix Götze - und das über die linke Seite. Es muss also nicht immer alles nur über rechts laufen. Und apropos Götze: Der überzeugte über 90 Minuten spielerisch und kämpferisch, nähert sich nun langsam wieder der Form, die ihn zum Finale der vergangenen Saison zum wichtigsten Aktivposten im Abstiegskampf machte.

Schade, dass er sich nicht klarer entscheiden konnte, ob er Wunderlichs 50-Meter-Schlag an den Sechzehner annehmen oder direkt schießen sollte - in der Szene hatte sich übrigens mal ein Lautrer einen Befreiungsschlag der Dortmunder sofort hinter der Mittellinie zurückerobert. Ältere FCK-Fans erinnerten sich in diesem Moment vielleicht an Erwin "Jimmy" Hoffer: Der hatte einst in Stuttgart mal so ein langes Ding direkt mit der Pike über den gegnerischen Keeper gelupft.

Unterm Strich gibt es also auch ein paar Anlässe, sich über dieses 0:0 nicht nur zu ärgern. Eine Garantie, dass in der Endabrechnung gerade diese beiden Punkte fehlen, gibt’s zwar nicht - aber noch jede Menge Gelegenheiten, sie anderorts wieder hereinzuholen.

Ergänzung, 30.11.2021: Die xG-Plots: Was ist mit Ritters Großchance?

Die Timeline der xG-Plots mutet auch diesmal wieder etwas gewöhnungsbedürftig an. In der Tat springt direkt ins Auge: Ritters Herzinfarktmoment am Spielende findet gar keinen Niederschlag mehr. Nach Tattermuschs Kopfballchance, die auch nach expected Goals-Maßstäben nicht von schlechten Eltern war, ist Schluss. Muss man nicht verstehen.
Ansonsten sei nochmals drauf hingewiesen: Distanzschüsse, bei denen sich im Moment des Abschlusses etliche Spieler zwischen Ball und Tor befinden, werden stets mit niedrigen xG-Werten bedacht. Denn es ist statistisch erwiesen, dass solche Geschosse viel seltener einschlagen als der subjektive Fußballgucker vermutet. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass Mike Wunderlichs fulminanter Lattenkracher mit einer Trefferwahrscheinlichkeit von grade mal fünf Prozent bedacht ist. Der Sprung bei Hansliks Torchance indes spricht für sich.

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Zur Positions- und Passgrafik: Spiegelt im Prinzip die bereits beschriebene Formation wieder, auffällig wie immer die Rechtslastigkeit des FCK-Spiels. Hingewiesen sei auch auf den kräftigen Pfeil, der von Alexander Winkler zu Hanslik führt. Der linke Innenverteidiger ist also der in der Abwehrreihe, der sich öfter als jeder andere an Langholz versucht. Ob Boris Tomiak künftig eher als rechter Außenverteidiger oder rechter Innenverteidiger geführt werden sollte? Da sollen die "kicker"-Ranglistenmacher entscheiden.

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Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik der Dortmunder: Wie oben bereits beschrieben, lassen die Schwarzgelben den Ball gerne lange "hintenrum" laufen, ehe sie den Weg zum Tor suchen - das ist bei Drittligisten eher ungewöhnlich. Auffällig auch die exponierte Position von Supertalent Youddoufa Moukoko. Viel draus gemacht hat er ja nicht, da hat Lauterns Hintermannschaft einmal mehr gute Arbeit geleistet.

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Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2021/22: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage



Beitragvon michael65 » 29.11.2021, 18:56


Genau, nicht nur über das Vergeben von Großchancen ärgern, sondern auch die Fortschritte und Perspektiven sehen und hervorheben. Zum Beispiel, dass wir im Spiel wesentlich variabler geworden sind. Nicht nur über rechts, sondern eine Verlagerung auf links oder das Verlegen des Spiels quer über den Platz.

Die Frage für mich, ist das jeweils die Anordnung von außen, also Trainerstab, oder ob die Mannschaft diese Variabilität von innen heraus an den Tag legt. Zweites ist natürlich das Ziel. Deswegen nicht nur ärgern. Wenn uns dies perspektivisch weiterhin gelingt, wird das erfolgreich sein. Die Saison ist noch lang.
"Das sind die Weisen, die durch Irrtum zur Wahrheit reisen.
Die, die bei dem Irrtum verharren, das sind die Narren."
(Friedrich Rückert)



Beitragvon Excelsior » 29.11.2021, 23:44


michael65 hat geschrieben:Die Frage für mich, ist das jeweils die Anordnung von außen, also Trainerstab, oder ob die Mannschaft diese Variabilität von innen heraus an den Tag legt.


Nun, für meine Wahrnehmung ist es eine Kombination aus beidem.
Das Trainerteam hat grundlegend nach einer Formation gesucht, in der sich der überwiegende Teil der Spieler wohlfühlt und welche dann auch im Zeitablauf tatsächlich gewissen Erfolg mit sich brachte (also eine Art Win-win-Situation darstellte, die sich durch die Bank weg Stück für Stück mental positiv auswirkte).

Jetzt nachdem dieses gefunden ist - somit gewissermaßen das Fundament gegossen wurde - besteht Raum, das System durch verschiedenen Variationen zielgerichtet weiter zu verfeinern.
-Man hat quasi Gelegenheit, sich oberhalb des Fundamentes architektonisch "auszutoben".

Ob die Initiative hierbei von den Spielern oder den Trainern ausgeht, dürfte relativ unerheblich sein ... solange sich die Versuche eben bewähren und bei allen Gefallen finden.

Ideal wäre natürlich, wenn die Spieler selbst dazu beitragen würden, keine Frage.
-Zumal es für entsprechende Kreativität sprechen würde, die im Stande ist, eigenständig auf veränderte Situationen zu reagieren ... man den Spielern demgemäß sogar noch höheres Vertrauen entgegenbringen könnte...

Umso zwiespältiger nehme ich aktuell zugegebenermaßen aber auch die vermehrt einsetzenden Rufe nach einer Verpflichtung eines neuen MS (zumeist der Wunsch in Richtung TB) in der Winterpause wahr...

Einerseits hätte ich schon die Hoffnung, dass eine neue offensive Dreierkette mit Hanslik, Boyd und Hercher ähnlich "performant" sein könnte, wie "damals" jene mit Pick, Kühlwetter und Thiele ... andererseits muss man aber auch sagen, dass die drei Jungs seiner Zeit jeweils durchaus flexibel einsetzbar waren... bspw. Kühlwetter ähnlich viele Einsätze und Scorerpunkte auf den Außen hatte, wie als MS...

Inwieweit z.B. ein TB dazu in der Lage ist, kann ich nicht beurteilen.
Ist er es nicht, besteht jedoch die nicht geringe Gefahr, entweder gut was an finanziellen Mitteln in den Sand zu setzen ... oder (um den roten Faden zum Anfang zu ziehen) sich sein funktionierendes (sensibles) System womöglich selbst zu zerschießen...



Beitragvon Gerrit1993 » 30.11.2021, 13:57


Update: Die xG-Grafiken zur Partie in Dortmund sind online. Einfach drei Beiträge nach oben scrollen oder hier klicken :wink: .



Beitragvon MarcoReichGott » 30.11.2021, 17:01


Die XG Grafik zeigt auch das, was man vor dem Fernseher schon eraht hat: Über die erste Halbzeit wird zu reden sein müssen.

Ich hatte vor ein paar Wochen ja schon angekündigt, dass ich langfristig Problem sehe, wenn unser Spielsystem zu starr ist uns Dortmund hat uns das sehr gut aufgezeigt. Wir sind grundsätzlich sehr einfach zu pressen. Es reicht aus die Außen dicht zustellen und Ritter unter Druck zu setzen. Hippe hat seine Sache defensiv gut gemacht. Zugleich hat er aber meistens nur Ballberteilungsssystem für seine beiden Mit-IVs gespielt. Das ist natürlich zu wenig in einer 3er Kette. Hier braucht es mehr Mut der IVs selber am Spielaufbau teilzunehmen, aber die Rautenspieler müssen sich natürlich auch entsprechend nach hinten fallen lassen und zusätzlich zu Ritter eine Anspielstation aufbauen. Meiner Meinung nach hat man öfters in HZ1 gesehen, dass die Abstände dort überhaupt nicht gepasst haben.

In HZ 2 konnten wir phasenweise dann das dann quasi umdrehen. Aber wenn ich von 90 Minuten eine Halbzeit lang offensiv überhaupt nix auf die Reihe bekomme, dann muss ich eben auch mit nem Unentschieden mal leben. Auch wenn ein Sieg aufgrund der hochkarätigen Chancen und natürlich dem fast geschenkten Tor am Ende des Spiels eigentlich hätte drinnen sein müssen.



Beitragvon Kohlmeyer » 05.12.2021, 16:16


Hier kommt unsere taktische Nachlese zum Heimsieg, die xG-Grafiken werden nachgereicht:

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Taktik-Nachlese zum Spiel FCK-Köln
Die DBB-Analyse: Vom Knipsen und anderen Qualitäten


Mit einem 4:0 bei Fritz-Walter-Wetter verbeugt sich das Team des 1. FC Kaiserslautern vor Horst Eckel. Doch die Partie gegen Viktoria Köln nährt nicht nur Mythen, sie beschert auch neue Erkenntnisse in der Diskussion um den fehlenden "Knipser".

Vergangene Woche war sie wieder einmal aufgebrandet. Beim 0:0 gegen Borussia Dortmund II ließ der FCK mehrere Großchancen aus. Die dickste davon versemmelte Mittelstürmer Daniel Hanslik, auch wenn im Anschluss mehr über den Last-Minute-Fail von Marlon Ritter gesprochen wurde. Und schon wurden in Fan-Diskussionen wieder Rufe laut nach dem berühmten "Knipser", der im Kader fehle, um in dieser Saison tatsächlich oben anzugreifen. Das habe nicht nur das Dortmund-Spiel gezeigt, dafür sprächen auch die erst 21 Treffer, die das Team nach 17 Spieltagen erzielt hatte - so wenige wie kein anderes der oberen Tabellenhälfte.

Vergessen wurde bei dieser Argumentation: Die mager anmutende Torausbeute resultierte aus einem schwachen Saisonstart. In den ersten sieben Partien erzielten die Roten Teufel nur vier Treffer. Nach der 0:1-Niederlage in Magdeburg aber war es zu einer einschneidenden Zäsur gekommen, bei der Coach Marco Antwerpen die Mannschaft radikal neu ordnete. Seither hat der FCK 24 Punkte geholt, so viele wie kein anderes Team der Liga. Und verzeichnet in diesen elf Partien ein Torverhältnis von 21:3. Nur Magdeburg und Braunschweig trafen in diesem Zeitraum öfter. Und mit nur drei Gegentreffern lässt Lautern ohnehin sämtliche Wettbewerber weit hinter sich.

Hanslik kann knipsen, muss es aber nicht, um wertvoll zu sein

Schon klar: So richtig auf Hochglanz poliert worden ist die Statistik erst mit diesem 4:0 am Samstagnachmittag. Mal eingeworfen werden in die müßige "Knipser"-Diskussion darf sie dennoch. Und Hanslik? Machte gegen Köln gleich zwei Buden. Doch auch das sei gleich gesagt: So wenig angezeigt es war, Hanslik nach seiner vergebenen Torchance in Dortmund zur Graupe hochzustilisieren, so wenig angebracht ist es nun, ihn zum Heilsbringer zu verklären, der die "Knipser"-Frage damit nun aus der Welt schaffte.

Richtig ist: Hanslik ist Teil eines zurzeit insgesamt gut funktionierenden Offensivspiels, in dem er mit seinen nunmehr vier Saisontreffern gar nicht mal unbedingt "Knipser"-Quoten erfüllen muss. So beweglich, wie er agiert, schafft er immer wieder Räume für andere, und auch im Spiel gegen den Ball arbeitet er präziser als die Mittelstürmer-Konkurrenz im Kader.

Richtig bleibt ebenfalls: Hanslik entspricht nicht unbedingt dem Typus der "Kante", die gegebenenfalls ins Getümmel geworfen werden muss, wenn es gilt, einen Rückstand auszugleichen. Die aber nicht gebraucht wird, solange man selber in Führung liegt und das Spiel von hinten raus kontrollieren kann. So, wie es der FCK am Samstag schon nach fünf Minuten tun durfte.

Wie zu Hotic-Zeiten: Ecke aufs kurze, Verlängerung aufs lange Eck

Wobei neben Hanslik auch Lauterns zweiter Stürmer hervorzuheben ist. Kenny Redondo war in der Startelf geblieben, obwohl René Klingenburg zurückkehrte. Doch der übernahm die Achterposition des erkrankten Felix Götze. Redondo durfte die Rolle der versetzt agierenden Sturmspitze behalten, die aus dem Zentrum heraus mal nach links, mal nach rechts ausbricht. Und darin knüpfte er an die Leistung an, die er vor zwei Wochen gegen Wiesbaden gebracht hatte.

Redondo war es auch, der schon nach vier Minuten die Ecke herausholte, die zum 1:0 führte. Wenngleich erst nach einem zweiten Ball und einem abgeblockten Schussversuch Ritters, der vor den Füßen Hansliks landete. Ob die Statistiker diesen nun als "Treffer nach Standard" führen, bleibt ihnen überlassen. Keinen Zweifel gibt es dagegen an Philipp Herchers Bude eine Viertelstunde später: Ecke Mike Wunderlich aufs kurze Eck, Kevin Kraus verlängert aufs lange, Hercher bedankt sich - so werden Standard-Tore schon seit Demir Hotics Zeiten gemacht, wie der uns unlängst im DBB-Interview verriet.

Die Ecke hatte übrigens Hanslik herausgeholt. Ein weiterer Beleg: Stürmer müssen nicht immer selbst treffen, um von Wert zu sein.

Entspannt in die Seile: Die Vierer- wird zur Fünferkette

Mit dem komfortablen Vorsprung durfte der FCK sich nun in die Seile hängen. Abwarten, was dem Gegner so einfällt und entspannt auf die Chance zum nächsten Schlag warten. Dafür ließ Antwerpen die Viererkette, mit der er begonnen hatte, zur Fünferkette zusammenrutschen. Ein Manöver, das er seine Mannschaft schon im Finale der vergangenen Runde immer mal praktizieren ließ. Damals war es Götze, der das rotierende Element verkörperte, diesmal Hikmet Ciftci. Vielleicht hatte der spielstarke Deutsch-Türke ja genau darum den Vorzug vor Alex Winkler erhalten: Um diese Option aus dem Spiel heraus zu ermöglichen.

Ciftci pendelte nämlich nicht in die zentrale Position der Dreier-/Fünferkette - die behielt Kevin Kraus -, sondern in die halblinke, auf der zuletzt Winker regelmäßig startete. Die des halbrechten Innenverteidigers übernahm Max Hippe für den gelbgesperrten Boris Tomiak.

Rückkehrer Raab war auch als Ausputzer gefragt

In seinen Kasten zurückgekehrt war übrigens Matheo Raab. Seine Fähigkeiten im Herauslaufen brachte der Keeper vor allem in der Anfangsphase ein, in der er auch als Ausputzer gefragt war. Mit Marcel Risse, Luca Marseiler und Simon Handle hatte Kölns-Trainer Olaf Janßen nämlich auf ein Offensivtrio gebracht, das mehr auf Speed als auf Wucht setzte und die massigen FCK-Innenverteidiger in Verlegenheit zu bringen drohte. Nachdem sich die Antwerpen-Elf nach seiner 2:0-Führung tiefer stellte, wars mit dessen Herrlichkeit jedoch ziemlich vorbei.

Gefährlich blieb die Viktoria nur mit Freistößen Risses. Außerdem war die Phase bis zur Pause von ein paar tumultartigen Szenen geprägt, deren hoher Hitzegrad nicht so ganz nachvollziehbar war. Womöglich sahen einige Grätsch-Aktionen auf dem vom Fritz-Walter-Wetter aufgeweichten Rasen brutaler aus, als sie gemeint waren, und heizten deswegen die Gemüter so auf.

Frühes 3:0 sorgt für Relax-Modus auf den Rängen

Das frühe 3:0 nach der Pause versetzte die knapp 10.000 Zuschauer dann endgültig in den Relax-Modus. Diesmal waren es Redondo und Hanslik im Zusammenspiel, die den Treffer einleiteten, Hanslik vollstreckte. Und wiederum Redondo war es, der in der 87. Minute das 4:0 durch den eingewechselten Jean Zimmer einleitete. Womit klar sein sollte: Redondos Leistung ist insgesamt mindestens ebenso hoch zu bewerten wie des Doppelpackers Hanslik.

Dazwischen zelebrierten die Betze-Buben noch ein paar Angriffe mehr, die schön anzusehen waren. Unmittelbar nach dem 3:0 etwa einen stark vorgetragenen Konter über Zuck, bei dem plötzlich der "Sechser" Ritter an der Mittellinie lauerte und auf und davon ging. Seinen Querpass brachte Hercher nicht an Viktoria-Keeper Moritz Nicolas vorbei, die anschließende Hereingabe Wunderlichs flipperte Ritter vor die Füße, dessen Schuss aber in Kölner Abwehrbeinen hängenblieb. Später gab es noch einen Pfostenschuss Hanslik zu verzeichnen, vor dem die Lautrer plötzlich und unerwartet nochmal ins Angriffspressing gegangen waren und den Ball quasi im Kölner Strafraum eroberten.

Die Rheinländer dagegen kamen einem Treffer am nächsten, als der eingewechselte Nikolaj Möller einen langen Ball Risses mit dem Kopf Handle auflegte - der aber stand im Abseits. Coach Olaf Janßen hatte die 1,94-Meter-Kante in der Halbzeit gebracht, weil er sich angesichts des 0:2-Rückstands und eines nun tief stehenden Gegners nicht mehr anders zu helfen wusste. Ist eben nicht schlecht, so einen Typen zumindest im Kader zu haben - mit dem Prädikat "Knipser" muss er ja nicht unbedingt gleich bedacht werden.

Die xG-Grafiken zum Spiel folgen voraussichtlich am Montag. Bei Interesse an den Werten schaut gerne dann nochmal an dieser Stelle vorbei.

Ergänzung, 06.12.2021: Da waren noch ein paar Treffer mehr drin

Zu den xG-Plots. Die "Timeline" bedarf keines weiteren Kommentars. Außer vielleicht: In der zweiten Halbzeit hätte es gut und gerne noch ein paar Mal mehr rappeln können.

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Die Positions- und Passgrafik irritiert diesmal leider. Ciftci soll der beste Passspieler gewesen sein, und Zuck der mit der "Most Centrality", obwohl von den beiden kaum Pfeile wegführen, noch welche ankommen? Wir vermuten einfach mal, das sind ein paar Linien vergessen worden. Auch wenn die Rechtslastigkeit des Lautrer Spiels die übliche zu sein scheint.

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Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik der Kölner. Die dicken Punkte in den hinteren Reihen zeigen: Die hatten meistens den Ball. Ist aber auch nichts Ungewöhnliches, wenn der Gegner schon nach 20 Minuten 2:0 führt und sich anschließend tief stellt, um auf Konter zu warten.

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Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2021/22: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage



Beitragvon Thomas » 06.12.2021, 13:17


Update: Die xG-Grafiken gegen Köln sind ergänzt, siehe direkt obendrüber. :teufel2:
Der Verein führt als eingetragener Verein den Namen 1. Fußball-Club Kaiserslautern e.V. (1. FCK) und hat seinen Sitz in Kaiserslautern. Seine Farben sind rot und weiß. (...) Das Stadion trägt den Namen Fritz-Walter-Stadion. (Vereinssatzung des 1. FC Kaiserslautern e.V. - Artikel 1, Absatz 1)



Beitragvon BetzeBodega » 06.12.2021, 14:45


Die XG-Grafik zeigt nochmal deutlich was für ein Spiel die Jungs abgeliefert haben. Der viele Ballbesitz der Viktroia hat es stellenweise weniger domniant aussehen lassen, als es im Ergebnis tatsächlich war
"Kritisiert mir den nicht so viel, das ist ein guter Mann"



Beitragvon ExilDeiwl » 06.12.2021, 19:26


Anhand der Timeline könnte ich mich jetzt über die mangelnde Effektivität beim Torabschluss beklagen. Acht zu null (odder vielleicht acht zu äns) hätte mer gewinne kinne! Was des fer Changse waren!

Aber nein, ich beklage mich nicht! Ein vier zu null ist ein Ausrufezeichen! Und immerhin hat es Zimmerle eine Chance genutzt, die laut XG Timeline gar keine so große Chance war. :wink:

Ich bin nach wie vor hoch erfreut über unseren Auftritt vom Samstag. Und auch, wenn es hinten nicht von Beginn an bombensicher war. Ich hab uns zu keiner Zeit schwimmen sehen. Auch wenn wie so oft das Spiel anders hätte verlaufen können, wenn wir nicht so früh in Führung gegangen wären… Ja, so ist das eben in dieser Liga. Wenn man aber seit mehreren Spielen inzwischen solche Leistungen abruft, dann ist das eben nicht mehr nur Spielglück, sondern eben mehr. Eine eingespielte und endlich auch wieder selbstbewusste Mannschaft.

Nur eines wollte ich noch loswerden in Bezug auf die Forderungen nach einem Knipser und @Kohlmeyers Kommentar dazu zu Beginn seines Artikels. Natürlich waren nach dem Dort und Spiel viele gefrustet ob der vergebenen Chancen von Hanslik und Ritter. Und natürlich ist da auch der Ruf nach einem Knipser laut geworden. Ich bitte aber zu differenzieren in Schimpf und Schande über einzelne Spieler sowie in die Forderung nach einem Knipser. Vielleicht habe ich nicht alle Rückmeldungen hier parat und ggf. auch das eine oder andere ausgeblendet. Aber nicht jeder, der nach einem Knipser gerufen hat (#metoo) hat einen Hanslik oder einen Ritter verbal in die Wüste geschickt. Ganz im Gegenteil wurde der Ruf nach einem Knipser in den jeweiligen Threads teils sehr gut verargumentiert (und da sich Eigenlob nicht geziemt, verweise ich exemplarisch an die @Miggeblädsch).

Am Samstag habe ich mich sehr über Hansliks Doppelpack gefreut und bin total froh, wenn er in ähnlicher Weise weiter trifft. Wichtig ist, dass wir nicht nur in Spielen wie Havelse oder jetzt Dortmund mit sicher treffen (das gehört nämlich auch zur Wahrheit dazu, dass unsere 21: wieviel auch immer Tore der letzten Spiele zu einem Großteil gegen Havelse gefallen sind - ein Spiel, in dem es halt einfach lief). Wir brauchen die Tore regelmäßig, Spiel für Spiel. Und im Zweifel auch nach Rückstand - ein Spiel zu drehen haben wir diese Saison meines Wissens nach noch nicht geschafft. So frühe Führungen wie am Samstag sind zwar super, aber dass es immer so läuft, ist wohl eher nicht gewiss. :wink:
🇺🇦 STOP WAR! FUCK PUTIN! 🇺🇦



Beitragvon Kohlmeyer » 07.12.2021, 09:27


Tja, das ist halt das Schöne an der zahlenbasierten Fußballbetrachtung: Man findet immer ein paar Zahlen, die die eigene Anschauung belegen - und ein paar, mit denen man sie prompt widerlegen kann.

Ja, es ist richtig: Von den 21 Treffern nach der Magdeburg-Zäsur haben wir 10 gegen Havelse und Köln erzielt. Andererseits: Auch die besser treffenden Teams aus Magdeburg und Braunschweig stehen nicht zuletzt deswegen besser da, weil ihnen jeweils sowohl ein Vierer- als auch ein Fünferpack gelungen ist. Ansonsten steht die Null auch bei denen hin und wieder mal vorne. Magdeburg hat allerdings auch noch ein Spiel weniger.

Das mit dem Differenzieren ist ebenfalls richtig. Ich bemühe mich aber schon, es einigermaßen hinzukriegen, deswegen sind meine Beiträge ja auch länger als alle anderen, aber ich kann auch nicht jeden in eine Doktorarbeit ausufern lassen.

Halten wir nochmal fest, was ich eigentlich sagen wollte: Hanslik ist sicher nicht das, was sich die meisten unter einem Knipser vorstellen, aber er füllt zurzeit sehr gut seine Rolle in einem beweglichen Offensivsystem aus, das auch dann funktioniert, wenn er selbst nicht trifft. Und das vielleicht sogar noch weiter ausreifen kann. Die Null vorne stand in dem von mir genannten Zeitraum bei uns schließlich auch nur zwei Mal, und dass die Mannschaft im Spiel 9 gegen 11 gegen Mannheim nicht getroffen hat, wird ihr wohl kaum jemand vorwerfen wollen.

Holt man jetzt einen Stürmer, der seine Rolle wieder zentraler vorne Mitte interpretiert als Hanslik - vielleicht ist ja an den Boyd-Gerüchten was dran, wer weiß –, tut das dieser Entwicklung vielleicht gar nicht gut.

Auf jeden Fall bräuchte man meiner Meinung nach – und das habe ich eine schön öfter geschrieben – für vorne noch eine 1,90 plus-Kante. Auf die allerdings nicht der komplette Spielstil ausgerichtet werden müsste, sondern die reingeworfen werden kann, wenn es bei Rückstand gegen einen tiefstehenden Gegner geht. Exakt das ist nämlich nötig, wenn man ein Spiel drehen, beziehungsweise noch regelmäßiger treffen will.

Was wiederum die Frage aufwirft, ob man für diese Rolle tatsächlich eine bereits etablierte, "fertige" Kante holen müsste, bei der man nicht umhin käme, sie direkt in der Startelf vorzusehen und das komplette Spiel auf sie auszurichten.

Gruß,
Kohlmeyer



Beitragvon Friedmann » 07.12.2021, 12:55


Kohlmeyer hat geschrieben:Was wiederum die Frage aufwirft, ob man für diese Rolle tatsächlich eine bereits etablierte, "fertige" Kante holen müsste, bei der man nicht umhin käme, sie direkt in der Startelf vorzusehen und das komplette Spiel auf sie auszurichten.

Gruß,
Kohlmeyer


Gute Frage. Genau das würde ich nicht tun, ohne Not ein erfolgreiches und weiter entwicklungsfähiges System und Gefüge - nicht nur auf dem Platz - mit einer 'Kante' mit Startelfanspruch, aber leider auch ohne Erfolgsgarantie, gefährden.



Beitragvon Ke07111978 » 07.12.2021, 18:42


Absolut. Hanslik ist extrem wichtig für die Mannschaft und wir würden uns viele Torchancen ohne ihn und seine Bewegung gar nicht erspielen. Würde er noch im Schlaf knipsen, würde er nicht bei uns spielen. Ein knipsender Hanslik wäre direkt erst Liga.

Ein Stürmertyp wie beispielsweise Mölders bedingt ein anderes Spielsystem - wofür uns meines Erachtens auch wieder Spieler fehlen. Von daher würde ich es sehr begrüßen, wenn wir mit dem aktuellen System weitermachen. Natürlich wäre die Kante für die letzten 20 Min ein sinnvolle Ergänzung aber einen kopfballstarken Strafraumstürmer kannmal eigentlich nur verpflichten wenn man mal mind. noch ein zwei starke Flügelspieler holt.

Und was in der Diskussion auch manchmal untergeht - so ein Ding wie Ritter in der zweiten Halbzeit (das dann Hercher vergibt) oder eben auch in Dortmund, dass muss man erstmal erlaufen. Das wr in beiden Fällen top von Ritter.



Beitragvon ExilDeiwl » 08.12.2021, 00:43


@Kohlmeyer, Danke für Deine Dokto… ähm ausführliche Antwort! :daumen: Nur, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: ich schätze Deine Analysen (und damit auch die etwas längeren Ausführungen ) sehr. Das macht vieles nachvollziehbar und man kann wunderbar darüber diskutieren. Ich schreibe ja zumeist auch etwas ausschweifender - aus genau dem Grund.

Ich sehe es übrigens genauso wie Du, dass Hanslik eine große Rolle in unserer Offensive spielt - auch wenn er nicht der Knipser ist. Hanslik ist seit der Rückrunde deutlich aufgeblüht und ein wertvoller Spieler geworden. Ich sehe nur nicht zwingend einen Widerspruch darin, einen Knipser zu verpflichten, der die Chancen, die wir uns ja sehr wohl erspielen, dann auch zuverlässig verwandelt. Ich bin mir nicht sicher, ob dafür zwingend ein sonst erfolgreiches System zu den Katen legen muss.

Auf der anderen Seite kann man eine Mannschaft durchaus auch weiter entwickeln. Es hängt davon ab, wie man das macht. Schommers wollte es mit der Brechstange. Nach 5, 6 sehr erfolgreichen Spielen vor der Winterpause hat er sein System komplett umgestellt und die Mannschaft ist damit nicht zurecht gekommen. Anstatt eine solche Umstellung in kleinen Schritten zu gehen, hat er stur an seinem Plan festgehalten. Ergebnis bekannt. Ich traue Antwerpen da einfach viel mehr zu.

Aber vielleicht gibt’s den Knipser ja tatsächlich nicht, der sich in unser bestehendes System bzw. auch nach nur geringfügigen Änderungen in unsere Mannschaft einfügen würde. Ich denke halt immer noch daran, dass wir bis kürzlich einen Klingenburg auf einer Position eingesetzt haben, die eigentlich gar nicht seinem Profil entspricht. Redondo ist inzwischen auf diese Position gerückt und er entfaltet sich dort gut. Der Knipser ist er aber auch noch nicht (was ich ihm jetzt nicht ankreiden will).

Spieler, die einem kopfballstarken Offensivspieler entsprechend anspielen können, haben wür übrigens durchaus: Zuck, der regelmäßig hoche Diagonalbälle spielt, wird die auch in den Strafraum bekommen, ebenso Ritter. Über rechts kommen wir aber tatsächlich eher kombinatorisch in den Strafraum, aber selbst da kommt von Hercher gelegentlichnder eine oder andere hohe Ball. Ob‘s ausreicht, um einen kopfballstarken Spieler zu füttern? Weiß ich nicht.
🇺🇦 STOP WAR! FUCK PUTIN! 🇺🇦



Beitragvon Kohlmeyer » 12.12.2021, 14:30


Hier kommt unsere taktische Sonntagslektüre, diesmal direkt mit den zugehörigen xG-Plots:

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Foto: Imago Images

Taktik-Nachlese zum Spiel Türkgücü-FCK
Die DBB-Analyse: Lieber frostig als gruselig


Wieder Türkgücü München, wieder "Geisterspiel". Das letzte Aufeinandertreffen war für Fans des 1. FC Kaiserslautern in der Tat zum Gruseln. Dieses Mal gestaltete sich der 2:1-Sieg zwar frostig, lässt aber auch Platz für ein paar warme Gedanken.

Es mutet fast schon wie eine Erinnerung aus einem anderen Leben an, aber es sollte mal gesagt werden: Es ist nicht einmal 15 Monate her, dass die Roten Teufel das letzte Mal bei Türkgücü zu Gast waren. Damals an der Heimstätte der Sechzger an der Grünwalder Straße mit ihrem unbestrittenen "Vintage"-Charme. Diesmal ging es in das ebenfalls in Jahre gekommene, monströse Olympiastadion. Beide Male waren es "Geisterspiele", und die erste Partie war auch tatsächlich zum Gruseln: Der FCK ging sang- und klanglos mit 0:3 unter, wodurch auch das Aus für Trainer Boris Schommers besiegelt wurde.

Seitdem hat das Personal auf der Trainerbank sogar schon zwei Mal gewechselt. Vier Spieler von damals standen auch an diesem frostigen Freitagabend in der Startelf. Ein fünfter - Elias Huth - durfte ganz am Ende noch mitmischen, Hendrick Zuck, diesmal von Anfang an dabei, war seinerzeit nur eingewechselt worden. Und dennoch trägt die aktuelle Mannschaft ein vollkommen anderes Gesicht zur Schau, und vom Anpfiff weg entwickelte sich ein Spiel, das exakt umgekehrt begann wie die Blamage damals. Denn diesmal verpennten nicht die Gäste die Anfangsphase, sondern die Gastgeber.

Zwei Treffer gleich zu Beginn: Glücklich zwar, aber auch lobenswert

Als Betrachter aus der Lautrer Perspektive müssen wir nur das Erfreuliche notieren. Das 1:0 nach erst fünf Minuten fiel nach einem langen Ball des linken Innenverteidigers Max Hippe. Die erste wirkungsvoll Offensivaktion, die der 23-Jährige einleitete, und das in in seinem nunmehr fünften Einsatz im FCK-Dress. Bislang hat sich der Neuzugang aus Dortmund fast ausschließlich auf seine Defensivaufgaben konzentriert. Kann man, wenn man will, als Anzeichen dafür werten, dass er langsam in sein neues Team hineinwächst. Zuck zeigte anschließend, dass er flanken, Daniel Hanslik, dass er köpfen kann. Das ist nicht unbedingt was Neues.

Das 2:0, gerade mal zwei Minuten später: Vornehme Fußball-Analytiker nennen es "Gegenpressing", andere "Nachsetzen", wieder andere einfach nur "am Ball bleiben": Ein Einwurf Dominik Schads Richtung Münchner Grundlinie landet eigentlich beim Gegner,. Doch die diesmal in Weiß angetretenen Roten Teufel haben sich so eng in der Einwurfzone postiert, dass Abwehrkante Mergim Mavraj weder Zeit noch Luft bleibt, etwas Konstruktives einzuleiten. Hikmet Ciftci gewinnt den Ball, leitet auf Hanslik weiter, der das Leder auf engem Raum behauptet, welches sich dann der einlaufende Ciftci wieder schnappt. Der riskiert einen Schlenzer, der für einen Profi-Torwart nur Pflückware sein sollte, doch Türkgücü-Keeper Franco Flückiger schmiert das seifige Leder durch die Hände. Ganz klar Dusel für die Gäste, ganz klar Torwartfehler - doch ohne die geistesgegenwärtige Rückeroberung des Balles wäre der Treffer nun einmal auch nicht gefallen.

Wegen Rutsch- und Einschlafgefahr: Ball schieben ist Risiko

Und dann? Solche frühe Führungen gelten gerade in der 3. Liga bekanntlich als Segen. Weil sie die zurückliegende Mannschaft zwingt aufzurücken und so dem im Front liegen Team Räume für Konter öffnet. Sollte man meinen. Aber was geschieht, wenn sich die Rückstand befindliche Mannschaft entschließt, bis auf Weiteres erst einmal nicht in die Offensive zu gehen? Dann wird’s öde. Dabei bemühte sich der FCK wirklich, die Münchner hinten rauszulocken, mit langem Ballgeschiebe durch die hinteren Reihen. 

Das hält den eigenen Kasten zwar sauber, birgt aber auch zwei Risiken.

Erstens: Bei einem solchen Schneetreiben rutscht schnell mal was, frag nach bei Flückiger. Nach 25 Minuten war’s dann auch auf der anderen Seite soweit: Der zentrale Abwehrmann Kevin Kraus verliert den Stand und den Ball, Türkgücü-Zehner Sercan Sararer schnappt ihn sich, zieht los, rutscht aber selber aus. Willkommen im Eispalast.

Zweitens: Ballschieberei schläfert nicht nur Betrachter ein, sondern auch Aktive. Nach einer halben Stunden schienen die Gäste von ihrer fußballerischen Verwaltungsarbeit derart sediert, dass die Gastgeber sich endlich nach vorne trauten. Boubacar Barry sowie Petar Sliskovic durften vor Keeper Matheo Raab Kopfbälle ansetzen, wie sie eine wache FCK-Hintermannschaft schon lange nicht mehr zugelassen hat.

Hälfte zwei: Ey - dieses Tor sollte doch eigentlich der FCK schießen

"Das haben wir auch gesehen", erzählte Frank Döpper später. "Drum wollten wir es nach der Pause wieder besser machen." Der Co-Trainer war für den gelbgesperrten und einsam auf den Rängen frierenden Marco Antwerpen diesmal der Verantwortliche an der Seitenlinie. 

Was aber nicht so ganz glückte. Besonders ärgerlich: Der Gegentreffer der Münchner nach 55 Minuten fiel exakt so, wie eine in Führung liegende Mannschaft eigentlich treffen will. Ballgewinn 30 Meter vorm eigenen Tor - Barry luchst Hanslik den Ball ab -, schnelles Umschalten - Barry passt auf Sararer, der setzt zu einem langen Sprint durchs Zentrum an und den links mitlaufenden Albion Vrenezi ein - und mit zwei, drei Zügen zum Abschluss - Vrenezi flankt flach auf Sliskovic, der schiebt ein.

Und danach? Spielten die Münchner plötzlich so Fußball, wie er gegen tiefstehende Gegner gespielt werden muss. Schnelle Positions- und Flankenwechsel, viel Bewegung in der Spielfeldmitte. Dem FCK darf zugute gehalten werden: Er ließ aus dem Spiel heraus nicht viel zu, wackelte wirklich ernsthaft nur nach Eckbällen. Und nach einem in der 78. Minute hätte es durchaus schnackeln können: Mavraj jagte eine zu kurze Kopfball-Abwehr haarscharf über Raabs Kasten.

Stabil im 5-4-1 - Wechsel von Zimmer und Huth machten Sinn

Ansonsten stand die Elf, die sich mittlerweile in einem 5-4-1 staffelte, recht stabil. Rechts vor Schad agierte ab der 59. Minute Kapitän Jean Zimmer. Der passte nicht nur besser auf diese Position als Ciftci, sondern brachte auch wieder mehr die Aggressivität ins Spiel zurück, die dem Torschützen verloren gegangen war.

Dass für den elfmeterreif gefoulten Hanslik in den finalen zehn Minuten der zuletzt geschmähte Elias Huth den Vorzug vor Muhammed Kiprit erhielt, machte ebenfalls Sinn. Huth ist laufstärker und war daher die geeignetere Besetzung, um in der Schlussphase als einzige Spitze gegen den Ball zu ackern. Schade, dass er in der Nachspielzeit die Großchance nicht verwertete, die ihm Marlon Ritter mit der Hacke auflegte. Ansonsten hatte es, außer einer Aktion Hansliks nach Flanke von Kenny Redondo, in Hälfte zwei offensiv nicht mehr viel zu sehen gegeben von Seiten des FCK.

Der mit diesen drei nicht schön, aber redlich erarbeiteten Punkten nun auf Schlagdistanz zum Gegner des kommenden Samstag bleibt: Eintracht Braunschweig, aktuell auf Aufstiegsrang zwei rangierend. Zum Rückrundenauftakt bereits von einem "Sechs-Punkte-Spiel" zu sprechen, wäre angesichts des noch großen Kandidaten-Feldes zwar vielleicht übertrieben, doch als Standortbestimmung zum Jahresabschluss kommt die Partie wie gerufen.

Die xG-Grafiken: Hintenrum-Ballgeschiebe wie noch nie

Die Timeline der qualitativ bewerteten Torchancen sieht Türkgücü deutlich vorne. Was in erster Linie aber daran liegt, dass Ciftci zum 2:0 eine Einschussgelegenheit nutzte, die im Grunde gar keine war. Und Sliskovic durfte ein wirklich dickes Ding verwandeln, wie es die beste Hintermannschaft der Liga eigentlich nie und nimmer zulassen darf.

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Die Positions- und Passgrafik der Roten Teufel dokumentiert sehr eindrucksvoll das Hintenrum-Gespiele vor allem in den ersten Halbzeit. So dicke Spots haben FCK-Abwehrspieler in der ganzen Saison noch nicht fabriziert.

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Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik von Türkgücü: ganz hübsches Bild eigentlich. Hätten die Münchner die Anfangsphase nicht so grandios verpennt, hätte möglicherweise auch das Ergebnis am Ende gestimmt.

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Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2021/22: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage



Beitragvon DieWalzFunDePalz » 12.12.2021, 20:51


Man hätte nach der 2:0 Führung weiter nachsetzen müssen. Der Gegner war mehr als angeschlagen und man hätte vielleicht schon früh eine Entscheidung herbei führen können. In unserer momentanen Phase geht der Schuss halt nach vorne los und nicht nach hinten, aber nur noch Ballgeschiebe war nicht so prickelnd. Hauptsache gewonnen kann man hier wohl sagen und sich im nächsten Spiel wieder ordentlich präsentieren. Die Trainer werden mit sicherheit darauf hinweisen, sonst wird das nix gegen Braunschweig. Verlieren in der momentanen engen Situation ist nicht so günstig. Deshalb noch einmal alles raus haun und dann erholen in der Winterpause. Nur der FCK ! :teufel2:
Der Typ ist so quirlig, der geht nach dir in die Drehtür und kommt vor dir wieder raus.“
Bela Rethy



Beitragvon 754Betze » 14.12.2021, 10:56


Vielleicht wurde das auch schon einmal erwähnt, ich hätte dennoch eine Verständnisfrage und wäre über eine detaillierte Antwort sehr erfreut: Was genau bedeutet progressive passing bzw carrying in diesem taktisch-analytischen Zusammenhang? Reden wir von Distanzen? Schöne Grüße



Beitragvon Kohlmeyer » 15.12.2021, 09:21


Danke für die Frage. Dadurch war ich gezwungen, mir das zum ersten Mal genau anzulesen.

Also: Ein progressiver Pass wird definiert

- in der eigenen Hälfte: als Pass über mindestens 30 Meter
- wenn er die Mittellinie kreuzt: als Pass über mindestens 15 Meter
- wenn er in der gegnerischen Hälfte gespielt wird: als Pass über mindestens zehn Meter.

Progressives "Carrying" ist Ballschleppen über die gleichen Distanzen. Oder Dribbeln.

"Received" sind die angenommen Pässe.

"Build up Passes" sind Aufbaupässe - also welche, die nach vorne gespielt wird.

Der Spieler mit der "Most Centrality" ist der, der am meisten angespielt worden ist und selber weitergespielt hat.

Gruß,
Kohlmeyer



Beitragvon 754Betze » 15.12.2021, 10:19


Ich bedanke mich herzlich! Die genaue Definition gibt nochmal einen besseren Einblick. Darf ich nach der Quelle fragen?



Beitragvon Kohlmeyer » 15.12.2021, 11:06


754Betze hat geschrieben:Darf ich nach der Quelle fragen?

Das Glossar von Wyscout mit "Progressive pass" und weiteren Definitionen: https://dataglossary.wyscout.com/progressive_pass/



Beitragvon 754Betze » 15.12.2021, 12:03


Vielen Dank, sehr aufschlussreich. Dann hoffen wir auf möglichst viele zielführende progressive passes am kommenden Samstag :teufel2:
Und danke an die Verfasser für die tollen Analysen jede Woche! Ich lese immer mit viel Freude



Beitragvon rocketsven » 17.12.2021, 10:40


Die Braunschweiger haben auch einen interessanten Datenblog. Wer sich vorab über etwas informieren möchte:
https://blaugelbedatenwelt.com/

Gruß




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