Neuigkeiten und Pressemeldungen zum 1. FC Kaiserslautern.

Beitragvon Kohlmeyer » 02.01.2021, 13:46


FcKeiler hat geschrieben:
Alles schön und gut. Überzeugt mich aber nicht. Haching: 4-5 Großchancen. 1860: 2-3 angedeuteten Kopfbälle mit 10 Mann. Mölders sagt nach dem Spiel, er hatte nie das Gefühl, dass wir ein Tor schiessen können. Da bin ich bei ihm. Wenn die 0,6 stimmen, hätte die Chance im Spiel gegen Haching subjektiv bei 1,4-1,7 liegen müssen. Aber doch keinesfalls tiefer als gegen 1860...! Fehlerbetrachtung hin oder her.


Ich verstehe Dein Problem nicht so ganz. Die xG-Endergebnisse drücken doch nicht "die Chance auf ein Tor aus", sondern ergeben sich auf der Zusammenrechnung der Einzelchancen.

Gegen 60 hatten wir nach der Pause mit nur noch zehn Mann halt dann doch mal zwei ganz ordentliche Torchancen, die mit vergleichsweise hohen xG-Werten bedacht wurden. Dadurch kommen die 0.6 zustande.

Sechzig kommt auf einen Wert von 1.29. Das ist für eine Mannschaft, die drei Tore erzielt hat, nicht viel, und in der Tat verzeichnen sie darüberhinaus lediglich nur noch eine Chance mit einem ordentlichen xG-Wert. Das deckt sich also durchaus mit deinem subjektivem Eindruck.

Wo du bei Haching vier, fünf Großchancen ausgemacht hast, weiß ich jetzt allerdings nicht, das müsste ich mir nochmal ansehen. Dass die xG-Betrachtung auch Schwächen hat, will ich ja gar nicht bestreiten. Etwa wenn der Ball in einer Überzahlsituation Richtung Tor getragen wird, dann aber schlecht abgespielt wird, so dass es zu gar keiner Einschussgelegenheit kommt. Das registriert das xG-Tool nicht, während der subjektive Betrachter da eine Riesenchance verpasst sieht - und das vollkommen zurecht.

Gruß,
Kohlmeyer



Beitragvon FcKeiler » 02.01.2021, 17:53


Kohlmeyer hat geschrieben:Wo du bei Haching vier, fünf Großchancen ausgemacht hast, weiß ich jetzt allerdings nicht, das müsste ich mir nochmal ansehen. Dass die xG-Betrachtung auch Schwächen hat, will ich ja gar nicht bestreiten. Etwa wenn der Ball in einer Überzahlsituation Richtung Tor getragen wird, dann aber schlecht abgespielt wird, so dass es zu gar keiner Einschussgelegenheit kommt. Das registriert das xG-Tool nicht, während der subjektive Betrachter da eine Riesenchance verpasst sieht - und das vollkommen zurecht.

Gruß,
Kohlmeyer


Ja, bitte nochmal anschauen.

https://www.swr.de/sport/fussball/1-fc- ... t-100.html

4 mal Pourie, Zuck, Ciftci, Kleinsorge und Huth. Diese Chancen hatten wir gegen 1860 nicht ansatzweise. Ich will nicht akzeptieren, dass wir um sicher anhand der Analyse ein Tor zu erzielen, mehr als doppelt so viele Chancen dieser Klasse benötigen! Oder anders: würde der geringe Wert vom Haching-Spiel stimmen, dürfen wir die Chancenverwertung doch überhaupt nicht bemängeln und alles ist gut, weil nach xG ein Tor eine riesen Überraschung gewesen wäre. Und das wäre es meiner Meinung nach eben nicht. Subjektiv müsste der Wert weit über 1 liegen und das wäre dann auch ein Grund, sich an die eigene Nase zu fassen. Aber so schlecht, wir die Chancen in der Analyse bewertet werden, hätte niemand ein Tor schießen müssen.



Beitragvon MarcoReichGott » 02.01.2021, 18:22


Grundsätzlich kann keiner von uns etwas so wirklich über Qualität der Datenanalyse sagen, solange wir nicht eine Dokumentation über die Berechnungen gesehen haben. Jeder, der sich mit empirischer Forschung mal beschäftigt hat weiß, dass neben ausgefeilten objektivierbaren Modellen auch Pi-Mal-Daumen-Schätzungen von manchen Statistikern gerne angewandt werden^^

Wir hatten gegen 1860 quasi nur 2 Chancen, aber die waren beide richtig gut. Nacm Freistoß kommt Huth eigentlich gut an den Ball. Und Pourie hüpft der Ball späterso rum, dass er aus 11 Meter freistehend zum Schuss kommt.

Demgegenüber hatten wir gegen Unterhachingen quantitativ defintiv eine viel höhere Zahl an Chancen, aber da waren eben viele Bälle weit aus dem Rückraum mit noch vielen Verteidigern dazwischen oder einfach Situationen, die schlecht ausgespielt wurden. Und auch so Dinger wie Pourie vs. Torwart sind halt statistisch einfach unwahrscheinlich.

Sprich: Man sieht auf jedenfall im Vergleich der beiden Spiele die Unzulänglichkeiten der Analyse, weil eben die Schusschance selber bewertet wird und nicht die Entstehungs der Chancen. Gleichzeitig ist aber auch der Sinn einer solchen Analyse, dass es eben auch mal interessanten Erkentnisgewinn gibt. Und bei manchen Chancen im Unterhaching Spiel kann es daher auch einfach sein, dass die Chancen eben größer aussehen als sie es in WIrklichkeit dann sind.



Beitragvon Baru » 02.01.2021, 22:36


Eine nette und interessante Sache die xG-Analyse! Jedoch sollte man hier meiner Meinung immer mit bedenken, dass das Ergebnis von einigen Faktoren abhängen, die hier nicht mit berücksichtigt werden können und Spielausgänge oft durch vermeintliche Kleinigkeiten entschieden werden. Das ist auch gut so, sonst wäre der Fußball reine Mathematik und weit weniger emotional!

Was mich noch interessieren würde: Inwiefern unterscheidet sich die "expected points"-Analyse davon, die "expected points" aus den xG abzuleiten, wie es hier für den FCK gemacht wurde?



Beitragvon 1:0 » 03.01.2021, 10:31


Toll wäre es, wenn man xG an der Börse anwenden könnte.
Vorausberechnung von Kursen anhand der Leistungen der Vergangenheit.
Entfernt erinnern mich diese Analysen an die Chartanalysen vom NTV-Opa, dessen Namen mir grad nicht mehr einfällt. Im Zweifel nahm man einfach einen dickeren Bleistift, und danach stimmte die Analyse wieder.
Auf xG gemünzt: Einfach mal 2 Unentschieden großzügig dazu addiert.
Allerdings will ich dem augenzwinkernden Lästern dem Konzept nicht die Berechtigung absprechen.
Könnte man in einer unfassbaren Fleißarbeit mit dem xG-System den Abstieg anno 1996 nachweisen oder widerlegen? Bei den damals 18 Unentschieden sollte das doch klappen.
Doch was ist, wenn man das System auf absolut alle Spiele anwendet? Wird dann die Schlusstabelle erheblich anders aussehen? Ganz bestimmt gibts da draußen Nerds, die nix besseres zu tun haben, als sich in die Arbeit zu stürzen...

Ich persönlich bin großer Fan des 6-Punkte-Spiel-Prinzips. Siege gegen direkte Konkurrenten sind's, die über Meisterschaften und Abstiege entscheiden. Wie 1998, alle 6 Punkte gegen Bayern geholt.



Beitragvon Kohlmeyer » 03.01.2021, 11:29


@1:0:
Wenn ich das mal richtig stellen darf: Ich hab nicht "einfach mal zwei Unentschieden dazu addiert". Eines der Spiele, die ich als Remis gewertet habe, hat der FCK im richtigen Leben gewonnen, das andere verloren - unter anderem Strich ergibt meine xG-Rechnung aus diesen Spielen also sogar einen Punkt weniger, und warum ich das getan habe, habe ich auch begründet.

Und zu deinem vorletzten Absatz: Der "Kicker" hat dies im Sommer tatsächlich getan, ist allerdings nur in der Printausgabe nachlesbar: die xG-Abschlusstabelle mit der tatsächlichen verglichen. Die waren, soweit ich mich erinnere, in großen Teilen identlisch, allerdings mit ein paar, aber interessanten Abweichungen. Z-B. war Freiburg vollkommen anders platziert.



Beitragvon LM2608 » 03.01.2021, 13:07


Ich finde es eine nette Spielerei aber ich habe ja schon mal geschrieben, dass ich nicht wirklich viel davon halte. Zumindest in Liga drei. Bei Bundesligamannschaften mag das vielleicht aussagekräftiger sein.
Der FCK hat in Unterhaching und gegen 60 gezeigt wie man ein Spiel verliert und gegen Uerdingen gezeigt, wie man ein Spiel gewinnt. Da spielen nämlich ganz andere Faktoren rein, als diese Rechnerei. Zum Beispiel der Unterschied wie sich Kevin Kraus gegen Uerdingen in die Bälle reingehauen hat und wie er stattdessen gegen Haching verteidigt hat...
Oder dass gegen Uerdingen beim 1:0 Hercher und Rieder gedanklich einen Schritt schneller waren als die Uerdinger und in Haching beim 2:0 alle Lauterer nicht bereit waren den Standard zu verteidigen. Das sind die Faktoren, die in Liga drei den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen.



Beitragvon MarcoReichGott » 03.01.2021, 13:29


Ich versteh den Einwand ehrlich gesagt nicht so wirklich. Wenn die Mannschaft konsequenter verteidigen, dann lässt sie auch weniger Chancen zu. Die XG Grafik ist eine Beschreibung der Quantität und Qualität der Torchancen, nicht jedoch eine ursächliche Analyse derselbigen.

Insofern finde ich zur Analyse der Spiele die Passmap auch oftmals spannender, aber dafür kann das Konzept des XG-Plots halt nix...



Beitragvon F-W-8 » 04.01.2021, 11:54


Da xG-Werte eine meiner neuen Leidenschaften sind und ich zugegeben, schon immer verliebt in Statistiken war, würde ich gerne versuchen eine neue Sichtweise auf diese Werte zu geben.

xG-Werte sind in meinen Augen nicht dafür da zu bewerten ob ein Spiel hätte gewonnen werden müssen oder nicht. Auch wenn es zum Teil natürlich diesen Sinn erfüllen sollte. xG-Werte sind in meinen Augen dafür da die Performance eines Teams in einer größeren Stichprobe (z.B. auf eine Saison oder 5Spieleschnitt) zu bewerten.
Sprich, das was hier schon einige betont haben "Fußball ist keine Mathematik", " es spielen viele kleine Faktoren in einem Fußballspiel eine Rolle", genau das soll durch die xG-Werte auf einen vergleichbaren Wert getrimmt werden.

Beispiel:

Das Spiel endet 0:3 die xG-Werte sagen aber 2:1 dann KÖNNTE dies bedeuten, dass das Heimteam entweder Pech hatte oder einfach "unterperformt" hat. Das Auswärtsteam hingegen hatte einen überdurchschnittlich guten Tag. Dass das Spiel 0:3 endet, war also zu einem gewissen Teil den "vielen kleinen Faktoren" geschuldet. Bei einer größeren Stichprobe, zum Beispiel auf eine Saison gesehen, wird sich das Ergebnis bei diesen xG-Werten aber eher selten wiederholen. Bei einer noch größeren Stichprobe, z.B. auf 5 Saisons gesehen, ist es noch deutlich unwahrscheinlicher, dass ein Team mit einem höheren xG-Wert als der xG-Wert des Gegner in der Tabelle hinter genau diesem Team steht.

Und genau darum geht es doch. Es geht darum wo man am 34./38/X. Spieltag in der Tabelle steht.

Steht man am Ende der Saison (38 Spiele) mit einem durchschnittlichen xG-Wert von 2 bei nur 38 Toren, hat man einfach offensiv unterperformt oder hatte "Pech" oft gegen einen Gegner gespielt zu haben der ggf. genau in diesem Spiel defensiv überperformt hat.

Wenden wir das auf die hier gegeben Werte für unseren Betze an, komme ich auf ein Torverhältnis nach xG-Werten von 20,24:19,2.
Man könne also sagen, die Offensive hat unterperformt, die Defensive hat aber überperformt. Man Könnte aber auch sagen die Defensive der Gegner haben eher überperformt, während deren Offensiven eher unterperformt haben.

Schaut man sich allerdings die Werte im Schnitt an, kommt man auf 1,2:1,13 nach xG-Werten. Oder 0.94:1,29 in reellen Toren.
Ich denke hier erklärt sich dann auch recht deutlich wieso man so oft unentschieden gespielt hat. Es ist ganz einfach unwahrscheinlich mit diesen Werten auf Dauer ein Spiel zu gewinnen.

Wie schon gesagt, ich bin großer Fan solcher neuen Ansätze Fußball zu erklären, was meine Meinung sicherlich etwas verzerrt.



Beitragvon since93 » 06.01.2021, 16:06


Es gewinnt halt nicht immer das bessere Team *hust*

Klingt nach Phrasenschwein, ist aber so. Man denke nur ans Finale dahoam und den FC Chealsea oder diverse Spiele der italienischen Nationalmannschaft.

Es ist eben auch entscheidend das Mehr an Qualität usw. im Ergebnis zu sehen und genau das ist uns in der Hinrunde eben auch nicht gelungen, mehrfach.



Beitragvon Kohlmeyer » 11.01.2021, 12:30


Hier kommt unsere Nachlese gegen Köln - trotz 0:0 gab es wieder einiges zu beobachten:

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Foto: Imago Images

Taktik-Nachlese zum Spiel FCK-Köln
Taktikanalyse: Kampf & Krampf, Schlamm & Schlamassel

Zum fünften Mal in dieser Saison die Null hinten - und zum siebten Mal vorne. Klingt nach keinem sehr aufregenden Jahresauftakt zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Viktoria Köln. War's auch nicht. Wieder einmal fand Jeff Saibenes Team keine Balance zwischen Abwehr und Angriff.

Eine Mannschaft, die den Gegner tief gestaffelt erwartet, und eine, die mutig nach vorn nach drückt, und das in Richtung der Westkurve, wenngleich die auch im Januar 2021 noch leer bleiben muss. Da sollte doch eigentlich klar sein, wer der 1. FC Kaiserslautern ist und wer der Gast, oder? Wir sind hier ja schließlich am Betzenberg.

Ist es auch. Leider. Denn vertippen werden sich an dieser Stelle nur unverbesserliche Nostalgiker, die noch live erlebt haben, dass Gastmannschaften "de Betze" einst als "Hölle" wahrnahmen. Wer auf der Höhe der Zeit ist, ahnt es nur zu gut: Mit der Mannschaft, die am Samstag das Heft in der Hand hielt, ist Viktoria Köln gemeint, während die Einheimischen lediglich auf Balleroberung in der eigenen Hälfte lauerten. Das ist die Betzenberg-Realität 2020/21.

Gegner müde laufen lassen, dann zuschlagen - war das der Matchplan?

FCK-Trainer Jeff Saibene hatte sein Team wieder in einem 4-1-4-1 formiert, wie schon zum Jahresabschluss gegen Uerdingen, bei dem die bis dato beste Saisonleistung den Roten Teufeln einen 2:0-Auswärtssieg bescherte. Doch während in dieser Partie die beiden inneren Glieder der vorderen Viererkette im Spiel gegen den Ball immer wieder mal forsch die gegnerischen Innenverteidiger attackierten, war diesmal davon lange Zeit nichts zu sehen. Erst in der Schlussviertelstunde schoben sich die Roten ein wenig aggressiver nach vorne.

Wann das tatsächlich der Matchplan gewesen sein sollte - in einer kompakten Deckung Sicherheit herstellen, den Gegner müde laufen lassen und in den Schlussminuten aufdrehen - soll es zumindest nicht unerwähnt bleiben: Um ein Haar hätte er sogar zum Happy End geführt. Buchstäblich in der Schlussminute fuhr der FCK nochmal einen Konter über Marlon Ritter und Philipp Hercher, dessen Abschluss Marvin Pourié nur knapp verpasste.

Immerhin: Das Ergebnis verstellt nicht den Blick auf die Realität

Damit wäre das Spiel von FCK-Seite hinterher wohl besser geredet worden, als es war. Insofern hat das Ergebnis auch sein Gutes: Es verstellt nicht den Blick auf die Realität. Denn dieses 0:0 war genauso trist, wie es sich anhört.

Und es verdeutlicht die größten Schwächen des aktuellen FCK-Spiels. Tief stehen und die Balleroberung erst in der eigenen Hälfte suchen, erlaubt zwar, eine kompakte Defensive zu formieren, die für ein "zu null" gut ist. Nach den Ballgewinnen jedoch braucht es schnelle, präzise Bälle in die Spitze und/oder Spieler, die mit dem Ball lange Wege mit möglichst hohem Tempo gehen können. Und ohne die steht am Ende auch vorne nur die Null.

Torszenen in Halbzeit 1: Wenn, dann ohne Wumms

Einer, der mit dem Ball lange Wege geht, war in Hälfte eins gerade zwei Mal zu sehen. Beide Male war es Ritter, der über die linke Seite marschiert kam. Das erste Mal missglückte ihm im Strafraum das durchaus möglich Zuspiel auf Pourié, beim zweiten Mal zog er in die Mitte und setzte zu einem Drehschuss an, der nicht wirklich gefährlich aufs Tor kam.

Ansonsten verzeichnete Lautern in Hälfte eins nur zwei Strafraumszenen: Einmal köpfte Pourié übers Tor, als Rechtsverteidiger Hercher seinen Vordermann Daniel Hanslik schön hinterlief, von diesem gut eingesetzt wurde und flankte. Das andere Mal nahm Tim Rieder nach einer Freistoßflanke eine verunglückte Kopfballabwehr direkt, so richtig Wumms kam aber auch hinter diesen Ball nicht.

Kleinsorge und Hercher: Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? Erst mal nicht

In Hälfte zwei kommt mit Marius Kleinsorge für Hanslik ein weiterer Spieler, der mit Tempo lange Wege gehen kann. Er muss mit zunehmender Spieldauer allerdings darunter leiden, dass es im und um den Kölner Strafraum immer matschiger wird, so dass er einige Male nicht vom Gegner, sondern vom Boden gestoppt wird.

Auch im Zusammenspiel mit Hercher zeigt Kleinsorge gute Ansätze, doch leider wird sich der mögliche Beginn dieser wunderbaren Freundschaft zunächst nicht fortsetzen: Kleinsorge ist nach der fünften Gelben Karte fürs nächste Spiel gesperrt, ebenso wie Rieder und Kenny Redondo. Die Probleme für Saibene werden also nicht weniger. Und besonders schade für Kleinsorge. Da es dem Kader ohnehin an schnellen Flügelspielern fehlt, wäre es doppelt wichtig, dass der Neuzugang aus Meppen endlich in die Gänge kommt.

Jean Zimmer? Oh ja, der könnte helfen - und wie

Einen weiteren Hoffnungsschimmer bietet das am Sonntag publik gewordene Bemühen des FCK um Jean Zimmer. Obwohl eher als Rechtsverteidiger bekannt geworden, kann der Landstuhler auch den offensiveren Part auf dieser Seite spielen.

Schon in seiner ersten Zeit im FCK-Profikader zwischen 2013 und 2015 schob der damalige Trainer Kosta Runjaic ihn öfter mal nach vorne, etwa, wenn es galt, in den Schlussminuten mit langen Läufen und hohem Tempo für Entlastung zu sorgen. Das wäre also genauso das, was der FCK für sein Spiel aus einer tief stehenden Abwehr heraus bräuchte.

Vertikale Zuspiele? Nur Hlousek macht es einmal richtig

Was das vertikale Zuspiel nach tiefem Ballgewinn in Spitze angeht - das sah über weite Strecken ebenso mau aus. Etliche nach vorne geschlagene Bälle landeten vollkommen im Blinden, einige wenige vermittelten zumindest den Eindruck, als sollte Pourié der Adressat sein, doch der, meistens mit einer Doppeldeckung im Rücken, hätte die Antrittsschnelligkeit eines Timo Werner gebraucht, um diese Zuspiele zu erreichen, und das auch nur eventuell.

Lediglich einmal, nach knapp einer Stunde, setzt Adam Hlousek Pourié mit einem gut getimten vertikalen Ball ein. Daraus resultiert prompt die FCK-Chance, die in Sander Ijtsmas Aufrechnung der "expected Goals" (xG's) am höchsten bewertet worden ist.

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Den notorischen Kritikern dieser Art Spielbetrachtung sei an dieser Stelle gesagt: Dass die FCK-Torchance in der Schlussminute keine Ausschlag in der Timeline verursacht, offenbart in der Tat eine der Schwächen der xG-Analyse. Da Herchers Zuspiel Pourié schlussendlich nicht erreicht, entsteht keine Einschussposition, die vom Programm bewertet werden kann.

Dafür macht die Aufrechnung umso deutlicher: Ein xG-Endergebnis von 0.52 : 0.59 - da kann eigentlich kein reales Resultat gerechter sein als ein 0:0. Die zwei Gelegenheiten, die die Kölner hatten, waren allerdings nicht ohne: Ein Schuss Kevin Holzweilers aus kurzer Distanz blockt Alex Winkler gerade noch ab, und die Abschlussposition für den eingewechselten Albert Bunjaku in der 78. Minute war eigentlich exzellent: Er steht 14 Meter vorm Tor vollkommen frei, jagt das Zuspiel Mike Wunderlichs aber in die Wolken.

Die Positions- und Passgrafik verdeutlicht die bereits beschriebene Schwäche des FCK im Spiel nach vorne. Die langen Bälle, die Keeper Avdo Spahic auf Pourié drischt, sind die, die noch am ehesten ankommen. Ansonsten ist der zentrale Stürmer von keinem seiner Mitspieler mehr als drei Mal angespielt worden - nur dann nämlich erscheint in der Grafik ein Pfeil.

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Dringend nötig: Mehr Tempo, mehr Präzision, mehr Leichtigkeit

Solide im Spiel war Debütant Anil Aydin. Mehr als drei Pässe, die ankamen, spielte allerdings auch der 21-Jährige lediglich auf Nebenmann Rieder und den hinter ihm postierten Innenverteidiger Kevin Kraus. Ansonsten gefielt der 21-Jährige durch seine Wendigkeit, wobei er einige Dribblings allzu leichtfertig ansetzte.

Dennoch: Etwas mehr Aydin'sche Unbekümmertheit ist genau das, was der FCK vielleicht am dringendsten braucht, um dem allgegenwärtigen "Kampf und Krampf" (Saibene) zu begegnen. Für ein bisschen mehr Passsicherheit aus der Defensive könnte Hikmet Ciftci sorgen, dessen Rückkehr zumindest absehbar ist. Auch Carlo Sickinger, der am Samstag wegen eines grippalen Infekts pausieren musste, könnte beim nächsten Spiel in Verl die vakante Position des gesperrten Rieder einnehmen. Wer indes das Problem auf den Flügeln beheben soll, bleibt weiterhin offen. In Verl werden nun sogar Redondo und Kleinsorge fehlen.

Zum Abschluss noch die Positions- und Passgrafik der Kölner. Die Größe der Spots im Vergleich zu denen der Lautrer spricht für sich. Die Viktoria hatte auf dem Betzenberg deutlich mehr Ballbesitz. War aber, wie in der xG-Timeline zu sehen, nicht unbedingt näher am Sieg.

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Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer
 
Weitere Links zum Thema:

- Inhaltsverzeichnis zur Saison 2020/21: Die DBB-Analysen von den FCK-Spielen



Beitragvon Allievi89 » 11.01.2021, 14:22


Krassester Satz/Fakt in meinen Augen:

"Ansonsten ist der zentrale Stürmer (Anmerkung: Also Pourié) von keinem seiner Mitspieler mehr als drei Mal angespielt worden - nur dann nämlich erscheint in der Grafik ein Pfeil."

Ganz schön schwaches Bild, meine Güte......

Ich wusste schon, warum ich mir das Spiel nicht angeschaut habe.



Beitragvon 1:0 » 11.01.2021, 15:36


Mal ein dickes Lob ans DBB-Team:
Von Euch bekommt man einen Kurzbericht direkt nach jedem Spiel. Dann innerhalb von maximal 1 Tag einen großen Spielbericht und wenige Tage später einen noch größeren Spielbericht samt Taktikanalyse!
Und das über einen Drittligisten im Abstiegskampf!
Und das ehrenamtlich und weltweit kostenlos abrufbar!
WOW!!!!!!!!



Beitragvon ExilDeiwl » 11.01.2021, 19:33


Ja, dem Lob kann man sich mal anschließen, das ist schon wirklich ein toller Service, den Ihr hier bietet! :daumen:



Beitragvon Oktober1973 » 11.01.2021, 23:31


Dem schliesse ich mich uneingeschränkt an. Zudem gefällt mir der erfrischende Stil, wie @Kohlmeyer das ganze Elend vorträgt, ohne gleichzeitig selbst ins Leid zu fallen.
Aber die Passmap verdeutlicht auch die hier im Forum schwelende Kritik der Passivität unserer Mannschaft; und dies schon seit Langem. Ich bin mir noch nicht sicher ob JS mittlerweile die Defizite und Stärken des Einzelnen wirklich durchschaut hat und auch er es vielleicht nicht schafft, die zur Verfügung stehenden richtig zusammen zu würfeln.
Dass P. Hercher, für mich neben D. Schad einer derjenigen ist, der die Meisten progressiv Pässe spielt ist eigentlich nicht unbekannt. Also muss er gesetzt spielen. Von Kleinsorge, der hier als most progressiv carrying gesehen wird, hab ich mir nichts Anderes erwartet. Also muss er von Anfang an spielen. Ich glaube ein 4-4-2 würde uns besser zu Gesicht stehen, um den Gegner unter Druck zu setzen. Und dazu gehört, wie ich mir es vor dem Spiel vorgestellt hatte Huth vorne rein, der viel läuft und auch anläuft und Pourrie mit Narrenfreiheit hinten dran. Hlousek, der von nicht Wenigen hier positiv gesehen wird, scheint sich zu stabilisieren und auffällig zu werden. Zum letztendlichen Erfolg muss er jedoch mit Redondo öfter hinterlaufen , um hinter die Abwehr auf die Grundlinie durch zu kommen. Gefühlt bricht er jedoch zu oft ab, um mit der eigenen Abwehr "Schiebemühle" zu spielen. Das verdeutlicht auch die Passgraphik. Also müsste den Jungs wirklich mal erklärt werden , wo das gegnerische Tor steht. Die rechte Seite war nicht dominant genug und Aydin hat es als ganz Junger naturgemäß noch nicht geschafft diese Verbindung nach Rechts zu schliessen. Dies hätte ich mir aufgrund der höheren Erfahrung von Sessa erhofft, der jedoch nicht aufgeboten wurde. Also ich für mich kann viel aus den Grafiken ziehen. Beispielsweise sieht man auch, dass wenn eine Mannschaft wie Köln so zentrallastig spielt, wie sie gespielt haben, hat es eine starke Innenverteidigung in der Hand die Null zu halten, wie wir es getan haben. Aber Catenaccio oder RiegelRudi Taktik wird uns nie hinten aus dem Tabellenkeller heraus führen. Die richtigen Schlüsse muss jedoch JS daraus ziehen. Und ganz von der Hand zu weisen sind die Erkenntnisse nicht, auch wenn möglicherweise die ein oder andere Statistik hinkt.



Beitragvon R.Baggio » 12.01.2021, 12:11


Etwas noch zu Rieder: Vielleicht habe ich mich auch etwas auf ihn eingeschossen, man möge mir dies Bitte verzeihen.

Er spielt aber NUR aber wirklich zu 99% nur Pässe nach hinten oder maximal zum Nebenmann.
Das ist in meinen Augen einer der Mitgründe für unsere Offensivschwäche.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine taktische Anweisung vom Trainer ist, denn das macht der schon seit er hier ist.
Er mag defensiv stark sein aber nach vorne ist er die reinste Katastrophe, wenn ich das so sagen darf.
Von ihm kommen nur Alibi-Pässe. In dem Ausmass hab ich das noch nie bei einem Spieler gesehen, wie bei ihm.

Kraus hingegen möchte ich mal loben, er hingegen hat sich meines Erachtens in letzter Zeit sehr gut Entwickelt, was das Aufbauspiel angeht.
Früher kamen von ihm (im krassen Gegensatz zu Freund Rieder) grausam nach vorne gedroschene Bälle - direkt in die Füsse der Gegner.
Heute spielt er wirklich klug und umsichtig. Ich bin über diese Entwicklung bei ihm wirklich begeistert und hätte es ihm nicht zugetraut.

Doch Rieder hingegen ... also mehr Alibigekicke geht echt nicht mehr.


PS: Hab mir mal alle xG Graphiken noch mal angeschaut und da wirds echt überdeutlich.
Der Junge soll endlich mal die Handbremse rausnehmen.
Als ehem. Verteidiger haben mich Typen im eigenen Team wie der zur Weissglut gebracht. Blos keine Verantwortung übernehmen, für den ist der Ball, wie ne heisse Kartoffel.



Beitragvon Yogi » 12.01.2021, 16:31


Analysen hin oder her....
da haben Phrasen doch viel mehr Aussagekraft.

die Wahrheit liegt auf dem Platz,
Am Ende zählen Tore und das Ergebnis.
Was nützt 80% Ballbesitz wenn die 2 Entscheidenden Konter sitzen?
soll ich weiter machen ? :wink:



Beitragvon Untergang » 12.01.2021, 20:20


Yogi hat geschrieben:da haben Phrasen doch viel mehr Aussagekraft.

Die Tabelle lügt nicht.



Beitragvon Kohlmeyer » 18.01.2021, 10:00


Erneut nur Remis - wir versuchen trotzdem weiter, für Euch Erkenntnisse aufzuarbeiten:

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Zimmer, Hercher, Pourié: Der Führungstreffer für den FCK war ein feiner Spielzug; Foto: Imago Images

Taktik-Nachlese zum Spiel SCV-FCK
Taktikanalyse: Elferfrust bremst aufkeimende Siegeslust

Wäre das Trainergespann des 1. FC Kaiserslautern auch für die "Belastungssteuerung" bei seinem Anhang verantwortlich, fiele ihr die Erkenntnis, dass die Grenzen langsam erreicht sind, womöglich leichter. Nach dem neuerlichen Remis beim SC Verl bewegt sich die Dicke des Geduldsfadens im Mikro-Millimeterbereich.

Dabei hätte sich nach der 61. Minute alles zum Guten wenden können. Nicht nur, dass der 1. FC Kaiserslautern da in Führung ging, ohne dass man es zu diesem Zeitpunkt in irgendeiner Weise hätte "verdient" nennen können. Nicht nur, dass Rückkehrer Jean Zimmer den Treffer einleitete und so seine Rolle als Hoffnungsträger bestätigte: Er steckte auf den durchstartenden Philipp Hercher durch, der anschließend an der rechten Strafraumlinie seelenruhig in die Mitte passte, worauf Marvin Pourié vollstreckte. Nicht nur, dass Verl danach taumelte. Der FCK schien die Gunst der Stunde endlich einmal für sich nutzen können, war plötzlich richtig gut im Spiel. Zwei Lattentreffer innerhalb der folgenden fünf Minuten belegen dies eindrucksvoll.

Das 2:0 schien möglich, der Auswärtssieg wahrscheinlich - und der hätte vor den kommenden Aufgaben sicher für einen ordentlichen mentalen Auftrieb gesorgt. Am Ende aber stand es wieder nur 1:1. Besonders bitter: Die Endorphin-Ausschüttung stoppte kein Gegenschlag des SC Verl, sondern ein Mitspieler, noch dazu der treffsicherste.

Nach dem verschossenen Elfer beginnen die Fehler

Pourié verschoss einen Handelfmeter, und das für einen Kicker seiner Qualität erbärmlich. Die Aktion rief offenbar auch dem Rest des Teams die Labilität in Erinnerung, die sie schon die ganze Spielzeit auszeichnet. Sofort waren die Gastgeber wieder besser im Spiel. Denen wiederum wurde nun bewusst, dass sie in dieser Saison bereits acht Mal einen Rückstand ausgeglichen hatten. Warum also sollte es nicht zum neunten Mal gelingen?

In Minute 81 war es soweit, und wieder einmal war es nicht der "Bock" eines Einzelnen, sondern eine komplette Fehlerkette, die einem Gegentreffer vorausging. Der zur Pause eingewechselte Mael Corboz darf den Ball an der rechten Strafraumgrenze schon viel zu frei annehmen. Beim anschließenden Lauf an die Grundlinie wird er ebenfalls kaum bedrängt. Kevin Kraus hätte die Chance, Corboz’ Zuspiel in die Mitte zu klären, erwischt das Leder aber nicht richtig. Auch Berkan Taz, der es im Rückraum annehmen darf, hat es viel zu leicht, die Kugel an Philipp Hercher vorbeizuschieben. Und ist danach in einer exzellenten Schussposition, die er prompt nutzt.

Hälfte eins war wieder mal viel zu verzagt

Davor und danach tat sich im Offensivspiel der einst "Teufel" genannten Roten nicht viel. Das belegt auch die xG-Grafik. Fast alle Sprünge, die das FCK-Team in der Timeline auslöst, finden sich in der kurzen Spanne zwischen Treffer und verschossenem Elfmeter.

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Wobei auch diesmal eine Schwäche der xG-Analyse nicht verschwiegen soll: In Minute 27 hätte Marlon Ritter 18 Meter vorm Tor gut und gerne den halbrechts einlaufenden Pourié bedienen können, doch der ansonsten feine Techniker passt haarsträubend grobmotorisch. So entsteht keine Einschussposition, die in der xG-Grafik auftaucht - ein "dickes Ding" war’s dennoch.

Die Szene ändert aber nichts daran, dass die erste Stunde des Spiels erneut das aktuelle Dilemma des FCK-Spiels offenbarte: Erst mal hinten stabil stehen, bis genug Selbstvertrauen getankt ist, um ein wenig forscher nach vorn zu werden - das mag als taktische Marschroute für diese verunsicherte Mannschaft in den ersten Wochen nach der Übernahme des Traineramts durch Jeff Saibene nachvollziehbar gewesen sein. Mittlerweile aber sollte über einen Strategiewechsel nachgedacht werden, wenn diese Endlos-Schleife der Unentschieden zu durchbrechen.

Einfach mal dran denken: Mut zum Risiko wird manchmal auch belohnt

Die Partie gegen Verl markierte das elfte Remis in 19 Spielen. So ist in der Tabelle kein Vorwärtskommen möglich. Der FCK rangiert nunmehr auf Rang 16, die hinter ihm liegenden Teams haben alle noch Nachholspiele zu absolvieren - gelingt Zwickau oder Magdeburg oder Duisburg ein Sieg, stürzt Lautern auf einen Abstiegsplatz.

Dass Mut zum Risiko auch mal belohnt wird, ist vielleicht die dringendere Erfahrung, die die Mannschaft braucht, um Siegeswille und Spielfreude zurückzugewinnen. Das, was sie derzeit bietet, erinnert an Martin Luthers Spruch über Menschen mit verzagter Darmtätigkeit.

Beim KFC Uerdingen zum Jahresabschluss attackierte die FCK-Elf zumindest phasenweise ja auch weiter vorne im Feld - und siegte verdient mit 2:0. Doch statt auf Strategie - setzte Jeff Saibene nach dem 0:0 gegen Viktoria Köln auf Personalwechsel. Vier insgesamt. Drei davon waren unabdingbar, da Kenny Redondo, Marius Kleinsorge und Tim Rieder wegen Gelbsperren fehlten.

Vier Wechsel in der Startelf, drei während des Spiels: Nicht alle verständlich

Weshalb Janik Bachmann für den zuletzt erstarkenden Alex Winkler in die Innenverteidigung rücken musste, hat sich DBB-Kollege Gerrit bereits in seinem Spielbericht gefragt. Für Rieder agierte Carlo Sickinger auf der Sechs, möglicherweise versprach sich Saibene dadurch präzisere Pässe im Aufbauspiel, als sie Stammkraft Rieder normaler Weise zeigt, zumal auch Techniker Hikmet Ciftci wieder ins zentrale Mittelfeld zurückkehrte.

Die Rechnung ging jedoch nicht auf. Sickinger leitete nicht nur mit einem fatal getimten Rückpass die erste Torchance der Gastgeber ein, es war darüberhinaus auch deutlich zu sehen, dass er nach seinem auskurierten Infekt noch nicht wieder fit ist, was Saibene nach dem Spiel sogar bestätigte. Durchspielen ließ er seinen Kapitän dennoch. Dafür nahm er nahm drei andere Wechsel vor, diese aber erst in der 84., 87. und 92. Minute.

In dieser kurzen Folge hemmten die Auswechslungen den Spielfluss des in der Schlussphase wieder aufkommenden FCK. Bei den als "Comebacker der Liga" bezeichneten Verlern muss schließlich angemerkt werden: Sie hatten zwar schon acht Mal in dieser Saison Rückstände ausgeglichen, davon aber drei Partien anschließend dennoch verloren. Es hätte also noch was gehen können.

Spahic spielt Pourié öfter an als jeder Mittelfeldspieler

Die Positions- und Passgrafik zeigt: In der Tat waren die beiden zentralen Mittelfeldspieler besser in der Partie als zuletzt gegen Köln. Mehr als drei Pässe auf Stürmer Pourié glückten aber keinem, Keeper Avdo Spahic suchte und fand ihn mit seinen langen Abschlägen öfter als jeder andere Mitspieler. Erfreulich immerhin: Rückkehrer Zimmer war der FCK-Spieler, der am meisten angespielt wurde, allerdings fast ausschließlich von Hintermann Philipp Hercher.

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Zum Vergleich noch die Positions- und Passgrafik von Verl. Interessant die Offensivreihe, die sehr beweglich ist, wie die Dreieckspfeile neben den Spots zeigen. Auf eine feste Anspielstation in der Mitte wird verzichtet.

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Vielleicht ist es unter diesen Voraussetzungen sogar ein Vorteil, dass zum Rückrundenstart nun ausgerechnet die Reise zu Tabellenführer Dynamo Dresden auf dem Spielplan steht: Da muss Saibene eine abwartende Spielweise seines Teams weder vor sich selber, noch vor seiner Mannschaft noch vor dem Anhang rechtfertigen.

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

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- Inhaltsverzeichnis zur Saison 2020/21: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage



Beitragvon LM2608 » 18.01.2021, 10:19


Heute muss ich mal loben.
Sehr gute Analyse, die alles beinhaltet und anspricht.
Dankeschön



Beitragvon SEAN » 18.01.2021, 10:24


Was fällt an unserer Passmap auf?
Aus der Mitte mal wieder nicht ein Pass in das Sturmzentrum, auch Ritter hat sich mehr links als in der Mitte aufgehalten. Das kann in meinen Augen dann auch nix werden, wenn nur Bälle von Außen kommen (das waren auch nicht viele), da kann sich der Gegner wunderbar drauf einstellen.

Ich weiß und schreibe es auch oft genug, so wirklich gut ist unsere Mannschaft taktisch nicht. Da passt einfach von der Zusammenstellung zu wenig beieinander. Aber vielleicht sollte man probieren, ob ein 4-1-3-2 funktioniert.

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Auch hier bei der Aufstellung fehlt der zentrale offensive Mittelfeldspieler, hier hab ich mal Ciftci hingestellt. Auch kann man drüber diskutieren, ob man Rieder statt Bachmann bringt, und vielleicht Ritter statt Huth ins Sturmzentrum stellt. Immerhin der zweitbeste bei uns nach Toren.
Der Rest stellt sich in meinen Augen von selbst auf.
Scheint die Sonne so warm, trag ich Papier unterm Arm,
scheint die Sonne so heiß, setz ich mich hin und.........



Beitragvon TreuDemFCK » 18.01.2021, 10:39


Was mit an den passmaps auffällt: Die der Gegner sehen eigentlich immer sehr ähnlich aus, und komplett anders als unsere. Nämlich sehr viele sehr dicke Linien zwischen 4-6 defensiven Spieler (bei Verl 4: die zwei Innenverteidiger, der Sechser und der LV). Bei uns gibt's die nicht.

Ist das so weil alle Teams in der dritten Liga ähnlich spielen, nur wir das anders machen? Sind unsere Innenverteidiger fußballerisch nicht gut genug dafür? Oder ist das so weil alle Teams gegen uns ähnlich spielen (müssen)?

Würde mich da sehr über Expertenmeinungen zu freuen.



Beitragvon R.Baggio » 18.01.2021, 12:04


TreuDemFCK hat geschrieben:Was mit an den passmaps auffällt: Die der Gegner sehen eigentlich immer sehr ähnlich aus, und komplett anders als unsere. Nämlich sehr viele sehr dicke Linien zwischen 4-6 defensiven Spieler (bei Verl 4: die zwei Innenverteidiger, der Sechser und der LV). Bei uns gibt's die nicht.

Ist das so weil alle Teams in der dritten Liga ähnlich spielen, nur wir das anders machen? Sind unsere Innenverteidiger fußballerisch nicht gut genug dafür? Oder ist das so weil alle Teams gegen uns ähnlich spielen (müssen)?

Würde mich da sehr über Expertenmeinungen zu freuen.


Ich denke das liegt auch an uns zum grossen Teil.
Wir überlassen dem Gegner ja stets das Spielgerät und stellen uns hinten rein. Die Gegnerische Defensive wird kaum gepresst, erst ab der Mittellinie.

Was bleibt also dem Gegner anders übrig als das Bällchen in der eigenen hinteren Reihe laufen zu lassen und auf einen guten Moment zu warten?
Werden ja nicht unter Druck gesetzt, daher auch die dicken Linien. Können sich in aller Ruhe den Gegner zurecht legen und wir sind noch so brav und spielen da schön mit.

Und selbst kriegen wir ja eh nix auf die Reihe, der eigenen Spielwitz exisitert ja praktisch nicht :nachdenklich:



Beitragvon Jaklar » 18.01.2021, 12:53


Die Taktik ist an sich in Ordnung. So würde ich als Aufsteiger vielleicht auch gegen Bayern München spielen. Problem ist halt nur, dass unser Kader eigentlich spielstärker als der von Verl sein müsste und die Grafik daher spiegelverkehrt aussehen sollte.



Beitragvon MarcoReichGott » 18.01.2021, 14:36


SEAN hat geschrieben:Aber vielleicht sollte man probieren, ob ein 4-1-3-2 funktioniert.



Naja, dein 4-1-3-2 ist quasi identisch mit dem 4-4-2, was wir schon gespielt haben. Das ist eben mit dem vorhandenen Personal immer daran gescheitert, dass wir die Mitte nicht besetzt bekommen haben.




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