Neuigkeiten und Pressemeldungen zum 1. FC Kaiserslautern.

Beitragvon Chrisss » 08.10.2020, 20:10


Malvoy hat geschrieben:
SEAN hat geschrieben:Dann klick es halt nicht an, wenn es dich nicht interessiert. Das ist ja nix schlimmes, mich interessiert auch nicht alles hier, kuck ich halt nicht rein.

Ich kanns doch anklicken, durchlesen und für überflüssig befinden, oder? Das Problem ist halt, dass es nicht nur überflüssig, sondern sogar irreführend ist. Die Grafik sagt absolut nichts Brauchbares über den Spielverlauf aus. Hlousek mag die meisten Pässe auf Ritter gespielt haben, trotzdem könnte der eigene Ballbesitz die meiste Zeit auf der rechten Seite gewesen sein. Das kann man an der Grafik nicht ablesen. Insofern - Prädikat irreführend. Vielleicht wenn man noch eine Heatmap dazu nimmt, aber so ist es total aussagelos.


Das stimmt aber nicht. Anhand der Grafik kannst du sehr wohl sehen, wo der Ball am häufigsten war. Bei Kleinsorge, Huth und Röser jedenfalls nicht.



Beitragvon BetzeBoss » 08.10.2020, 20:36


Rheinteufel2222 hat geschrieben:
Kohlmeyer hat geschrieben:Darüber hinaus bietet Sander Ijtsma zu jedem Spiel eine Positions- und Passgrafik an. Diese visualisiert, wie oft die einzelnen Spieler am Ball waren - je größer der Spot, desto öfter -, und wo auf dem Feld sie "im Durchschnitt" das Leder annahmen.


Demnach war unser tatsächliches System gegen Wehen also eine Art schräges 3-4-3.


Beide Außenverteidiger werden visuell auf ähnlicher Höhe (von unten betrachtet) dargestellt. Wenn dich die "Dicke/Stärke/Größe" der Passlinien so verwirrt, dass du das System verdreht betrachtest, solltest du dich mit Interpretationen vielleicht zurückhalten. Die Tore stehen nunmal nicht linnks unten und rechts oben.

Wenn man zwanghaft ein anderes System als das 4-4-2 rauslesen möchte, dann könnte man noch von einem 4-2-4 reden, da die Flügelspieler eher auf Höhe von Flügelstürmern eines 4-3-3 Systems stehen.



Beitragvon Chrisss » 08.10.2020, 20:55


Die Grafik gibt den durchschnittlichen (!) Aufenthaltsort des Spielers an... wenn ein Hlousek häufig offensive Läufe hat, dann kann er trotz ordentlicher Grundordnung natürlich viel weiter oben stehen...

Leute, ernsthaft, ist die Grafik jetzt wirklich höhere Mathematik? ^^



Beitragvon cassidy » 09.10.2020, 11:11


Malvoy hat geschrieben:
SEAN hat geschrieben:Dann klick es halt nicht an, wenn es dich nicht interessiert. Das ist ja nix schlimmes, mich interessiert auch nicht alles hier, kuck ich halt nicht rein.

Ich kanns doch anklicken, durchlesen und für überflüssig befinden, oder? Das Problem ist halt, dass es nicht nur überflüssig, sondern sogar irreführend ist. Die Grafik sagt absolut nichts Brauchbares über den Spielverlauf aus. Hlousek mag die meisten Pässe auf Ritter gespielt haben, trotzdem könnte der eigene Ballbesitz die meiste Zeit auf der rechten Seite gewesen sein. Das kann man an der Grafik nicht ablesen. Insofern - Prädikat irreführend. Vielleicht wenn man noch eine Heatmap dazu nimmt, aber so ist es total aussagelos.


Was der Bauer net kennt, frisst er net.
Nur weil etwas den eigenen Horizont übersteigt, ist es noch lange nicht überflüssig. Ignoranz mag gemütlich sein, ist jedoch weder eine positive noch förderliche Charaktereigenschaft. Kann man ja momentan gut bei den Hygienedemos beobachten.



Beitragvon Kohlmeyer » 09.10.2020, 11:18


Klingenstädter hat geschrieben:Haben wir dich bei tm genug damit genervt? :teufel2:

Danke an dich und ans Team, dass diese Betrachtung nun hier Einzug hält!


Ihr habt mich nicht genervt. Es war von Anfang an unsere Absicht, die xG-Grafiken auch bei DBB zu präsentieren, es hat nur eine Weile gedauert, bis Sander sich gemeldet hat und wir zu einem Agreement für diese Saison gekommen sind. Sind halt komische Zeiten.

Die Grafiken von den ersten beiden Liga-Spielen hat Sander mittlerweile nachgeliefert. Die vom Türkgücü-Spiel wollt Ihr nicht sehen, glaubt mir.

Die vom Dresden-Spiel hätte ich gerne gezeigt, es dann aber gelassen, weil der Beitrag dann zu sehr ausgeufert wäre. Ich wollte zur Premiere bei DBB halt nochmal ein paar allgemeine Sachen erklären. In Zukunft gibt's an dieser Stelle mehr übers Spiel.

Daher sei hier gesagt: Das Spiel gegen Dresden war nicht so gülle, wie es hinterher gemacht wurde. Ja, der Gegner spielte über eine Halbzeit nur mit zehn Mann, aber er stand dann auch konsequent hinten drin und das mit einigen der anerkannt besten Abwehrspielern der Liga. Es gibt nicht viele Drittligisten, die diesen Riegel geknackt hätten.

Wir hatten ungefähr sechs ganz veritable Einschusschancen, das sollte an einem normalen Tag eigentlich für einen Treffer reichen, an einem guten sogar für zwei. Der xG-Endstand war 1.43 : 0.76, für einen FCK-Sieg war eine Wahrscheinlichkeit von 54 Prozent gegeben. Gegen Wiesbaden dagegen hatten wir eigentlich nur vier Chance, wobei die, die zum Ausgleichstreffer führte, noch nicht einmal gut war. Dennoch stellen wir nach dem Dresden-Spiel den Trainer auf die Lichtung und den Punkt in Wiesbaden feiern wir als moralischen Sieg... such is life.

@BetzeBoss und andere

Ich denke, nach Wiesbaden kann/sollte man sich noch nicht so viele Gedanken machen, wie der Fußball unter Saibene aussehen könnte, "taktisch" oder wie auch immer. Die erste Hälfte war zum Saugrausen. Sobald die Wiesbadener attackierten, wurde gebolzt - auf Stürmer, die keinen Ball festmachen konnten – und selbst wenn sie einen hätten prallen lassen, wär kein Nachrücker dagewesen, der ihn sich sichern konnte. Wenn da "Langer Ball - Zweiter Ball" die Spielidee gewesen sein soll, war´s gar nichts.

In der zweiten Hälfte sah das dann ganz anders aus und zeitweise sogar ganz gut- und war eigentlich näher an der Schommers-Spielidee vom "Bespielen eines tief stehenden Gegners", als seine Kritiker es wahrhaben wollen. Aber auch nur, weil sich die Wiesbadener zurückgezogen hatten.

Unterm Strich bleibt da nur abzuwarten, was Saibene künftig so einfällt. Im Netz existiert ein Interview mit der "Neuen Westfälischen", in dem er erklärt, er brauche ungefähr vier Wochen, bis eine Mannschaft umsetzt, was er sich so vorstellt.

Gruß,
Kohlmeyer



Beitragvon kai81 » 09.10.2020, 11:40


@Kohlmeyer, Danke auch nochmal von mir für deine Grafiken und Analysen.
Ich warte auch immer gespannt auf diese, um zu erfahren ob sich mein Eindruck vom Spiel mit Ihnen deckt, und ob es auch noch weiters gibt, was mir so nicht aufgefallen ist.

Zum Spiel:
In der ersten Halbzeit kamen wir in jeder Situation ein Schritt zu spät, in der zweiten war dies nicht mehr der Fall. Wehen machte schon den Eindruck, das sie sich etwas zurück nahmen.
Der Vergleich zu Schommers seinem Spiel ist mir auch aufgefallen, aber das es ist ja klar das der neue Trainer nicht innerhalb von 3 Tagen alles über den Haufen werfen kann. Außerdem mussten wir Wehen dann ja bespielen, nachdem diese nicht mehr so aktiv waren.



Beitragvon Chrisss » 09.10.2020, 12:28


Kohlmeyer hat geschrieben:Dennoch stellen wir nach dem Dresden-Spiel den Trainer auf die Lichtung und den Punkt in Wiesbaden feiern wir als moralischen Sieg... such is life.


Der Trainer wurde nicht wegen eines Spiels auf die Lichtung gestellt.



Beitragvon niemand27 » 09.10.2020, 12:31


Chrisss hat geschrieben:Der Trainer wurde nicht wegen eines Spiels auf die Lichtung gestellt.

Hat er ja auch nicht geschrieben :wink:
Warnung! Dieser Verein gefährdet Ihre Gesundheit



Beitragvon Chrisss » 09.10.2020, 14:13


niemand27 hat geschrieben:Hat er ja auch nicht geschrieben :wink:


Dann hätte er den Satz auch ganz weglassen können, weil sich der Kontext ansonsten nicht erschließt.



Beitragvon Helmut1956 » 09.10.2020, 16:32


sehr gute Informationen und sehr interessant.Eine Frage an die Autoren: Wäre es möglich , auch die Laufdaten der einzelnen Spieler zu veröffentlichen?



Beitragvon Kohlmeyer » 09.10.2020, 17:14


Helmut1956 hat geschrieben:sehr gute Informationen und sehr interessant.Eine Frage an die Autoren: Wäre es möglich , auch die Laufdaten der einzelnen Spieler zu veröffentlichen?


Für die Dritte Liga sind für uns dazu keine Daten zugänglich, und soweit ich weiß, werden die ligaweit auch gar nicht erhoben.

Für die Erste und Zweite Liga erhebt "Opta" diese im Auftrag der DFL und in sehr großem Umfang. Dazu sind spezielle Kameras in allen Stadien aufgestellt. Einer, der sich dafür einsetzt, dass da auch der DFB in Liga 3 mehr investiert, ist übrigens Boris Notzon. Er arbeitet auch in so einer Art Projektgruppe des DFB mit, konkret umgesetzt worden ist von deren Ideen bislang aber noch nichts, soweit ich weiß.

Die paar Daten, die im "kicker" und anderen Medien frei zugänglich gemacht werden, sind da nur die Spitze des Eisbergs und eigentlich auch gar nicht so interessant. Wenn ein Spieler beispielsweise 13 Kilometer gerannt ist und seine Mitspieler nur elf, ist das eigentlich keine besondere Leistung, sondern vermutlich nur seiner Position oder Aufgabe geschuldet.

Das müsste ja eigentlich jeder Jogger besser wissen als ich: In 90 Minuten 13 Kilometer zu laufen, hat mit Leistungssport noch nicht viel zu tun.

Spannender wär's, auf die sogenannten "intensiven Läufe", also die Sprints, blicken zu können, die ein Spieler in 90 Minuten nach hinten und nach vorne unternimmt. An solche Zahlen kommt unsereins leider nicht heran, das können nur die zahlenden Kunden von "Opta."

Gruß,
Kohlmeyer



Beitragvon Kohlmeyer » 12.10.2020, 15:30


Hier kommt die aktuelle "expected Goals"-Analyse zum FCK-Derby gegen Mannheim:

Bild
Neben Neuzugang Daniel Hanslik und Torwart Avdo Spahic ebenfalls überzeugend: Torschütze Marlon Ritter

Taktik-Nachlese zum Spiel FCK-SVW
Die xG-Analyse zum Derby: Hansliks starke Premiere


Erste Halbzeit pfui, zweite Halbzeit hui - auf diesen gemeinsamen Nenner kamen wohl Betrachter, die das Derby zwischen Lautern und Mannheim durch die FCK-Brille sahen. Die xG-Analyse beschert tiefere Einblicke - und hebt besonders einen Debütanten hervor.

Wieso werden die Halbzeitkommentare im Fußballfernsehen eigentlich immer Profis überlassen? Was nach den ersten 45 Minuten im Derby zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Waldhof Mannheim über die Leistung des Heimteams zu sagen war, brachte niemand treffender auf den Punkt als ein Zuschauer in Block 1.2 des Fritz-Walter-Stadions. "Ich kann ja verstehen, dass in der Corona-Zeit kein Alkohol ausgeschenkt wird", ärgerte sich der zahlende Gast, "aber dann sollen sie wenigstens so spielen, dass man keinen braucht."

In der Tat: "Ernüchternd" ist eigentlich noch zu höflich ausgedrückt für das, was der FCK in Halbzeit eins bot. Und das schon zum wiederholten Mal in der glücklicher Weise noch jungen Saison. Vom Verbandspokal-Spiel gegen die unterklassige SG Meisenheim mal abgesehen, gerieten die Roten Teufel im fünften Pflichtspiel dieser Spielzeit zum fünften Mal in Rückstand. Vier Mal erfolgte der erste Einschlag bereits innerhalb der ersten zehn Minuten, und jedes Mal trugen die Pfälzer lange Zeit schwer an dem Rückschlag.

Immerhin wird die Zeitspanne, bis sie endlich in Tritt kommen, kürzer. Während die Lautrer beim 2:2 in Wiesbaden vergangenen Montag nach einer runden Stunde langsam Betriebstemperatur aufnahmen, sorgte im Derby ein Alu-Treffer Janik Bachmanns noch vor der Pause für ein Hallo-Wach-Erlebnis. Eine knackige Pausenansprache von Trainer Jeff Saibene, so wurde es hinterher überliefert, tat ein Übriges, um das Team auf Touren zu bringen.

Wieder braucht es Wechsel und Umstellung - diesmal nach 35 Minuten

Nicht minder effektiv wirkte sich jedoch ein Wechsel aus, den Saibene bereits in der 36. Minute vornahm: Hikmet Ciftci kam für Elias Huth, also Mittelfeldspieler für Stürmer. Wie schon gegen Wiesbaden, und auch da lief das FCK-Spiel sofort besser, kurz darauf fiel der 1:2-Anschlusstreffer.

Diesmal leitete Ciftci, kaum im Spiel, Bachmanns Kopfballchance ein, indem er Adam Hlousek einsetzte, der wiederum auf den in den Strafraum einrückenden Mittelfeldspieler flankte. Im weiteren Verlauf des Spiels wechselte sich Ciftci mit Bachmann in der Rolle des Zehners ab, der im Spiel gegen den Ball neben die Sturmspitze rückte. Somit ist Bachmanns Rolle unter Saibene nun noch offensiver, als sie es bereits unter Boris Schommers bereits geworden war. Auch der hatte den einstigen Sechsern in seinem komplexen Offensivspiel weiter nach vorne geschoben, was bis zu Schommers' Entlassung allerdings noch kaum Wirkung gezeigt hatte.

Unter Saibene ist Bachmann in nur zwei Partien zu Lauterns torgefährlichstem Mittelfeldspieler mutiert. In Wiesbaden köpfte er den Anschlusstreffer, diesmal war's Aluminium, und nach 64 Minute zwang er nach Freißstoßflanke Marlon Ritters Waldhof-Keeper Jan-Christoph Bartels mit einem weiteren Kopfball zu einer Blitzreaktion.

Trotz starker zweiter Hälfte: Der Waldhof war der wahrscheinlichere Sieger

Überhaupt dürfte die zweite Hälfte den durstigen Gast in Block 1.2 zumindest zufriedengestellt haben - um den Anhang auch ohne Alkohol in einen Vollrausch zu versetzen, hätte es freilich noch einen Treffer mehr gebraucht als den, den Ritter in der 77. Minute erzielte. Immerhin aber sahen die 6.000 Zuschauer im Stadion in diesen 45 Minute einen FCK, der sich leidenschaftlich in die Zweikämpfe stürzte und wiederholt Balleroberungen in der Gegners Hälfte verzeichnete. Wenn es doch nur endlich mal zwei Hälften hintereinander auf diesem Level zu sehen gäbe...

Unsere Aufrechnung der "expected Goals", also der qualitativ bewerteten Torchancen, weist dennoch den Waldhof als wahrscheinlicheren Sieger aus. Was in erster Linie an der Großchance lag, die FCK-Keeper Avdo Spahic in der 35. Minute vereitelte. Erst wehrte er einen 16-Meter-Schuss Rafael Garcias ab, anschließend klärte aus kürzester Distanz mit dem Fuß gegen Dominik Martinovic, der sich des Abprallers angenommen hatte.

Die Szene allein schlägt mit einem Wert von rund 0.75 zu Buche, also 75-prozentige Trefferwahrscheinlichkeit, das entspricht etwa der eines Elfmeters.

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Die Positions- und Passgrafik müssen wir diesmal mit Vorsicht genießen. Sie betrachtet bekanntlich nur die ersten 70 Minuten des Spiels. Der als "Huth" bezeichnete Spot verzeichnet visualisiert also zur Hälfte den Ballbesitz, die Passaktivität und durchschnittliche Ballannahmeposition Ciftcis. Und in "Röser" stecken 25 Minuten Daniel Hanslik.

Der zum Transferschluss vergangenen Montag verpflichtete Stürmer war zur Pause gekommen. Und er stellte bei seinem Debüt als kluge, bewegliche Offensivkraft vor, der seinen Körper geschickt einzusetzen weiß. Klasse, wie Hanslik nicht den direkten Abschluss sucht, als er in Minute 73 halblinks im Strafraum angespielt wird, sondern querlegt, wo zunächst Ciftci verpasst, ehe der eingewechselte Anil Gözütok abzieht - Waldhof-Verteidiger Jan-Hendrik Marx klärt jedoch auf der Torlinie.

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Interessant: Obwohl der Name "Hanslik" in der Position- und Passgrafik nicht zu finden ist, taucht er gleich zwei Mal in der "Bestwerte"-Sparte auf, die unser xG-Analyst Sander Ijtsma auf der rechten Seite seiner Grafik auflistet. Bei "most progressive passing received" sowie "most progressive carrying" - er war also der, der die meisten Pässe in die Tiefe annahm und die meisten Wege in die Tiefe ging.

Womit auch die Datenanalyse unseren subjektiven Eindruck bestätigt: Hanslik hat sich nach nur 45 Minuten als Stürmer für die Startelf empfohlen - zumindest, solange Marvin Pourié verletzt ist. An Huth und Röser jedenfalls sollte er am Samstag vorbeigezogen sein.

Die rechte Seite war stärker im Spiel - aber Hlousek flankt am besten

Ebenfalls gut zu sehen: Die rechte Seite, diesmal mit Simon Skarlatidis vor Dominik Schad, war wesentlich besser im Spiel als in Wiesbaden. Wobei es keinen Zweifel gibt, dass die besseren Flanken auch diesmal von der anderen Seite kamen. Nicht zuletzt legte Adam Hlousek nach Bachmanns Alu-Treffer auch Ritters Ausgleichstreffer auf.

Gespannt darf man sein, ob Saibene das nächste Spiel mit nur einer Sturmspitze beginnt, nachdem sich die Abkehr vom 4-4-2 während einer Partie nun schon zwei Mal hintereinander auszahlte. Zumal es Saibene schwerfallen dürfte, einen aus dem Trio Ciftci, Bachmann und Tim Rieder auf die Bank zu setzen.

Abkehr vom 4-4-2: Warum nicht einmal von Beginn an?

Eine Überlegung wert wäre auch, in einem 4-2-3-1 Ritter der Rolle des Zehners zu übertragen: Wie schon in Wiesbaden war der Neuzugang aus Paderborn auch im Derby erneut der Mann für die spielerischen Glanzlichter. In zentraler Position käme er noch mehr zum Zaubern. Den Part auf dem linken Flügel könnte die Last-Minute-Verpflichtung Kevin-Prince Redondo übernehmen.

Am Mittwoch, im Verbandspokalspiel gegen die TuS Marienborn (sofern es stattfindet), böte sich eine gute Gelegenheit für Tests in dieser Richtung.

Zum Abschluss noch, für die heimlich mitlesenden Fans der Gegenseite, die Positions- und Passgrafik des SV Waldhof. Wie schon im Derby vor Jahresfrist darf erneut festgestellt werden: gute Struktur und gleichmäßige Ballverteilung, auch die Abstände stimmen - ein sehr geordneter Auftritt.

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Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Neu auf DBB | Grafiken sagen nicht alles, aber viel: Die xG-Analysen von den FCK-Spielen



Beitragvon Chrisss » 12.10.2020, 16:07


Wieder mal extrem interessant. Was direkt und sehr stark auffällt: Waldhof hat das Spiel viel gleichmäßiger über sämtliche Position verteilt. Bei uns läuft sehr viel über eine Achse, und unser Sturm war komplett unterpräsentiert. Dadurch – und genau das bestätigt ja auch den subjektiven Eindruck des DBB-Publikums – war unser Sturm quasi nicht existent und wir spielten zunächst mit zwei Spielern weniger.



Beitragvon Ktown2Xberg » 12.10.2020, 16:26


Ja. Man sieht aber auch schön dass die Stürmer lange hätten machen können was sie wollen und sie hätten trotzdem nicht stattgefunden da die Bälle von den offensiven Außen meist komplett zurück oder tendenziell zurück ins ZM gespielt wurden – und wir durch die Mitte noch schlechter durchgekommen sind als der Waldhof.

Sickinger und Hanslik waren auf jeden Fall ein interessantes Pärchen. Durch seine Ballanahmen hat sich Hanslik für mich auch erstmal auf Platz 2 der Stürmerhierarchie vorgeschoben (wobei auch Röser das zwischen Minute 35 und 45 zweimal gut gemacht hat). Huth braucht halt Flanken – hoffe er lernt da noch was und wird vielseitiger.

Spricht für mich auch klar dafür, erstmal das offensive Mittelfeld zu stärken (um weniger ausrechenbar zu sein).

P.S.: Was auch noch dafür spricht dass nicht alles nach Plan gelaufen ist: Die "Dreiecke" (= große Varianz in den Einzelwerten auf der horizontalen Achse) bestätigen, dass Ritter wohl tendenziell der Spieler war der vorne ins Zentrum einrücken sollte (also ne verkappte 10), wir zugleich aber (vom Waldhof gezwungen?) deutlich rechtslastig aufgebaut haben. "Klassisch" sollte man erwarten, dass auf der Seite die aufbaut eingerückt wird damit auf der anderen Seite eine Absicherung greifen kann. Dass rechts Skarlatidis und Schad oft getauscht haben während links Hlousek die Seite oft allein bearbeitet hat macht natürlich nicht unbedingt stabiler...
oskarwend hat geschrieben: Wenn die schon länger hier mitlesen [...] wissen sie, dass @ktownXberg nicht gerade als die hellste Kerze auf der Taktiktorte bekannt ist.



Beitragvon teldix » 12.10.2020, 16:36


Chrisss hat geschrieben:
Malvoy hat geschrieben:Ich kanns doch anklicken, durchlesen und für überflüssig befinden, oder? Das Problem ist halt, dass es nicht nur überflüssig, sondern sogar irreführend ist. Die Grafik sagt absolut nichts Brauchbares über den Spielverlauf aus. Hlousek mag die meisten Pässe auf Ritter gespielt haben, trotzdem könnte der eigene Ballbesitz die meiste Zeit auf der rechten Seite gewesen sein. Das kann man an der Grafik nicht ablesen. Insofern - Prädikat irreführend. Vielleicht wenn man noch eine Heatmap dazu nimmt, aber so ist es total aussagelos.


Das stimmt aber nicht. Anhand der Grafik kannst du sehr wohl sehen, wo der Ball am häufigsten war. Bei Kleinsorge, Huth und Röser jedenfalls nicht.


Für das gewonnene Wissen hätte ich keine Grafik gebraucht - nichtsdestotrotz: Gibt es eine Heatmap? :P



Beitragvon Allievi89 » 12.10.2020, 16:49


Ktown2Xberg hat geschrieben:Huth braucht halt Flanken – hoffe er lernt da noch was und wird vielseitiger.


... es wäre halt auch mal extrem wichtig, dass gefährliche Flanken auch von rechts kommen, nicht immer nur 2-3 platzierte Flanken von Hlousek. Das reicht nicht in einem Spiel, da muss mehr kommen, um ein paar gefährliche Situationen herzustellen, gerade, wenn Bachmann in den 16er rückt.

Leider sehe ich weder bei Schad noch bei Hercher die Flankenpräzision, die es da bräuchte.



Beitragvon Kohlmeyer » 12.10.2020, 16:52


teldix hat geschrieben:Für das gewonnene Wissen hätte ich keine Grafik gebraucht - nichtsdestotrotz: Gibt es eine Heatmap? :P


Ich hab es weiter oben schon mal geschrieben: Es werden in Liga 3 kaum Spieldaten erhoben, ich weiß nicht einmal, wo Sander Ijtsma die Basisdaten für seine Grafiken herbekommt. Infolgedessen gibts auch keine Heatmaps, jedenfalls habe ich noch keine gefunden. Wenn du eine entdeckst - gerne Bescheid sagen. Ich weiß allerdings nicht genau, welchen Mehrwert diese bescheren sollen. Die Größe der Spots visualisiert die Ballbesitzverteilung doch auch recht gut.

Gruß,
Kohlmeyer



Beitragvon Chrisss » 12.10.2020, 17:35


Ktown2Xberg hat geschrieben:Ja. Man sieht aber auch schön dass die Stürmer lange hätten machen können was sie wollen und sie hätten trotzdem nicht stattgefunden da die Bälle von den offensiven Außen meist komplett zurück oder tendenziell zurück ins ZM gespielt wurden – und wir durch die Mitte noch schlechter durchgekommen sind als der Waldhof. (...)


Man kann es aber auch anders interpretieren. Beim Waldhof ging so viel auch nicht über die Außen, in der Grafik lässt sich allerdings gut sehen, dass die Stürmer von vielen Stationen aus angespielt wurden. Daraus könnte man auch schließen, dass Waldhof nicht nur besser durchs Zentrum gekommen ist, sondern die Stürmer sich auch besser bewegt haben, um die Bälle anzunehmen. Das wird auch daran ersichtlich, dass Hlousek trotz seiner offensiven Spielart quasi nie den Sturm anspielt.

Hinzu kommt, dass die Grafik den Eindruck macht, dass die Waldhofstürmer beim Ballgewinn besser waren, entweder weil sie zweite Bälle bekommen haben oder besser bzw. effektiver gepresst haben als unsere Stürmer.

In jedem Fall würde ich nicht alles auf unser erst mal nicht vorhandenes Zentrum schieben – Bachmann alleine kann es ja nicht beackern und Ritter war ganz klar der linke Außen, ansonsten würde ihn die Grafik weiter rechts bzw. im Zentrum positionieren – sondern auch auf das Kernproblem unseres Sturms: Huth und Röser scheinen nur zu funktionieren, wenn sie bedient werden.



Beitragvon BetzeBoss » 12.10.2020, 18:21


Danke dbb-Crew für den Beitrag!
Ich stimme in so ziemlich jedem Punkt mit euch überein. Ganz besonders mit der Forderung, zu Beginn mit einer Spitze zu starten; vorzugsweise im 4-2-3-1 System mit Rieder - Bachmann - Ciftci. Wobei ich bei Bachmann noch gespalten bin, da mir sein Kombinationsspiel nicht gefällt und das unser Spiel etwas bremst. Auf der Haben-Seite steht natürlich seine Kopfballpräsenz, die in den letzten 2 Spielen durch 3 spezielle Situationen herausstach. Alternativ wäre - wie im Beitrag auch erwähnt - Ritter auf der 10 denkbar, da er spielerisch stark ist, jedoch wenig Tempo mitbringt, was zusammen mit Hlouseks niedrigem Antrittstempo ein Defizit darstellt. Der angesprochene Redondo scheint eine passende Alternative darzustellen, jedoch ist fraglich wie realistisch das Start11 Debut ist, da er ja nicht mal im Kader stand. Weiß man denn, ob das mit der Leistung bzw fehlender Teamchemie zusammenhängt und andere, wie Gözütök, einfach eine bessere Alternative für den Trainer waren? Oder hatte das etwas mit der Fitness oder dieser U23-Regelung zu tun?
Zuletzt geändert von BetzeBoss am 13.10.2020, 10:28, insgesamt 1-mal geändert.



Beitragvon Nilpenas » 13.10.2020, 09:26


Unser Personal wurde nun einmal für ein 4/3/3 zusammengestellt, wobei ein 4/3/3 je nach Außenspieler auch eher ein 4/5/1 sein kann... bzw. sich die "5" dann zu einem 4/2/3/1 aufteilen lässt.

4/4/2 mag ich als Spielsystem eh nicht, da sich 2 Straufraumstürmer auf den Füßen stehen... und wenn es ein Stürmer ist, der sich zurückfallen lässt... taräää... hat man auch kein 4/4/2 mehr, sondern ein 4/5/1... bzw. 4/2/3/1... also deshalb lieber mit einem "echten" Mittelfeldspieler agieren, der auch Ahnung hat, wie er sich im Mittelfeld, als Ballverteiler, bewegen muss...



Beitragvon BetzeBoss » 13.10.2020, 11:30


Ich möchte nicht als Pessimist darstehen, allerdings ist es sehr viel einfacher, die offensichtlichen, wiederkehrenden Fehler in Halbzeit 1 anzusprechen und Verbesserungsvorschläge zu geben als die 2.Halbzeit zu analysieren, die eh schon gut lief. Zudem wurde oft das offensive System kritisiert, die defensive Grundordnung eher seltener.

Ein Punkt wurde bisher in der Taktikanalyse noch überhaupt nicht angesprochen, hat aber gerade die 1. Halbzeit stark geprägt: Das frühe Pressing unserer Mannschaft gegen den Ball. Denn im Gegensatz zu den vielen frühen Ballverlusten und Kontern im Wiesbaden-Spiel, hat Mannheim sich Chancen herausgespielt, nachdem sie unser frühes Pressing am Mannheimer Strafraum überwunden hatten.

Generell halte ich es für einen guten Ansatz, in Liga 3 früh ins Pressing zu gehen, da sich viele Vereine bei GUTEM, GEORDNETEN Pressing schwer tun, den Ball sauber herauszuspielen. Allerdings funktioniert dieses frühe Pressing am gegnerischen Strafraum auch nur dann, wenn die gegenüberliegende Seite einrückt und die Abwehrkette aufrückt. Ist die 1. Welle von Angreifern einmal überwunden, steht das Mittelfeld komplett offen dar. Das hat dazu geführt, dass wir im Mittelfeld oft nur hinterhergelaufen sind, während der Waldhof den Ball nach vorne getrieben hat.

Um meine Worte nicht als reine, subjektive Theorie versauern zu lassen, möchte ich als Beispiel eine Szene anführen, welche die Grundproblematik gut zu erkennen gibt. (Anmerkung: Ich hätte gerne eine der Szenen gewählt, die die Problematik der "tiefstehenden Viererkette" besser verdeutlicht, allerdings stehen diese online in den Highlights nicht zu Verfügung.): https://youtu.be/v0hZqHQ7o5A?t=90

Ich möchte jetzt auch nicht in speziellen Szenen auf einzelnen Spielern rumhacken, deshalb belass ich es bei diesem Gesamteindruck.

Edit: Freut mich natürlich zu hören, dass unser Trainer das Problem offenbar in der Videoanalyse auch erkannt und angesprochen hat. In der PK vor dem München-Spiel hat er das nochmal kurz thematisiert, bezogen auf die frühe Auswechslung von Huth.



Beitragvon Kohlmeyer » 20.10.2020, 10:22


Hier kommt die xG-Analyse zum München-Spiel, das gesamte Inhaltsverzeichnis findet Ihr wie immer vorne im Startbeitrag dieses Threads:

Taktik-Nachlese zum Spiel FCB2-FCK
Die Taktikanalyse: Weniger Ballbesitz, mehr Torchancen


Okay, der Kick zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Bayern München II endete nur als "Nullnummer". Aber er war spannend - und bot einige Hinweise, wie sich der FCK unter Jeff Saibene weg vom Schommers-Stil entwickeln könnte.

"Ich will das gar nicht zu sehr thematisieren. Nicht, dass sich die Jungs dann zu sehr darauf fokussieren, denn dann passiert es meistens doch."

Es wird in den nächsten Wochen sicher noch viel darüber geredet und geschrieben werden, was Jeff Saibene als Trainer des 1. FC Kaiserslautern anders, gegebenenfalls besser macht als sein Vorgänger Boris Schommers. Nicht alles davon wird unbedingt Sinn machen. In diesen beiden Sätzen jedoch könnte mehr Aussagekraft stecken, als es den Anschein hat.

Schommers wurde am Ende öfter vorgeworfen, dass er seine Spieler möglicher Weise mit seinen Anweisungen und Anregungen überforderte, sie regelrecht zutextete. Saibene dagegen will eher weniger als zu viel darüber reden, wie er den Fluch der frühen Gegentore, die sich seine Mannschaft bislang in jedem Ligaspiel und im DFB-Pokal einfing, beenden wolle - eben danach war in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die kleinen Bayern gefragt worden.

xG-Timeline zeigt: Nach 60 Minuten hatte der FCK die Partie im Griff

Diese Art der Menschenführung mag aus pädagogischer Sicht generell diskussionswürdig sein, mit Blick auf vergangenen Samstag muss jedoch festgestellt werden. Der FCK kassierte in München, gegen den amtierenden Drittligameister FC Bayern II, keinen frühen Führungstreffer. Die Null stand hinten sogar noch über 90 Minuten, vorne allerdings auch. Lautern bot seine bislang konzentrierteste Leistung über die volle Spielzeit, stand durchgehend kompakt in der neuen 4-1-4-1-Grundordnung, die der Trainer seinem 4-4-2 vorzog. In den Schlussminuten hätten die Lautrer die Partie sogar gewinnen müssen.

Das belegt auch die "Fieberkurve" der qualitativ bewerteten Torchancen.

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Vor allem in den Schlussminuten hätten Ritter, Morabet und Zuck den FCK noch in Führung schießen können - okay, das weiß jeder, der die aktuelle Berichterstattung verfolgt hat. Schön zu sehen ist hier aber auch: Lautern hatte die Partie bereits nach einer knappen Stunde gut im Griff, die Bayern kamen einfach nicht mehr in nennenswerte Einschusspositionen.

Die stärksten Ausschläge verursachen auf der Lautrer Linie Morabets Großchance in der 9. Minute, bei den kleinen Bayern Dominik Kerns nicht minder große Gelegenheit in der 48. Minute. Auch keine Überraschung. In Hälfte eins waren die Gastgeber zudem durch einen Flachschuss Dajakus und zwei Kopfbälle Zirkzees nahe an einem Treffer.

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Wobei man auch mal ohne jede Häme anmerken darf: Es gibt Mittelstürmer, die Kopfstöße aus dieser Position mit mehr Wumms und Präzision ausführen und deren Marktwert nicht auf neun Millionen Euro taxiert wird.

Arps Alukracher: In der xG-Analyse nicht weiter auffällig, aber hallo

Nicht unerwähnt bleiben soll auch: Arps Außenpfostenkracher in der 52. Minute verursacht kaum einen Ausschlag in der Timeline. Was daran liegt, dass die "expected Goals" eben nur die statistische Wahrscheinlichkeit wiedergeben, die einen Freistoßtreffer aus dieser Position erwarten lässt. Und die war nun einmal nicht besonders hoch.

Beinahe drin gewesen wär das Ding dennoch, so dass die errechnete Siegwahrscheinlichkeit von 51 Prozent für Lautern in der Tat nur theoretisch anmutet. Was natürlich wieder mal Wasser auf die Mühlen der Altvorderen ist, die xG-Analysen ohnehin für überkandidelten Krampf halten.

Spannender zu betrachten ist sicher die Positions- und Passgrafik.

Ausnahmslos kleine Punkte, die zeigen: Lautern hatte deutlich weniger Ballbesitz, als wir aus der Schommers-Ära noch gewohnt sind. Und hat doch verhältnismäßig viele Torgelegenheiten kreiert. Ballbesitz ist eben nicht alles, was übrigens auch bereits statistisch belegt ist, wie sich etwa beim Autorenduo Daniel Memmert und Dominik Raabe in "Revolution Profifußball" (Springer-Verlag, 2017) nachlesen lässt.

Sie verweisen auf Untersuchungen, nach denen Ballbesitzwerte erst ab 70 Prozent mit einer größeren Wahrscheinlichkeit einhergehen, dass das dominante Team gewinnt. Verteilungen mit weniger großen Extremen, etwa 65:35, 40:60, 60:40 oder was auch immer, machen dagegen keinen Spielausgang zu irgendjemandes Gunsten wahrscheinlicher - hier scheint das durch Ratinho populär gewordene Rehhagel-Zitat zu gelten: "Der Ball muss ins Tor, alles andere ist Kokolores."

Mehr Flügelspiel als unter Schommers

Zu sehen ist aber auch: Der Ball wird mehr auf die Flügel nach vorne getragen, als es in der Ära Schommers der Fall war - mal sehen, ob das unter Saibene so bleibt. Die Passkommunikation zwischen den Spielern ist in Ordnung, die Abstände sind auch schön anzusehen.

Dass die Vierer-Mittelfeldreihe des 4-1-4-1 so schräg daher kommt, liegt daran, dass die Grafik so etwas wie eine durchschnittliche Ballannahme-Position zeigt, also den Punkt, an dem die Spieler sich bevorzugt für ein Zuspiel angeboten haben. War der Gegner im Ballbesitz, formierten sich die Vierer-Reihen sehr kompakt auf einer Linie. Auffällig, wie tief sich Hanslik die Bälle abholte, den Saibene überraschend auf die rechte Seite gestellt hatte, eine ungewohnte Position für gelernten Stürmer.

Ein neues Pressingschema? Davon gerne bitte mehr

Meistens wartete die vordere Viererreihe kurz hinter der Mittellinie. Nur punktuell - das gibt die Grafik natürlich nicht wieder - griff sie auch mal in der gegnerischen Hälfte an. Auffallend dabei: Die beiden Achter Ritter und Morabet attackierten dabei die gegnerischen Innenverteidiger, überholten so die Sturmspitze Pourié, der sich darauf konzentrierte, die Passwege in den Sechserraum zuzustellen.

Die Flügelspieler Redondo und Hanslik rückten dann den Außenverteidigern auf die Pelle, sobald diese angespielt wurde. Der Rest musste von hinten aufrücken, damit sich hinter der ersten Pressinglinie keine Räume auftaten. Klappte das, blieb dem Gegner nur der lange Ball.

Auch hier gilt: Es wird spannend sein zu sehen, wie die Mannschaft diese Art des Pressings noch kultivieren kann. Es ist sehr laufintensiv, doch genau das gilt ja bekanntlich als die Spezialität von Saibene-Teams.

Bitte beachten: Die kleinen Bayern sind nicht typisch 3. Liga

Ohne jetzt gleich wieder zu optimistisch werden zu wollen: Auch wenn dieses Spiel nur 0:0 endete - so kann, so sollte es weitergehen. Der Mannschaft sollte jetzt eigentlich Gelegenheit gegeben werden, sich in dieser 4-1-4-1-Formation zu festigen. Allerdings: Die Englische Woche wird auch personelle Wechsel notwendig machen.

Außerdem ist zu beachten: Bayern München II ist nicht wirklich eine Drittligamannschaft. Dafür ist da einfach zu viel Talent unterwegs. Andererseits fehlt es hier und da an Abgeklärtheit und, aktuell, noch an der Feinabstimmung, da die Mannschaft im Sommer stark umgekrempelt wurde. Doch im Gegensatz zu den meisten ihrer Ligakonkurrenten haben die kleinen Bayern immer den Ehrgeiz, selbst zu agieren statt zu reagieren. Das zeigt auch ihre Positions- und Passgrafik.

Bild

Freilich: Die meisten Pässe liefen hintenrum, die Stürmer interagierten kaum miteinander. Sicher auch ein Verdienst des FCK, dessen, siehe oben, kompakt stehende Viererketten das Spiel mit zunehmender Dauer vom eigenen Tor fernhielten.

Den einst von Boris Schommers formulierten Anspruch, jedes Spiel dominieren zu wollen, hatte der FCK zumindest in diesem Spiel deutlich zurückgeschraubt. Doch wie wird es nun weitergehen? Wie wird Saibene gegen Gegner zu Werke gehen lassen, die ihrerseits mehr reagieren als agieren wollen?

Eine erste Antwort könnte das Spiel am Mittwoch, 19:00 Uhr, gegen den FC Ingolstadt geben. Sollen wir jetzt noch darauf hinweisen, wie dringend notwendig der erste Saisonsieg nun wäre, ihn sogar fordern? Halten wir es mit Jeff Saibene: Da weniger drüber reden ist vielleicht mehr.

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Neu auf DBB | Grafiken sagen nicht alles, aber viel: Die xG-Analysen von den FCK-Spielen



Beitragvon Suedpfalzer7 » 20.10.2020, 10:39


Wie immer: super Beitrag, Kohlmeyer. :daumen:

Bei der Passmap vom FCB hast du nochmal die von uns eingefügt. ;)
Zuletzt geändert von Thomas am 20.10.2020, 10:48, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Grafik-Fehler korrigiert, danke für den Hinweis. :-)



Beitragvon BönnscheDeiwel » 20.10.2020, 12:31


Bin ich eigentlich der einzige, dem aufgefallen ist, dass der Freistoß von Arp eigentlich indirekt war?
Hätte Spahic den Ball nicht berührt und wäre der Ball reingegangen, hätte das Tor nicht gezählt...
Ehrmann in den Sturm!



Beitragvon Flasher1986 » 20.10.2020, 13:05


BönnscheDeiwel hat geschrieben:Bin ich eigentlich der einzige, dem aufgefallen ist, dass der Freistoß von Arp eigentlich indirekt war?
Hätte Spahic den Ball nicht berührt und wäre der Ball reingegangen, hätte das Tor nicht gezählt...


So ist es. Aber, da siehst du mal wie schlafmützig wir sind. Das hat net einer von unserer Mannschaft mitgekriegt. Sonst stell ich da net so viele in die Mauer und vor allem lass ich den fliegen und hechte net noch hinterher wie ein Wilder.
"Aber ich hätte sogar Geld gezahlt, um in Kaiserslautern spielen zu dürfen." (Horst Eckel)




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