Alles zur WM 2018 in Russland

Beitragvon ExilDeiwl » 22.07.2018, 18:41


Sicher hatte die Geschichte um Özil Einfluss auf die Mannschaft. Aber sie war mitnichten der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die kompletten Testspiele der vorangegangenen Monate haben doch schon gezeigt, dass das was schief läuft. Nach der WM-Quali kam nicht mehr wirklich was.

Und klar will Mercedes kein verbranntes Gesicht mit seiner Marke in Verbindung bringen. Ich finde trotzdem, dass auf Özil zu viel rum gehackt wird. Anstatt die Gelegenheit zu nutzen, um einen Schnitt zu machen, kleben sie alle an ihren Posten. Auch wenn ich den Typ nicht mag und er sicherlich seine eigenen Ziele verfolgt, aber Rummenigge hat vermutlich Recht, dass da an einigen Stellen Amateure an den Schalthebeln des DFB sitzen. Ich bin mal gespannt, wie lange das noch so weitergeht und ob das nicht irgendwann einen großen Knall gibt. Für die verkorkste WM haben sie noch einen Sündenbock gefunden, mal schauen, ob es in zwei Jahren dann richtig scheppert, oder ob sie die Kurve kriegen...



Beitragvon SEAN » 22.07.2018, 19:11


ExilDeiwl hat geschrieben:Sicher hatte die Geschichte um Özil Einfluss auf die Mannschaft. Aber sie war mitnichten der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die kompletten Testspiele der vorangegangenen Monate haben doch schon gezeigt, dass das was schief läuft. Nach der WM-Quali kam nicht mehr wirklich was.


Oder es war genau der Tropfen, der nach der schlechten Vorbereitung ausschlaggebend war. Wir wissen es nicht. Auf jeden Fall war die Aktion ganz und gar nicht förderlich, und hat belastet.

Und passend verkündet Özil gerade seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft.
Abseits der Werte des Vereins stellt sich jeder, der sich stattdessen aus reinem Selbstzweck einer Fankultur verpflichtet fühlt, in der einzelne Gruppierungen und Personen wichtiger sind als der gesamte Club, in der aus diesem Selbstverständnis heraus Straftaten begangen werden.



Beitragvon ExilDeiwl » 22.07.2018, 19:15


Na dann wird ja jetzt alles besser, gell DFB? :daumen:



Beitragvon Lonly Devil » 22.07.2018, 19:17


SEAN hat geschrieben:... ...
Und passend verkündet Özil gerade seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft.

Gut.
Dann braucht er auch auf seine Familie usw. keine Rücksicht mehr zu nehmen, wenn er für Deutschland die Fußballschuhe schnürte.

"Ich habe zwei Herzen, das eine ist deutsch, das andere türkisch", schrieb er. Seine Mutter habe ihn stets gelehrt, Respekt zu zeigen und nie zu vergessen, "wo ich herkomme". Hätte er sich geweigert, Erdogan zu treffen, hätte er seine Wurzeln verleugnet, meinte Özil.

Wie zerrissen muss er da, als Spieler für Deutschland, wohl gewesen sein.
Zitat: "Sie verbergen ihr Unwissen so geschickt, dass es schon fast wie Intelligenz wirkt".
Eine glaubwürdige, aber noch nicht vernommene Aussage: "Wir haben keinen Plan mehr und wissen nicht was wir machen sollen"



Beitragvon SEAN » 22.07.2018, 19:18


Besser wird es beim DFB nicht. Ich geb Rummenigge selten Recht, aber mit seiner Aussage, beim DFB sitzen nur noch Amateure, hat er völlig recht.
Abseits der Werte des Vereins stellt sich jeder, der sich stattdessen aus reinem Selbstzweck einer Fankultur verpflichtet fühlt, in der einzelne Gruppierungen und Personen wichtiger sind als der gesamte Club, in der aus diesem Selbstverständnis heraus Straftaten begangen werden.



Beitragvon Südpälzer » 22.07.2018, 19:47


Reicht das, was er anspricht schon, um eine ernsthafte Debatte über Grindel zu eröffnen?



Beitragvon FCK58 » 22.07.2018, 19:53


Ich würde es mir wünschen.
Mein erster Gedanke war von Anfang an: "Sieh an. Wieder einer, welcher sich mit einem lukrativen Job aus der Politik verpisst, in welcher er eh nur auf dem absteigenden Ast steht und keine großen Chancen mehr hat".
Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.
Hermann Hesse



Beitragvon Baden Teufel » 22.07.2018, 21:22


Dieser Rücktritt wird noch wird noch Folgen mit sich ziehen, die viele noch nicht erahnen.
Und das betrifft nicht den sportlichen Bereich .....
Wir woll´n dich Siegen sehen, jedes Spiel an jedem Ort. Jeden Tag und jedes Jahr für immer FCK!



Beitragvon wkv » 22.07.2018, 21:53


Was für Folgen werden das wohl sein....
Man wird den DFB jetzt mal hinterfragen.
Und hoffentlich zieht man die richtigen Schlüsse.

Ich hab es satt, bei anderen Spielern Stolz und Siegeswille zu sehen, wenn sie für die N11 spielen, und bei unseren das peinlich berührte Gesicht.



Beitragvon SEAN » 23.07.2018, 08:44


Ich denke auch, das es hohe Wellen schlagen wird den ich glaube, das genau das was jetzt passierte die Absicht von Erdowahn war.
Jetzt kann er sich wieder hinstellen und sagen "seht her, so gehen die deutschen mit Imigranten um"!

Und es ist schon am laufen:

Deutliche Unterstützung erhielt Özil hingegen von türkischen Regierungspolitikern. Sportminister Mehmet Kasapoğlu schrieb am Sonntagabend auf Twitter: "Wir unterstützen die ehrenhafte Haltung unseres Bruders Mesut Özil von Herzen."
Der türkische Justizminister Abdulhamit Gül gratulierte Özil, weil dieser mit seinem Rücktritt das "schönste Tor gegen den faschistischen Virus geschossen" habe.
Der Sprecher des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan, Ibrahim Kalin, begrüßte Özils Aussage, dass er den türkischen Präsidenten wieder treffen würde. Weiter schrieb er auf Twitter: "Aber stellen Sie sich vor, welchem Druck Herr Mesut in diesem Prozess ausgesetzt war. Wo sind Höflichkeit, Toleranz, Pluralismus geblieben...?!"
Abseits der Werte des Vereins stellt sich jeder, der sich stattdessen aus reinem Selbstzweck einer Fankultur verpflichtet fühlt, in der einzelne Gruppierungen und Personen wichtiger sind als der gesamte Club, in der aus diesem Selbstverständnis heraus Straftaten begangen werden.



Beitragvon wkv » 23.07.2018, 11:57


Mir geht diese Scheisse absolut gegen den Strich.
Wer der Meinung ist, dass hier Faschismus, Rassismus und Intoleranz Staatsform sind ist herzlich eingeladen, in das Land der Freiheit, der freien Meinungsäusserung und der freien Presse umzuziehen.

Ich helfe auch gerne.



Beitragvon deho79 » 23.07.2018, 12:28


Der DFB hat ihn doch immer zu den Länderspielen eingeladen, selbst wenn die Leistung im Verein oder bei der Nationalmannschaft unterirdisch war. Auch zur WM durfte er trotz des Erdogan Fotos und schlechten Leistungen mitfahren und jetzt auf einmal kommt er mit Rassismus. Soll sich lieber auf die Spiele konzentrieren. Aber Hauptsache er hat aufm Arsenal Trikot jetzt die 1Ö stehen.



Beitragvon FCK-Ralle » 23.07.2018, 13:33


wkv hat geschrieben:Mir geht diese Scheisse absolut gegen den Strich.
Wer der Meinung ist, dass hier Faschismus, Rassismus und Intoleranz Staatsform sind ist herzlich eingeladen, in das Land der Freiheit, der freien Meinungsäusserung und der freien Presse umzuziehen.

Ich helfe auch gerne.


Das bin ich bei dir.
War aber klar, dass aus der Türkei solche Reaktionen kommen. Wie morbide: Von Staatsmännern eines Landes, dessen Staatschef dieses nach Autokratenart führt, kommt der Vorwurf des Rassismus. Doppelzüngiger geht's ja kaum noch.

Auch der DFB hat ein Statement noch für heute angekündigt.
Und ja, Kalle hat nicht unrecht. Es sind Amateure am Werk in der Zentrale. Vor allem Bierhoff und Grindel müssen sich hinterfragen. Auch da wurden Fehler gemacht - VOR und NACH der WM. Da hat auch Özil in teilen recht. Ich bin mal gespannt was da kommt. Auch da würde mich ein Rücktritt nicht wundern - und auch das gäbe es schlimmeres.

Dass er aber jetzt immer noch keine Fehler einsieht und statt dessen sogar die Rassismus-Karte spielt konterkariert leider alle berechtigte Kritik an anderer Stelle. Null Selbstreflexion, alle anderen sind Schuld, nur ich nicht. Sorry, so eine Scheiße kann man nicht mehr hören, geschweige denn ernst nehmen. Das ist nicht die Reaktion eines Erwachsenen.
Und dass sich Sponsoren zurückziehen. Hallo? Was dachte er denn? Dass nach dem Medienspektakel alle Hosiannah schreien? Da geht's nur ums Image und wenn der Werbeträger Gefahr läuft dieses negativ zu beeinflussen, dann ist doch klar was geschieht. Oder meint er, weil er der Hr. Özil ist gibt es das Ausnahmen? Wie naiv ist das?

Sein Rücktritt ist richtig und rechne ich ihm auch an, aber im Prinzip auch nicht mehr als ein vorwegnehmen eines Rausschmisses, der nach diesem Statement auf jeden Fall gefolgt wäre.

Für mich zeigt das das wahre Gesicht von Özil und stützt meine Vermutung, die ich schon seit bestimmt 8 Jahren hege, dass Özil sich nur des Geldes und des Ruhmes wegen für die deutsche Nationalmannschaft entschieden hat, nicht aus Überzeugung und schon gar nicht aus vollem Herzen. Da wundert es auch nicht mehr, dass man sich, kaum das Spiel abgepfiffen ist, das Trikot der Schande vom Leib reißen muss.

Wenn Özil das Paradebeispiel für gelungene Integration sein soll, wie es immer so vollmundig proklamiert wurde, dann gute Nacht Deutschland.


Was das für andere Nationalspieler mit Migrationshintergrund bedeutet, bzw. wie diese reagieren bleibt auch abzuwarten.
Wie auch immer wünsche ich mir folgendes, was auch wkv geschrieben hat:

Ich hab es satt, bei anderen Spielern Stolz und Siegeswille zu sehen, wenn sie für die N11 spielen, und bei unseren das peinlich berührte Gesicht.
FCK 4-life
"Sieger zweifeln nicht und Zweifler siegen nicht!" (Gerry Ehrmann)



Beitragvon Südpälzer » 23.07.2018, 15:59


FCK-Ralle hat geschrieben:Wenn Özil das Paradebeispiel für gelungene Integration sein soll, wie es immer so vollmundig proklamiert wurde, dann gute Nacht Deutschland.

Nicht nur proklamiert. Er bekam doch auch den Bambi in Integration.



Beitragvon wkv » 23.07.2018, 16:05


Den bekam so ein bescheuerter Gangster Rapper aus Berlin auch. Hab den Namen gerade nicht parat, will nicht.



Beitragvon ExilDeiwl » 23.07.2018, 16:30


Regt Euch nicht über die türkische Propaganda auf, die musst so sicher wie das Amen in der Kirche kommen. Mit ihrer Rücktrittsforderung haben sie zwar in der Sache Recht, aber ihre Beweggründe und ihre Begründung sind ganz andere, ganz eigene Gründe. Sie wollen Deutschland eins auswischen, ich hingegen denke, dass der DFB ein absolut dilettantisches Krisenmanagement betrieben hat - nicht nur in der Causa Özil/Gündogan sondern in Hinblick auf die desaströse WM. Genau genommen wurde da gar kein Krisenmanagement betrieben, sondern auf billigste Art und Weise von den eigenen Fehlern abgelenkt.



Beitragvon Devil's Answer » 23.07.2018, 16:36


FCK-Ralle hat geschrieben:Für mich zeigt das das wahre Gesicht von Özil...


Wir sollten nicht davon ausgehen, dass MÖ hier der agierende Teil war und ist. Da sind andere Interessen im Hintergrund. Vielleicht möchte Papa Ö seine Rente in der Türkei fristen und baut vor.

Und was das "Foto" angeht - da sind alle einem perfiden Herrn aus Ankara auf den Leim gegangen und kommen aus dem Dilemma nicht mehr raus.

Der liebe DFB allerdings hat sich so was von dilettantisch verhalten - allen voran Herr Bierhoff.
Rumeiern ist da noch der mildeste Ausdruck.
Oooooh, Baby, Baby, it's a wild world



Beitragvon Lonly Devil » 23.07.2018, 16:38


ExilDeiwl hat geschrieben:... ... Genau genommen wurde da gar kein Krisenmanagement betrieben, sondern auf billigste Art und Weise von den eigenen Fehlern abgelenkt.

Wie es in der Politik, von der Grindel ja kommt, eben üblich ist.
Zitat: "Sie verbergen ihr Unwissen so geschickt, dass es schon fast wie Intelligenz wirkt".
Eine glaubwürdige, aber noch nicht vernommene Aussage: "Wir haben keinen Plan mehr und wissen nicht was wir machen sollen"



Beitragvon Schlossberg » 23.07.2018, 17:46


ExilDeiwl hat geschrieben: ich hingegen denke, dass der DFB ein absolut dilettantisches Krisenmanagement betrieben hat - nicht nur in der Causa Özil/Gündogan sondern in Hinblick auf die desaströse WM. Genau genommen wurde da gar kein Krisenmanagement betrieben, sondern auf billigste Art und Weise von den eigenen Fehlern abgelenkt.

Genau. Der Fall Özil kam doch zunächst wie gerufen. Nur hat er jetzt eine solche Dynamik entwickelt, dass so manchem seine ursprüngliche klammheimliche Freude im Hals stecken bleibt.
Dass sich der Steuerbetrüger von der Säbener Straße in der Sache äußern zu müssen meint, ist den Verantwortlichen des DFB natürlich recht, denn sie finden es besser, wenn über den diskutiert wird, statt über sie.

Never give in, never give in, never, never, never, never

(Winston Churchill)



Beitragvon FCK58 » 23.07.2018, 17:58


Nöö. Das ist denen ganz bestimmt nicht recht.
Wenn der Steuerbetrüger oder seine Konsorten in München husten, darf man in Frankfurt durchaus mal mit einer Orkanwarnung rechnen. Erinnere dich nur einmal an die Leverkusener Koksnase.
Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.
Hermann Hesse



Beitragvon Alex76 » 17.08.2018, 22:26


Schatten über der WM 2018 in Russland: Kritische Nachbetrachtung der Nationalmannschaft (Teil I)

I. Deutschland im (End-)Spiel gegen Südkorea!

Wo war Gomez, Herr Löw? Quirlig waren sie, die Koreaner. Letztlich nicht unverdient gewonnen, dennoch wurden sie in der Heimat gar mit Eiern beworfen.

Die Stärken der deutschen Mannschaft, die im Spiel gegen Schweden für gefühlte Dominanz sorgten, wurden von den Südkoreanern als Mannschaftsleistung egalisiert. Fraglich wieso man nicht mit Gomez begonnen hatte und somit die Koreaner in die körperlichen Schranken verwiesen hat. Mehr Gomez. Mehr Eckball. Mehr potentielle Chancen, die wos eben auch andere Kopfballgranaten hätten verwerten können?! Man denke an die Herren Boateng oder Hummels.
Stattdessen Ballbesitzfußball im 4-2-3-1.

Als der Schlusspfiff kam, war ich einfach nur fassungslos. Deutschland in der Vorrunde ausgeschieden. Enttäuschung auf allen Seiten. Was waren die Gründe für das deutsche Ausscheiden?

II. Özil zwischen den Stühlen. Erdogan als Spalter und Verwalter.

Özil und Gündogan ließen sich zusammen mit Erdogan im Vorfeld der WM ablichten und sorgten so für Enttäuschung und Unverständnis. Gilt Erdogan mit seiner Politik als autokratischer Spalter in der Türkei. Leider!

Leider hat er die Presse- und Meinungsfreiheit stark eingeschränkt und reagiert auch gegenüber (vermeintlich) Oppositionellen sehr dünnhäutig. Ob Erdogan zu einem angesehenen Staatsmann zurückfindet? Der Türkei wäre es zu wünschen.

Ilkay Gündogan drückte Bedauern aus und initiierte das Gespräch mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. An dem auch Mesut Özil teilnahm.

Um sich kompetent ein umfangreiches Bild der Özil-Affäre zu machen, braucht´s eigentlich einen größeren Mitarbeiterstab. Mittlerweile hat sich jeder zur Causa Özil geäußert. Der Betroffene gar in drei Stellungnahmen. Hier sind die Meldungen des Kickers mit den Veröffentlichungen Ozils:

22.07.2018, 21:15
Harte Vorwürfe gegen DFB, Medien und Sponsoren - Özil: Rücktritt mit Knalleffekt
http://www.kicker.de/news/fussball/nati ... ffekt.html

22.07.2018, 15:51
Die erste Stellungnahme im Wortlaut - Wegen Erdogan-Foto: Özil sieht kein Fehlverhalten
http://www.kicker.de/news/fussball/nati ... alten.html

22.07.2018, 15:53
Die zweite Stellungnahme im Wortlaut - Özil kritisiert Medien und Sponsoren - "Persönliche Grenze überschritten"
http://www.kicker.de/news/fussball/nati ... itten.html

22.07.2018, 22:12
Die dritte Stellungnahme im Wortlaut - Özil erhebt schwere Vorwürfe gegen Grindel
http://www.kicker.de/news/fussball/nati ... indel.html

Erst also lange Zeit kein Statement. Dann drei Stellungnahmen an einem Nachmittag, bei denen er die Medien, Sponsoren und den Präsidenten des DFB verbal attackierte.

So sei der Ton der Medien nach den Bildern mit Erdogan schärfer geworden bis hin zur persönlichen Hetze. Özil wollte kein politisches Statement setzen, sondern Respekt vor dem höchsten Amt im Land seiner Familie zollen. Seine Mutter habe immer darauf geachtet, dass er seine Herkunft, sein Erbe und seine Familien-Tradition im Blick behalte.

Auch sei er von den Sponsoren enttäuscht, die ihn im Vorfeld der WM kritisierten und Werbetermine absagten. Lediglich wenige persönliche Sponsoren haben sich loyal verhalten.

In seiner dritten Stellungnahme erhebt Özil schwere Vorwürfe gegen Grindel. „Für Gründel war ich Deutscher, wenn wir gewonnen haben, und ein Migrant, wenn wir verloren haben.“ Ferner kritisiert er, dass sein Freund Lukas Podolski und Miroslav Klose nie als Deutsch-Polen bezeichnet werden, er allerdings als Deutsch-Türke.

Wenn man für Deutschland spiele, dann vertrete man das Land und die deutschen Werte. Für Menschen mit Migrationshintergrund sei dies schwer, da zwei Herzen in der Brust schlagen, sagte Joachim Löw bei der Vorstellung des vorläufigen Kaders bereits Mitte Mai. https://www.sueddeutsche.de/politik/oez ... -1.3981197

Sportlich gilt Mesut Özil als Leistungsträger im deutschen Kader. Von einigen etwas verkannt, brilliert Özil mit Gefühl für Ball, Raum und Moment. Er versteht damit Situationen schneller als andere Fußballer und findet einfache Lösungen für komplizierte Probleme. Ob es ein einfacher Pass ist, eine Drehung, Dribbling oder Täuschung.
https://www.sueddeutsche.de/sport/mesut ... -1.4026187

Die scharfe Kritik an Reinhard Grindel, dem Präsident des DFB enttäuscht. Trifft Özil nicht nur Reinhard Grindel, sondern den DFB als Ganzes. Mit fast 7 Millionen Mitgliedern ist der DFB der größte nationale Sport-Fachverband der Welt. Viele Ehrenamtliche bilden die Stars von Morgen aus und sorgen in sozialen Brennpunkten für gesellschaftliche Orientierung über den Profisport hinaus. Ohne diese Vereins- und Verbandsarbeit würde Özil nicht bei Arsenal London Spielen!

Der DFB sah sich genötigt am nächsten Tag eine Stellungnahme abzugeben. Hier ein Auszug:
„…Vielfalt ist eine Stärke, nicht nur im Fußball. Deswegen hat unsere Integrationsarbeit auf allen Ebenen eine zentrale Bedeutung. Von der Kreisklasse bis in die Nationalmannschaften gehören Spielerinnen und Spieler mit Migrationshintergrund zum DFB. Wir spielen und leben zusammen mit unseren unterschiedlichen familiären Wurzeln, unseren Religionen und Kulturen. Was uns alle dabei auf und neben dem Platz verbinden muss, ist die Beachtung der im Grundgesetz verankerten Menschenrechte, das Eintreten für Meinungs- und Pressefreiheit sowie Respekt, Toleranz und Fair Play. Ein Bekenntnis zu diesen Grundwerten ist für jede Spielerin und für jeden Spieler erforderlich, die für Deutschland Fußball spielen.“

23.07.2018, 14:47
DFB nimmt Stellung - DFB bedauert Özils Rücktritt und weist Rassismusvorwurf zurück
http://www.kicker.de/news/fussball/nati ... aturednews

Drei Tage später erklärt sich der DFB-Präsident Reinhard Grindel zu den Vorwürfen Mesut Özils:

„Die Rücktrittserklärung von Mesut Özil hat eine Debatte über Rassismus im Allgemeinen und die Integrationsfähigkeit des Fußballs im Besonderen ausgelöst. Ich will mich als DFB-Präsident dieser Debatte nicht entziehen.“

„Die Werte des DFB sind auch meine Werte. Vielfalt, Solidarität, Antidiskriminierung und Integration, das alles sind Werte und Überzeugungen, die mir sehr am Herzen liegen.“

„Ich habe in meiner Zeit beim DFB erleben dürfen, was der Fußball für die Integration leisten kann. Und ich bin sehr stolz darauf, wie viel wir in unserem Verband, in den Landesverbänden, in jedem einzelnen Verein bewegen.“


26.07.2018, 10:39
Stellungnahme des DFB-Präsidenten - Grindel weist Rassismus-Vorwürfe zurück und räumt Fehler ein
http://www.kicker.de/news/fussball/nati ... r-ein.html

Auch wenn Gündogan und Özil kein Bekenntnis für Erdogan setzen wollten, so sorgten die Fotos für ein politisches Beben und offenbaren die Spannungen, die wohl auch in der deutschen Mannschaft unterschwellig herrschten.

Der Fußball und der DFB stehen für Werte, „die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden“ äußerte sich Reinhard Grindel. Selbst die Kanzlerin ließ über ihren Sprecher Steffen Seibert verlauten, dass es eine Situation sei, die „Fragen aufwarf und zu Missverständnissen einlud“.

Im Fokus steht der türkische Präsident Erdogan. Von vielen Türken verehrt, weil er für ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren sorgte. Aber auch zu Beginn seiner Regentschaft ein neues Gesundheitssystem für alle Türken in der Türkei einführte.

Wie oben schon ausgeführt, hat Erdogan in den letzten Jahren leider die Presse- und Meinungsfreiheit stark eingeschränkt und reagiert auch gegenüber (vermeintlich) Oppositionellen sehr rabiat.

Profitierte in den letzten Jahren das türkische Wirtschaftswachstum stark von ausländischen Investitionen, so ist die Investorenfreundlichkeit heuer deutlich abgekühlter.

Die Probleme der Türkei werden hier nochmals näher beschrieben:

12.08.2018, 13:04
RECEP TAYYIP ERDOĞAN : Der tiefe Fall eines Reformers
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/t ... =true#void

13.08.2018, 15:10 Uhr
Wirtschaftskrise: Erdogans fatale Fehler - Wie der türkische Präsident sein Land ins Chaos stürzt
https://www.stern.de/wirtschaft/news/er ... 09822.html

13.08.2018, 16:49 Uhr
Währungsverfall der Lira: "Der Türkei könnte es wie Venezuela oder Simbabwe ergehen"
http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 22951.html

III. Was denken die anderen?

Auch hier wieder Artikel des Kicker Sportmagazin über Mesut Özil.

23.07.2018, 15:18
Liga-Präsident Dr. Reinhard Rauball nimmt Stellung - DFL-Erklärung zu Özils Rücktritt: "In keiner Weise hinnehmbar"
http://www.kicker.de/news/fussball/bund ... aturednews

22.07.2018, 23:00
Ein Kommentar von kicker-Redakteur Sebastian Wolff - Ein Rücktritt, nur Verlierer
http://www.kicker.de/news/fussball/nati ... ierer.html

Die Affäre Ozil ist von den Verantwortlichen unterschätzt worden. Betrachtet man nur die sportliche Leistung von Özil, war diese in den letzten Jahren sehr stark schwankend. Bei seinen Fähigkeiten hätte man mehr Führungsqualitäten gewünscht. Kommunikation auf dem Platz und neben dem Platz. Speziell nach den Rücktritten von Lahm, Schweinsteiger, Mertesacker, Klose und Podolski klaffte doch eine hierarchische Lücke im Teamgebilde der Nationalmannschaft.

IV. Ausländerfeindlichkeit und Rassismus in Deutschland

Die öffentliche Debatte um die Personen Erdogan, Özil und Gündogan erweckten Kritik von unterschiedlichen Personen. Der Fokus der Kritik war auf Özil gerichtet, der wohl auch in den sozialen Medien (Facebook, Twitter) eine große Fanbasis hat. Einst galt Mesut Özil als Musterbeispiel für Integration. Ich finde man sollte von beiden Seiten die Emotionen abkühlen und sich mit den Ursachen der latenten Ausländerfeindlichkeit beschäftigen.

Deutschland ist ein Einwanderungsland. War aber auch ein Auswanderungsland. Wirtschaftliche Not, Dürren oder Epidemien sorgten z.B. dafür, dass viele Pfälzer und Andere damals den Weg in die Neue Welt nach Brasilien suchten, um als Bauern sesshaft zu werden. Empfehlenswert der Film von Edgar Reitz: die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht.

Edgar Reitz zeigt ein Hunsrückdorf Mitte des 19. Jahrhunderts: die Menschen leiden unter großer Armut, Hunger und Willkürherrschaft. Eine Auswandererwelle nach Südamerika schwappt über das Land. Auch Jakob, der Sohn eines einfachen Schmids, träumt von einer Zukunft in Brasilien gemeinsam mit der Tochter eines Edelsteinschleifers. Doch als sein Bruder Gustav aus dem preußischen Militärdienst heimkehrt, zersplittern seine Hoffnungen auf ein anderes Leben.

Das Werk von Reitz beschreibt sowohl die harte Heimat als auch die Sehnsucht nach dem Fremden. In der heutigen Zeit ist Heimat vielschichtiger. Spielt sich sowohl im Dorf, aber auch in der Kleinstadt oder Großstadt ab. Heimat gibt Orientierung in einer dynamisch globalisierten Welt. Daher finde ich, dass Heimat auch sehr wichtig ist. Vielleicht auch gar in eine Verpflichtung münden könnte.

Die Liebe zur Heimat, übertragen in die heutige Zeit, kann sich darin äußern, dass ich mich ehrenamtlich engagiere. Dass ich bei den Tafeln helfe bedürftigen Menschen Essen auszuteilen. Dass ich mich im Heimatmuseum um die Historie der Stadt oder des Dorfes bemühe. Dass ich versuche ältere Menschen am Leben in der Gemeinde teilhaben zu lassen. Dass ich mich in den vielen Vereinen aktiv beteilige.

Wenn Deutschland es schafft diese Liebe zur Heimat in die einzelnen Länder zu exportieren, würde die Debatte um Ausländerfeindlichkeit stark abklingen. Respekt, Gastfreundschaft und Fairplay sind im Umgang mit unterschiedlichen Kulturen wichtig. Nicht nur bezogen auf Deutschland, sondern überall.

Die Sehnsucht nach dem Fremden kann nicht immer erfüllt werden. Ob als Einwanderer oder als Asylant. Es kommt zu Enttäuschungen. Aktuell ist die Migrationsdebatte an einem Punkt gelangt, der komplex ist und eine europäische Tragweite besitzt. Hier muss also eine Lösung gefunden werden, die der Vielschichtigkeit Europas gerecht wird. Und hier sind alle EU-Länder gefragt ein Stück Heimat zu offenbaren und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

Ist die Integration gescheitert? Diese Fragen müsste man nach den Özil-Äußerungen stellen. An wen? An Deutschland, an die türkischen/türkisch-deutschen Mitbürger oder andere Ausländer?

Kritisch über Özil und die türkische Community äußert sich die Bloggerin Tuba Sarica.

Sie stuft Teile der türkischen Community als Parallelgesellschaft ein. Den Begriff hört man immer wieder in den Medien. Dort gebe es ebenso Fremdenfeindlichkeit gegenüber Deutschen und anderen Ausländern. Zudem besteht Desinteresse was die Integration betrifft.

Sie habe als Türkin mit Abitur vielen deutschtürkischen Kindern Nachhilfe geben wollen. Die Motivation sei sehr gering gewesen.
https://www.sueddeutsche.de/kultur/oezi ... -1.4067439

Vielen Deutschen sind die Rassismusvorwürfe zu viel. Für weiteren Ärger sorgte Erdogan, der die Deutschen in der Bildzeitung als Nazis beschimpfte.

25.07.2018 - 23:19 Uhr
Hasskampagne gegen Deutschland wegen Özil - Erdogan lässt uns als Nazis beschimpfen
https://www.bild.de/politik/inland/rece ... .bild.html

Stellvertretend als ehemaliger Handballjugendtrainer spreche ich vielleicht auch für die vielen Trainer anderer Sportarten. Speziell der vielen Trainer des DFB, die vor Ort in den Vereinen arbeiten. Vielfalt bedeutet Menschen und ihre (Ess-)Kulturen kennenzulernen. Ob es die türkische Pizza, das Gyros oder russische Teigtaschen sind. Es kann sehr bereichernd sein, die verschiedenen Länder und Kulturen kennenzulernen.

Persönlich hatte ich während der Arbeit am Fließband bei der MAN AG kameradschaftlichen Kontakt mit ausländischen Bürgern, die als italienische und türkische Gastarbeiter körperlich sehr hart arbeiten mussten. Jung und Ältere. Auch ein russischer Hilfsarbeiter war dabei.

Während des Studiums hatte man freundschaftlichen Kontakt mit griechischen, russischen, vietnamesischen, gar mongolischen Austauschstudenten und -studentinnen. Zu Beginn des Studiums lernte ich auch per Zufall einen Afrikaner kennen, der mit mir auf der Suche nach einem Raum war. Später trafen wir uns während des Studiums gaben uns die Hand. Hemmungen hatte ich keine.

Dann hatte ich bei einem Studentenjob die Gelegenheit mit afrikanischen und türkischen Aushilfen zusammenzuarbeiten. Quasi ein gemischtes Team, welches durch zwei Deutsche komplettiert wurde. Es kam zu Konflikten, die aber wohl auch in anderen Teams entstehen und eher auf den Charakter oder andere Befindlichkeiten zurückzuführen sind, wenn es um die Bewertung der Arbeitsleistung geht.

Da wo Menschen zusammenleben, gelten Regeln, die das Zusammenleben bestimmen. Vorzufinden in den Gesetzestexten des Grundgesetzes.

Wenn man als Deutscher das Gefühl hat, dass die Gastfreundschaft nicht ausgenutzt wird, ist die Rassismus Debatte obsolet.



Beitragvon Alex76 » 23.08.2018, 18:19


Der Grauschleier lichtet sich: Kritische Nachbetrachtung der Nationalmannschaft (Teil II/III)

I. Eine Europameisterschaft um den WM-Titel. And the Winner is…

… Frankreich! Frankreich ist mit Effektivität und Effizienz zum Weltmeister geworden. Starkes Umschaltspiel mit einem 19jährigen Mbappé, der wohl in den nächsten Jahren zum Weltstar reifen wird. Dennoch war der Titel nicht imposant herausgespielt. Das Spiel in der Vorrunde gegen Dänemark war klassische Spielverweigerung.

Die deutschen Farben waren im Halbfinale auch vertreten. Allerdings in der Fahne anders angeordnet. Belgien beeindruckte mit einer mannschaftlichen Geschlossenheit und sehr viel Offensivgeist. Das Halbfinale gegen Frankreich hätte ich als gerechtes Finale gewürdigt.

England wie in der aktuellen Brexit-Situation. Erst euphorisch, dann deprimiert. Die Hoffnung auf einen Exit vom Brexit habe ich noch nicht aufgegeben. Zu knapp war die Entscheidung für den Brexit. Zu viele negative Folgen für das Land, die Wirtschaft und die Menschen.

Überraschend kam Kroatien ins Finale. Großer Kampfgeist und der Glaube an die eigene Stärke bis zu den letzten Minuten der Verlängerung. Im Endspiel waren letztlich zwei (Fehl-)Entscheidungen mit ausschlaggebend für die Niederlage. Wobei ich den Elfmeter als 50:50 Situation angesehen habe und die Schwalbe von Griesmann wohl nicht in das Radar der Videoschiedsrichter fiel. Durch die beiden Entscheidungen war das Finale leider schon sehr früh vorentschieden. Der Spielverlauf spielte den Franzosen in die Karten.

II. #ZSMMN? Oder Mitoinand?

Letzteres ist beim DFB wohl nicht gern gesehen. Ersteres versteht die Generation Social Media. Aus #ZSMMN wurde dann #ZSMMN ein Ziel – #ZSMMN pushen – #ZSMMN angreifen – #ZSMMN verteidigen – #ZSMMN für Deutschland. Und auf der Bühne des Pressekonferenzraums: #ZSMMN in Südtirol.
Koin Wunder, dass dann der Lagerkoller zwangsläufig entstehen muss. Koine Individualität. Koin Mbappé. Koin de Bruyne. Koin Hazard. Habe ich jetzt noch oinen vergessen? Bestimmt!

#ZSMMN Großes Erreichen! Ups. Jetzt ist es mir auch schon rausgerutscht.

Formulieren wir es anders: #MITOINAND Großes Erreichen! In Anlehnung an den FC Bayern München. Ist der FC Bayern doch ein erfolgreicheres Vorbild als heuer der 1.FCK oder der TSV 1860 München! Schade!
Angepasst an den Wortschatz des DFB würde es folgendermaßen heißen: #ZSMMN Geschichte schreiben! Fußballgeschichte!

III. Verlauf der WM 2019

Freundschaftsländerspiele

Im Oktober 2017 war noch alles in Ordnung. Der aktuelle Weltmeister gewann den Konföderationen-Pokal in Sotschi mit 1:0 gegen Chile und trat in Kaiserslautern gegen Aserbaidschan an, wo die Elf nach überzeugender 2. Halbzeit das Spiel mit 5:1 gewann. Dies bedeutete den 10. Sieg im 10. Qualifikationsspiel zur Fußball-WM 2018 und damit die Einstellung des europäischen Rekordes für gewonnene WM-Qualifikationsspiele durch eine bessere Tordifferenz im Vergleich zu Spanien (43:4 gegenüber 28:5). In den darauffolgenden Freundschaftsspielen gegen England, Frankreich und Spanien erzielte Deutschland jeweils Unentschieden.

Der Slogan #BestNeverRest geriet ins Wanken. Spätestens nach der verpatzten Generalprobe im Spiel gegen Österreich war die Krise perfekt. Auch Manuel Neuer konnte nach der Verletzungspause das Ruder nicht umreißen. Ging mit dem Team im Unwetter von Klagenfurt unter. Davor verlor man unglücklich mit 0:1 gegen Brasilien in Berlin.

Der Druck im Vorfeld war schlagartig angestiegen. Von der überzeugenden WM-Qualifikation bis zum ersten WM-Spiel in Moskau gegen Mexico. Daran konnte auch der magere 2:1 Sieg gegen Saudi Arabien nichts ändern. Nach dem Trainingslager in Südtirol ging es nach Russland.

Von Campo Bahia nach Watuntiki

Insgesamt trennen Campo Bahia und Watuntiki mehr als 11.000km. Die Beherbergungsbetriebe allerdings Welten. Dort das abgeschiedene Campo Bahia in Brasilien. Direkt am Strand gelegen. In Russland Watuntiki, ca. 50 Kilometer vom Moskauer Zentrum entfernt. Die DFB-Verantwortlichen dachten bei dem Namen wahrscheinlich an ein Resort auf Hawaii. So schlecht war das Hotel aber nicht. Der Watutinki Recreation Complex bot diverse Freizeitangebote (Tennis, Beachvolleyball, Billard, Darts). Für den DFB-Tross waren gar 72 Zimmer reserviert.

Campo Bahia als Rückzugsort für die deutsche Nationalmannschaft war ein Erfolgsfaktor zum Gewinn der Weltmeisterschaft. Die Spieler waren in mehreren Mini-Wohngemeinschaften eingeteilt, die sich zu einem großen Teamspirit zusammenfügen sollten. Campo Bahia stand für Regeneration, mentale Kraft und Energie.
http://www.spiegel.de/sport/sonst/campo ... 43822.html

Der Grund für Watuntiki waren die kurzen Wege im Turnierverlauf. Optimal wenn man sowohl das Erstrundenspiel als auch das Finale in Moskau bestreiten könnte. Letztlich sollten diese Gedankengänge nicht zum Tragen kommen.
Ich hätte mich bestimmt in beiden Hotels wohl gefühlt. Für die abgehobenen Nationalspieler war Watuntiki wohl zu trist und grau. Gedanken über die Trabantenstadt vor Moskau, wo Hochhäuser die Szenerie und Sicht dominieren sollten.
https://www.ardmediathek.de/tv/Sportsch ... d=53033042
https://www.youtube.com/watch?v=QcJ_oiVDc3c
Das erste Spiel gegen Mexiko ging enttäuschend mit 0:1 verloren. Der gegnerische Trainer hatte seinen Matchplan angeblich schon vor einem halben Jahr konzipiert. Der Weltmeister wurde gedemütigt.

Wiedersehen mit Sotschi!

Nach dem missglückten Auftaktmatch führte der Spielplan die deutsche Mannschaft nach Sotschi. Dort wo die B-Nationalmannschaft zwei Spiele im Confed-Cup 2017 gewonnen hat. Dort wo die Olympischen Winterspiele 2014 stattfanden.

Für viele FCK-Fans war es wie damals auf dem Betzenberg. Im Fritz-Walter-Stadion. Die Mannschaft spielt gegen eine aufopferungsvoll kämpfende schwedische Nationalmannschaft, deren Tugenden sie in die Waagschale warfen. Großen Kampf! Zeit schinden in vielen Situationen! Provokationen! Das Tor von Toni Kroos fiel in der Nachspielzeit. 94 Minute? Oder 95 Minute?

Ein emotionaler Ausbruch an Ekstase. Adrenalin das frei wurde! Danke, Sotschi!

Im Nachklang sorgte das unsportliche Verhalten der deutschen Betreuer gegen die schwedische Bank für medialen Ärger. Auch hier benahm man sich nicht weltmeisterlich..

IV. Auf Wiedersehen Sotschi! Auf Wiedersehen Russia!

Eingangs schon als Endspiel bezeichnet, sorgte das indiskutable 0:2 gegen Südkorea für das Ausscheiden bereits in der Vorrunde bei der Weltmeisterschaft in Russland.

Im Gegensatz zum zweiten Weltkrieg hatte die deutsche Nationalmannschaft bewusst oder unbewusst Geschenke im Koffer. War der Auftritt von Demut und Respekt gegenüber dem Gastgeber geprägt. Es war auch eine Aufarbeitung des schrecklichen Krieges mit der Hoffnung auf ein friedliches Miteinander zwischen Ost und West!



Beitragvon Alex76 » 05.09.2018, 22:33


The Valleys of the Green and Grey: Kritische Nachbetrachtung der Nationalmannschaft (Teil III/III)

Es war in einem Gebäude in Idar-Oberstein, von dem ich Blick auf das Tal und die beiden grünen Hänge hatte. Es hatte bei sommerlichen Temperaturen leicht bis mittelmäßig stark geregnet. Vom Tal stieg leichter Nebel auf, der leicht über den Hängen ritt und zusammen mit den Sonnenstrahlen ein beeindruckendes farbliches Gesamtkunstwerk bildete. Liebe auf den ersten Blick. Ein bisserl Rio de Janeiro.

I. See the Stars that shine so bright!

Vor dem ersten Spiel gegen 1860 München war ich nochmals extra in Idar-Oberstein gewesen um nach Edelsteinen zu suchen. Noch koine gefunden! War der Sportplatz doch sehr weit vom Zentrum entfernt. Das Spuil des FCK II hatte ich leider verpasst.

Bekannt unter Insidern ist die kleine Stadt für ihre kulinarischen Köstlichkeiten und touristischen Ausflugsmöglichkeiten. Ob Deutsches Mineralienmuseum, Felsenkirche oder Schloss. Viele attraktive Spots. Für die ganze Familie zu Empfehlen! Von den Großeltern bis zu den Kloinen.

Aber zurück zum sportlichen Abschneiden: Die WM 2018 in Russland war ein sportlicher Reinfall. Enttäuschend für Mannschaft, Trainer und Fans. Depression? Nein Danke!

1994 in den USA galt das deutsche Team ebenfalls als großer Favorit, da zu den Weltmeistern von 1990 die ehemaligen DDR-Stars hinzukommen sollten. Direkt nach der Wiedervereinigung. Man denke an die Herren Sammer, Doll, Kirsten und Marshall um nur einige zu nennen. Die DFB-Elf scheiterte bereits im Viertelfinale an Bulgarien.

Auch bei der diesjährigen Mannschaft gab der Gewinn des Konföderationscup 2017 mit einer B-Elf und der Sieg bei der U21 Europameisterschaft Anlass für eine sehr gute WM. Auch für eine positive Weiterentwicklung über die nächsten Jahre.

Allen Frust zum Trotz schmücken vier Sterne das Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft. Begonnen mit der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz bis zum WM-Titel 2014 in Brasilien. Dazwischen der Gewinn der Heimweltmeisterschaft 1974 und der Weltmeisterschaft in Italien 1990. Ausschlaggebend für das positive Abschneiden waren immer die mannschaftliche Geschlossenheit und der Teamgeist.

Häufig entwickelte sich darauf aufbauend eine spielerische Leichtigkeit.

II. Konstruktiv aber Kritisch: Sportliche Nachbetrachtung und Konsequenzen

Der Trainer und die große Analyse (Pressekonferenz vom 29.08.2018)

Nach mehreren Stationen im Ausland übernahm Joachim Löw das Traineramt beim VFB Stuttgart. Zunächst als Co-Trainer, dann als Trainer. Mit dem VFB erreichte er 1998 das Finale im Europapokal der Pokalsieger, unterlag jedoch gegen dem FC Chelsea mit 0:1. Es war die große Zeit des VFB mit Spielern wie Elber, Bobic und Balakow. Auch als magisches Dreieck bezeichnet.

Seit 2004 ist Joachim Löw im Trainingsbetrieb beim DFB tätig. Begonnen hatte er als Co-Trainer unter Jürgen Klinsmann. Bundestrainer wurde er 2006. Der größte Erfolg von Löw war der Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.

Bereits vor der WM verlängerte der DFB den Vertrag von Löw bis 2022. Grund waren wohl diverse Anfragen von größeren Vereinen.

Nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft in der Vorrunde, geriet auch Jogi Löw in die öffentliche Kritik. Bevor die erste Pressekonferenz von Löw nach der WM thematisiert wird, ist es interessant zu erfahren wie Löw in der Fachpresse wahrgenommen wird. Wie beurteilt der Kicker Jogi Löw nach dem Ausscheiden? Zwiespältig!

Für eine Weiterbeschäftigung von Löw in der jetzigen Situation, nach der WM 2018, spricht seine Erfahrung junge Spieler zu einem guten Team zusammenzuführen. Löw gelte als großer Visionär und Entwickler.

Auf der anderen Seite bezeichnet der Kicker den Bundestrainer als Laisser-faire-Löw, dessen Wirkung nach außen zunehmend wichtiger wurde. Scheinbar fällt hierunter z.B. das morgendliche Joggen am Strand von Sotschi, welches von allen Fernsehkanälen aufgegriffen wurde.

Viele Medien sind auch pikiert über die Öffentlichkeitsarbeit von Löw. So wurde die Bekanntgabe des WM-Kaders kritisiert, da bei der Pressekonferenz keine Nachfragen der Journalisten beantwortet wurden. Der DFB und die Nationalmannschaft schotteten sich ab für die deutschen Fans und für die Medien. Ärgerlich für viele Familien, die sehr viel Aufwand betrieben um die Nationalmannschaft im Trainingslager in Südtirol zu besuchen.

Irgendwie passte bei der WM 2018 das Bild des Bundes-Jogi nicht, der Ruhe, Gelassenheit, und innere Stärke ausstrahlt in dynamischen Zeiten. So der Kicker in seiner Nachbetrachtung. Also Trainer auf Bewährung?
Jogi Löw fühlt eine „Ungebrochene Motivation und volle Energie“ (Kicker, 5.7.2018).

Am 29.08.2018 fand die erste Pressekonferenz nach dem Ausscheiden bei der WM 2018 statt, kurz vor dem Nations League Spiel gegen Weltmeister Frankreich in München. Hier der Link zur zweistündigen Pressekonferenz von Löw zusammen mit Manager Oliver Bierhoff:

https://www.youtube.com/watch?v=xHlK5bpio8M

Bei der Pressekonferenz des DFB wirkte Löw selbstkritisch und einsichtig bezüglich diverser Fehleinschätzungen. Er verwandte auch den Begriff Arroganz, als es um den Beibehalt des Ballbesitzfußballs ging. Diesen wollte er bei der WM perfektionieren.

Nachdem die Causa Özil schon recht ausführlich beleuchtet wurde, gilt der Blick auf die Spielweise, den Betreuerstab und die Kaderpolitik.

Entwicklung der deutschen Spielweise und Defizite

Der Ballbesitzfußball hat sich in der Ära Löw immer weiterentwickelt. So war die Weltmeisterschaft 2010 zunächst geprägt von einer kompakten Defensive und einem ordentlichen Konterfußball. 2014 griffen viele Rädchen ineinander. Löw selbst sprach von einer goldenen Mitte bei vielen Stellgrößen, die den Ballbesitzfußball des Weltmeisters von 2014 formten.

Als Weltmeister gilt man auf dem Papier und den Wettbüros in jedem Spiel als Favorit. Jeder Gegner ist defensiv ausgerichtet und setzt auf eigenes Konterspiel. Für den Trainer und seine Überzeugung von einem perfekten Ballbesitzfußball, fehlten bei der Weltmeisterschaft 2018 die positiven Rahmenbedingungen.

Zwar war die Laufleistung häufig gut. Allerdings fehlten die Sprints mit hoher Intensität und die Geradlinigkeit im Passspiel. Das Spiel wirkte statisch. 2014 kam jeder Ball nach 1,19 Sekunden zum Nebenmann. 2018 nach 1,5 Sekunden. Bedingt durch die taktische Ausrichtung der Gegner?

Bei der Chancenverwertung belegte das deutsche Team mit 9,5% den schlechtesten Wert aller 32 Teilnehmer. Schade dass das Team so früh ausgeschieden ist. Es wäre sehr interessant gewesen zu sehen wie Jogi Löw seine Taktik im Verlauf des Turniers an die jeweiligen Gegner angepasst hätte.

Was fehlte noch im Spiel des Weltmeisters von 2014? Der Enthusiasmus? Die Leidenschaft? Dribbling? Zweikämpfe und Spielfreude?

Größe des Betreuer-/Beraterstabs und Interaktion

Die hohe Anzahl an Betreuer wurde in der öffentlichen Debatte häufiger angeführt. Im Kicker vom 9.7.2018 wurde eine Zahl von 118 Mitarbeitern gezählt. Dabei handelte es sich um zwei Assistenten, einem Stürmer- und einem Torwarttrainer, Fitnesscoaches, Physiotherapeuten, Ärzten, Betreuern, Analysten, Köchen, Social –Mediabeauftragten. Gigantischer Wasserkopf?

Ausschlaggebend sollte die Effektivität des Teams sein. Der Kicker verlautete in seiner Serie über den Zusammenbruch des Weltmeisters einige Mängel in der Kommunikation und den Entscheidungsprozessen:

„Die einzelnen Akteure tauschen sich aus, diskutieren intensiv und verlieren sich dabei zuweilen in Details, wenn es um Fragen der Trainingssteuerung, der Regeneration oder der Spielvorbereitung geht.“ (Kicker, 9.7.2018)

„An der Stelle jedoch, an welcher der Entscheider sitzen sollte, klafft eine Lücke. Zu abgehoben wirkt Löw in diesen Tagen, als dass er für solch Profanes noch zu erwärmen wäre. Der Bundestrainer, klagen Mitarbeiter des DFB, sei nur noch schwer erreichbar – im realen wie im übertragenen Sinne -, er sei sprunghaft in seinen Entscheidungen, wechselhaft in seinen Überlegungen.“ (Kicker, 9.7.2018)

„Damals hatte Löw Hansi Flick als Assistenten an seiner Seite. Dieser war das Bindeglied zwischen Expertenstab und dem Chef. Einer, auf den Löw hörte und dem er sogar erlaubte, Standards zu trainieren, obwohl diese nun wirklich nicht zur technischen Raffinesse passten, welche die deutsche Mannschaft seit der WM 2010 auf dem Rasen zelebrierte.“ (Kicker, 9.7.2018)

Aus der Distanz ist es schwierig eine Einschätzung über die optimale Organisationsstruktur abzugeben. Wie wichtig war Hansi Flick für das Trainerteam? Der DFB reagierte mit personellen Änderungen. Es zeichnet sich eine Verkleinerung des Betreuerstabs ab.

Kaderzusammenstellung

Bei der Bekanntgabe des Kaders für Russland 2018 verzichtete Löw auf Leroy Sané und Sandro Wagner. Und sorgte mit der Entscheidung für Verwunderung bei den Experten.

Für Löw galt es die Balance zu finden zwischen Alt und Jung. Erfahrung und jugendlicher Frische. Weltmeister und Confedcupsieger. Oder doch ein Spieler der erfolgreichen U21? Viele Entscheidungen für den Bundestrainer.

Viel Konfliktpotential erregten die Personalien Özil und Gündogan, speziell nach dem vorzeitigen Ausscheiden in der Vorrunde. Allerdings auch schon bei den letzten zwei Vorbereitungsspielen, die mit lauten Pfiffen der Zuschauer begleitet wurden. Der Teamspirit konnte sich während des Turniers leider nicht entfalten. Nach dem Spiel gegen Schweden in der Nachspielzeit und in Unterzahl hätte es vielleicht noch mal entfachen können.

Wie geht es nun weiter? Alter darf kein Entlassungsgrund, Jugend kein Einstellungskriterium sein!

Ohne Özil, Gomez und vorläufig Khedira nimmt der Kader erste Konturen an. Kai Havertz, Thilo Kehrer und Nico Schulz wurden von Löw erstmalig nominiert. Leroy Sané, Nils Petersen und Jonathan Tah komplettieren den Kader für das Spiel gegen Frankreich am 6.9.2018 . Für viele Spieler ist die Nominierung zur Nationalmannschaft ein Kindheitstraum, der wahr wird. Und sollte jeden Spieler mit Stolz erfüllen.

Der Blick geht in die Allianzarena. Wie reagiert das Publikum? Was will der Zuschauer sehen: Freude, Leidenschaft und Einstellung.

III. Die Nationalspieler von Morgen: Nachwuchsleistungszentrum und DFB-Akademie

2017 gewann die deutsche U21 überraschend die Europameisterschaft in Polen. Tolles Turnier, das parallel zum FIFA Confederations Cup ausgetragen wurde. Die Erfolge verdecken allerdings die kritische Situation in anderen Altersklassen.

Stefan Kuntz schlägt Alarm: "Da sehen wir ein Vakuum"
http://www.kicker.de/news/video/2030303 ... akuum.html

Es zeichnet sich ab, dass einerseits weniger Toptalente im Nachwuchsbereich vorhanden sind. Zum anderen mangelt es an der Durchsetzungsfähigkeit gegen gleichaltrige bzw. ältere Spielern.

Der Jungprofi von heute bekommt vieles abgenommen. Viele Experten im Umfeld betreuen die Spieler ganzheitlich – rund um die Uhr. Krisensituationen werden quasi schon in der Entstehungsphase im Keim erstickt. Noch bevor die 5 in Mathe im Zwischenzeugnis leuchtet, sind auch schon die ersten Nachhilfeunterrichtsstunden geplant.

Ein gutes Zeugnis ist natürlich Voraussetzung für eine gute sportliche als auch berufliche Perspektive. Jedoch muss man die Balance zwischen Eigenverantwortung, Selbständigkeit und Eingriff von außen finden. Sehr komplex, da in die Erziehung Eltern, Eliteschulen, Berater, Verbände, Vereine, NLZ und DFB mehr oder weniger stark involviert sind.

Sicherlich stehen die Profis in spe unter einem großen Druck mit vielen Entbehrungen im privaten Bereich. Eine Karriere kann man ja auch nur begrenzt planen. Viele Faktoren können ausschlaggebend sein, dass es doch nicht klappt mit dem Traum in der Bundesliga oder gar der Nationalmannschaft.

Bereits seit mehreren Jahren plant der DFB eine eigene Akademie für die Nationalmannschaften mit mehreren Trainingsplätzen, DFB-Verwaltung und Pressezentrum. Die oben erwähnte Durchsetzungsfähigkeit zeigte der DFB im Streit mit der Galopprennbahn Niederrad, welche für den DFB ihren Platz räumen musste.

Es bleibt abzuwarten wie sich der DFB neu aufstellt. Der Fußball und der Sport im allgemeinem ist auch immer ein Abbild der derzeitigen Gesellschaft mit all ihren Erfolgen aber auch Problemen. Eine weitere Abschottung des DFB ist kontraproduktiv will man die Unterstützung der Bevölkerung gewinnen.

Viele Heimspiele in der jüngeren Vergangenheit sind nicht mehr ausverkauft, was auf die hohen Eintrittspreise, die familienunfreundlichen Anstoßzeiten und auf den oft wenig ansehnlichen Fußball bei Testspielen zurückzuführen ist.

Vielleicht sind die Nachwuchsleistungszentren und die Akademie Bestandteil einer möglichen Expertenrunde, welche von Matthias Sammer zum Wohl der Bundesliga angeregt wird:

Zum Wohl der Bundesliga: Sammer fordert Expertenrunde
http://www.kicker.de/news/fussball/bund ... runde.html



Beitragvon Alex76 » 13.10.2018, 14:53


Alex76 hat geschrieben:The Valleys of the Green and Grey: Kritische Nachbetrachtung der Nationalmannschaft (Teil III/III)

Es war in einem Gebäude in Idar-Oberstein, von dem ich Blick auf das Tal und die beiden grünen Hänge hatte. Es hatte bei sommerlichen Temperaturen leicht bis mittelmäßig stark geregnet. Vom Tal stieg leichter Nebel auf, der leicht über den Hängen ritt und zusammen mit den Sonnenstrahlen ein beeindruckendes farbliches Gesamtkunstwerk bildete. Liebe auf den ersten Blick. Ein bisserl Rio de Janeiro.
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Blick nach Vorne!

I. Tag der (deutschen) Einheit im Kleinen: Verbandspokal am 3. Oktober gegen den SC Idar-Oberstein


Emotional ist der 3.Oktober mit der deutschen Wiedervereinigung aufgeladen. Gesetzlicher Feiertag! Zu strahlendem Spätsommerwetter lud der SC Idar-Oberstein die vielen Fans des 1. FC Kaiserslautern in sein Stadion ein. Wer am Bahnhof keinen direkten Shuttlebus erwischte, konnte sich über das gut ausgebaute Bussystem und einen sehr freundlichen Busfahrer das Taxigeld sparen. Gleichzeitig lernte man einige der vielen Stadtteile kennen.

Idar-Oberstein ist ein Zusammenschluss von Algenrodt, Idar, Tiefenstein, Oberstein, Enzweiler, Georg-Weierbach, Göttschied, Hammerstein, Kirchenbollenbach, Mittelbollenbach, Nahbollenbach, Regulshausen und Weierbach.

Mit knapp 30.000 Einwohnern ist die Edelstein- und Garnisonsstadt die bevölkerungsreichste Kommune des Landkreises Birkenfeld im Hunsrück und ein Mittelzentrum. Seit 2016 darf Idar-Oberstein den Titel Nationalparkstadt tragen.

Am 3.Oktober also der 1.FC Kaiserslautern im Verbandspokal gegen ein vereinigtes Team aus Idar-Oberstein. Ein Highlight für die Region. Angeführt wurden die Mannschaften von einem kopftuchtragenden Mädchen, die den Ball zum Mittelkreis tragen durfte. Ein Zeichen für Integration mit einem Hauch politischen Protest gegen Erdogan… Am 29.09. wurde die Ditib-Moschee in Köln eröffnet, zu der der ehemalige Kölner Bürgermeister Schramma nicht eingeladen wurde. Ebenso hatte der Architekt Paul Böhm keine offizielle Einladung bekommen.

Sportlich fanden sich im ausverkauften Stadion Im Haag 5.000 Zuschauer ein, die eine torreiche Partie verfolgen konnten. Speziell in der 1. Halbzeit wusste der SC Idar-Oberstein zu gefallen. Erspielte sich auch zwei sehr gute Torchancen. Endstand 7:0 für den 1.FC Kaiserslautern gegen einen robust auftretenden SC Idar-Oberstein.

Für ein Spiel ruhte die freundschaftliche Beziehung der beiden Vereine. Der SC Idar-Oberstein wird von Ex-FCK-Spieler Michael Dusek gemanagt und war auch Betätigungsfeld von Olaf Marschall und Thomas Riedl.

II. Tag der deutschen Einheit im großen Überblick

Der deutsche Nationalfeiertag erinnert an die deutsche Wiedervereinigung, die am 3. Oktober 1990 abgeschlossen wurde. Dadurch kamen zu den alten Bundesländern die neuen Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen sowie Berlin hinzu. Die sogenannten älteren Bundesländer bilden Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig-Holstein.
Nach dem verlorenen 2.Weltkrieg wurde Deutschland von den Siegermächten in vier Besatzungszone (französisch, englisch, amerikanisch, sowjetisch) eingeteilt. Aus diesen Besatzungszonen gingen die BRD und die DDR hervor. Am 23. Mai 1949 wurde die Bundesrepublik Deutschland verkündet. Dem folgte am 7.Oktober 1949 die Deutsch Demokratische Republik.

Erst viele Jahre später war das Zeitfenster für ein Annähern der beiden deutschen Staaten gegeben. Was nicht einfach war.

Nach 40 Jahren SED-Regimes war die DDR in der Krise. Über die Grenze von Ungarn nach Österreich gelangten 1989 mehrere hundert Ostdeutsche in den Westen. Das SED-Regimes stand unter Druck. Mehrere Oppositionsgruppen stellten sich gegen die Diktatur. Aus dieser Bewegung resultierten die Montagsdemonstrationen, welche von kirchlichen Einrichtungen unterstützt wurden. Auf friedlichem Wege begegneten die Bürger der Staatsmacht. So geschehen am 9.Oktober 1989 als 70.000 Demonstranten in Leipzig auf die Straße gingen und „Wir sind das Volk!“ skandierten.

Staatschef Erich Honecker wurde einige Tage später am 18. Oktober 1989 durch Egon Krenz abgelöst. Nach weiteren Großdemonstrationen erfolgte die Grenzöffnung an der Berliner Mauer am 9. November. In Erinnerung blieb die Pressekonferenz mit Günter Schabowski, der stockend und zögernd die Reisefreiheit verkündete. Die Bilder von jubelnden Menschen an der Berliner Mauer gingen kurze Zeit später durch die Presse.

Die Dynamik des Einigungsprozesses war nicht mehr aufzuhalten. Aufgrund der wirtschaftlichen Zwangslage und der politischen Instabilität der DDR, waren die langfristigen Pläne vertraglicher Bindung und Zusammenarbeit aus dem von Helmut Kohl vorgetragenen Zehn-Punkte-Plan obsolet. An einem runden Tisch vereinbarten beide Staaten freie Wahlen zu einer neuen DDR-Volkskammer. Diese wurde aufgrund der Dringlichkeit vom Mai auf den 18. März 1990 vorgezogen. Erstmals fanden in der DDR freie, gleiche und geheime Wahlen statt!

Am 18. Mai 1990 trat ein Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR zur Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion in Kraft.

Die Deutsche Bundesbank wurde alleinige Währungs- und Notenbank. Zudem wurde die DM eingeführt zum Kurs 1:1 mit der Ostmark.

Grundlage der Wirtschaftsunion war die Soziale Marktwirtschaft, wie sie in der Bundesrepublik Deutschland bestand. Sie löste die Planwirtschaft der DDR ab. Eine große Herausforderung bestand in der Umwandlung der volkseigenen Betriebe der DDR mit vier Millionen Beschäftigten. Dazu wurde am 1. März 1990 die „Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums“ (kurz: Treuhand) gegründet, die am 1. Juli 1990 die 7.894 volkseigenen Betriebe übernahm.

Auch bei der Sozialunion war die Bundesrepublik Vorbild für die Umstrukturierung. Im Staatsvertrag heißt es, dass die Sozialunion zusammen mit Währungs- und Wirtschaftsunion eine Einheit bildet. „Sie wird insbesondere bestimmt durch eine der Sozialen Marktwirtschaft entsprechende Arbeitsrechtsordnung und ein auf den Prinzipien der Leistungsgerechtigkeit und des sozialen Ausgleichs beruhendes umfassendes System der sozialen Sicherung.“ Die bestehende Sozialversicherung der DDR wurde in Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung aufgespalten.

Die Volkskammer der DDR und der Deutsche Bundestag stimmten am 20. September dem Einigungsvertrag zu, der einen Tag später auch vom Bundesrat abgesegnet wurde und die deutsche Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 beinhaltet.

Vorausgegangen ist der Zwei-plus-Vier-Vertrag, der am 12. September 1990 in Moskau unterzeichnet wurde und am 15. März 1991 in Kraft trat. Ein Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Demokratischen Republik sowie Frankreich, der Sowjetunion, Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag kennzeichnet das Ende der Nachkriegszeit. Demzufolge ist Deutschland einschließlich Berlins endgültig von besatzungsrechtlichen Beschränkungen befreit. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag ist ein maßgeblicher diplomatischer Beitrag zur Friedensordnung in Europa.

III. Klimakonferenz in Warschau! Oder Glück auf, Herr Kollege!

Der Sommer war geprägt von Rekordwerten an Temperaturhöchstwerten und anhaltender Dürre, die den Landwirten zu schaffen machte. Eindringlich wird durch den Uno-Weltklimarat (IPCC) ein maximaler Anstieg der Temperatur um 1,5 Grad propagiert, um die Folgen des Klimawandels abzumildern.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mens ... 31805.html

Ob nun der Ausstieg aus der Kohleförderung in Gänze erfolgen muss. Oder nur eine eklatante Reduzierung zur Folge hat, so wird der Einschnitt in eine Branche vollzogen werden müssen. Sowohl klimatisch, volkswirtschaftlich aber auch ökologisch wird kein Weg daran vorbeiführen. Es dürften auch Pläne vorliegen, die eine sinnvolle Energieversorgung und -gewinnung bewirken. Ein Mammutprojekt werden die beiden Nord-Südstromtrassen (Südlink) für die Versorgung in Deutschland sein. Dann kann die vorwiegend im Norden gewonnene Windenergie in den Süden transportiert werden. Weitere Konzepte müssen auf europäischer Ebene erfolgen, um effektiv und effizient sowie ohne große Ausfallrisiken eine europäische Energiepolitik zu betreiben.

Im nächsten Schritt kann dann ein Export in die großen Industrieländer erfolgen, sofern man diese nicht schon angebahnt hat. Viele ressourcenschonende Innovationen schlummern noch in der Industrie. Viele Ressourcen können im sinnvoll ausgebauten Nah- und Fernverkehr gespart werden. Neue Produkte werden am Markt platziert. Wie sieht deren Energiebilanz aus? Von der Gewinnung der Rohstoffe bis zur Entsorgung? Gibt es eine Zukunft für den Diesel? Auch hier besteht die Hoffnung auf eine bahnbrechende Erfindung, die die bestehende Technologie revolutionieren könnte. Gar neue Arbeitsplätze schaffen würde!

Wie schafft man es den Bevölkerungsanstieg global in den Griff zu kriegen ohne größere Eingriffe in die Menschenrechte? Deutschland hat seit Jahren mit einem Geburtenrückgang und einer alternden Bevölkerung zu kämpfen. In China galt lange Jahre eine staatlich verordnete Geburtenregulierung von einem Kind. Mittlerweile dürfen dort Paare zwei Kinder bekommen. Viele Länder sind an der Schwelle zum Industrieland mit einer sich verändernden kaufkräftigen Mittelschicht.

Sozial betrachtet spürt man die Anfänge des Bergmannberufes sehr gut dokumentiert im Deutschen Bergbaumuseum Bochum. Allein ist der Bergmann aufgeschmissen, so dass schon damals die Kumpels sich zu einer starken Gemeinschaft entwickeln mussten, die unter Tage ihren schweren Job zu verrichten hatten. Aber auch öffentlich sichtbar zog man gegen die Schließung der Bergwerke gemeinsam auf die Straße und protestierte. Nostalgie keimt auf, wenn man sich an die alten Schimanskistreifen aus den 80er Jahren erinnert. Der Pott in einem melancholischen Grauton. Hochzeiten für IG Metall und SPD!

Wie sieht der Strukturwandel heuer aus? Alles digital? Wohl fatal! Viel Mittelstand? Wünschenswert! Vielleicht schafft man ein Analog 2.0 nebst fortschreitender Digitalisierung. Bildung? Jawohl, Kumpel!

Hier sind weitere Informationen zur Klimadiskussion zu finden:

Rückstand im Klimaschutz - Deutschland drohen Milliardenkosten
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/ru ... n-102.html

"maybrit illner“ mit dem Thema "Der heiße Planet – sind wir zum Verzicht bereit?" vom 23. August 2018.
https://www.zdf.de/politik/maybrit-illn ... 8-100.html

Konferenz in San Francisco - Signal für den Klimaschutz aus den USA
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/ko ... a-100.html

IV. Grüne Wälder und viel Grau!

Früher war alles besser. Da spielte RWE noch Fußball. Heute rodet RWE mit schweren Maschinen den Hambacher Forst.

Mehrere Baumhäuser zieren den Wald, den Umweltaktivisten besetzt haben. Seit einigen Monaten sollen Polizisten den Wald von den Besetzern befreien. Ein Kampf zwischen Umweltschützern gegen den Konzern. Ein Kampf David gegen Goliath. So schauen die Kraftverhältnisse aus.

Am 2. Oktober 2018 hat die Polizei nach eigenen Angaben das letzte von ca. 30 Baumhäusern geräumt, so dass RWE die Rodung vorbereiten konnte. Doch bereits am 5. Oktober 2018 wurde RWE die Rodung des Waldes durch einen Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Münster vorerst untersagt. Fürs erste ist die Rodung gestoppt. Unklar ist die Dauer. Die Polizisten haben den Wald verlassen und die ersten Baumhäuser wurden wieder neu errichtet.

Aus ganz Deutschland und weiten Teilen der Welt strömten am 6. Oktober ca. 30.000 Menschen zum Forst und demonstrierten für den Ausstieg aus der Kohle. Ein starkes Zeichen für den Klimaschutz, ein starkes Zeichen für einen Bewusstseinswandel. Nicht nur für Deutschland, sondern auch mit Sichtbarkeit in Peking, in Hamburg, in München oder an der Frankfurter Börse.

V. Was machen Joggis Jungs in der Nations League?

Mehr Abstiegskampf oder doch Aufstiegskampf? Gar Titelambitionen? Die deutsche Premiere in der Nations League fand in der Münchner Allianzarena statt. Gegen Frankreich erreichte man ein torloses Unentschieden.

Der Samstag und der Dienstag werden zeigen, wo die Reise hingeht in der UEFA Nations League. Aktuell hat die Mannschaft drei Zähler Rückstand auf die Equipe aus Frankreich. Allerdings auch ein Spiel weniger bestritten. Ein Sieg in den Niederlanden würde Deutschland im darauffolgenden Spiel gegen Frankreich die Möglichkeit zur WM-Rehabilitation geben.

Würde man Erster der Gruppe, so wäre man in einem der beiden Halbfinalspiele im Juni 2019, welche die Finalteilnehmer ausspielen (nach dem Final-Four-Prinzip).

https://www.sportschau.de/fussball/nati ... e-100.html



Beitragvon Alex76 » 19.01.2019, 23:13


Alex76 hat geschrieben:II. #ZSMMN? Oder Mitoinand?

Letzteres ist beim DFB wohl nicht gern gesehen. Ersteres versteht die Generation Social Media. Aus #ZSMMN wurde dann #ZSMMN ein Ziel – #ZSMMN pushen – #ZSMMN angreifen – #ZSMMN verteidigen – #ZSMMN für Deutschland. Und auf der Bühne des Pressekonferenzraums: #ZSMMN in Südtirol.
Koin Wunder, dass dann der Lagerkoller zwangsläufig entstehen muss. Koine Individualität. Koin Mbappé. Koin de Bruyne. Koin Hazard. Habe ich jetzt noch oinen vergessen? Bestimmt!

#ZSMMN Großes Erreichen! Ups. Jetzt ist es mir auch schon rausgerutscht.

Formulieren wir es anders: #MITOINAND Großes Erreichen! In Anlehnung an den FC Bayern München. Ist der FC Bayern doch ein erfolgreicheres Vorbild als heuer der 1.FCK oder der TSV 1860 München! Schade!
Angepasst an den Wortschatz des DFB würde es folgendermaßen heißen: #ZSMMN Geschichte schreiben! Fußballgeschichte!
...

I. WIR! IHR! ALLE! Gemeinsam für ein starkes WIR!

Pünktlich zu Beginn der Handballweltmeisterschaft 2019 präsentiert der DHB seine neue Website, welche auf dem Strategiekonzept „Perspektive 2020+“ basiert. Dabei steht im Zentrum des sogenannten Markenkerns die Botschaft „Wir machen stark!“

https://www.dhb.de/de/redaktionsbaum/ve ... aunch-dhb/

Der Handball möchte auch Geschichte schreiben! Handballgeschichte(n)! Da wird der Vollbluthandballer vergangener Tage geweckt..

II. So oin bisserl Kompetenz in Sport – Aktiv als Spuiler oder Trainer! Passiv als Fan für Teamspuil!

Mei. Also ich wollte eigentlich eine Karriere als Technischer Zeichner starten. 9 to 5 (von 9 Uhr bis 17Uhr)! Ab und zu mit Überstunden. Ab und zu mit Urlaub in Südeuropa. Vielleicht auch mal in die Alpen. Dank der Computerentwicklungen (CAD) bist mit handwerklichem Geschick für Papier und Stift und nach absolviertem Praktikum quasi überflüssig geworden. Saubande!

Sportlich hats mit der großen Handballkarriere holt auch net geklappt. Auf koiner Position! Es lag holt net nur an mir. Auch net am Ball wie bei so vielen anderen, wenns du dir den Handball anschaust! Technik und Taktikverständnis sind vorhanden. Mit moinen 76 Jahren träume ich natürlich immer noch von den Olympischen Spuilen. Nächstes Jahr in Japan 2020. Dort auf der Platte auflaufen zu können. Man wird holt net älter. ;-)

Also Oin bisserl trainieren! Brust raus, Bauch rein!

Dazu noch den Trainerblick oin bisserl schärfen. So geschehen bei einem Trainersymposium des Internationalen Handballverbandes in München. Dort wo der TSV Milbertshofen den bayrischen Handballsport prägte. 1991 holte der Verein den Europapokal der Pokalsieger. Leider musste ich den ersten Tag absagen, da ich noch zwei Verpflichtungen hatte und konnte erst zum zweiten Tag mit der Deutschen Bahn ins verschneite München anreisen. Die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft in Deutschland/Dänemark stieg. Man begegnete einigen großen Spielern vergangener Tage und vielen Trainergrößen der Handballbundesliga.

Am ersten Tag hätte ich Dagur Sigurdsson (Europameister mit Deutschland 2016; jetziger Trainer von Japan) und Xavier Pascual (Trainer des FC Barcelona) sehen können. Dagur Sigurdsson referierte über die Unterschiede des Handballs in Europa und Asien. Xavier Pascual über die aktive Defensive aus individueller Sicht und Teamorientierter Perspektive. Leider aus besagten Gründen verpasst.

Wos lernst noch? Zusammenfassend wurden der dänische und der deutsche Weg in der Entwicklung von Jugendspielern aufgezeigt. Aber auch der Blick auf Athletik und Verletzungsvorbereitung gerichtet. Großartige Referenten für eine Sportart die einfach cool ist. Ganz billig war es nicht, aber vielleicht hat es sich gelohnt!


Kritische Selbstreflexion …

… damals als holber Trainer. Der spontane Sprung ins kalte Wasser, weils die B-Jugend dringend oinen Trainer gesucht hat.
Was hätte man als Trainer besser machen können? Welche Trainingsformen wählen/optimieren? Mit welchen kloinen Trainingsvarianten man große Effekte bewirken kann! In Zeiten wo eine Regeländerung - die schnelle Ausführung des Anwurfs - revolutionären Charakter hatte und ein relativ kloiner Verein wie der TBV Lemgo mit dem taktischen Mittel der schnellen Mitte seine größten Erfolge erzielte. Dadurch wurde der Handball schneller und athletischer. Für den Zuschauer attraktiver, da mehr Tore fielen. Dynamik statt Statik!

… damals als holber Spuiler. Größe und Kraft in der B-Jugend waren überschaubar. Speziell, wenn ich mich mit den jetzigen Spielern vergleiche, die aktuell in der deutschen und österreichischen U17-Nationalmannschaft spielen. Da schaut man schon mit den Kopf aufwärts, aber es gibt auch noch kloine Ausnahmen. Leider wurde der Handball in unserer Schule eher stiefmütterlich im Sportunterricht behandelt, wohingegen einige meiner Vereinsmitspieler gar bei den Schulmeisterschaften in Berlin vertreten waren.

… heuer hätte man als gestandener Spuiler öfters den Wiede oder den Weinhold machen können. ;-)


III. Eröffnungsfeier in Berlin mit dem Eröffnungsspiel Deutschland vs. Team Korea

Nicht ganz so pompös wie bei den Fußballweltmeisterschaften und Olympischen Spielen war die Eröffnungsfeier in der Mercedes-Benz-Arena sehr kurzweilig. Stand up! Stand out! So ein bisserl schauts nach dem Macho im Frauenstaat aus!

Dort wo der Osten und Westen Deutschlands sich historisch wiederfanden, sollte ein Team Korea bestehend aus Nordkoreanern und Südkoreanern gegen Deutschland das Eröffnungsspiel austragen. Es war aus diesem Blickwinkel sehr emotional diesen Moment zu verfolgen. Auch wenn man bedenkt mit wie vielen Vorurteilen damals der Osten und Westen Deutschlands das Bild des Klassenfeindes aufrechterhalten mussten. Politischer Druck, der mit Hilfe des Sports aufgelöst werden kann?! Jugend vor!


IV. Zweiter Spuiltag der WM: München im Handballfieber

Letzter Tag des Symposiums. Ein winterlicher Tag taucht den Olympiapark in eine schneebedeckte Gesamtkulisse, die Lust auf aktiven und passiven Sportkonsum macht. Die Halle, ein Relikt von den Olympischen Spielen 1972, ist mit viel Charme 2009 modernisiert worden und bietet 12.000 Zuschauern Platz. Dabei ist die oberste Ebene aus gepflastertem Stein. Anders als in vielen anderen Hallen, die ich bisher sehen konnte. Die Zugänge und die mittlere Ebene wie gewöhnlich aus Kunststoffboden.

Größere Präsentationsflächen boten sich den Sponsoren sowie den Vereinen/Verbänden auf der oberen Ebene. Dort spielte sich auch überwiegend das kulinarische Geschehen ab. Zur Kritik muss man anmerken, dass das Angebot vielleicht etwas überschaubar war. Den Pfälzer Saumagen habe ich nicht entdecken können. Auch hätte man einen kleinen Stand mit spanischen Tapas, Sushi oder anderen Nationalgerichten der teilnehmenden Mannschaften auffahren können. In München traten Japan, Mazedonien, Island, Kroatien, Spanien und Bahrein an.

Der erste Spieltag bot folgende interessante Begegnungen:
Japan vs. Mazedonien
Island vs. Kroatien
Spanien vs. Bahrein.

Speziell die zweite Begegnung war weitestgehend sehr ausgeglichen und stimmungsvoll. Hier sorgten die Kroaten für eine heißblütig angenehme Atmosphäre, die von den Isländern mit dem bekannten Huh gekontert wurde..

Wie erwartet setzten sich später Kroatien und Spanien im Verlauf der Runde durch. Island wurde Dritter und qualifizierte sich somit für die Zwischenrunde, wo Deutschland, Frankreich und Brasilien als Gegner warten.

Generell finde ich die Architektur der einzelnen Veranstaltungsorte (Eishalle, Schwimmhalle, etc.) stimmig zum Gesamtkonzept des Olympiaparks. Von vielen Freizeitsportlern genutzt zum Joggen oder Walken! Zum Chillen! Im Sommer Beachvolleyball..


V. Fire and Ice: Garmisch-Partenkirchen im Winter!

Nach dem heißen Hallensport in München musste ich eine Abkühlung in den Alpen aufsuchen. Arbeit oder Urlaub? Urlaub oder Arbeit? Formulieren wir es so: Ich habe den anderen beim Urlauben zugeschaut, was ziemlich viel Arbeit war! ;-)

Ohne Skier in Garmisch-Partenkirchen, bleibt nur das Schauen von Youtube-Videos, um das Skigefühl der Berge aufzunehmen:
https://www.youtube.com/watch?v=-vlg_QV
In der Schule bot sich mir erstmals die Möglichkeit Alpinen Skisport kennenzulernen, was beim zweiten Ausflug in die österreichischen Alpen auch sehr gut funktionierte. Es war die Zeit wos du die „erste“ (zweite) Liebe findest. Oder sie findet Dich! Idylle im winterlichen Saalbach-Hinterglemm. Erstmals Urlaub in einem romantischen Dorf, welches von den weißen Bergen umringt ist.

Man lernt die Mädels in einer anderen Situation kennen. Statt Pausenhof, leuchtender Schnee im Abendmond. Nach dem Skifahren am Morgen und Mittag sucht man ohne Eltern den lokalen Lidl auf, was auf die Einleitung der Pubertät deutet. So gesehen sind unsere Handballjungs quasi on Fire, wenn ich das richtig sehe. Statt Wiener Schmäh, dann doch mit viel Charme, wenn ich es jetzt richtig fehl interpretiere.


VI. Auf dem Weg zur professionellen Vereinspolitik

Host holt oin bisserl Marketing gemacht. Später noch den Schritt in die Sportbranche gesucht. Stolperst plötzlich direkt in die Vereinspolitik. Wos willst machen? Oinen Appell an die Geschlossenheit?! Greifst zu Papier und Stift und zeichnest oinen 1.FCK auf hoher See. Aus dem Zweimaster vergangener Tage ist heuer oin Katamaran entstanden.

Oin Katamaran ist ein Boot oder Schiff mit zwei Rümpfen, die fest (z.B. durch ein Tragdeck) miteinander verbunden sind. Heuer musst feststellen, dass der e.V. als verbindendes Tragdeck sowie die GmbH & Co. KG und die Stadiongesellschaft als Dritter im Bunde am besten oin Teambuildingprogramm absolvieren sollten.




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