Neuigkeiten und Pressemeldungen zum 1. FC Kaiserslautern.

Beitragvon mahatma » 12.04.2021, 09:43


Laut Team Status ist Götze nicht verletzt. Weiß man schon Weiteres zu Zimmer und Rieder? Und Kraus scheint ja definitiv auszufallen laut TS. Ist das so?
Hlousek scheint ja der Corona-Fall zu sein. Das würde zeitlich ja unter normalen Umständen nicht bis Samstag reichen.

Wären Zimmer und Rieder fit, würde ichs mal so probieren:

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Ist Zimmer nicht fit, Skarla ne Chance geben.
Was in der Innenverteidigung bei einem Rieder-Ausfall passierte, puh, Hotopp?



Beitragvon Wil Hegermeister » 12.04.2021, 11:04


Kohlmeyer hat geschrieben:Wer soll da den FCS-Sturm mit Sebastian Jacob und Nicklas Shipnoski stoppen? Man darf gespannt sein auf die weiteren Personaldiagnosen dieser Woche und auf Marco Antwerpens anschließende Lösungsfindung - vielleicht denkt der Coach sich auch hier wieder etwas kreatives aus.

Wenn es sehr eng wird, dann könnte ich mir tatsächlich Huth als IV vorstellen. Angemessen schnell/lauf- und Kopfballstark. Besser als Karadas sellemols wird er schon sein :teufel2:
Wir denken nur noch von Grätsche zu Grätsche!



Beitragvon Red_Devil » 12.04.2021, 11:10


Wil Hegermeister hat geschrieben:
Kohlmeyer hat geschrieben:Wer soll da den FCS-Sturm mit Sebastian Jacob und Nicklas Shipnoski stoppen? Man darf gespannt sein auf die weiteren Personaldiagnosen dieser Woche und auf Marco Antwerpens anschließende Lösungsfindung - vielleicht denkt der Coach sich auch hier wieder etwas kreatives aus.

Wenn es sehr eng wird, dann könnte ich mir tatsächlich Huth als IV vorstellen. Angemessen schnell/lauf- und Kopfballstark. Besser als Karadas sellemols wird er schon sein :teufel2:


Ich könnte mir vorstellen, dass Hinault wieder einspringen könnte.



Beitragvon Wil Hegermeister » 12.04.2021, 11:30


Red_Devil hat geschrieben:
Wil Hegermeister hat geschrieben:Wenn es sehr eng wird, dann könnte ich mir tatsächlich Huth als IV vorstellen. Angemessen schnell/lauf- und Kopfballstark. Besser als Karadas sellemols wird er schon sein :teufel2:


Ich könnte mir vorstellen, dass Hinault wieder einspringen könnte.

Da hast du natürlich Recht, sofern er fit und halbwegs wettbewerbfähig, wäre er vorzuziehen. Sein letztes Spiel war das Hinspiel oder?
Leider ist er seit dem ohne Spielpraxis, da die Oberliga ja pausiert. Bei tm https://www.transfermarkt.de/andre-hainault/leistungsdaten/spieler/39335 wird er noch als verletzt geführt, wie aktuell das ist? Kein Plan.
Wenn er fit ist, sollte sich Antwerpen ihn auf jeden Fall im Training anschauen...
Wir denken nur noch von Grätsche zu Grätsche!



Beitragvon K-Townboy » 12.04.2021, 13:52


Wenn ich mich recht erinnere hat Hainault Ende letzten Jahres einen Teilriss der Achillessehne erlitten und wurde operiert! Denke der wird aktuell kaum richtig laufen können... :?
Reden ist silber - Taten sind gold!



Beitragvon Miggeblädsch » 12.04.2021, 15:15


@Kohlmeyer: Sehr gute Analyse :daumen:

... mit Blick auf die eingeschränkte Personalauswahl und den anstehenden Gegner... :nachdenklich:
Irgendwann geht's los



Beitragvon Kohlmeyer » 18.04.2021, 14:36


Hier kommt die Taktik-Nachlese unseres gestrigen Derbysieges gegen den FCS:

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Foto: Neis/Eibner

Taktik-Nachlese zu FCK-FCS
DBB-Analyse: Matchplan, Matchglück und Matchwinner

Der 1. FC Kaiserslautern hat mit dem 1. FC Saarbrücken nicht nur seinen zweiten Lokalrivalen geschlagen. Beim vielleicht wichtigsten Sieg der Saison haben sich weitere "Spätstarter" profiliert, die im Finale entscheidend werden könnten.

Wie immer diese Saison endet, zwei Dinge wird Trainer Marco Antwerpen niemand vorwerfen können: Dass er nicht genug versucht hätte und dass er nicht zu überraschen vermochte. Und womöglich sind das genau die Eigenschaften, die seinem Vorgänger Jeff Saibene abgingen.

Am Donnerstag, in der Pressekonferenz vorm Spiel, tat Antwerpen die Frage, ob der FCK am Samstag denn auch mit Dreierkette spielen könnte, noch lächelnd mit der Bemerkung ab, dazu bräuchte er doch drei Innenverteidiger. Doch angesichts der vielen Verletzten, Angeschlagenen und dem gesperrten Alex Winkler wäre er bereits froh, wenn er zwei aufbieten könnte.

Dreierkette okay - aber zwei "Hempelcher" in der Mittelfeldzentrale?

Und was tat er? Er startete dennoch mit einer Dreierkette in dieses Derby. Zwischen Tim Rieder und Marvin Senger rückte Felix Götze, der in Lautern bislang auf der Sechs spielte, die Position ganz hinten aber auch im Portfolio hat. Insofern ist es keine Überraschung, dass diese Besetzung passte. Das eigentliche Risiko ging der Trainer im zentralen Mittelfeld ein.

Da mit Rieder auch der zweite robuste Sechser, der derzeit für einen Startelfeinsatz in Frage kommt, in die Dreierkette rückte, fanden sich in der Zentrale mit Nicolas Sessa (1,70 Meter groß) und Anas Ouahim (1,75 Meter) zwei eher schmalbrüstige Spielertypen wieder. "Hempelcher", wie der Pfälzer sagt. Wie sollten die gegen die physisch präsenten Saarbrücker bestehen?

Eine Befürchtung, die sich zunächst zu bestätigen schien. Der FCS attackierte wie erwartet früh, Lautern versuchte sich nur mit langen Bällen zu befreien, die direkt wieder beim Gegner landeten. Zehn Minuten lang schauten Sessa und Ouahim da nur hinterher. Doch dann erreichte dieses Derby seinen ersten Wendepunkt.

Einmal spielerisch durch die erste Pressinglinie - und schon steht’s 1:0

Den Betze-Buben gelang es zum ersten Mal, die erste Pressinglinie der Gäste spielerisch zu überwinden. Ausgangspunkt war Philipp Hercher. Ausgerechnet, könnte man sagen, denn als rechter Außenbahnspieler sah sich der 25-Jährige 90 Minuten lang meist dem stärksten Saarbrücker gegenüber: Marin Sverko, der ihn mehrmals schlecht aussehen ließ.

Diesmal aber fand Hercher den kurzen Passweg zu Jean Zimmer, dem sich prompt der Raum bis kurz vor den Saarbrücker Strafraum öffnete. Und den nutzte er zu einem langen Sprint mit Ball. Am gegnerischen Sechzehner angekommen, schob er diesen nach rechts zum mitgelaufenen Nicolas Sessa. "Linker Fuß", schrie ein Saarbrücker - FCS-Trainer Lukas Kwasniok? - noch ins Feld, und in der Tat nutzte Sessa diesen zu einer exakten Flanke, die Marvin Pourié nicht richtig erwischte. Daniel Hanslik dafür aber umso besser. Und schon stand es 1:0.

"Manchmal braucht man eben ein Dosenöffner", sollte der Torschütze hinterher zu Protokoll geben. Das gilt freilich nicht nur für einen nach Treffsicherheit suchenden Stürmer, sondern auch für sein komplettes Team.

Das Loblied auf Götze singt diesmal der Trainer

Danach nämlich war der FCK richtig gut im Spiel. Er hielt den Ball gegen die verzweifelt nach Linie suchenden Saarbrücker schön vom Tor weg in seinen eigenen Reihen und zeigt sich in seiner 3-4-3-Formation sehr beweglich. Der nominelle Linksaußen Hanslik etwa zog öfter in die Mitte, während Mittelstürmer Pourié den Mittelfeldspielern immer wieder entgegenkam. Sessa und Ouahim wiederum spielten ihre Ballsicherheit aus.

Und wer dirigierte das Orchester, als hätte er nie was anderes getan?

Um uns nicht dem Vorwurf auszusetzen, wir würden den Jungen zu sehr in den Himmel heben und sich das rächen könnte, überlassen wir das Lob diesmal seinem Trainer. Nach Felix Götze gefragt, antwortet Antwerpen nach dem Spiel dem SWR: "Sehr gut. Erste Halbzeit überragend. Das hab ich selten gesehen, dass ein Spieler auf dieser Position so dominiert. Vom Passspiel sehr sauber, hohe Passqualität, immer das richtige Timing, wann spiele ich den Ball ab. War schon schwer für Saarbrücken, ihn zu verteidigen."

In der 37. Minute hätte Götze seine Leistung ums Haar mit einem Treffer gekrönt, doch sein Rückraum-Geschoss strich haarscharf am linken Torpfosten vorbei.

Die starke Phase wird gebremst durch? Na klar: eine Standardsituation

Genug gefeiert. Denn ganz so glatt sollte es dann doch nicht laufen. Starke Phasen waren vom FCK in den vergangenen Wochen schon öfter zu sehen, aber wie wurden sie meist zunichte gemacht? Richtig: Durch einen Gegentreffer nach einem ruhenden Ball.

Und so geschah es auch diesmal in der 22. Minute: Anthony Barylla schlug eine Freistoßflanke von links, FCS-Kapitän Manuel Zeitz erwischte sie genau so, dass sie im Winkel des langen Ecks einschlagen konnte. Ausgleich. Einmal mehr hat sich gezeigt: Dem FCK fehlt in dieser Saison einfach ein wirkungsvoller Kopfballabräumer.

Das 2:1: Gutes Gegenpressing und schnelles Passspiel

Doch diesmal hatten die Roten Teufel außer einem Matchplan auch Matchglück. Nur zwei Minuten später bot sich die Chance, erneut zuzuschlagen. Und das war nicht nur Dusel, sondern dem energischen Auftreten Pouriés zu verdanken. Er holte sich einen Ball, den er gerade verloren hatte, direkt wieder zurück, passte zu Zimmer in die Mitte, der erneut die Übersicht behielt und abermals auf die rechte Seite hinüber legte, wo diesmal Hercher freistand. Flache Flanke vor den Fünfer, Hanslik staubt ab, 2:1.

Bis zur Pause entwickelte sich dann ein offener Schlagabtausch, in dem auch FCS-Trainer Kwasniok taktisch reagierte. Mittelfeldspieler Jayson Breitenbach musste gehen, Innenverteidiger Boné Uaferro kam in die Partie, Saarbrückens Dreierkette wurde zur Viererkette.

Der langen Bälle wegen: Nach der Pause kommt die Viererkette

Für die gleiche Neuordnung entschied sich auch Antwerpen nach der Pause. Saarbrückens Spiel sei noch stärker auf lange Bälle umgestellt worden, nach dem Sebastian Jacob eingewechselt worden sei, erklärt er den Schritt hinterher. In der Viererkette sollten die Innenverteidiger enger stehen, Felix Götze davor auf der Sechs abräumen. In der Schlussphase orderte Antwerpen seinen zentralen Defensivspieler dann noch ein weiteres Mal zurück. "Beinahe Dreierkette", war als Order über die TV-Mikros deutlich zu vernehmen.

Lange Bälle? Oh ja, davon gab’s in Hälfte zwei auf beiden Seiten reichlich zu sehen. Und der Anhang hatte gleich mehrere Herzinfarktmomente zu überstehen. Die qualitativ besseren Chancen hatten die Lautrer - die größte der eingewechselte Anas Bahhat. Doch auch Pourié und Elias Huth, der in der 70. Minute für den Mittelstürmer kam, hätten netzen können. Saarbrücken dagegen blieb fast nur nach ruhenden Bällen gefährlich.

In der Schlussphase fehlen dem FCS die Körner

Und spätestens, als sich in der Nachspielzeit der ebenfalls eingewechselte Kenny Redondo, Bakhat und Hendrick Zuck fast vier Minuten lang im linken Angriffsdrittel den Ball zuspielten, ohne dass ein Spieler der Gäste nochmal dazwischen zu hauen vermochte, wurde deutlich: Dieser Aufsteiger, der bislang eine großartige Saison gespielt hat, läuft auf der letzten Rille. Die Körner sind aufgebraucht. Beziehungsweise das Maggi, wie man im Saarland vielleicht sagt.

Diese merkwürdige Spielzeit fordert nun jedoch von allen Teams ihren Tribut. Nach den vielen Englischen Wochen, nach ihrem späten Beginn, nach den strapaziösen Geisterspielwochen zum Ausklang der vergangenen Runde, nach denen den etablierten Drittligisten keine richtige Sommerpause mit vernünftiger Regeneration möglich war. Die langen Verletztenlisten, über die viele klagen, kommen nicht von ungefähr, davon kann auch der FCK ein Lied singen.

Lauterns Vorteil im Saisonfinale: Immer mehr Spätstarter blühen auf

Für die Roten Teufel könnte allerdings zum Vorteil zu werden, dass immer mehr Spieler aufblühen, die bislang keine große Rolle spielten und daher kräftemäßig noch nicht ausgezehrt sind. Götze haben wir bereits genug gelobt. Sessa stand nach diversen starken Auftritten als Einwechselspieler gegen Saarbrücken nun das erste Mal in der Startelf - und mit Sicherheit nichts das letzte Mal.

Hanslik, bis zur jüngsten Länderspielpause fast nur zwischen Bank und Tribüne pendelnd, hat nun drei Treffer hintereinander erzielt und ist offenbar heiß auf weitere. Winterleihgabe Marvin Senger, in St. Pauli kaum gefragt, festigt sich in der Innenverteidigung zusehends. Und auch Bakhat fasst von Spiel zu Spiel besser Fuß in dieser Saison, die an dem 21-Jährigen bislang vorbeilief.

Dies alles darf durchaus zuversichtlich stimmen für den Rest des Saisonfinales, in dem der FCK nach Punkten nun zum ersten Nicht-Abstiegsrang aufgeschlossen hat. Gewonnen ist jedoch noch nichts. Die eben beschriebenen Effekte werden noch für etliche weitere Ergebniskapriolen sorgen, das Oben und Unten dürfte in dieser Liga auf den letzten Metern kaum noch eine Rolle spielen. Da ist noch alles drin, im Guten wie im Schlechten.

Doch wie sagte Marco Antwerpen nach diesem Derbysieg? "Negative Gedanken lähmen dich nur."

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2020/21: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage



Beitragvon 1:0 » 18.04.2021, 16:17


Das ist ein absolut treffender Spielbericht von Kohlmeyer, der etliche Aspekte benennt, die sich tatsächlich grundlegend geändert haben könnten.
So geändert, dass man - erstmals in dieser Saison - echten Grund zum Optimismus haben kann. Und das als Tabellen-17ter.
Das Sonderlob für unseren kreativ-mutigen Trainer ist absolut berechtigt!

Gegen Saarbrücken hatte ich das Gefühl, dass das Fußball-Glück endlich, endlich, endlich mal auf unserer Seite war. Das Können natürlich immer nur bedingt bei den vielen Chancen, die das Ergebnis auf 3:1 hätten stellen müssen.
Andererseits dachte ich zwischendurch ein paar Mal, dass die Saarbrücker gar nicht mehr wirklich an ihre Aufstiegschance glaubten und daher so "fahrig" angriffen.

Leider ist es letztlich so, dass der FCK in den letzten 4 Spielen die Punkte wiedergutgemacht hat, die er in den 5 Spielen davor sträflichst leichtsinnig den anderen gegeben hat.
Immerhin ist es hyperspannend, auch in diesen Tagen FCK-Fan zu sein.



Beitragvon Kohlmeyer » 21.04.2021, 14:04


Hier kommt unsere Taktik-Nachschau auf das Spiel im Wedau-Stadion:

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Foto: Imago Images

Taktik-Nachlese zu MSV-FCK
Die DBB-Analyse: In der Luft fehlt es an Wucht

2:2 gegen den MSV Duisburg. Wieder nur Remis, wieder stimmt die Leistung des 1. FC Kaiserslautern, wieder ist der Schiedsrichter schuld. Alles wie gehabt also? So ungefähr schon, aber auch nicht ganz.

Eines mal gleich vorweg: In den Diskussionen um zwei zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen ging eine dritte Szene ziemlich unter, nämlich die Aktion von Joshua Bitter in der 84. Minute. Der MSV-Innenverteidiger grätschte mit ziemlich ausgestrecktem Bein und ziemlich offener Sohle in Elias Huth, der eindeutig den kürzeren Weg zum Ball hatte. Eine klare Gelbe Karte eigentlich, doch die hatte Bitter bereits gesehen, so dass Duisburg das Spiel eigentlich hätte mit zehn Mann beenden müssen. Und zu diesem Zeitpunkt führte der FCK bereits mit 2:1. Die Chancen für den MSV, nochmal zurückzukommen, hätten sich mit diesem Platzverweis deutlich minimiert.

Handelfmeter und Torhüterfoul: Im Zweifel immer für Lautern

Im Vergleich der strittigen Schiedsrichterentscheidungen war diese Szene vielleicht sogar eindeutiger zu beurteilen als die beiden, über die bereits hinlänglich diskutiert worden ist. 45. Minute, Handelfmeter? Einwände wie "Aus kurzer Distanz angeschossen" und "Keine unnatürliche Handbewegung" sind menschlich verständlich, werden von den Schiris mittlerweile aber mehrheitlich nicht anerkannt, liebe Duisburger. Als relevant hat eigentlich nur zu gelten, dass Vincent Gembalies’ Hand, an die Daniel Hansliks Schuss prallte, vom Körper abstand.

Und wie sieht es mit dem angeblichen Torhüterfoul vor Marvin Sengers 2:1 in der 79. Minute aus? Huth, der es dem MSV-Keeper erschwerte, den Ball mit beiden Händen zu greifen, machte keine aktive Bewegung gegen Leo Weinkauf, stand wirklich nur herum. Schon klar, es galt mal der Satz "Im Fünfmeterraum ist der Torhüter heilig", doch als der Religion war, hat "Ennatz" Dietz noch gegen den Ball getreten. Und selbst eingedenk diesen alten Gebots stellt sich die Frage, welches Heiligtum der passive Huth da geschändet haben soll.

Schmerzhafter als jedes andere Remis - aus vielerlei Gründen

Also hat wieder mal der Schiedsrichter die Lautrer um drei Punkte gebracht? Ganz so einfach wollen wir es uns auch diesmal nicht machen. Auch wenn dieses 17. Unentschieden der Saison das schmerzhafteste war. Weil die Spiele immer weniger werden und der FCK dadurch immer noch auf einem Abstiegsplatz steht. Und weil die Betze-Buben diesmal gleich zwei Führungen verspielten - als dies zuletzt der Fall war, am 23. Januar in Dresden, haben sie sogar noch verloren, doch das ist nicht mal ein schwacher Trost.

Und weil der Ausgleich erneut in der Nachspielzeit fiel. Auch das nicht zum ersten Mal, doch in Duisburg resultierte der späte Gegentreffer nicht aus einer Standardsituation, sondern aus einem Ballverlust, vor dem der verteidigende Spieler eine klare Chance verpasste, die Situation zu klären.

Und weil die starke Phase vor dem Moment, in dem der FCK wie schon so oft den Faden verlor, diesmal die stärkste der gesamten Saison war. Und wohl auch die längste.

45 Minuten lang lief bei Lautern der Ball - und der MSV nur hinterher

Denn beinahe 45 Minuten lang kontrollierten die Roten Teufel die Duisburger, wie sie in dieser Spielzeit noch keinen Gegner zuvor kontrolliert hatten. Und gingen bereits nach elf Minuten in Führung - nach einem Angriff, der als Lehrmaterial im NLZ archiviert werden sollte:

Diagonale Spielverlagerung von Anas Ouahim auf die rechte Seite zu Philipp Hercher. Ablage auf Jean Zimmer, der den Doppelpass direkt durch die Gasse spielte. Flache Hereingabe Herchers in die Mitte, so gut getimt, dass Daniel Hanslik in den Ball hineinlaufen konnte. So werden Tore gemacht.

Dem hatte der MSV nichts entgegenzusetzen. Lautern stand wie schon am Samstag gegen Saarbrücken in einem beweglichen 3-4-3, lediglich für Nicolas Sessa hatte FCK-Trainer Marco Antwerpen den defensiv stärkeren Carlo Sickinger im zentralen Mittelfeld aufgeboten. Der sicherte ab, wenn Nebenmann Anas Ouahim bei Ballbesitz nach vorne marschierte. Vorne pendelte Marvin Pourié immer wieder mal aus dem Zentrum aus, um dem nominellen Linksaußen Hanslik Platz zu machen.

Bouhaddouz setzte nach 30 Minuten das Warnsignal - übersehen?

Einziges Manko dieses starken Auftritts: Im Duisburger Strafraum passierte eher wenig. Und als nach etwa einer halben Stunde ein Geschoss von MSV-Stürmer Aziz Bouhaddouz abgefälscht wurde und ans Alu klatschte, war dies als deutliches Warnsignal zu vernehmen: Ein Fehler - und der Gegner wäre wieder im Spiel. Wie schon so oft in dieser Saison.

Gleichwohl beißt keine Maus daran den Faden ab: Hätte der Schiedsrichter den berechtigten Handelfmeter vor der Pause gepfiffen, der FCK wäre wohl mit einer absolut angemessenen 2:0-Führung in die Kabine gegangen. Für die Duisburger wäre es doppelt schwer geworden, danach nochmal zurückzukommen.

So aber durften sie in der 55. Minute ihr Erweckungserlebnis feiern. Ein Eigentor, ausgerechnet von dem Mann, der in den jüngsten Spielen überragte: Felix Götze. Also haben wir ihn doch zu hoch gejubelt?

Eigentor Götze: Vorsicht mit Schuldzuweisungen

Doch auch mit der Kür der Sündenböcke sollte man es sich nicht zu einfach machen. Avdo Spahic klatschte Bouhaddouz’ Kopfball aus kurzer Distanz gegen Götzes Schienbein, so dass der schon höllisch gut hätte reagieren müssen, um das Malheur noch zu verhindern. Und davor gewann Bouhaddouz das Kopfballduell gegen Tim Rieder viel zu leicht. Sicher, der weitgereiste Marokkaner ist mit seinen 1,88 Metern ein echter Brocken und ein Könner in Sachen Körpereinsatz. Aber auch Rieder ist kein Hänfling und ein gestandener Abwehrmann. Da sollte mehr gehen.

In dem Zusammenhang sei auch gleich der zweite Sündenbock des Abends abgehandelt. Ja, vor dem 2:2-Ausgleich hatte Elias Huth die Chance, den Ball zu sichern und nach vorne zu spielen, ehe er ihn sich von Moritz Stoppelkamp abjagen ließ. Aber auch das muss festgehalten werden: Kraftpaket Kamavuaka hatte es viel zu leicht, Stoppelkamps Flanke mit dem Kopf zu verwerten, er hatte nämlich nur den ziemlich schmächtigen Kenny Redondo gegen sich, der in 57. Minute für Jean Zimmer gekommen war.

Eine Szene, die einmal mehr das Manko verdeutlicht, das der FCK-Kader dieser Saison generell aufweist: Es fehlen Typen mit physischer Präsenz, die ihre Pfunde gerade in solchen Momenten des Spiels in die Flugbälle wuchten.

Umstellung auf 4-4-2 fruchtete diesmal nicht so gut wie gegen Saarbrücken

Weshalb kam der MSV in Hälfte zwei so viel besser ins Spiel als in den ersten 45 Minuten? Vielleicht war’s tatsächlich nur das Erweckungserlebnis des Ausgleichs, das dieser Gegner brauchte, um zu zeigen, dass er stärker ist, als sein 13. Tabellenplatz es aussagt. Vielleicht lag’s aber auch daran, dass die Umstellung von 3-4-3 auf 4-4-2, die Marco Antwerpen zu Beginn der zweiten Hälfte vornahm, diesmal nicht so gut fruchtete wie noch am Samstag gegen den FCS.

Wenn, dann kann dies aber nicht an der gewählten Ordnung an sich gelegen haben, sondern daran, dass das Personal ihr weniger gut gefolgt ist. Denn eigentlich erlaubt ein 4-4-2 ja viel besser, die Flügel zu doppeln. Doch eben da setzten sich die Duisburger zusehends stärker durch, vor allem auf der rechten Seite, mit Ahmet Engin und immer wieder Kamavuaka.

Unterm Strich war es ein Unentschieden, dessen Ergebnis sehr weh tut, das aber erneut gezeigt hat: Einstellung und Leistung dieses FCK-Teams stimmen jetzt. Was freilich nichts daran ändert: Es ist allerhöchste Zeit, dass diese Leistungen mit weiteren Punkten belohnt werden.

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2020/21: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage



Beitragvon Wil Hegermeister » 21.04.2021, 17:13


Kohlmeyer hat geschrieben:In dem Zusammenhang sei auch gleich der zweite Sündenbock des Abends abgehandelt. Ja, vor dem 2:2-Ausgleich hatte Elias Huth die Chance, den Ball zu sichern und nach vorne zu spielen, ehe er ihn sich von Moritz Stoppelkamp abjagen ließ. Aber auch das muss festgehalten werden: Kraftpaket Kamavuaka hatte es viel zu leicht, Stoppelkamps Flanke mit dem Kopf zu verwerten, er hatte nämlich nur den ziemlich schmächtigen Kenny Redondo gegen sich, der in 57. Minute für Jean Zimmer gekommen war.

Da bin ich völlig bei dir. Ballverluste kommen vor, aber von dort an der Außenlinie - nicht mal im 10er-Raum - muss nicht zwangsläufig ein Tor fallen.
Aber wenn ich mir das 2:2 anschaue, dann ist es vor allem Senger, von dem ich hoffen und erwarten würde, dass der nicht zukuckt, wie Redondo hoch geht, sondern selbst seinen Körper und den 1-2 Meter Anlauf mit voller Wucht und Entschlossenheit reinhaut und den Ball rausköpft.

Edit: ein 1,90 Typ muss einfach den Anspruch haben, so einen Ball ohne Rücksicht auf Mit- oder Gegenspieler zu klären - insbesondere in der Nachspielzeit. Muss er lernen....
Wir denken nur noch von Grätsche zu Grätsche!



Beitragvon FCK-Aussenstelle Zürich » 21.04.2021, 21:24


@Wil Hegermeister:
Grundsätzlich schon. Aber Senger war am Ende total platt. Der hat sich durch die beiden letzten Spiele, die letzten 15 Minuten geschleppt. Ich denke auch, dass uns das freie Wochenende nach dem Haching Spiel am meisten hilft. Sessa, Götze und der hier so viel gescholtene Kraus werden in den letzten Spielen brutal wichtig sein.



Beitragvon Kohlmeyer » 25.04.2021, 15:12


Hier kommt unsere Taktik-Analyse zum emotionalen 3:2-Heimerfolg gegen Haching:

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Foto: Neis / Eibner

Taktik-Nachlese zu FCK-Haching
Die DBB-Analyse: Pourié, Götze und der Riss im Spiel

Müsste diese Analyse nur die ersten 60 Minuten des FCK-Spiels gegen die SpVgg Unterhaching behandeln, würde sie zu einem Loblied ausarten. Doch trotz des 3:2-Sieges am Ende verlor der 1. FC Kaiserslautern in Hälfte zwei wieder den Faden. Warum?

Wie fast alle schwierigen Fragen im Fußball lässt sich auch diese nicht eindeutig beantworten. Zwei Treffer hatte der FCK nach einer Stunde bereits erzielt, dazu etwa ein halbes Dutzend guter Torgelegenheiten herausgespielt, aber auch ausgelassen. Wofür fast ausnahmslos Marvin Pourié verantwortlich zeichnete.

Das Bittere, vielleicht aber auch Tröstliche daran ist: Kein Fehlschuss des Stürmers resultierte aus Unvermögen. Antizipation und technische Ausführung von Pouriés Torversuchen stimmten, nur stand mal das Alu, mal der stark reagierende Hachinger Keeper Jo Coppens im Weg. Und mal mochte das Ding einfach nicht reingehen, so läuft das in so einem Torjägerleben halt manchmal. Muss man eben durch.

Pouriés Elfer: Nervensache - angesichts dieser Vorgeschichte erst recht

Und womöglich war es ja diese Erkenntnis, die Pourié das Selbstvertrauen bewahrte, sich auch nach diesen Fehlschüssen noch in der 83. Minute den Ball zu schnappen und auf den Punkt zu legen, nachdem Schiedsrichter Sören Storks Elfmeter für Lautern gepfiffen hatte. Beim Stand von 2:2 und auch eingedenk der Tatsache, dass er bereits im Januar im Verl einen vielleicht spielentscheidenden Elfer verschoss. Angesichts einer solchen Vorgeschichte dennoch anzutreten, muss wohl das, von dem Oliver Kahn mal sagte, dass Fußballer es brauchen, ungefähr in Melonengröße voraussetzen.

Aber: Diesmal war der Elfer drin. Grübeleien, was wohl gewesen wäre, hätte Pourié erneut nicht getroffen, erübrigen sich damit. Nicht mal FCK-Trainer Marco Antwerpen hatte zusehen wollen.

Vor dem 3:2 war Haching nah am Siegtreffer

Dennoch: Wie ist zu erklären, was in den ungefähr 25 Minuten zuvor geschehen war? Lautern hatte ein bis dahin stark geführtes Spiel vollkommen abgegeben. Der eingewechselte Boipelo Mashigo und der mittlerweile bei Haching aufgeschlagene FCK-Zögling Niclas Stierlin hatten bereits Riesenchancen vergeben, die knappe 2:1-Führung zu egalisieren. Mittelstürmer Stephan Hain, dem bis dato kaum etwas gelungen war, hatte schließlich getroffen. Und kurz vor Pouriés Elfer entschärfte FCK-Keeper Avdo Spahic einen Gewaltschuss Moritz Heinrichs, der auch schon den 1:1-Ausgleich markiert hatte.

"Wir können uns vor allem auch bei Avdo bedanken, dass wir gewonnen haben. Den halten in dieser Liga nicht viele", vergaß auch Jean Zimmer nicht, in seinem Statement nach der Partie den Torhüter ausdrücklich zu loben. Wie zerknirscht und auch nach eigener Aussage unzufrieden der Kapitän dabei wirkte, obwohl es doch ein Happy End zu feiern gab, spricht Bände. Vielleicht ist es aber auch ein gutes Zeichen dafür, dass die Mannschaft sich anscheinend nichts vormacht. Wer einen Tabellenletzten mit so viel Mühe niederringt, ist noch lange nicht gerettet, auch wenn er jetzt wieder über den berühmten Tabellen-Strich gesprungen ist. Der Vorsprung beträgt allerdings nur zwei Punkte - bei einem noch auszuspielenden Nachholspiel von Uerdingen sowie dem noch bevorstehenden Montagsspiel der Bayern-Amateure.

Vor dem Bruch: Van Lent wechselt dreimal, Antwerpen nur einmal

Aber nochmal: Was war nach 60 Minuten geschehen, was einen solchen Bruch im FCK-Spiel verursachte? Haching-Trainer Arie van Lent hatte gleich drei Mal gewechselt, unter anderem einen zweiten Stürmer gebracht, den 1,95-Meter-Tank Dominik Stroh-Engel. Also die Sorte Klotz, der die Lautrer schon mehrmals in der Saison Punkte gekostet hat. Aber können ein paar Umstellungen und der Respekt vor einem 35-Jährigen eine Mannschaft derart verunsichern?

Interessant in diesem Zusammenhang: Marco Antwerpen hatte im Gegensatz zu den Spielen zuvor diesmal eben nicht nach einer Stunde schon mindestens drei Mal gewechselt. Das hatte bereits zu der Annahme führte, es seien die eigenen Wechsel, die den Spielfluss abreißen lassen, weil von der FCK-Bank gegenwärtig nichts qualitativ Gleichwertiges nachkommt. Schon unter der Woche gegen Duisburg hatte der FCK nach einer solchen Wechselphase den Faden verloren, zuvor auch schon gegen Saarbrücken, gegen Zwickau und Halle.

Diesmal aber ging nur einer - und das nach 66 Minuten. Der, zugegeben, zurzeit aber der wichtigste Mann im Lautrer Spiel ist: Felix Götze. Was ihn so wichtig macht, hat Marco Antwerpen auf der Pressekonferenz am Freitag dargelegt.

Der Götze-Plan hat mit Sickinger ein neues, gut passendes Puzzleteil

Die im Spiel gegen Saarbrücken erstmals vorgenommene Umstellung von Vierer- auf Dreierkette in der Abwehr diene beispielsweise dazu, Götze die Möglichkeit zu geben, sich dem Gegner zu entziehen, in dem er sich aus dem Mittelfeld in die letzte Reihe fallen lässt. Denn auch die Wettbewerber wüssten mittlerweile um die hohe gestalterische Qualität des 23-jährigen Leihspielers aus Augsburg. Lübeck etwa habe ihn zuletzt sogar in Manndeckung genommen. Perspektivisch solle sich Götze noch freier zwischen Mittelfeld und Abwehrreihe verschieben, "in fließenden Abläufen", erklärte der Trainer.

Auch auf diesem Weg waren die Roten Teufel in ihren starken ersten 60 Minuten gegen Haching ein gutes Stück vorangekommen. Pouriés erste große Torgelegenheit nach nur sechs Minuten etwa hatte ihm Götze aufgelegt, nachdem er aus seiner defensiven Position bis in den gegnerischen Strafraum marschiert war.

Abgesichert wurde er bei diesem sowie bei weiteren Vorstößen von Sechser Carlo Sickinger, der ebenfalls als Mittelmann in einer Dreierkette agieren kann - und somit ein ideal passendes, neue Puzzleteil in Antwerpens Götze-Plan darstellt. Gut, dass auch er sich in diesem Saisonfinale nach Verletzung gerade noch rechtzeitig fit zurückgemeldet hat.

Die aufrückenden Außenbahnspieler werden ebenfalls immer stärker

Unbedingt erwähnt werden muss an dieser Stelle ein weiterer positiver Nebeneffekt, den die Umstellung auf Dreierkette brachte - und der hat mit Götze nichts zu tun. Die Außenverteidiger schieben sich bei Ballbesitz weit nach vorne. Rechts wächst Philipp Hercher mit Jean Zimmer zu einem echten Dream-Team zusammen. Wie schon in Duisburg hebelte ein Steckpass Zimmers auf den durchstartenden Hercher die gegnerische Abwehr aus. Und diesmal legte Hercher nicht auf, sondern vollstreckte selbst zum Führungstreffer nach 32 Minuten.

Und auf der anderen Seite? Durfte Adam Hlousek für den erkrankten Hendrick Zuck ran. Und musste von Lauterns Co-Trainer Frank Döpper mehrmals lautstark aufgefordert werden, sich so energisch nach vorne zu schieben, wie der neue Matchplan es vorsieht. Mit Erfolg: In der 36. Minute köpfte Hlousek das 2:1.

Das Problem: Beim Druck rausnehmen geht die Kontrolle verloren

Aber zurück zum roten Faden dieser Analyse. Soll es jetzt tatsächlich ausschließlich an der Auswechslung Götzes gelegen haben, dass der FCK dieses Spiel beinahe nochmal aus der Hand gab? Wäre das nicht ein bisschen zu viel Personenkult?

Wär’s auch. Aber unerheblich ist es nun einmal auch nicht. So, wie auch Arie van Lents Einwechslungen und Umstellungen ihren Beitrag leisteten. Entscheidender ist jedoch ein anderer Aspekt: Die Mannschaft schafft es nicht, die Kontrolle zu behalten, wenn sie nach pressingintensiven Phasen einen Gang zurückschalten will. Und auch muss, denn keine Mannschaft vermag 90 Minuten lang so weit vorne in geschlossener Formation zu attackieren, wie die Roten Teufel es sich unter Antwerpen angeeignet haben.

Auch das Gegenpressing - also das direkte Zurückerobern eines weit vorne verlorenen Balles - klappt zunehmend besser. Aber es kostet eben auch Kraft. Und die will nun einmal klug eingeteilt werden in der finalen Phase dieser Saison, erst recht in Englischen Wochen.

Immer dran denken: Auch in Haching schlummern noch gute Gene

Und selbst wenn dies gerne als billige Ausrede abgetan wird: Auch die Gegner in dieser Liga haben nun einmal ihre Qualität, dieser sogenannte Tabellenletzte sowieso. Nicht umsonst zählte Haching jahrelang zu den spielerisch stärksten Teams der Liga, setzte dabei immer wieder zu Höhenflügen an, die die Münchner Vorstädter ebenso regelmäßig wie vorübergehend vom Aufstieg träumen ließen. So ein bisschen was von dieser DNA ist auch im aktuellen Team durchaus noch enthalten.

Wie Haching so tief hat fallen können? Das können wir beim besten Willen nicht auch noch analysieren.

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2020/21: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage



Beitragvon 1:0 » 25.04.2021, 17:40


Warum der FCK nach 60 Minuten die Kontrolle verlor?
Ja, Götze's Auswechslung mag die ganze Mannschaft verunsichert haben.
Noch mehr zählt, so denke ich, der Trend: Der FCK versemmelt die meisten Torchancen und führt einfach nie mal 2:0 oder 3:0.
Somit ist bei einer 1-Tore-Führung irgendwann die Pressing-Kraft weg und das berühmte "Gang-Zurückschalten" gerät zur Zitterpartie. Das vielzitierte Stichwort Nervenschwäche.
Unsere Auswechselbank dürfte richtig schlecht besetzt sein.
Das Alles wiederrum wissen sämtliche Gegner und lachen sich viel zu häufig ins Fäustchen. :nachdenklich:



Beitragvon MarcoReichGott » 26.04.2021, 10:39


Wir hatten schon die ersten SPiele unter Antwerpen das Problem, dass wir nach der Verletzung von Sickinger gegen Ingoldstadt keinen Zugriff mehr im Mittelfeld bekommen haben. Erst mit der Genesung von Götze kam dann der Aufschwung.

Meiner Meinung nach verteidigen wir unter Antwerpen im hinteren Drittel einfach mannschaftlich katastrophal schlecht. Antwerpens Fußball ist offensiver Angriffsfußball, das Pressing erfolgt sehr weit vorne. Dafür braucht man zum einen die Luft für 90 Minuten, aber vor allem braucht man im zentralen Mittelfeld 2 überragende Leute wie Götze und Sickinger. Fehlt da dann ein Mosaik-Stein, dann bricht der gesamte Zugriff aufs Spiel zusammen, denn taktisch ist das einfach nur derbst schlecht. Wir schaffen es weder defensiv die Außen zu doppen, wodurch immer wieder 1 vs 1 Situationen entstehen und die Angreifer flanken schlagen können noch verschieben und halten wir die Linien vernünftig.

Ich weiß einfach nach wie vor nicht, ob wir uns mit Antwerpen da wirklich so den Gefallen getan haben. Wir gehen körperlich völlig auf dem Zahnfleisch, weil wir einen enormen Aufwand betreiben müssen für vergleichsweise mickrige Punkte. Wenn ich mir da Titz oder Dotchev mit hren 1,9er Punktenschnitten mit Magdeburg und Duisburg anschaue, dann frag ich mich doch, ob man mit nem Mittelfeld mit Götze, Zimmer, Sessa und Ouahim wirklich mit so einem krassen Aufwand nur nen 1,3er Schnitt schaffen kann.

So sehr mich das auch begeistert, wenn Antwerpen da einen Angriffsfußball auspackt und wir den Gegner einschnüren: So ein paar Saibene-Phasen zwischendurch, in denen wir einfach mal defensiv stabil stehen und von hinten kontern können, würde dazu führen, dass ein Götze und Co auch noch 20 Minuten länger durchhalten würden.



Beitragvon Schulbu_1900 » 26.04.2021, 12:49


MarcoReichGott hat geschrieben:
Ich weiß einfach nach wie vor nicht, ob wir uns mit Antwerpen da wirklich so den Gefallen getan haben.


Ohne MA hätten wir nach jedem Spieltag min 500-600 Kommentare nach den Spielbeiträgen, wären noch downer wie down, würden uns gegenseitig zerfleischen, wie sch.. doch alles ist, ein neuer Schuldiger müsste her, die nächste Sau würde durchs Dorf getrieben werden, vermutlich Subba Maggus.

Ansonsten hast Du die Systemumstellung gut beschrieben. Es gilt aber jetzt die Klasse zu halten, danach Mund abputzen und eine stabile IV zum offensiven System aufbauen.
MA tut der Truppe ja augenscheinlich gut...
"Home, sweet home." JZ 12.01.2020 :love:
"Es ist eine Ehre für mich, Trainer des FCK zu sein" SH 06.12.2018



Beitragvon Chrisss » 26.04.2021, 17:36


MarcoReichGott hat geschrieben:Ich weiß einfach nach wie vor nicht, ob wir uns mit Antwerpen da wirklich so den Gefallen getan haben. Wir gehen körperlich völlig auf dem Zahnfleisch, weil wir einen enormen Aufwand betreiben müssen für vergleichsweise mickrige Punkte. Wenn ich mir da Titz oder Dotchev mit hren 1,9er Punktenschnitten mit Magdeburg und Duisburg anschaue, dann frag ich mich doch, ob man mit nem Mittelfeld mit Götze, Zimmer, Sessa und Ouahim wirklich mit so einem krassen Aufwand nur nen 1,3er Schnitt schaffen kann.


Hmm, also so ganz fair ist die Bewertung nun ja auch nicht. Mit Götze und Sessa spielen wir ja jetzt nicht schon die ganze Rückrunde seit Antwerpen. Hinzu kommt, dass ich einfach mal behaupte, dass es extrem schwer ist, während der Runde ein komplettes Spielsystem aufzuziehen – letztlich haben wir sicher min. 4 zu wenig aus den letzten sechs Spielen, aber nicht durch mangelnden Zugriff (obwohl ich da stellenweise bei dir bin), sondern hergeschenkt in den letzten Aktionen.

Auf der Formtabelle sind wir aktuell 5. bei den letzten sechs Spielen (1,8 PpS). So schlecht stehen wir nicht da und ich glaube, dass Antwerpen, wenn man ihm die Zeit lässt, auch die von dir angesprochenen Probleme anspricht und behebt. Ich glaube, Antwerpen ist "80 %", und damit sollten wir nach den ganzen Schommers, Frontzecks, Saibenes und Hildmanns einfach mal zufrieden sein. Denn das hat gezeigt: Es geht VIEL schlechter.



Beitragvon JG » 27.04.2021, 09:23


Man sollte weiterhin das Problem eines oder gar zweier guter IV nicht aus dem Auge verlieren.
Eine Dreierkette, die ich im Grunde moderner finde, braucht auch zwei starke Innenverteidiger. Und die fehlen dem FCK weiterhin.

Senger macht dass schon wirklich gut und könnte in diese Position reinwachsen, ist aber auch leider nur ausgeliehen.

Rieder...ehrlich gesagt bin ich von ihm enttäuscht. Schon auf der "6" ein Bremsklotz im Spiel ist er als IV allenfalls biederer Durchschnitt. Verliert zu viele entscheidende Zweikämpfe, spielt mehr zurück als nach vorne und bringt dadurch auch immer wieder den nicht gerade fußballerisch starken Spahic in Bedrängnis.

Kraus ist zwar kopfballstärker als Rieder, aber auch nicht mehr als ein durchschnittlicher 3.Liga IV.

Götze als zentraler Spieler dieser Dreierkette ist eigentlich nicht austauschbar. Daher auch der Bruch im Spiel ab seiner Auswechselung. Am ehesten Sickinger könnte dass noch ersatzweise spielen.

Fazit: Götze darf nicht aus dem Spiel genommen werden. Ein Dilemma wenn er konditionell noch nicht in der Lage ist 90min zu gehen. :?:



Beitragvon Schulbu_1900 » 28.04.2021, 15:22


@JG
Stimme Dir soweit zu. Leider läuft auch der Vertrag von Carlo aus, ich würde mir wünschen er verlängert.
Auch er hat unter MA spielerisch nochmal zugelegt.
MA wird den Einsatz von FG schon richtig dosieren, verletzt nützt er gar nichts.



Beitragvon JG » 29.04.2021, 08:10


@Schulbu_1900:
Ja, Götze und Sickinger zu verlieren wäre fatal. Da hat Hengen ordentlich was zu tun...



Beitragvon Nickthequick030 » 29.04.2021, 09:07


@JG:
Ja, aber so wird es kommen. Beide werden gehen, da bin ich mir 100% sicher.
Aber...was Mut macht ( wenn der Klassenerhalt gelingt)
- man sieht dass Leihspieler irre schnell zünden können
- offenbar auch den Kampf annehmen (können)
- es vielleicht garnicht unbedingt diese lange Eingliederungszeit brauch
- Sie bei uns Einsatzzeiten bekommen

Letztendlich ist unsere halbe Startelf geliehen. Vielleicht können wir das auch für die kommende Saison zu unseren Pfund machen und bekommen starke Leihspieler.
Ist nicht Fussballromantisch, kann aber auch funktionieren.



Beitragvon kl_trott » 29.04.2021, 11:05


Nickthequick030 hat geschrieben:Letztendlich ist unsere halbe Startelf geliehen. Vielleicht können wir das auch für die kommende Saison zu unseren Pfund machen und bekommen starke Leihspieler.
Ist nicht Fussballromantisch, kann aber auch funktionieren.


Dass das funktionieren kann, sah man ja auch an unserem letzten Bundesliga-Aufstieg. Da hatten wir, meine ich, auch eine Menge Leihspieler.

Auf der anderen Seite hast Du natürlich das Problem, das wir jetzt haben. Normalerweise müsste man sagen: Ok, die Truppe hat sich (endlich) gefunden, jetzt musst du sie zusammen halten und punktuell verstärken wie bspw. mit herausragenden Innenverteidigern und natürlich U23-Spielern, die genug Qualität mitbringen um Feuer zu machen.
Mit den auslaufenden Verträgen und den Leihspielern ist es dagegen wieder so, dass der x-te Komplettumbruch zu befürchten ist und beim Weihnachtswichteln hat dann wieder keiner 'ne Ahnung, was er seinem Kollegen da einpacken soll..



Beitragvon Kohlmeyer » 05.05.2021, 15:45


Hier kommt unsere Taktik-Analyse zum 0:3 auf Giesings Höhen:

Bild
Foto: Imago Images

Taktik-Nachlese zu 1860-FCK
Die Löwen spielten wie die Teufel ... spielen sollten

Null zu Drei: Der 1. FC Kaiserslautern ist gegen hungrige, hoch pressende Löwen ohne Chance - was gibt’s da noch zu analysieren? Fragen wir mal so rum: Wie hatte sich der FCK-Trainer den Auftritt seiner Truppe eigentlich vorgestellt?

Marco Antwerpen begann diesmal gleich mit einer Vierer- statt wie zuletzt mit einer Dreierkette. Das leuchtet ein: Mit zwei echten Außenverteidigern sollte das bekannt starke Flügelspiel der Münchner gebremst werden. Und, zumindest in Ansätzen war’s zu erkennen, gegen den Ball wollten auch die Roten Teufel mit ihren drei Stürmern früh attackieren.

Wobei für kurze Zeit sogar eine interessante Variante des zuletzt üblichen Lautrer Pressing-Stils zu erkennen war: Die Flügelstürmer Jean Zimmer und Anas Bakhat rückten den gegnerischen Innenverteidigern auf die Pelle, Mittelstürmer Marvin Pourie ließ sich fallen und sollte wohl den kurzen Pass in den Sechserraum verhindern. Und wenn sie ihrerseits unter Druck gerieten, wollten die Betze-Buben nicht bolzen, sondern sich gepflegt freispielen.

Alt, aber immer noch wahr: Zum Spiel geht’s über den Kampf

Ein fein ausgedachter Matchplan also. Vor allem ganz schön ehrgeizig für einen Abstiegskandidaten, der bei einem Aufstiegsaspiranten antritt. Aufgegangen ist er keine Sekunde. Warum?

Weil sich auch im elektronisch durchanalysierten Fußball des 21. Jahrhunderts die einfachste aller Wahrheiten nicht wegdiskutieren lässt: Der Weg zum Spiel führt über den Kampf. Kein FCK’ler führte ein direktes Duell mit der Intensität und Leidenschaft, die sein Gegenspieler an den Tag legte. Schon von der ersten Minute an regnete es scharfe Flanken in den Strafraum der Gäste. Und wenn es denen mal gelang, die erste Pressinglinie zu überspielen, führte die Aktion danach sofort wieder zu Münchner Ballbesitz.

Die Verzweiflungsgeste Felix Götzes, die schon nach wenigen Minuten zu sehen war, als er auf der Sechser-Position mal einen kurzen Moment lang den Ball führte und eine Anspielstation weiter vorne suchte, spricht Bände. Bezeichnend auch, dass Götze, zuletzt Dreh- und Angelpunkt, sich diesmal mit zunehmender Spieldauer Ballverluste erlaubte, die sonst nicht von ihm zu sehen sind.

Die Gegentore: Das Wie macht wütend

Besonders ärgerlich ist jedoch, wie die Gegentore fielen: Eben nicht aus dem Flankengewitter des Gegners resultierend, auch nicht in Folge seines aggressiven Pressings. Sondern so, wie sie auch ein Kellerkind der Liga nicht kassieren darf.

Das 1:0 durch den feinfüßig lupfenden Richard Neudecker fiel nach einem Konter, dessen Ausgangspunkt ein Eckball des FCK (!) war. Vor dem 2:0 schlug Merveille Biankadi einen langen Ball in die Schnittstelle zwischen linkem Innenverteidiger und linkem Verteidiger. Das 36-Jährige Tor-Phänomen Sascha Mölders durfte annehmen, allein aufs Tor zulaufen und wurde von Keeper Matheo Raab elfmeterreif gelegt.

Übrigens die einzige Szene, in der die Unerfahrenheit des 22-Jährigen deutlich zum Ausdruck kam. Raab war kurzfristig für den erkrankten Avdo Spahic zwischen den Pfosten gerückt. Es soll sich aber keiner wagen, den Jungen zum Sündenbock zu machen: Speziell in dieser Szene war das Abwehrverhalten von Marvin Senger und Adam Hlousek das größere Problem.

Vor dem 3:0 eroberten sich die Sechzger den Ball nicht etwa durch scharfes Pressing, sondern trugen einen Angriff gegen eine FCK-Hintermannschaft vor, die eigentlich genug Zeit hatte, sich zu ordnen. Okay, Linksverteidiger Philipp Steinhart hatte zusätzlich Glück, dass sein Torschuss abgefälscht wurde. Geschenkt.

Rieder schwächelte erneut - Wie wär’s mal mit Kraus?

Welche Erkenntnisse diese bayerische Watschn den Lautrern für den kommenden Samstag bescheren sollte, wenn es gegen den Tabellennachbarn aus Uerdingen geht? Die Löwen haben ungefähr so gespielt, wie es Marco Antwerpens Idealvorstellung vom Spiel seiner Roten Teufel entsprechen dürfte. Insofern war es eine gute Lehrstunde, die man sich in der Spielvorbereitung gerne noch einmal anschauen kann. Die FCK-Kicker sollten sich nur nichts von der eigenen Darbietung abschauen.

Zudem auffallend: Tim Rieder, eigentlich einer von der körperlich robusten Sorte, hat nun schon im dritten Spiel hintereinander unmittelbar vor einem Gegentreffer einen Zweikampf verloren, der eigentlich über die Physis zu gewinnen gewesen wäre: In Duisburg gegen Aziz Bouhaddouz, gegen Haching gegen Moritz Heinrich und nun gegen Merveille Biankadi vor dem 0:1. Vielleicht sollte sich der Trainer mal daran erinnern, dass er mit Kevin Kraus und Alex Winkler noch zwei Innenverteidiger im Kader hat, die mal wieder auf einen Startelf-Einsatz brennen.

Nach Redondo scheiterte auch Bakhat in der Hanslik-Rolle

Zudem fehlte dem Trainer mit Daniel Hanslik im zweiten Spiel nacheinander nicht nur der Stürmer, der in den drei Partien davor vier Treffer erzielte - auch die Variante, aus der heraus Hanslik erfolgreich war, funktioniert seither nicht mehr. Hanslik spielte keinen klassischen Linksaußen, sondern einen, der immer wieder ins Zentrum einpendelte, wo Mittelstürmer Pourié ihm den Weg freimachte.

Kenny Redondo, der Hanslik zuletzt gegen Unterhaching vertrat, war diesmal gar nicht im Kader. Möglicherweise ja, weil die Trainer mit seinem Auftritt nicht zufrieden waren. Während der Haching-Partie jedenfalls waren bereits mehrfach harsche, kritische Worte von Co-Trainer Frank Döpper in Redondos Richtung zu vernehmen. In München nun versuchte sich Anas Bakhat in der Rolle des Hanslik-Vertreters - und erwies sich ebenfalls als keine glückliche Lösung. Falls Hanslik bis Samstag nicht wieder fit wird: Wie wär’s mal mit Elias Huth als "falschem" Linksaußen?

Hatte dieses Team tatsächlich schon wieder einen "Dämpfer" nötig

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis: Dass die Trauben an der Grünwalder Straße hoch hängen würden, war vorher schon klar. Und ein Punkt hätte den Druck, gegen Uerdingen gewinnen zu müssen, auch nicht groß minimiert. Eine stärkere Leistung, unter Umständen sogar verbunden mit einer knappen Niederlage, wäre natürlich besser fürs Selbstvertrauen gewesen. So bleibt die Hoffnung, die Kapitän Jean Zimmer nach dem Spiel äußerte: Dass es "ein Dämpfer zur rechten Zeit" war.

Allzu viel nachdenken sollte man über diesen Satz aber nicht. Denn: Ging es diesem FCK-Team - nach sechs Spielen ohne Niederlagen, aber immer noch nur zwei Zählern Abstand zu einem Abstiegsrang - tatsächlich schon wieder so gut, dass es einen "Dämpfer" brauchte?

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2020/21: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage



Beitragvon Kohlmeyer » 09.05.2021, 13:04


Und hier kommt unsere DBB-Analyse, die den gestrigen 4:1-Sieg nochmal etwas genauer unter die Lupe nimmt:

Bild
Foto: Neis / Eibner

Taktik-Nachlese zu FCK-KFC
Die DBB-Analyse: FCK erst harsch, dann Hercher


In der ersten Hälfte stark, in der zweiten nur noch zweckmäßig - so darf Abstiegskampf auch mal sein. Nach dem 4:1 gegen den KFC Uerdingen lässt gar nicht mal das Tabellenbild, sondern der Auftritt des 1. FC Kaiserslautern aufatmen.

Dass es nach dem ernüchternden 0:3 bei 1860 München Änderungen in der Startelf der Lautrer geben würde, war klar. Dass es sich dabei nicht nur um absehbare Neuerungen handeln würde, darf bei einem Trainer wie Marco Antwerpen zumindest erwartet werden. Und in der Tat: Der Coach enttäuschte in dieser Beziehung auch diesmal nicht.

Avdo Spahic rückte wieder zwischen die Pfosten - das etwa war abzusehen. Nach Oberschenkelproblemen übernahm Daniel Hanslik wieder den zuletzt von Anas Bakhat ausgefüllten Part auf der linken Offensivposition in der 3-4-3-Grundformation - war ebenfalls zu erwarten. Der wiedergenesene Hendrick Zuck rückte für Adam Hlousek auf die linke Außenbahn - wissen wir schon länger, dass Antwerpen Zuck auf dieser Position klar bevorzugt. Anas Ouahim lief für Nicolas Sessa auf - das ließ schon eher aufhorchen, war aber auch keine wirkliche Überraschung.

Kraus als Mittelmann in der Dreierkette - aus Respekt vor Kiprit?

Für die sorgte ein Wechsel in der Abwehrreihe: Kevin Kraus kehrte ebenfalls in die Startelf zurück, aber nicht, wie von uns unlängst gemutmaßt, für den zuletzt fehlerbehafteten Tim Rieder, sondern für Marvin Senger. Restlos erstaunten aber die Umstellungen, die damit einhergingen: Kraus agierte als Mittelmann in der Dreierkette, Carlo Sickinger gab den linken Innenverteidiger, Rieder den rechten, Felix Götze spielte vom Start weg im Mittelfeld.

Nicht der spielerisch, sondern der körperlich stärkste Mann als zentraler Mann in der letzten Linie - welche Überlegung da dahintergesteckt haben mochte? Vielleicht der Respekt vor Muhammed Kiprit, dem Mittelstürmer des KFC? Der 21-Jährige war die mit Abstand stärkste Offensivkraft der Krefelder - und dürfte wohl deren begehrtester Mann auf dem Transfermarkt werden, wenn sie am Ende der Saison die Liga verlassen. Was an diesem Nachmittag sehr wahrscheinlich geworden ist.

Mehr Pech als Unvermögen: Der Gegentreffer nach sechs Minuten

Kraus sah dann erst einmal schlecht aus, als Uerdingen bereits nach sechs Minuten den Führungstreffer markierte. Erst wehrte er am Fünfmeterraum eine Flanke zu kurz und direkt vor die Füße Fridolin Wagners ab, dann lenkte er dessen Schuss auch noch an die Torlatte, von wo das Leder wohl schon hinter die Linie sprang und von Kiprit endgültig ins Tor gedrückt wurde. Das aber darf eher unter "Pech" als unter "Fehler" verbucht werden. Denn wichtig ist, was hinten rauskommt, wie ein dicker Bundeskanzler einmal sagte. Und das war ein überzeugendes 4:1 für Lautern. Also muss nicht jede Umstellung auf ihre Sinnhaftigkeit hinterfragt werden.

Mit Sickinger den spielerisch stärksten Abwehrmann links in die Dreierkette zu stellen, zahlte sich zumindest vor dem 3:1 aus. Da setzte der 23-Jährige von seiner Position aus zu einem diagonalen Lauf in den Zehnerraum an, passte auf Philipp Hercher, der wiederum Marvin Pourié seinen ersten Treffer aus dem Spiel heraus seit dem 3. April auflegte.

Der Tag des Philipp Hercher - und das fast immer mit Zimmer

Überhaupt Hercher: Es war sein Tag. Den Ausgleich zuvor hatte er selbst markiert. Als er, der rechte "Schienenspieler", plötzlich halblinks am Uerdinger Strafraum auftauchte und Hansliks kurzes Zuspiel annahm. Vorausgegangen war ein vorbildliches Gegenpressing Götzes, der einen von der KFC-Hintermannschaft abgefangenen langen Ball direkt zurückeroberte und auf Hanslik abspielte.

Was ebenfalls belegt, wie hellwach und druckvoll die Lautrer auf den frühen Gegentreffer reagierten. Zuvor hatte schon Pourié zwei Chancen verpasst, den Rückstand zu egalisieren. Dennoch dauerte es nur acht Minuten, bis dieser endgültig vergessen war.

Das Lautrer Führungstor bereitete Hercher im Zusammenspiel mit seinem längst liebgewonnenen Partner auf der rechten Seite vor: Jean Zimmer. Der steckte mustergültig durch, Hercher flankte diesmal flach in den Rückraum, von wo Götze dann sein erstes Tor im FCK-Dress erzielte und sich für seine seit Wochen starke Leistung entlohnte.

Hälfte zwei ereignisarm - bis auf Zucks 4:1

In der zweiten Hälfte demonstrierte der FCK, dass er mittlerweile nicht nur ansehnlich Fußball spielen, sondern auch mal rein zweckmäßig agieren kann. Die Elf ließ die Uerdinger konsequent das machen, was sie am wenigsten können: das Spiel nämlich. Lautern zog sich weit zurück, der KFC zeigte zeitweise gar nicht mal schlecht organisiertes Angriffspressing, brachte unmittelbar vor Gegners Tor aber gar nichts zustande.

Die Lautrer übten sich derweil im spielerischen Befreien aus den Drucksituationen, was aber nur im Ansatz gut aussah. Auch vor Uerdingens Tor geschah nicht mehr viel, es sei denn, das dynamische Duo Zimmer/Hercher leitete mal was in die Wege. Das mag nicht der Fußball sein, den man am "Betze" sehen will, im Abstiegskampf muss aber auch mal knallharter Pragmatismus angesagt sein.

Und ein Highlight gab’s ja doch noch zu sehen: Zucks 4:1, vor dem sich der linke Flügelmann selbst in die In den KFC-Strafraum wurstelte, dann Zimmer anspielte, der das Leder cool zurückgab und Zuck einschießen ließ.

Ende gut, alles gut? Die Schwäche bei hohen Bällen bleibt

Zuvor hatte Antwerpen ordentlich durchgewechselt, unter anderem Senger für Ouahim gebracht, um die Viererkette zu stärken, zu der er mittlerweile zurückgekehrt war. Da auch Pourié und Hanslik raus mussten und mit Elias Huth der letzte echte Stürmer im FCK-Team verletzt ausgefallen war, durfte sich in den Schlussminuten Kenny Redondo in der Spitze als eine Art Kreisläufer versuchen.

Unterm Strich ist es nicht das Tabellenbild, das aufatmen lässt, sondern die Art, wie diese Mannschaft sich präsentiert hat: geordnet, mental stabilisiert und doch spielfreudig. So kann auch in den verbleibenden beiden Partien noch gepunktet werden. Es ist - beinahe - geschafft.

Was bei aller Freude dennoch in Erinnerung bleiben sollte: Wie die Lautrer Defensive in Hälfte eins wirklich nach jedem Flugball der Krefelder, meist nach einer Ecke, ins Schwimmen kam - das war haarsträubend. Da muss was geschehen, wenn das Sommertransferfenster öffnet. Unbedingt.

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2020/21: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage



Beitragvon FCK-Aussenstelle Zürich » 09.05.2021, 18:49


FCK erst harsch, dann Hercher

Mein lieber Kohlmeyer, da hast mal ein Kalauer raus gehauen. :lol:



Beitragvon Schulbu_1900 » 10.05.2021, 07:00


Gute Analyse.... :D
Hercher hat immer mal wieder, auch schon links ein gutes Spiel gezeigt. Den Lauf derzeit gönne ich Ihm.
Auch beeindruckend , wie fähig die Truppe ist Anweisungen umzusetzen Bsp. das umstellen der Dreier auf Viererkette. Respekt MA ! Was die Truppe leisten kann ist schon beeindruckend, erschreckend das die letzten beiden Übungsleiter das nicht annähernd verstanden haben. Scheinbar geht's nicht ohne Druck und klare Vorgaben.
"Home, sweet home." JZ 12.01.2020 :love:
"Es ist eine Ehre für mich, Trainer des FCK zu sein" SH 06.12.2018




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