Interview mit Aufsichtsratskandidat Jochen Grotepaß

"Ich will zeigen, dass es auch anders geht"


Jeder regelmäßige Besucher von Mitgliederversammlungen und anderen vereins­politischen Veranstaltungen kennt Jochen Grotepaß. Im Interview erklärt der 60-jährige IT-Experte, was er im Aufsichtsrat des FCK gerne ändern würde.

Der Betze brennt: Jochen Grotepaß, warum muss sich im Aufsichtsrat des 1. FC Kaiserslautern etwas ändern?

Jochen Grotepaß (60): Leider ist der Aufsichtsrat in der Vergangenheit seinen satzungsgemäßen Pflichten nicht immer nachgekommen. Darüber hinaus wurde in den vergangenen Jahren das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit dieses zweithöchsten Vereinsgremiums ziemlich ramponiert. Die Verwendung der Betze-Anleihe, die Verwendung des Verkäuferdarlehens, der Umgang mit Kritikern, all diese Dinge - und noch vieles mehr - wurde immer erst dann eingestanden, wenn es nicht mehr zu verhindern war. Man hat die Mitglieder im Grunde genommen hinters Licht geführt obwohl es klar war, dass die Informationen, die vom Vorstand auf den Jahreshauptversammlungen gegeben wurden, nicht den Tatsachen entsprachen. Somit war der Aufsichtsrat Erfüllungsgehilfe von Geldverschwendung bei gleichzeitiger Mitgliedertäuschung. Völlig abgesehen von der desaströsen Außendarstellung der vergangenen zwölf Monate. Es wird Zeit, dass hier wieder Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Transparenz Einzug hält.

Der Betze brennt: Stellen Sie sich doch bitte kurz vor: Welche beruflichen Erfahrungen und welche persönliche Verbindung zum FCK qualifizieren Sie für ein Amt im zweithöchsten Vereinsgremium?

Grotepaß: Als geschäftsführender Gesellschafter einer kleinen Software- und Beratungsfirma habe ich in den letzten 29 Jahren so manche Höhe, aber auch etliche Tiefen durchlebt. Da meine Firma unter anderem auch eine Finanzbuchhaltungssoftware mehrere Jahre entwickelt und gewartet hat, die bei großen Unternehmen zum Einsatz kamen, lernte ich das Einmaleins eines Jahresabschlusses - neben meiner kaufmännischen Ausbildung - in der Praxis. Deshalb habe ich mich seit meiner Mitgliedschaft immer sehr intensiv mit den Jahresabschlüssen des FCK auseinandergesetzt. Ich denke, kaum jemand sonst hat diese Datendichte außer mir.

Daneben war ich gewähltes Mitglied im Satzungsausschuss und bin jetzt wieder Mitglied im Arbeitskreis Ausgliederung. Hier sind die rechtlichen und wirtschaftlichen Zusammenhänge von wesentlicher Bedeutung. Diese Kenntnisse empfinde ich als einen großen Teil der notwendigen Qualifikation für das Amt im Aufsichtsrat.

"Man kann nur etwas bewegen, wenn man miteinander spricht"

Der Betze brennt: Als Vertreter des bundesweiten Fanbündnisses "Unsere Kurve" sind Sie regelmäßig im Austausch mit DFB, DFL, Politikern und Fans anderer Vereine. Wie blicken diese Gesprächspartner auf den FCK - und noch wichtiger: Welche Erfahrungen aus diesen Runden könnten Sie im FCK-Aufsichtsrat mit einbringen?

Grotepaß: Zuletzt gab es von anderen Personen aus diesen Gremien meist nur Mitleidsbekundung und die Bitte, doch endlich wieder "nach oben" zu kommen und nicht abzusteigen. Am schmerzhaftesten sind diese "im Grunde würde ich lieber gegen euch als gegen die Plastikclubs Leipzig, Hoffenheim, Leverkusen oder Wolfsburg spielen", wenn sie von dem derzeit einzigen Verein aus Rheinland-Pfalz kommen, der in der ersten Liga spielt.

Welche Erfahrung aus diesen Runden für den FCK-Aufsichtsrat von Vorteil sein können, lässt sich im Voraus nicht wirklich beschreiben. Was man aber dabei lernt ist, dass die Vereine nicht immer ehrlich sind, wenn es um die Information in Richtung Fans geht. Daneben ist eben wesentlich, dass man nur etwas bewegen kann, wenn man miteinander spricht. Also ist Ausdauer auch ein Element, was man mitbringen sollte. Das denke ich habe ich schon. Rückwirkend auf die Zeit des Satzungsausschusses bezogen denke ich, dass Verhandlungen und zähes Nachfassen beziehungsweise zum Teil auch Beharren auf bestimmten Standpunkten wichtig waren, um am Ende eine gute Satzung für den Verein zu bekommen.

Der Betze brennt: Im Diskussionsforum von Der Betze brennt sind Sie unter dem Nickname "JochenG" aktiv und nicht nur dort als jemand, der bei vereinspolitischen Themen gerne den Finger in die Wunde legt. Wie wichtig sind kritische Nachfragen für einen Verein wie den FCK?

Grotepaß: Kritisches Nachfragen führt, bei ehrlicher Beantwortung, zur Vertrauensbildung. Ohne das Hinterfragen von Sachverhalten kommt es zu Vertrauensmissbrauch. Hätten die vergangenen Aufsichtsräte ihre Aufgabe ernsthaft wahrgenommen, müsste ich nicht auf der Mitgliederversammlung aufstehen und kritische Fragen stellen. Das Vertrauen in die Vereinsführung - also Vorstand und Aufsichtsrat - ist bei mir seit 2010 arg beschädigt. Informationen im Jahresabschluss sind hinterfragbar. Wenn diese Fragen jedoch ausweichend oder falsch beantwortet werden, führt das zu weiterem Misstrauen. Damit wird das notwendige Vertrauensverhältnis zwischen Vereinsführung und Mitgliedern aus meiner Sicht zerstört. Nicht jeder versteht komplexe Zusammenhänge sofort. Es ist aus meiner Sicht die Aufgabe der Vereinsführung, auf Nachfragen diese Zusammenhänge einfach und präzise zu erläutern. Nicht mit 250 Powerpoint-Folien und auch nicht mit betriebswirtschaftlichen Buzz-Words. In einer einfachen, verständlichen Sprache. Ehrlich und klar. Das muss ich in meinem Berufsumfeld jeden Tag machen und erwarte es auch von den Personen an der Spitze des Vereins. Wenn nicht, stelle ich kritische Fragen.

"Wer mich kennt weiß, dass ich als Ausgliederungs-Kritiker gelte"

Der Betze brennt: Zwei miteinander verknüpfte Diskussionen sind zurzeit die geplante Ausgliederung und der Einstieg von Investoren. Wie stehen Sie - nicht zuletzt als Mitglied des Arbeitskreis Ausgliederung - zu diesem Themenkomplex, was die Notwendigkeit, den Zeitplan und die konkrete Umsetzung angeht?

Grotepaß: Jeder, der mich ein wenig kennt, weiß, dass ich als "Ausgliederungs-Kritiker" gelte. Von daher gehe ich natürlich, auch als Mitglied des Arbeitskreis Ausgliederung, sehr kritisch mit der derzeit vorangetriebenen Ausgliederung um. Das Thema "Investor" sehe ich derzeit noch nicht wirklich. Denn der aktuelle Terminplan für die Ausgliederung hat im Grunde noch gar keine Zeit dafür. Deshalb ist schon die Frage gestattet, warum man denn dann jetzt so schnell macht. Ich denke, ohne hier Geheimnisse preiszugeben, dass die Aussage "Wenn Sie mal die Bilanz gelesen hätten, wüssten Sie, dass wir keine Zeit mehr haben" die aktuelle Situation recht treffend umschreibt. Ist es tatsächlich so, dass wir ohne Ausgliederung in einer Lizenzkrise sind? Wenn dem so ist, was hilft uns die Ausgliederung und Investor? Daneben gibt es auch noch einige offene Punkte im Arbeitskreis Ausgliederung. Das alles empfinde ich derzeit mit einer sehr heißen Nadel gestrickt. Ich habe da meine Bedenken, ob das alles wirklich bis ins Detail durchdacht ist. Erinnerungen an die Betze-Anleihe 2013 werden da in mir wach.

Der Betze brennt: Der noch amtierende Aufsichtsrat versuchte im Kalenderjahr 2017 zwei Mal, einen Sportvorstand zu installieren, scheiterte jedoch mit beiden Anläufen. Wie stehen Sie zu dieser Frage: Braucht der FCK mehr Sportkompetenz - und zwar "ganz oben" im Vorstand?

Grotepaß: Wir brauchen unbedingt einen Sportvorstand. So schnell wie möglich. Wir sind ein Fußballverein und der größte Posten im Etat wird durch "Sport" verwaltet. Was auch immer den Aufsichtsrat im vergangenen Jahr veranlasst hat, einen Vorstand für Marketing aber keinen für Sport einzustellen, ist mir heute noch ein Rätsel. Alleine, wer soll denn die disziplinarische Führung für den installierten Sportdirektor - egal ob aktuell oder vergangen - übernehmen? Die beiden Vorstände verstehen, so ihre eigenen Aussagen, nichts vom Sport. Wer soll da also kontrollieren? Der Aufsichtsrat? Das wäre ein Eingriff ins operative Geschäft, da der Sportdirektor unterhalb der Vorstände angesiedelt ist. Ein aus meiner Sicht klarer Fehler des aktuellen Aufsichtsrates. Völlig losgelöst von irgendwelchen undichten Stellen, die hier und da einen Sportvorstand verhinderten.

Der Betze brennt: In den letzten Jahren ist beim FCK auf allen Ebenen ein rückläufiger Zusammenhalt spürbar - obwohl genau das den Verein früher so stark gemacht hat. Was würden Sie als Aufsichtsratsmitglied tun, um das Wir-Gefühl und das Miteinander wieder zu stärken?

Grotepaß: Als wichtigster Punkt sehe ich die "Vertrauensbildenden Maßnahmen". Regelmäßige Treffen mit Mitgliedern, in denen in einer Frage- und Antwortrunde ohne zeitliches Limit kritische Fragen gestellt werden, die wirtschaftliche Situation ehrlich und nachvollziehbar erläutert und am Ende dadurch das "Interpretieren" von Informationen aus "sicheren Quellen" einfacher und besser zu machen. Davon abgesehen, sollte man sich sowieso außerhalb der Mitgliederversammlungen sehr viel öfter unterhalten.

Aus meiner Sicht, auch das ist ein Anliegen von mir seit Jahren, ist natürlich die Einführung einer Fanabteilung ein weiterer Baustein. Dort können sich dann die Mitglieder einbringen, die dem Verein ehrenamtlich weiter helfen wollen. Es gibt zahlreiche Vereine die das praktizieren.

Nochmal, ganz wesentlich für die Verbesserung der Fankultur bei uns in Kaiserslautern ist es, miteinander zu sprechen. Nur dadurch werden Hemmnisse abgebaut. Das ist eine Lektion, die ich in der Arbeit mit der DFL und auch den Gesprächen auf politischer Ebene und mit der Polizei gemacht habe.

"Wir brauchen keine abgehobenen Traumtänzer"

Der Betze brennt: Wie sieht für sie der perfekte Aufsichtsrat aus - sowohl was die Zusammensetzung der fünf Personen angeht als auch ihre Arbeitsweise in dem Gremium?

Grotepaß: Der perfekte Aufsichtsrat besteht in meinen Augen aus fünf Persönlichkeiten, die sich im wirtschaftlichen Umfeld auskennen. Jeder hat sein Einkommen und muss sich niemanden gegenüber "beweisen". Es geht einzig und alleine darum, den FCK aus dieser extremen Krise herauszuholen. Persönliche Interessen stehen im Hintergrund. Die fünf Aufsichtsräte sollten die Grundtugenden dieses Vereins beherrschen. Ehrlichkeit, Geradlinigkeit und Bodenständigkeit. Wir brauchen keine abgehobenen Traumtänzer.

Der Betze brennt: In der letzten Frage bitten wir Sie noch mal um eine prägnante Zusammenfassung: Warum sollten die FCK-Mitglieder Ihnen am 03. Dezember ihre Stimme geben?

Grotepaß: Ich bitte die Mitglieder des 1. FC Kaiserslautern um ihre Stimme für mich, weil ich mir sehr gut vorstellen kann, dass mit meinem Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge, meiner Erfahrung mit komplexen Strukturen und meiner Freude an Kommunikation vieles, was in den letzten Jahren verloren gegangen ist, wieder zurück erlangt werden kann.

Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Mitglieder wahrheitsgemäß informiert werden. Dass Ausgaben hinterfragt werden, als sei es mein eigenes Geld. Sollte ich einmal Dinge nicht auf Anhieb verstehen, lasse ich sie mir erklären. Nach soviel Kritik an der Führung des Vereins fühle ich mich gefordert zu demonstrieren, dass es auch anders geht.

Der Betze brennt: Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg für die Wahl!

Autor: Thomas

Weitere Links zum Thema:

- Komplette Interviewserie: Die Kandidaten zur Aufsichtsratswahl am 03. Dezember 2017

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