Im Blickpunkt: Fanversammlung im Fritz-Walter-Stadion

Keine Einigkeit beim Sicherheitskonzept

Keine Einigkeit beim Sicherheitskonzept


Am Mittwochabend fand auf dem Betzenberg die vierte turnusmäßige Fanversammlung statt. Themenschwerpunkte waren dabei das DFL-Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ und allgemein die Stimmung im Stadion.

- Fotogalerie: Vierte Fanversammlung im FCK-Medienzentrum

Abseits aller Transfers und Gerüchte gibt es rund um den Betzenberg auch noch andere Themen, die den Beteiligten auf dem Herzen liegen und in den letzten Monaten für hitzige Emotionen sorgten. Aus diesem Grund fanden sich am Mittwoch, den 30. Januar 2013 rund 150 Anhänger des 1. FC Kaiserslautern im Medienzentrum des Fritz-Walter-Stadions ein, um über das DFL-Konzept, die Fanproteste, das weitere Vorgehen und allgemein die Atmosphäre bei Heim- und Auswärtsspielen zu sprechen.

Den ersten Teil der Veranstaltung, an dem auch die Vorstandsmitglieder Stefan Kuntz und Fritz Grünewalt teilnahmen, bildete eine Diskussionsrunde zum DFL-Papier „Sicheres Stadionerlebnis“. Zunächst trug Kuntz noch einmal die Chronologie der Ereignisse und seine (bereits bekannten) Argumente für die Zustimmung des FCK zum Sicherheitskonzept vor. Es folgte eine konträre, aber dennoch sachliche Debatte mit den anwesenden Fans, die die Meinung der Funktionäre zu diesem Thema nach wie vor nicht teilen. Emotional wurde es nur einmal, als der ganze Saal höhnisch auflachte aufgrund einer Aussage von Finanzvorstand Grünewalt: „In Düsseldorf (beim Relegationsspiel mit Pyrotechnik und Platzsturm; Anm. d. Red.) sind Sachen passiert, die es vorher so nicht gegeben hat.“ Dieses Argument war ebenso schnell entkräftet wie die angemerkten - aber in Wirklichkeit gar nicht vorhandenen - Verletzten bei jenem Spiel, das die große Sicherheitsdebatte im Mai 2012 mit ausgelöst hatte.
„Ich wollt' das Ding net haben“

„Es gibt keine Gerechtigkeit“, zeigte Stefan Kuntz eine pragmatische Sicht der Dinge und sagte weiter: „Ich wollt' das Ding (das neue Sicherheitskonzept; Anm. d. Red.) net haben.“ Auf die obligatorische Nachfrage, warum der FCK-Vorstand dem Konzept dann trotzdem vollumfänglich zugestimmt habe, antwortete Kuntz letzten Endes mit dem Verweis auf die Solidargemeinschaft der Fußballvereine. Es komme immer wieder zu Abstimmungen innerhalb der DFL, sei es zur Verteilung der Fernsehgelder, zur 50+1-Regel oder eben zu Fan-Themen - hier seien der FCK und der Fußball insgesamt auf Zusammenhalt angewiesen. Die Vereine hätten auf einen politischen Druck reagieren müssen, „den wir in seiner Wirkung unterschätzt haben“.

Zuvor hatten die Fans bereits die Argumentation abgelehnt, dass sich am Betzenberg nichts ändern werde und dass alles gar nicht so schlimm sei - man habe das Sicherheitskonzept gegenüber dem ersten Entwurf schließlich stark nachgebessert, so Kuntz. Die Anhänger entgegneten, dass den 17 Heimspielen in Kaiserslautern eben auch 17 Auswärtsspiele entgegen stehen, in denen künftig mit Vollkontrollen oder Ticketreduzierungen gerechnet werden müsse. Nach rund zweistündiger Diskussion hatten beide Seiten immer noch keine wirkliche Übereinstimmung gefunden. Kuntz verdeutliche noch einmal, dass er aufgrund des politischen Drucks keine andere Möglichkeit als die Verabschiedung des Sicherheitspapiers gesehen habe: „Wir haben versucht, aus der Situation das Beste zu machen.“ Zum Schluss des ersten Tagesordnungspunktes verabschiedete sich der Vorstandsvorsitzende in Vorschau auf die Rückrunde mit einem Wunsch und Aufruf zugleich: „Wir freuen uns auf die gute Betze-Stimmung.“

„Niemand hat die Absicht, einen Container zu errichten“

Im zweiten Teil der Veranstaltung diskutierten die Fans untereinander, nachdem die beiden Vorstandsmitglieder den Presseraum verlassen hatten. Für die dreigeteilte FCK-Fanbetreuung waren dabei anwesend Sebastian Scheffler (Fanvertretung), Christoph Schneller (Fanbeauftragter) und Werner Bohl (Fanbeirat). Die anderen gewählten Fanvertreter waren aus beruflichen Gründen verhindert, wie Scheffler entschuldigend ausführte, weil der Versammlungstermin erst kurzfristig festgelegt worden sei.

Einleitend wurden die drei überregionalen Fan-Initiativen „Unsere Kurve“, „Pro Fans“ und „12doppelpunkt12“ vorgestellt, ehe erneut das DFL-Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ thematisiert wurde. Die genannten Initiativen - in denen auch Anhänger aus Kaiserslautern mitarbeiten - möchten dem ein eigenes Konzept namens „Fanfreundliches Stadionerlebnis“ entgegenstellen und mit entsprechenden Forderungen in die Gespräche mit der DFL gehen.

Hierzu werden bundesweit, aber auch lokal Ideen gesammelt, die in Lautern bei der Fanbetreuung eingereicht werden können. In den nächsten Tagen soll darüber informiert werden, an wen genau sich die FCK-Gemeinde mit ihren Ideen für ein „fanfreundliches Stadionerlebnis“ wenden kann. In einem ersten Brainstorming wurden am Mittwochabend Themen wie Anstoßzeiten, Eintrittspreise, Fanutensilien, Stadionverbote, Imbiss-/Getränkekosten oder Kennzeichnungspflicht für Polizisten und Ordner zusammengetragen.

Den Sorgen der Fans in Hinblick auf die beschlossenen Repressionsmöglichkeiten seitens der DFL versuchte ebenso wie zuvor schon Stefan Kuntz der FCK-Fanbeauftragte Christoph Schneller zu relativieren: „Bei uns gibt es keine Absicht, einen Container zu errichten.“ Das zu dieser Aussage gehörende Thema „Vollkontrollen“ hatte nicht nur im Rahmen der Sicherheitsdebatte, sondern auch beim Lautrer Auswärtsspiel bei Union Berlin für Ärger gesorgt. Nach Aufklärung der Vorwürfe und Vorfälle von Anfang Dezember informierte Schneller darüber, dass ein FCK-Fan sich an der Alten Försterei am Stadioneingang unangekündigt entkleiden musste. Der 1. FC Union sei diesem nicht vom Verein veranlassten Vorfall nachgegangen und habe im Nachgang drei dafür verantwortliche Mitarbeiter des Ordnungsdienstes entlassen. In Zukunft sollen schärfere Kontrollen bei den Berlinern nur noch mit Vorankündigung stattfinden, höchstens das Ausziehen von Schuhen und Jacke oder Pulli beinhalten und unter Aufsicht des Fanbeauftragten des Gastvereins durchgeführt werden.

Zukunftsthema: Stimmung im Stadion

Zum Abschluss der vierten Fanversammlung im Fritz-Walter-Stadion sprachen die Anwesenden noch kurz allgemein über das Thema Stimmung bei FCK-Spielen. Nach über drei Stunden Diskussion war zu diesem Zeitpunkt aber schon die Luft etwas raus, so dass es zunächst bei der bloßen Erwähnung von Kritikpunkten blieb. Verbesserungsbedarf wurde in den Wortmeldungen einzelner Fans beispielsweise zum Einsatz der Megaphonanlage in der Westkurve und allgemein beim Thema Vorsänger (Liedauswahl, Singsang usw.) vorgetragen. Als Lösungsansätze zum Finden eines größtmöglichen Konsens wurde die Gründung einer Projektgruppe oder die Fortsetzung des vor einem Jahr begonnenen „Dialog Stimmung“ in den Raum geworfen.

Nach fast vier Stunden endete schließlich die vierte turnusmäßige Fanversammlung im Fritz-Walter-Stadion. Das angeschnittene Thema Stimmung wird den FCK-Anhang in den kommenden Monaten ebenso weiter begleiten wie die Konzepte zum sicheren bzw. fanfreundlichen Stadionerlebnis. Die nächste Fanversammlung ist voraussichtlich für die Sommerpause geplant, dann stehen auch die alle zwei Jahre stattfindenden (Neu-)Wahlen der Fanvertretung auf der Tagesordnung.

Autor: Thomas

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