Spielbericht: SC Freiburg - 1. FC Kaiserslautern 2:0

Es reicht nicht für mehr


Chancenlos im Breisgau. Mit 0:2 verliert der 1. FC Kaiserslautern beim Aufstiegsanwärter Freiburg und muss wieder einmal anerkennen: Für das obere Tabellendrittel reicht es diese Saison nicht. Lob verdienen sich die FCK-Fans.

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Es war das Thema der letzten Tage. Wen würde Konrad Fünfstück gegen den SC Freiburg in die Startelf beordern? Schließlich fehlten dem Coach drei wichtige Säulen. Der 35-Jährige entschied sich für eine offensive Variante. Alexander Ring kam auf der rechten Verteidigerposition zu seiner Pflichtspielpremiere. Sascha Mockenhaupt füllte die Lücke in der Innenverteidigung und Kacper Przybylko stürmte neben Jon Dadi Bödvarsson. Für den Deutsch-Polen rückte Mateusz Klich zurück ins zentrale Mittelfeld.

Eben jener Klich stand nach wenigen Minuten im Fokus. Etwas ungelenk verlor er den Ball vor dem eigenen Tor und machte es dem Freiburger Nicolas Höfler damit leicht, seinen zweiten Saisontreffer zu erzielen. Keine zehn Minuten gespielt und sich schon wieder durch einen individuellen Fehler in Schwierigkeiten gebracht – im Gästeblock wollte sich manch einer schon entnervt dem Ausgang zuwenden.

Und es wurde nicht besser. Abgeklärt, routiniert, immer wieder aggressiv attackierend spielte der Sport-Club Freiburg die Minuten runter und konnte es sich sogar leisten, Nils Petersen, mit 16 Treffern immerhin der beste Zweitligatorschütze, auf der Bank zu lassen. Einen Nachteil hatten die Breigauer dadurch nicht. Wie ein warmes Messer durch Butter zerschnitten die Gastgeber regelmäßig die FCK-Abwehr. Fanden sie den Weg mal nicht, verhalf ihnen die Defensive der Roten Teufel durch haarsträubende Abspiel- oder Stockfehler zu Möglichkeiten.

Erst nach einer halben Stunde vor dem gegnerischen Tor

Entsprechend mies zeigte sich – zu diesem Zeitpunkt! – die Stimmung bei den rund 2.200 mitgereisten FCK-Anhängern, die sich ins undankbare Gästerechteck auf der Osttribüne und drumherum quetschten. Das Spiel der eigenen Mannschaft gab allerdings auch keinerlei Grund für euphorischen Support. Trotz offensiverer Ausrichtung gelangte der FCK erst nach einer halben Stunde vor das Tor von SCF-Keeper Alexander Schwolow.

Zur Halbzeit stellte Fünfstück um: Jean Zimmer rückte auf die rechte Außenverteidigerseite, Alexander Ring auf die Doppelsechs in zentrale Mittelfeld, während Mateusz Klich als dritte, hängende Spitze agierte. Korrekturen, die wohl Zeit in Anspruch nahmen, denn die Roten Teufel ließen lange auf sich warten. Einige Minuten stand der SCF alleine auf dem Rasen, ehe auch die in weiß spielenden Lauterer zurückkehrten. Waren es taktische Kniffe, die besprochen wurden? Oder schwor sich das Team noch einmal gegenseitig ein? Was auch immer es war, zwei Minuten später wurde es zunichte gemacht.

Wieder ein individueller Fehler, diesmal von Marius Müller, ließ die Hausherren auf 2:0 erhöhen. Einen haltbaren Flachschuss ließ der Keeper einfach durch die Beine über die Linie rutschen. Bitter, ärgerlich für den FCK, vor allem aber für Müller selbst, der sich die Wiederholung seines Fauxpas mehrmals unter dem Hohngelächter des Freiburger Publikums auf der Leinwand in verschiedenen Einstellungen ansehen musste.

Auswärtsspiel ist, was du draus machst

Und auf der Gegenseite? Dem Pfälzer Anhang reichte das Gesehene aus… um die Party zu starten. Laut, wild und chaotisch feierte der Lauterer Anhang sich, seine Farben und den FCK. Mal wurde der Waldhof besungen, dann – schließlich war es kalt und die Umstände verlangten nach Bewegung – drehte ein Großteil des Blocks dem Rasen den Rücken zu oder ließ das Schwarzwaldstadion durch Hüpfeinlagen erbeben. Schalparaden und Gesänge, Anfeuerungsrufe und Klatscheinlagen, der Gästeblock übernahm die Stimmungshoheit.

„Unsere Fans“, sagte Konrad Fünfstück nach dem Spiel. „haben uns heute super unterstützt.“ Der Anhang habe, sagte der Coach, ein Gespür gehabt, dass man heute unterlegen sei und deshalb die Mannschaft trotzdem nicht ausgepfiffen. Einige Spieler, darunter der sehr bedrückt wirkende Kacper Przybylko, blieben nach dem Spiel noch lange vor dem Gästeblock stehen. Auch Tim Heubach fand lobende Worte für die Fans, die die Mannschaft mit „Olé Rot-Weiß“-Gesängen verabschiedeten, ehe sie sich ohne Punkte im Gepäck auf dem Heimweg machten. Für mehr reichte es einfach nicht.

Mein Spieler des Spiels: Nur zwei oder drei Spieler hätten Normalform gezeigt, sagte Chris Löwe. Tatsächlich präsentierte sich aber die komplette FCK-Truppe äußerst schlecht. Aufgrund des tollen Supports trotz widriger Umstände verdienen sich deshalb die rund 2.200 FCK-Fans diese Auszeichnung.

Was sonst noch auffiel: Freiburgs Fans gelten nicht gerade als gewaltbereit und problematisch. Insofern nicht verwunderlich, aber trotzdem schön zu sehen, wie SCF- und FCK-Fans nach Abpfiff und abends in der Stadt Seit‘ an Seit‘ ein Bier trinken oder sich über das Spiel austauschen konnten.

Autor: paulgeht

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