Spielbericht: 1. FC Kaiserslautern - FC St. Pauli 1:2

In Erinnerung an die Festung Betzenberg


Ein dunkles Kapitel in der Vereinsgeschichte: Der FCK ist Letzter der Heimtabelle. In der zweiten Liga. Gegen St. Pauli sahen die Fans mal wieder eine Mischung aus Pech und Unvermögen, gleichzeitig fehlten Selbstvertrauen und Cleverness.

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Man muss gar nicht Real Madrid und den FC Barcelona rauskramen, die hier abgeschossen wurden. Auch nicht die Bayern und alle anderen. Oder dass hier, auf dem Betzenberg, in den 90er Jahren komplette Saisons ohne eine einzige Heimniederlage absolviert wurden. All das ist lange her, würden manche Rosarotebrillenträger dann erwidern. Nein, auch ein Blick in die jüngere Vergangenheit reicht schon aus: Letzte Saison waren die Roten Teufel zusammen mit Darmstadt 98 die beste Heimmannschaft der Liga (nur eine Niederlage), die beiden Jahre davor war die Bilanz ähnlich positiv.

Und heute? Heute steht der 1. FC Kaiserslautern nach der Hinrunde auf dem letzten Platz der Heimtabelle. Und die Gegner heißen nicht mehr Bayern München oder Borussia Dortmund. Nein, der FCK spielt jetzt in der 2. Bundesliga.

Zweite Liga! Letzter Platz!

Dass das Team von Konrad Fünfstück die negative Heimserie auch gegen den FC St. Pauli nicht beenden konnte, hatte an diesem Nikolaussonntag verschiedene Gründe, die vor der verheerenden Heimbilanz aber allesamt in den Hintergrund rücken.

Pech – etwa als Chris Löwe sich am Ende einer Fehlerkette den Ball ins eigene Netz drosch anstatt hinaus (0:1 3. Minute) oder als Lukas Görtler im Strafraum gefoult wurde und doch nur Freistoß bekam.

Unvermögen – etwa als Kacper Przybylko die Riesenchance zum Ausgleich versiebte oder ganz allgemein bei den unzähligen Fehlpässen in die Spitze. Ebenso beim 0:2 durch Thy (56.), der sich gegen vier Abwehrspieler plus Torwart durchsetzen konnte.

Zu wenig Selbstvertrauen – wenn der eingewechselte Manfred Osei Kwadwo (20 Jahre, bisher 22 Zweitligaminuten) für die meiste Aufregung sorgt, dann ist eigentlich alles gesagt. Auch am Lautrer Anschlusstreffer, einer langgezogenen Flanke von Daniel Halfar, war der quirlige „Manniiiiii“ per Vorlage beteiligt.

Fehlende Cleverness – wie es richtig geht, zeigte der FC St. Pauli, aber nur soweit erforderlich. Umso bitterer klingen die Worte von Ewald Lienen nach dem Spiel: „Das war fußballerisch kein Leckerbissen, wo wir unbedingt stolz drauf sind.“

Nein, die Partie gegen St. Pauli war sicher nicht das schlechteste FCK-Spiel dieser Saison. Aber gut war es dafür noch lange nicht. Zum Abschluss der Hinrunde scheint es tatsächlich so, als ob die Saison für die Roten Teufel schon gelaufen ist. Nach oben geht nichts mehr (13 Punkte Rückstand auf das Führungsduo Freiburg und Leipzig) und nach unten gibt es noch genug andere unkonstante Teams als Puffer. Quo vadis, FCK?

„Letzter in der Heimtabelle?“ antwortete der verblüffte Ewald Lienen mit einer Gegenfrage auf die Frage eines Journalisten, der ihn mit der verheerenden Zwischenbilanz des FCK konfrontierte. Jener Lienen, der in den letzten 40 Jahren selbst so viele Schlachten in diesem Stadion geschlagen hatte, und dabei so oft den Kürzeren zog.

Der Betzenberg – sogar in der zweiten Liga nur noch eine Legende? So kann es nicht weitergehen!

Mein Spieler des Spiels: Keiner.

Was sonst noch auffiel: Das Lob für die Fans von Konrad Fünfstück, der von Gänsehautmomenten sprach, war ziemlich übertrieben. Aber die knapp 30.000 Zuschauer honorierten die Versuche ihrer Mannschaft, die in der Statistik die besseren Werte vorweisen konnte als der Gegner, und trieben die Roten Teufel mehrfach nach vorne. Nach dem Spiel gab es aufmunternden Applaus und kaum Pfiffe aus der Westkurve. Auf der anderen feierten die 2.000 mitgereisten Fans von St. Pauli ihr auf Platz 3 zurückgeklettertes Team und ihren Trainer.


(Screenshot: bundesliga.de)

Autor: Thomas

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