Spielbericht: Union Berlin - 1. FC Kaiserslautern 2:0

Willkommen in der Krise

Die beste Aktion der 90 Minuten in der Alten Försterei: Die "Berliner Bagaasch" hatte zu ihrem 15-jährigen Bestehen eine Choreographie organisiert, die alle FCK-Fans gemeinsam umsetzten.

Tolle Bilder auf den Rängen, dumme Niederlage auf dem Rasen. Während die Fans von Union Berlin und des 1. FC Kaiserslautern gemeinsam für den Erhalt der Fankultur auf die Straße gingen und auch im Stadion für tolle Bilder sorgten, fuhren die Roten Teufel an der Alten Försterei die zweite Niederlage in Folge ein - und müssen sich damit erstmals für diese Saison in einer Krisensituation bewähren.

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Da ist sie - die Krise. Jede Mannschaft durchlebt sie mindestens einmal pro Saison, selbst Meister und Champions-League-Sieger sind davor nicht gefeit. Der 1. FC Kaiserslautern, als Drittplatzierter nach wie vor ein Aufstiegskandidat in der zweiten Liga, steckt nach den ersten Niederlagen mittendrin. Entscheidend wird nun sein, wie der Verein als Ganzes damit umgeht und wie (schnell) er wieder aus der Krise herauskommt.

Rückblende: Auch in der Aufstiegssaison 2009/10 verloren die Roten Teufel das letzte Spiel der Hinrunde und das erste der Rückrunde. 1996/97 gab es eine Niederlage und ein Unentschieden. In beiden Jahren war der FCK zwar souveräner Tabellenführer und konnte sich diese Punktverluste leisten. Vor allem aber zeigten die Truppen von Marco Kurz und Otto Rehhagel eine Reaktion und rissen das Ruder mit Siegen in den folgenden entscheidenden Spielen rum. Genau darin liegt nun die Aufgabe von Franco Foda und seinem Team, wenn der sofortige Wiederaufstieg gelingen soll.

Der Auftritt bei Union Berlin war ein Spiegelbild der vorigen Niederlage beim FC St. Pauli und in gewisser Weise auch der ganzen Hinrunde. Trotz gutem Beginn stand der FCK am Ende mit leeren Händen da: Zunächst waren es Florian Dick und Mimoun Azaouagh, die mit ihren Freistößen das Tor knapp verfehlten. Dann hätte Albert Bunjaku treffen müssen - oder auf den freistehenden Mo Idrissou ablegen. Und zu guter letzt landete nach einer halben Stunde eine Hereingabe von Alexander Bugera nur auf der Latte anstatt im Tor. Das war's im Großen und Ganzen.

Vorne wurden die Chancen vergeben und hinten klingelte es dann irgendwann, wie schon so oft in dieser Saison. Kurz vor der Halbzeit nutzte Simon Terodde eine Flanke des völlig freistehenden Christopher Quiring zum 1:0 (43.), im zweiten Abschnitt machte der Union-Torjäger dann nach Vorlage von Marc Pfertzel mit dem 2:0 (66.) alles klar. In beiden Situationen sah die Lautrer Defensive nicht gut aus und auch offensiv kam nicht mehr viel von Idrissou und Co. Der nächste Rückschlag im Aufstiegsrennen war perfekt - „Lautern schwächelt“, unken die Medien und frohlocken die Verfolger.

Aber was ist wirklich passiert? Die Meisterschaft in der zweiten Liga liegt erstmal in weiter Ferne. Aber auch der zweite Platz (auf dem Hertha BSC freilich auch schon sieben Punkte vorne liegt) und selbst der dritte Rang, den der FCK momentan belegt, können für den Aufstieg reichen. In der Relegation können die Roten Teufel auch Teams wie Hoffenheim schlagen, genauso könnten die Gegner aber auch Fürth oder Augsburg heißen. Düstere Wir-werden-durchgereicht-Szenarien sind genauso fehl am Platze wie beruhigende Alles-wird-gut-Sprüche. Anstatt Hellseherei ist jetzt harte Arbeit angesagt! Zunächst am kommenden Freitag gegen den VfR Aalen, wo zum Jahresabschluss ein Heimsieg her muss, und dann in der Rückrunde, wo mit einer veränderten Ausgangslage (Wintertransfers, Rückkehr verletzter Spieler, Krisen der Konkurrenten) traditionell die Karten neu gemischt werden.

Genau wie die Mannschaft befinden sich auch die Fans derzeit in einem harten Kampf, in dem sie am Freitag ein deutliches Zeichen setzten: 750 Anhänger beider Vereine trafen sich zu einer Demonstration für Fankultur und gegen übertriebenen Sicherheitswahn, beim Marsch zur Alten Försterei wuchs der Zug auf gut und gerne 2.000 Teilnehmer an. Auch im Stadion ging der Protest weiter, beide Fangruppen schwiegen für 12:12 Minuten und sorgten damit erneut für eine beklemmende Atmosphäre, die eigentlich jedem Hardliner in der Sicherheitsdebatte die Augen öffnen sollte - sofern er überhaupt regelmäßig ein Stadion von innen sieht.

Während die Union-Fans mit weiteren Aktionen und guter, uriger Stimmung glänzten, präsentierten die FCK-Fans nach den zwölf Schweigeminuten eine tolle Choreographie im Gästeblock: „Die Hauptstadt ist vom Teufel besessen“ war hinter einem mit goldenen Lettern besetzen Banner der „Berliner Bagaasch“ zu sehen. Der Lautrer Exil-Fanclub feierte an diesem Tag sein 15-jähriges Jubiläum und rund 2.000 Gäste aus der Pfalz feierten mit.

Überhaupt ist die Alte Försterei für den traditionsbewussten FCK-Fan immer eine Reise wert: Kneipen und Imbissbuden rund ums Stadion, viele Stehplätze im Inneren, volles Haus und gute Stimmung auf beiden Seiten - das ist selbst bei Minustemperaturen besser erträglich als Wolfsburg im Sommer.

Was bleibt unter dem Strich: Fußballkulturell top, sportlich leider ein Flop. Wenn der FCK nächste Saison anstatt der Gastfreundlichkeit an der Alten Försterei lieber wieder die ganz großen deutschen Fußballbühnen in Dortmund oder auf Schalke erleben möchte, dann muss er sich in der Rückrunde deutlich steigern bei den entscheidenden fünf Prozent, die in der Hinrunde zu oft gefehlt haben. Machbar ist das auf jeden Fall! Und angefangen werden sollte mit der Krisenbewältigung am besten schon im jahresabschließenden Heimspiel gegen Aalen!

Autor: Thomas

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