Erlebnisbericht: Der Aufstieg des FCK

„...und so zogen wir in die Bundesliga ein“


Freitag, 23. April 2010, 19:47 Uhr: Der 1. FC Kaiserslautern verliert völlig überraschend sein Heimspiel gegen Abstiegskandidat Hansa Rostock und verpasst damit den vorzeitigen Aufstieg. Völlig frustriert verlassen 50.000 Zuschauer das Fritz-Walter-Stadion, die lange Partynacht in der Barbarossastadt fällt aus. Zu diesem Zeitpunkt kann noch niemand wissen, dass der Aufstieg nur um knapp 46 Stunden verschoben wurde. Ein Erlebnisbericht der besonderen Art...

Bereits in der Nacht zum Samstag werden erste Pläne gesponnen. Theoretisch kann der FCK bei einem Punktverlust des Verfolgers FC Augsburg im Sonntagsspiel beim FSV Frankfurt „in Abwesenheit“ aufsteigen. Was also tun? Das Spiel gemeinsam mit anderen Fans in den Kneipen von Kaiserslautern verfolgen? Oder Stadionatmosphäre schnuppern und die Augsburger mit der eigenen Stimme zum Ausrutscher am Bornheimer Hang treiben?

Im Laufe des Samstags kündigten sich immer mehr FCK-Fans für das Spiel in Frankfurt an und auch meine Wahl fiel auf diese Variante. Letztendlich machten sich ein paar Dutzend Schlachtenbummler am Morgen gemeinsam mit dem Zug von Kaiserslautern aus auf den Weg nach Hessen, wo bereits ein eigener Bereich für die Anhänger der Roten Teufel reserviert war. Zwar gab es für unsere Reisegruppe zunächst organisatorische Probleme beim Ticketkauf, die letztendlich ungewollt in die Heimkurve führten, nach rund einer halben Stunde ging es dann aber doch rüber zu den anderen FCK-Fans. Festzuhalten bleibt, dass sowohl der FSV Frankfurt als auch die Polizei sehr locker mit den besonderen Gegebenheiten umgingen und es zu keinem Zeitpunkt nennenswerte Probleme gab. Und wenn doch mal jemand kurzzeitig über die Stränge zu schlagen drohte, wurde er von der Mehrheit schnell eines besseren belehrt: „Wiiiir sind nur zum Feeeiiiern hier!“

Insgesamt hatten sich sage und schreibe 500 Lautrer am Bornheimer Hang eingefunden, fast genau so viele wie Augsburger, bei insgesamt 6.382 Zuschauern. Das gemeinsame Opfer war natürlich der FC Augsburg und insbesondere deren Stürmerstar wurde lautstark begrüßt: „Thuuurk hat keine Zääähne mehr!“ Einige Lautrer hatten sich mit FSV-Schals eingedeckt, vor dem Block outete sich ein Balljunge seinerseits als FCK-Fan - es war angerichtet!

Der eigentlich neutrale Block H mit den Anhängern der Roten Teufel hatte beim Duell Blau-Schwarz gegen Rot-Grün-Weiß eindeutig die Überhand. Sowohl der FCK als auch der FSV wurden angefeuert, Augsburg niedergepfiffen und vor allem natürlich das Ende der leidigen Zweitligazeit besungen. Mit einem 0:0 ging es in die Pause, dieses Ergebnis würde zum Aufstieg reichen...

Die kalte Dusche bei sommerlichen Temperaturen folgte dann kurz nach dem Seitenwechsel, als ausgerechnet Michael Thurk die Führung für Augsburg erzielte. Der ehemalige Mainzer bejubelte seinen Treffer gestenreich. Er lief nicht zu seinen Fans im Gästeblock, um einen immens wichtigen Treffer im Aufstiegskampf zu feiern, auch die Heimkurve ließ er links liegen. Nein, Thurk steuerte geradewegs auf den FCK-Block zu und jubelte mit geballter Faust vor dem offenen Mund. Manch einer lässt eben überhaupt keine Chance, zu übersehen, wes Geistes Kind er ist. Danke für die Aufmerksamkeit!

Doch noch war fast eine komplette Halbzeit zu spielen, und in der 55. Minute wurde ER eingewechselt: Cidimar Rodrigues da Silva! Der Stimmungsblock hatte sich schnell wieder gefangen und peitschte die Frankfurter weiter nach vorne. Jeder Ballgewinn wurde bejubelt, jeder Fehler mit aufmunterndem Applaus bedacht. Nur ein Tor, und der FCK würde wieder in der ersten Liga stehen!

Sonntag, 25. April 2010, 14:55 Uhr: Cidimar nimmt den Ball auf Höhe des Elfmeterpunkts mit dem Rücken zum Tor an, legt sich das Spielgerät selbst hoch und pfeffert es am Augsburger Torhüter Simon Jentzsch vorbei in die Maschen! JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!!!!!!! Tooooooooor für Frankfurt, Tooooooooor für den 1. FC Kaiserslautern! Diese Sekunden wird kein FCK-Fan vergessen, es folgte ein Torjubel, der selbst bei Spielen der Roten Teufel nicht alltäglich ist. „Nie meeeeehr zweite Liiiiigaaaaa!“

Jeder, wirklich jeder der 500 Mitgereisten schrie sich in den letzten 20 Minuten die Seele aus dem Leib. Es gab Szenenapplaus und die Augsburger Spieler waren bei jedem Einwurf vor dem rot-weißen Block völlig entnervt. Das 1:1 hielt bis zum Schluss, dann brachen fast alle Dämme. Die FCK-Fans blieben diszipliniert und friedlich, aber auch lautstark und enthusiastisch. Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen, gestandene Männer weinten und jeder wusste, was dieser Moment bedeutete, auch wenn ihn kaum jemand sofort realisieren konnte.

Die Mannschaft des FSV Frankfurt bedankte sich bei ihren Fans für die Unterstützung und kam danach sofort zum FCK-Block. Einige Spieler strahlten wie kleine Kinder, obwohl ihnen weiterhin die Relegation droht, und das komplette Team setzte zur Laola mit den Aufsteigerfans an. Torschütze Cidimar wurde geherzt und abgeknutscht, ein neuer Fußballheld war geboren. Danke FSV Frankfurt! Danke Cidimar!

Nach dem Spiel wurde noch kurz im Stadion gefeiert, ehe es unsere Reisegruppe an den Bahnhof zog. Längst waren die Meldungen aus Kaiserslautern eingetroffen, wo die Stadt mit Autokorsos und wehenden Fahnen die lange ersehnte Rückkehr in die Bundesliga feierte. Da durften natürlich die Frankfurt-Fahrer nicht fehlen, so dass es auf dem schnellstmöglichen Weg zurück in die Pfalz ging. Dort sammelten sich in der Zwischenzeit tausende Fans am Rathausplatz, wo die Mannschaft im Restaurant „Twentyone“ ihr Aufstiegsspiel im TV geschaut hatte und sich danach nicht zwei Mal bitten ließ, als sie zur gemeinsamen Feier gerufen wurde.

Gegen 19:30 Uhr kamen dann auch endlich die letzten Fans aus Frankfurt wieder in Kaiserslautern an und wurden von den Daheimgebliebenen euphorisch begrüßt. Es herrschte eine unbeschreibliche Stimmung: „Der FCK ist wieder daaaaaa!“ Oberkörperfrei, mit lautstarken Gesängen und massig Pyrotechnik ging es in Richtung Innenstadt - die Feier am Rathausplatz war längst beendet, dennoch herrschte natürlich überall weiterhin gute Stimmung. Ob im Brunnen, auf Auto- und Busdächern oder in jedem offenen Geschäft, die Rückkehr in die Bundesliga wurde gebührend gefeiert und aus dem Betriebsunfall „Aufstieg ohne eigenes Spiel“ wurde das Beste gemacht.

Zum Abschluss des Tages ging es für rund 200 Fans noch ins Fritz-Walter-Stadion, wo im VIP-Bereich die SWR-Sendung „Flutlicht“ live übertragen wurde. Auch hier war die Lage, wie bereits den ganzen Tag über, völlig entspannt und die FCK-Verantwortlichen öffneten gerne die Stadiontore. Gemeinsam feiern, Fans und Spieler hautnah beieinander, das ist Kaiserslautern! Zwar gestaltete sich die Sendung, die ohne Ton live auf der Anzeigetafel übertragen wurde, für die im Stadion Anwesenden etwas zäh, aber auch hier gab es mehr als nur ein Highlight. Immer wieder drückten sich Mannschaft und Betreuer die Nasen an den Fenstern des VIP-Bereichs platt, etwa als ein Flitzer splitternackt über den Platz rannte oder als die Fans auf dem Rasen ein lebendiges „1. FCK“ bildeten - Szenenapplaus von Stefan Kuntz und Co.!

Nach der Sendung kam schließlich als erster Srdjan Lakic auf den Oberrang der Nordtribüne und stimmte lautstarke „FCK“-Wechselgesänge mit den Fans an. Es folgte die komplette Mannschaft, die sich diese Spontanfeier mit ihren Fans, darunter viele Frankfurt-Fahrer, nicht nehmen lassen wollte. Martin Amedick gab am Megaphon den Takt vor, Bastian Schulz und Sascha Kotysch schnappten sich ein bengalisches Feuer, Lakic und Tobias Sippel streiften sich spontan T-Shirts für den Erhalt des Stadionnamens über: „Fritz-Walter-Stadion, für immer Fritz-Walter-Stadion!“

Es war der krönende Abschluss eines historischen Tages in der Geschichte des 1. FC Kaiserslautern. Bereits zwei Spieltage vor Saisonende gelingt den Roten Teufeln die Rückkehr in die Bundesliga! Während manch einer noch bis in die Morgenstunden weiter feierte, ging es für mich langsam auf den Heimweg. Und so perfekt und denkwürdig dieser Tag war, so passend endete er: Unmittelbar vor der Ankunft zuhause fiel ein Wassertropfen vom Himmel, dann ein zweiter und ein dritter. Es begann zu regnen. Fritz-Walter-Wetter!

Wir sind wieder da!

Weitere Kommentare und Berichte zum Aufstieg:

- Kommentar: 1441 Tage „gesessen“ (Der Betze brennt)
- Teufelszeug! (Mauertaktik.de)
- Abschiedsbrief: Liebe zweite Liga... (Magazin Insider)
- ... und viele weitere in den verschiedenen Internetforen rund um den FCK sowie in Presse, Funk und Fernsehen.

Fotogalerien rund um den Aufstieg:

- FCK-Fans beim "Aufstiegsspiel" FSV Frankfurt - FC Augsburg
- Aufstiegsfeier am Rathausplatz am 25. April 2010
- Aufstiegsfeier in der Innenstadt und im Fritz-Walter-Stadion am 25. April 2010
- Aufstiegsfeier hinter der Westkurve am 26. April 2010 (Magazin Insider)

Autor: Thomas

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